Die Tatsache, dass Paul Klee im Laufe seiner langen kreativen Schaffensphase die Auseinandersetzung mit der Musik wie der Malerei gleichermaßen suchte, vielmehr noch sich bemühte, deren strukturelle und stilistische Gemeinsamkeiten zu ergründen, lässt sich nicht zuletzt auf Klees familiäre Wurzeln, die persönlichen Gegebenheiten während seiner Kindheit und Jugend zurückführen.
Unverkennbar ist in seinen Werken – über die gesamte Zeit seiner künstlerischen Tätigkeit hinweg und damit von den jüngsten Jahren an bis hin zu seinem Tod – die stetige Bezugnahme auf die Musik, und dies in verschiedenster, teils konkreterer, teils abstrakterer Weise.
Während die unterschiedlichen Arten der Verquickung von zeichnerischen und musikalischen Inhalten und Strukturen an fortgeschrittener Stelle dieser Arbeit einer näheren Begutachtung unterzogen werden sollen, soll das Augenmerk zu Beginn der Arbeit auf Klees künstlerischem Werdegang liegen und sollen all jene Einflussgrößen beleuchtet werden, welche den Grundstein legten für seine weitere kreative Entwicklung.
Inhaltsverzeichnis
1. Von der Musik zur Malerei
2. Künstlerischer Werdegang
2.1 Der blaue Reiter
2.2 Robert Delaunay
2.3 Tunis-Reise
3. Musikalische Bezüge
3.1 Motivische Darstellung
3.2 Polyphonie & Komposition
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das vielschichtige Verhältnis zwischen der Musik und der Malerei im Werk von Paul Klee. Dabei liegt der Fokus auf der Forschungsfrage, wie Klee musikalische Strukturen, kompositorische Prinzipien und synästhetische Konzepte in seine bildnerische Sprache integrierte und künstlerisch verarbeitete.
- Klees biographische Prägung durch ein musikalisch geprägtes Elternhaus
- Die künstlerische Entwicklung im Kontext des „Blauen Reiters“ und des Orphismus
- Die entscheidende Transformation durch die Tunis-Reise 1914
- Die motivische Verknüpfung von Musikersujets mit ironisch-satirischer Distanz
- Die Übertragung polyphoner Kompositionsprinzipien in die malerische Fläche
Auszug aus dem Buch
Von der Musik zur Malerei
Die Tatsache, dass Paul Klee im Laufe seiner langen kreativen Schaffensphase die Auseinandersetzung mit der Musik wie der Malerei gleichermaßen suchte, vielmehr noch sich bemühte, deren strukturelle und stilistische Gemeinsamkeiten zu ergründen, lässt sich nicht zuletzt auf Klees familiäre Wurzeln, die persönlichen Gegebenheiten während seiner Kindheit und Jugend zurückführen. Unverkennbar ist in seinen Werken – über die gesamte Zeit seiner künstlerischen Tätigkeit hinweg und damit von den jüngsten Jahren an bis hin zu seinem Tod – die stetige Bezugnahme auf die Musik, und dies in verschiedenster, teils konkreterer, teils abstrakterer Weise.
Klee wurde 1879 in Münchenbuchsee im Kanton Bern in eine äußerst musikalische Familie geboren. Sein Vater Hans Wilhelm, Musiklehrer am staatlichen Lehrerseminar in Hofwil bei Bern, und seine Mutter Ida Marie, eine ausgebildete Sängerin, boten ihm bereits im Kindesalter das bestmögliche Umfeld, seine musikalischen Fähigkeiten frühzeitig zu entdecken und zu entwickeln, ein kreatives Fundament, auf das sich Klee Zeit seines Lebens ebenso in seiner Malerei immer wieder zurückbesinnte (vgl. RUDLOFF 1982, 65). Er beeindruckte vor allem an der Violine schnell durch besondere Expertise und Virtuosität und so wurde ihm bereits als Gymnasiast die Ehre zuteil, seine Fähigkeiten als außerordentliches Mitglied der Bernischen Musikgesellschaft auf zahlreichen Konzerten unter Beweis zu stellen.
Zusammenfassung der Kapitel
Von der Musik zur Malerei: Dieses Kapitel erläutert Klees familiäre musikalische Prägung und stellt die grundlegende These auf, dass seine künstlerische Suche nach formaler Perfektion eng mit einer musikalischen Analyse verknüpft ist.
Künstlerischer Werdegang: Hier werden die prägenden Stationen „Der blaue Reiter“, die Begegnung mit Robert Delaunay und die Tunis-Reise analysiert, die Klee zur Abkehr vom Naturalismus hin zur Abstraktion und einer neuen Farbauffassung führten.
Musikalische Bezüge: Dieses Kapitel vertieft die interdisziplinäre Arbeitsweise Klees und unterteilt diese in die direkte motivische Darstellung von Musikern und Instrumenten sowie die theoretische Übertragung musikalischer Kompositionsprinzipien.
Motivische Darstellung: Der Abschnitt beleuchtet die konkrete, teils satirische Abbildung von Musikinhalten in Klees Werk und geht auf spezifische Motive wie den Pianisten oder den Pauker ein.
Polyphonie & Komposition: Das Kapitel erklärt, wie Klee den Begriff der Polyphonie als Strukturprinzip auf die Malerei überträgt, um so eine prozesshafte „Zeitkunst“ auf der zweidimensionalen Bildfläche zu erzeugen.
Schlüsselwörter
Paul Klee, Malerei, Musik, Synästhesie, Polyphonie, Der blaue Reiter, Robert Delaunay, Orphismus, Tunis-Reise, Komposition, Abstraktion, Bildrhythmik, Kontrapunkt, Formensprache, Kunstgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der engen Wechselbeziehung zwischen bildender Kunst und Musik im künstlerischen Schaffen von Paul Klee.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf Klees Biografie, seinem künstlerischen Entwicklungsprozess, der Bedeutung von Farbe und Licht sowie der strukturellen Übertragung musikalischer Gesetze auf die Leinwand.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Klee musikalische Konzepte nicht nur inhaltlich darstellte, sondern als formale Grundlage für eine moderne, prozesshafte Malweise nutzte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von Klees Werken im Kontext seiner Tagebucheintragungen, zeitgenössischer kunsttheoretischer Aufsätze und kunsthistorischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung biografischer Einflüsse, die Wirkung prägender Kunstströmungen wie des Orphismus und die detaillierte Ausarbeitung musikalischer Konzepte wie Polyphonie in Klees Bildern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Synästhesie, Polyphonie, Bildrhythmik, Komposition, Abstraktion und die Interdependenz der Künste.
Warum war die Tunis-Reise von 1914 für Klee so bedeutend?
Die Reise markierte für Klee den Übergang vom Grafiker zum Maler, da ihn das Licht und die Farben des Orients zu einer neuen, abstrakteren Formsprache inspirierten.
Wie verstand Klee den Begriff der „Polyphonie“ in seinen Bildern?
Klee nutzte den Begriff, um die Überlagerung verschiedener Farbebenen und Formen zu beschreiben, die wie das gleichzeitige Erklingen verschiedener Stimmen in der Musik funktionieren.
- Arbeit zitieren
- Dipl.-Ing. (FH) Johannes Borda Aquino (Autor:in), 2015, Paul Klee und die Synästhesie der Künste. Im Spannungsfeld zwischen Malerei und Musik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302993