Die prosperierende Medienbranche als Chance für die deutsche Filmwirtschaft


Vordiplomarbeit, 2000

41 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung:
1.1 Problemstellung:
1.2 Allgemeine Vorbemerkung:
1.2.1 Definition des Begriffes Wertschöpfungskette:
1.2.2 Aufbaustruktur eines umfassenden Medienkonzerns:

2 Entwicklung der deutschen Filmindustrie:
2.1 Historischer Rückblick:
2.1.1 Die UFA – das deutsche "Major-Studio":
2.1.2 Die zweite Weltkrieg und seine Folgen:
2.1.3 Das Fernsehen – Rettung und Niedergang zugleich:
2.2 Ausgangspunkt der Entwicklung 1990 bis 2000:
2.2.1 Bestandsaufnahme der deutschen Filmindustrie zu Beginn der 90' er Jahre:
2.2.2 Europäische Situation:
2.3 Privatfernsehen als Entwicklungsmotor:

3 Marktbetrachtung:
3.1 Marktpotential des amerikanischen Films:
3.2 Die deutsche Filmwirtschaft:
3.2.1 US-Majors in Deutschland:

4 Neue Wege der Filmfinanzierung:
4.1 Wege zum Aufbruch:
4.2 Der Börsengang:
4.2.1 Entwicklung der Senator Film AG:
4.3 Perspektiven:
4.4 Börsennotierte deutsche Filmfirmen:
4.4.1 Advanced Medien AG:
4.4.2 Constantin Film AG:
4.4.3 Cine Media Film AG:
4.4.4 Kinowelt Medien AG:

5 Anhang:
5.1 Abkürzungsverzeichnis:
5.2 Quellennachweis:
5.2.1 Literaturverzeichnis:
5.2.2 Zeitschriftenartikel:
5.2.3 Elektronische Publikationen:
5.2.4 Internetseiten:

1 Einleitung:

1.1 Problemstellung:

Die siebziger und achtziger Jahre sind für den westdeutschen Film geprägt in Abhängigkeit von Filmförderung und Fernsehbeteiligung. Eine freifinanzierte, rentable und international konkurrenzfähige Kinofilmproduktion war aufgrund von fehlendem Kapital bis auf wenige Ausnahmen faktisch nicht möglich.

Seit dem Beginn der neunziger Jahre ist ein Strukturwandel der deutschen Filmwirtschaft zu beobachten, der die Position der Produktionsfirmen im Prozeß der Rechteschöpfung und -auswertung wesentlich verändert hat.

Die allgemein starken Wachstumstendenzen des Mediensektors als das Wirtschaftsgut des 21. Jahrhunderts bieten für die Unternehmen die Chance, sich aus ihrer abhängigen Lage zu befreien und am Weltmarkt erfolgreich zu etablieren. Das weckt das Interesse potentieller Anleger. "Medienaktien sind in Mode"[1], Börsenneulinge wie Das Werk und Advanced Medien AG starten mit Gewinnen von mehr als 100 Prozent. Der Gang an die Börse, verhilft den Firmen zu dem nötigen Kapital, um international konkurrenzfähig Spielfilmprojekte herzustellen, ohne durch eine Rechteabtretung zur Finanzierung, den Verwertungsgewinn zu schmälern oder gar ganz zu verlieren.

Wachsen, Expandieren und Übernehmen ist die Devise der Stunde. In der deutschen Filmlandschaft findet eine Konzentrationsbewegung von mittelständigen Einzelunternehmen zu großen Entertainmentkonzernen mit einem umfassenden Herstellungs- und Verwertungssystem statt. Angestrebtes Ziel ist die horizontale Integration der gesamten Wertschöpfungskette[2] des Produktes Film. Ein qualitativ hochwertiger Stock an Filmrechten ist eine sichere Wertanlage, denn durch die Auswertung dieser Rechte sind gute und vor allem kontinuierliche Renditen zu erzielen.

Ausgehend von der Situation der westdeutschen Filmwirtschaft Mitte der achtziger Jahre soll der erhebliche Umstrukturierungsprozeß der deutschen Filmwirtschaft mit seinen Ursachen, Entwicklungstendenzen und Ergebnissen aufgezeigt werden. Dabei wird die Neuordnung der Filmwirtschaft in Deutschland an den Veränderungen des Marktes, dem gewandelten Verständnis von Filmförderung und Fernsehbeteiligung durch ausgewählte Beispiele dargelegt und differenziert.

1.2 Allgemeine Vorbemerkung:

Einleitend ist es notwendig, den Begriff der Wertschöpfungskette genau zu determinieren, da er ein wesentliches Mittel dieser Arbeit zur Artikulation, Analyse und Vergleich von Unternehmensstrukturen und Entwicklungstendenzen ist. Darauf aufbauend wird anschließend die Struktur eines umfassenden Medienkonzerns nach dem US-amerikanischen Vorbild einer Major – Company untersucht, um an diesem Beispiel die ganzheitliche vertikale Integration der gesamten Wertschöpfungskette des Produktes Film darzulegen.

1.2.1 Definition des Begriffes Wertschöpfungskette:

Die Wertschöpfung an sich stellt die Summe der im Unternehmen im Laufe einer Periode geschaffenen wirtschaftlichen Werte dar.[3] In ihrem Aufbau beschreibt die Wertschöpfungskette, vgl. Abb. 2.1.a, durch die Integration der einzelnen Wertschöpfungsbereiche eines Produktes (Entwicklung, Einkauf, Fertigung, Vertrieb, Kundendienst) und des damit verbundenen Einsatzes sekundären Aktivitäten (Dispositiver Faktor, Personal, Betriebsmittel) die Wertsteigerung im Verlauf dieser Produktionsbereiche, respektive die Erhöhung des Gewinns.

Abbildung 1.2.1.a[4]

Im Hinblick auf den Lebenszyklus eines Produktes stellt die Zusammenfassung nacheinander gelagerter Produktionsstufen, wie Fertigung, Vertrieb, Kundenbetreuung, in der Wertschöpfungskette die vertikale Aufbaustruktur des Unternehmens dar.

Auf das Produkt Film bezogen lassen sich die einzelnen Herstellungsbereiche der Wertschöpfungskette folgendermaßen übertragen und interpretieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[5][6]

Der Herstellungszyklus der Produktes Film wird hier als eigenständige, in sich geschlossene Wertschöpfungskette betrachtet, wobei diese nicht an die Erfüllung durch ein Unternehmen gebunden ist. Man kann die Filmproduktion in verschiedene Ausprägungsformen differenzieren.

- Erfüllung von Teilbereichen der Wertschöpfungskette wie Vertrieb oder Fertigung als Geschäftsbereich des Unternehmens.
- Integration sämtlicher umfassender Produktionsbereiche als ganzheitlicher Herstellungs- und Verwertungsablauf im Unternehmen.

1.2.2 Aufbaustruktur eines umfassenden Medienkonzerns:

Wesenskern eines umfassenden Medienkonzerns ist die Integration einer ganzheitlichen Wertschöpfungskette, jener vertikalen Struktur also, die von der Stoffentwicklung über Finanzierung, Produktion, Vermarktung, Verleih, Lizenzhandel und Merchandising in allen möglichen Verwertungsgebieten sämtliche Produktionszweige beinhaltet.[7]

Durch die vertikale Organisation liegen die Rechte in einer Hand. Somit wird eine optimale Gewinnschöpfung innerhalb des Unternehmens sichergestellt. Das für die Bedürfnisse der Firma entwickelte Buch, kann optimal finanziert und produziert werden. Das fertige Produkt wird dann im eigenen Verwertungssystem in Synergie mit den anderen Produktionsabteilungen ausgewertet - Optimierung der Abspielkette und Werbemaßnahmen. Nur im Kino gut plazierte und dadurch bekannte Filmtitel gewährleisten eine erfolgreiche Videoauswertung und entsprechende Einschaltquoten bei der Fernsehausstrahlung. Es besteht so zu keiner Zeit die Abhängigkeit von einer Fremdfirma, die mit ihrer Gewinnmarge oder Rechtebeteiligung, die Wertschöpfung schmälern würde. Liegt diesem System ein fester Stock an Rechten zu Grunde, die zur Finanzierung des Unternehmens als solches und neuer Filmprojekte dient, so kann diese Firma autark von etwaigen Beteiligungen oder Förderungen am Markt agieren.

Ein Medienkonzern nach US-amerikanischen Vorbild des Major – Studios hat als entscheidendes Merkmal eine starke Konzentration – schiere Größe innerhalb der Produktionsbereiche der Wertschöpfungskette. Es gibt verschiedene Ausprägungsformen dieser Konzentration. Neben der erläuterten vertikalen Struktur, innerhalb nacheinander gelagerter Produktionsstufen, kann sowohl eine horizontale, auf einer Produktionsebene (z.B. Verleih, Lizenzhandel), eine diagonale, sektorübergreifende Beteiligung / Verflechtung innerhalb einer Branche – Medien (Print, Werbung, TV, Video, Film, IT), oder ein Konglomerat, Mischkonzern - branchenübergreifende Struktur (z.B. Sony, CocaCola), vorliegen[8].

2 Entwicklung der deutschen Filmindustrie:

Um die Tragweite der Existenz des deutschen Films zum Ende des 20 Jahrhunderts in ihrer ganzen Dimension erfassen zu können, wird zunächst ein filmhistorischer Rückblick angestellt. Im Hauptteil dieses Kapitels soll über eine Bestandsaufnahme der Situation zu Beginn der neunziger Jahre die Besonderheiten der Struktur deutschen Produktionslandschaft herausgearbeitet und mit denen der europäischen und amerikanischen verglichen werden. Ziel dieser Betrachtung ist eine grundlegende Marktanalyse (Kap. 3 dieser Arbeit), auf deren Basis die Chancen der momentanen Marktentwicklung für die Filmindustrie in Deutschland reflektiert werden können.

2.1 Historischer Rückblick:

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entsteht aus der Jahrmarktsattraktion der Bewegtbilder ein neuer Wirtschaftszweig, die Filmindustrie.

Nach Ausbruch des ersten Weltkrieges und der damit verbundenen Isolation Deutschlands vom internationalen Vertriebsnetz, kommt es zu einem regelrechten Produktionsboom. Zwischen 1914 und 1918, also innerhalb von nur vier Jahren, entstehen 115[9] neue Produktionsfirmen, die in hochspezialisierter Arbeitsteilung international konkurrenzfähige Filme herstellen. Die Weimarer Republik ist die Blütezeit des deutschen Films. Bis 1920 hat sich die Filmindustrie zum drittgrößten Wirtschaftszweig entwickelt, beschäftigt über 20.000 Menschen und tätigt Investitionen von über 20 Mrd.[10] Reichsmark. Es entstehen in dieser Zeit Filme mit internationalem Erfolg.

2.1.1 Die UFA – das deutsche "Major-Studio":

Mit der Gründung der Universum Film AG am 18.12.1917 wird ein Großunternehmen firmiert, das alle Zweige der Filmherstellung umfassend und industriell organisiert abdeckt. Im Handelsregistereintrag steht zum Gegenstand des Unternehmens: "der Betrieb aller Zweige des Filmgewerbes, insbesondere der Filmfabrikation, des Film-Mietgeschäftes und Film-Theatergeschäftes"[11], jener vertikalen, ganzheitlichen Wertschöpfungskette[12] also, die der amerikanische Begriff „Major-Studio“ definiert.

Durch den Zukauf von Produktions-, Verleihfirmen und Lichtspieltheatern kommt es zu einer Konzentration bisher allein agierender, mittelständigen Firmen zu einem wirtschaftlich international bedeutenden Filmkonzern.

2.1.2 Die zweite Weltkrieg und seine Folgen:

Die NS – Zeit und der zweite Weltkrieg führen, symptomatisch für alle Wirtschaftszweige, mit ihren Auswirkungen zu einer regelrechten Dezimierung der bis dahin erfolgreichen deutschen Filmindustrie. Viele Kreative sind jüdischen Glaubens und müssen durch die ethnische Säuberung Deutschland verlassen, um ihr Leben vor den NS – Häschern in Sicherheit zu bringen. Von den Restriktionen des Regimes eingeengt, wandern mit ihnen die Standbeine der deutschen Films dieser Zeit aus. In diesem selbstverordneten Aderlaß an künstlerisch - kreativer Kompetenz liegen offensichtlich die Wurzeln der Selbstfindungskrise der deutschen Filmwirtschaft, vor allem des bis heute permanenten Mangels an Produktionspotential.

Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges wird durch die Alliierten mit Nachdruck die Entflechtung der Filmwirtschaft in Deutschland, speziell der Westzone, betrieben. Im Interesse des eigenen Marktes wird in einer amerikanischen Anordnung vom März 1948 sowohl die vertikale als auch horizontale Konzentration von den Siegermächten untersagt, um den Wiederaufbau einer konkurrenzfähigen deutschen Filmindustrie zu verhindern. Es wird jede Verflechtung der Produktionsbereiche Herstellung, Verleih, Theaterbetrieb verboten, sowie der Besitz von Kinos in Großstädten auf maximal vier beschränkt, um eine Bildung von bedeutenden Kinoketten zu verhindern.[13] Dieser marktpolitische Eingriff der Amerikaner im Interesse der eigenen Wirtschaft hat großen Einfluß darauf, daß es bis heute nicht zu einem Wiederaufbau einer konkurrenzfähigen Filmindustrie in Deutschland gekommen ist.

Im sowjetisch besetzen Teil Deutschlands, dem Gebiet der ehemaligen DDR, entsteht nach 1945 die DEFA[14] als staatsmonopolistisches Filmunternehmen. Da es sich hierbei um einen voll subventionierten Staatsbetrieb ohne kommerzielle Marktausrichtung handelt, ist die Entwicklung ohne Relevanz für diese Arbeit.

2.1.3 Das Fernsehen – Rettung und Niedergang zugleich:

In den Nachkriegsjahren bis 1960 kommt es trotz der beschriebenen Restriktionen durch die Besatzungsmächte[15] wieder zu einer quantitativ ansehnlichen Filmproduktion[16]. Der Einführung des jungen Mediums Fernsehens mit seinem neuen, noch nie dagewesen visuellen Angeboten folgt ein harscher ökonomischer Niedergang der großelterlichen Kinofilmbranche.

"Die westdeutsche Spielfilmproduktion geht von 115 Filmen im Jahre 1958 auf 75 Filme im Jahre 1961 zurück. In den frühen 60'er Jahren befindet sich eine Reihe prominenter westdeutscher Verleiher in Konkurs oder Liquidation, ..."[17]

Die Gründe dafür liegen in der hoffnungslos überalterten, provinziellen Ästhetik des produzierten Filmangebotes. Es fehlt die Entwicklung neuer, innovativer Ideen, um die junge Nachkriegsgeneration zu begeistern, so daß den Kinos die Zuschauer wegbleiben. Die Ignoranz gegenüber dem neuen Medium verhindert die rechtzeitige Erschließung des Fernsehens als eigenen Produktionsbereich, wie etwa in den USA die TV - Networks der großen Filmstudios, und wichtigen Auswertungskanal für die Filmproduktion. Es herrscht ein blasierter Stillstand in der deutschen Filmlandschaft zu Beginn der sechziger Jahre, welcher entscheidend ihren Fall geprägt hat.

Zwar eröffnet sich mit der Einführung des Fernsehens für die Filmunternehmen ein neuer, lukrativer Wirtschaftssektor, die Fernsehproduktion, doch ist diese Entwicklung mit einem erheblichen Strukturwandel zu Ungunsten der Produktionsfirmen verbunden. Die Gegebenheiten des Marktes werden nun von den neuen Geldgebern bestimmt. Die TV-Sender repräsentierten jetzt die Nachfrage, was die Firmen anzubieten haben, sie machten die Vorgaben für Genre, Stoffe, Besetzung etc.. Die für eine kontinuierliche Kapitalbildung so wichtige Rechteauswertung, vor allem für das Fernsehen, geht in dieser Konstellation für eine Einmalzahlung für immer an den TV-Sender über. Die Filmunternehmen werden dadurch zu reinen Auftragnehmern degradiert, die um die Gunst der Sender buhlend, nicht mehr originär von der Wertschöpfungskette partizipieren, sondern lediglich ein Bestandteil von ihr sind.

Diese Konstellation vereitelt lange Zeit das Entstehen rechtereicher, finanzstarker Unternehmen und damit einer rentablen Kinofilmwirtschaft in Deutschland.

2.2 Ausgangspunkt der Entwicklung 1990 bis 2000:

Der Marktanteil[18] deutscher Produktionen liegt Mitte der achtziger Jahre zwar stets über 20 %[19], doch diese Werte sind nicht das Ergebnis einer funktionierenden Filmindustrie. Vielmehr handelt es sich hierbei fast ausschließlich um "Fernsehfilme", die über das Film- und Fernsehabkommen ihren Weg ins Kino finden. In diesem Zusammenhang kann man fast von einem Nebenverwertungsstrang des TV' s sprechen. Das Fernsehen ist für die westdeutsche Film als Koproduktionspartner unverzichtbarer Bestandteil zum Überleben geworden.

Eine Kinofilmproduktion ohne Fernsehbeteiligung und Filmförderung ist nur noch einigen wenigen alteingesessenen Produzenten möglich, den ein entsprechender Rechtestock als Finanzierungsquelle zur Verfügung steht. Für die Sender sind Kinokoproduktionen mit einem Buy Out"[20] der Fernsehrechte immer ein lukratives Geschäft, schließlich können sie so günstig Programmware herstellen und über den Umweg eines quasi Alibi – Kinofilms diese auch noch durch Filmförderung subventionieren lassen.

"Fest steht, daß eine Filmkoproduktion das Fernsehen pro Sendeminute 6.170 DM kostet und eine Sendeminute einer fernseheigenen Sendung mit 11.260 DM, d.h. also fast das doppelte."[21]

Ihren Erfolg begründen diese "Fernsehkinofilme" durch die Adaption von TV-Formaten mit ihren Stars wie z.B. Gottschalk, Loriot, Hallervorden, Otto und George etc.. Selbst so ein zuschauerträchtiger deutscher Film kann sich jedoch kaum mit den Einspielergebnissen amerikanischer Produktionen messen. Bei diesen "Fernsehkinofilmen" handelt es sich meist um Komödien, die durch ihren regionalen begrenzten Inhalt nicht für eine Auslandsverwertung geeignet sind. Ausnahmen machen Großproduktionen wie "Das Boot" (1981, Oscar-Nominierung in 6 Kategorien) oder "Die unendliche Geschichte" (1984), beide Constantin –Bernd Eichinger, die auch auf dem internationalen Verleihmarkt erfolgreich reüssieren.

2.2.1 Bestandsaufnahme der deutschen Filmindustrie zu Beginn der 90' er Jahre:

Zu Beginn der neunziger Jahre ist Kinofilm in Westdeutschland ohne Filmförderung und Fernsehbeteiligung nicht finanzierbar. Dieser Umstand ist eine Folge des im Kapitel 2.1.3. beschriebenen Strukturwandel und hat sich im Laufe der Zeit durch den staatlichen Eingriff in das natürliche Wirtschaftsgefüge durch Kultursubventionen weiter zugespitzt, da damit die Mechanismen eines "gesunden Marktes", die Ausrichtung des Produktes, respektive des Unternehmens, a prior auf Profit, außer Kraft gesetzt werden.

Die wirtschaftliche Situation im Produktionsbereich ist durch eine ständige Unterfinanzierung der Firmen geprägt, da die Fernsehbeteiligung stets mit einem Buy Out der wichtigen TV-Rechte einher geht. Da aber eine erfolgreiche, gewinnbringende Kinoauswertung ein nichtkalkulierbares Finanzierungsrisiko darstellt, Günther Rohrbach – Geschäftsführer der BAVARIA FILM München trifft hierfür den Vergleich mit einem Lottogewinn, und so eher eine Ausnahme darstellt, ist der TV-Markt der einzige, durch den die Produktionsfirmen langfristige Rückflüsse erzielen können. Aufgrund dieser Tatsachen fristen 90% aller Kinofilmproduktionen im Low-Budget Bereich[22] ohne jegliche finanzielle Basis ihr Dasein, da auf diese Weise dem Produzenten die wichtigste Quelle für eine Refinanzierung entzogen wird. Ein grundlegendes Mißverhältnis, das in dieser Ausprägung einmalig in Europa und auch für dem Rest der Welt ist.[23]

"In Zahlen: 1993 waren 86% der Produktionsfirmen waren in der Lage, einen Kinofilm herzustellen, nur 7% waren jeweils fähig, zwei oder drei Filme zu produzieren. Nur 31,3% haben als Einzelfirma, jedoch 11,9% ... 47,8% waren Gemeinschaftsproduktionen mit Fernsehanstalten."[24]

Geld bedeutet für die Kinoproduktion mehr Marktchancen, denn Geld ist mehr Quantität und Qualität in Entwicklung, Umsetzung und Verwertung, quasi in jeder Position der Filmherstellung. Mit Geld läßt sich ein zuschauerträchtiges Package[25] machen, daß heißt internationale Stars sowohl vor als auch hinter der Kamera einkaufen.

[...]


[1] vgl. Dieter Burgmer von der Hypo-Invest ;Zeitschrift Capital; S.13; Mittwoch 01.12.1999

[2] vgl. Kap. 1.2 Definition des Begriffes Wertschöpfungskette: Integration aller
Filmproduktionszweige und Filmverwertungsgeschäfte in die Unternehmensstruktur (Filmproduktion,
Filmvertrieb und Verwertung, Betrieb von Filmtheatern) ebenso vgl. Monaco; Film Verstehen;
vertikale Unternehmensstruktur

[3] vgl. Lexikon; Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG

[4] Abb. 1.2.1.a Wertschöpfungskette nach Porter (1985)

[5] vgl. Iljine, Diana; Keil, Klaus; “Der Produzent“ S.217: "Das package ist die Gesamtpräsentation der wichtigsten Elemente, die benötigt werden, einen Film ... herzustellen. Diese Gesamtpräsentation, ... , hat einen einzigen Zweck: Geld für die Produktion aufzutreiben. Zugkräftige Namen, also von 'Stars', von bekannten Schauspielern, auch von Regie-, Kamera-, oder Musiker/Komponistenstars helfen, die Investoren zu überzeugen."

[6] Lexikon; Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG: Gesamtheit der absatzpolitischen und verkaufsfördernden Maßnahmen des Herstellers einer Ware (z.B. Werbung, Kundendienst)

[7] vgl. Monaco; Film verstehen; Reinbeck 1980

[8] Altmeppen; Ökonomie der Medien und des Mediensystems. Grundlagen Ergebnisse Perspektiven
medienökonomischer Forschung

[9] vgl. Toeplitz; Jerzy; Geschichte des Films; Hentschel Verlag; Berlin; DDR 1987; S. 138

[10] ebenda

[11] vgl. Jacobsen, Kaes, Prinzler; Chronik; S.522

[12] vgl. Kap. 1.2.1 Definition des Begriffes Wertschöpfungskette: Integration aller Filmproduktionszweige und Filmverwertungsgeschäfte in die Unternehmensstruktur (Filmproduktion, Filmvertrieb und Verwertung, Betrieb von Filmtheatern) ebenso vgl. Monaco; S. 222; vertikale Unternehmensstruktur

[13] vgl. Iljine, Diana; Keil, Klaus; “Der Produzent“ S.34 f.f.

[14] DEFA: Deutsche Film AG (Anm. d. Autors)

[15] vgl. Kap. 2.1. Historischer Überblick

[16] Iljine, Diana; Keil, Klaus; “Der Produzent“ S.56: ..1955 wurden 128 Spielfilme produziert, 1956 verzeichneten die Kinos der Bundesrepublik mit 817 Millionen Zuschauern einen Höchststand in der Geschichte des Films.. (in Deutschland - Anm. d. Autors)

[17] ebenda à vgl. Kreimeier; "Kino und Filmindustrie" S.220

[18] bezieht sich auf den westdeutschen Verleihmarkt (Anm. d. Autors)

[19] vgl. Text: Rohrbach, G. "Die Konkurrenzfähigkeit des deutschen Films stärken"; Kreile, Keil, Burgmeister, Meyer; Anstöße: Medienprogramm – Medienwirtschaft; TR Verlagsunion München 1990; S.37 f.

[20] Buy Out: abfinden, auszahlen (Langenscheidt - Longmann – Dictionary of Contemporary English); hier: die zeitlich, sachlich und örtlich unbegrenzte Abtretung aller im Filmwerk vereinten Rechte für eine einmalige Zahlung

[21] vgl. Hickethier; Berg; Filmproduktion Filmförderung Filmfinanzierung; Ed. Sigma Berlin 1994; S. 39

[22] Low Budget: Produktionen für einen begrenzten Markt mit Herstellungskosten bis 5 Mio. DM vgl. Text: Kosslick, Dieter: "Förderung in Europe und für Europa"; Hickethier; Berg; Filmproduktion Filmförderung Filmfinanzierung; Ed. Sigma Berlin 1994; S. 51 f.

[23] vgl. Kreile, Keil, Burgmeister, Meyer; Anstöße: Medienprogramm – Medienwirtschaft; TR Verlagsunion München 1990; S.44

[24] vgl. Clevé, Bastian "Wege zum Geld"; Bleicher Verlag Gerlingen; 2.akt. Aufl. 1997; S.89 f.

[25] vgl. vgl. Iljine, Diana; Keil, Klaus; “Der Produzent“ S.217: "Das package ist die Gesamtpräsentation der wichtigsten Elemente, die benötigt werden, einen Film ... herzustellen. Diese Gesamtpräsentation, ... , hat einen einzigen Zweck: Geld für die Produktion aufzutreiben. Zugkräftige Namen, also von
'Stars', von bekannten Schauspielern, auch von Regie-, Kamera-, oder Musiker/Komponistenstars
helfen, die Investoren zu überzeugen."

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Die prosperierende Medienbranche als Chance für die deutsche Filmwirtschaft
Hochschule
Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" Potsdam-Babelsberg
Note
2,3
Autor
Jahr
2000
Seiten
41
Katalognummer
V30300
ISBN (eBook)
9783638315852
ISBN (Buch)
9783638650717
Dateigröße
962 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medienbranche, Chance, Filmwirtschaft
Arbeit zitieren
Stefan Hoffmann (Autor), 2000, Die prosperierende Medienbranche als Chance für die deutsche Filmwirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30300

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