Die Folgen von Sportverletzungen

Eine empirische Felduntersuchung bei Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrern im Bundesland Salzburg


Bachelorarbeit, 2015

50 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Danksagung

Kurzdarstellung

Abstract

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hintergrund
2.1 Sportverletzungen im Kontext
2.2 Arten der Verletzungen
2.3 Krankenstand und Arbeitsunfähigkeit

3 Problemstellung und Zielsetzung

4 Forschungsdesign
4.1 Datenerhebung
4.2 Datenauswertung und Stichprobe
4.3 Angaben über die teilnehmenden Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrer

5 Ergebnisse

6 Diskussion

7 Conclusio und Ausblick

8 Literaturverzeichnis

Anhang

Danksagung

Zunächst möchte ich diesen Raum nutzen, um mich bei allen Menschen zu bedanken, die mich während meines Studiums – mit allen Hochs und Tiefs – unterstützt haben.

Insbesondere gilt mein Dank meinem Studiengangsleiter und Betreuer,
Dr. Manfred Pferzinger, der mich beim Verfassen meiner Bachelorarbeiten nicht bloß betreut hat, sondern mich durch kritisches Hinterfragen und wertvolle Tipps immer wieder auf den rechten Weg zurückgeführt bzw. mir neue Perspektiven vor Augen geführt hat.

Dank gebührt ferner der Geschäftsführerin des Salzburger Berufsschilehrer und Snowboardlehrer Verbandes, Frau Maga Petra Hutter-Tillian, die mir bei der Informationsbeschaffung eine große Hilfe war.

Außerdem bedanke ich mich sehr herzlich bei meiner Schwester, Maga Barbara Dissauer sowie bei Gerlinde Giesinger, BA, die meine Arbeit in vielen Stunden Korrektur gelesen und mir auch viele wertvolle Inputs gegeben haben.

Nicht zuletzt gebührt der größte Dank meinen Eltern und meiner gesamten Familie, die mich während des Studiums nicht nur finanziell unterstützt haben, sondern insbesondere auch emotional immer für mich da waren und stets an mich geglaubt haben.

Kurzdarstellung

Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrer stellen in Österreich eine wichtige Berufsgruppe dar, denn sie sind es, die die „Schination Österreich“ ausbilden – von der Basis an bis zum professionellen Schilauf auf internationaler Ebene. Doch genau diese Berufsgruppe ist auch eine jener Sparten, in der betroffene Personen am stärksten unter Sportverletzungen leiden. Diese sind nämlich – nebst der für alle Menschen unangenehmen Folgen physischer und psychischer Natur – eine Gefahr für die Einkommensquelle, Schneesportunterricht erteilen zu können, und somit für den Wohlstand der Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrer.

Wann immer eine Berufsgruppe besonders unter einer Gefahr leidet, sollte es auch im Interesse wissenschaftlicher Bemühungen liegen, diese Besonderheiten aufzuzeigen und gegebenenfalls positiv zu beeinflussen.

Tatsächlich hat beinahe die Hälfte der Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrer bereits eine Sportverletzung in der Ausübung ihrer Tätigkeit erlitten. Wie stark die betroffenen Personen darunter leiden und welche Folgen diese plötzliche Einschränkung in der Berufsausübung hat, wird in dieser Arbeit anhand einer empirischen Untersuchung erforscht und dargestellt.

Schlagwörter:

Schneesport, Schilehrer, Verletzung, Sportverletzung, Folgen, Bewertung von Sportverletzungen, Österreich, Salzburg, Snowboardlehrer, Unfall, Sportunfall

Abstract

Snowsports instructors represent an important professional group in Austria, because they are the ones who form the "ski nation Austria" - from the base on to professional skiing at an international level. Nevertheless, at the same time, this profession is just among those most affected by sports injuries. These are, besides the unpleasant physical and psychological consequences everyone suffers from, a threat for their income and thus for the prosperity of the snowsports instructors.

Whenever a professional group is particularly vulnerable in such a specific way, there should scientific effort to uncover the characteristics and – if possible – to counteract them.

In fact, almost half of the snowsports instructors have already been affected by a sports injury on the job. The extent to which snowsports instructors suffer from them and the consequences of this sudden restriction in performing the job are explored through an empirical study and presented in this theses.

Key words:

snowsports, skiing instructor, injury, sports injury, consequences, economic consequences, Austria, Salzburg, snowboard instructor, accident, sports accident

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Sportverletzungen im alpinen Schilauf 2003-2013 (eig. Darst.)

Abbildung 2: schematische Darstellung des Fragebogens

Abbildung 3: Alter der Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrer

Abbildung 4: Hauptsächlich unterrichtete Sportart

Abbildung 5: Höchste Ausbildungsstufe der befragten Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrer

Abbildung 6: Staatliche Diplomschneesportlehrerinnen bzw. Diplomschneesportlehrer mit erlittener Sportverletzung

Abbildung 7: Landesschneesportlehrerinnen bzw. Landesschneesportlehrer mit erlittener Sportverletzung

Abbildung 8: Schneesportlehrer-Anwärterinnen bzw. Schneesportlehrer-Anwärter und USI-Begleitlehrerinnen bzw. USI-Begleitlehrerinnen mit erlittener Sportverletzung

Abbildung 9: Häufigkeit der Sportverletzungen je Sportart

Abbildung 10: Betroffene Körperteile

Abbildung 11: Ausmaß des Verdienstausfalls nach Sportverletzungen

Abbildung 12: Selbstgetragene Rehabilitationskosten

Abbildung 13: Andere Folgen der Sportverletzung

Abbildung 14: Abwärtsspirale

Abbildung 15: PDCA-Zyklus zur Einführung von sportunfallreduzierenden Maßnahmen für Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrer

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Sportverletzungen sind heute ein häufig auftretendes Phänomen. Menschen, die häufig Sport treiben sind, ebenso wie jene, die dies nicht so häufig tun, der Gefahr ausgesetzt, sich bei der Ausübung einer Sportart zu verletzen. Am häufigsten treten diese Verletzungen an Muskeln, Sehnen und Bändern auf (Arendt, 1990, S. 11). Im Jahr 1999 gaben in einer repräsentativen Studie 60 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher an, inaktiv bis gering sportlich zu sein, das heißt sich ein bis zweimal pro Monat sportlich zu betätigen, während beinahe ein Fünftel der Befragten sagte, dass sie dreimal oder öfter pro Woche Sport betrieben. Die verbleibenden 22 Prozent tun dies ein bis zweimal pro Woche (Brügge, 2004, S. 3).

Der Erste, der sich aus medizinischer Sicht mit dem Thema Verletzungen, die bei der Ausübung von Sport entstehen, auseinandersetzte, war der aus Wiener Neustadt stammende Bergsteiger und Chirurg Günther Freiherr von Saar, der um die Jahrhundertwende zwischen 19. und 20. Jahrhundert tätig war. Er wurde ob des für damalige Verhältnisse relativ unergründeten Forschungsfeldes der Unfallchirurgie für sein Engagement belächelt (Chiari, 1950, S. 46). Mittlerweile haben jedoch sowohl Orthopädinnen und Orthopäden, als auch praktische Ärztinnen und Ärzte die Wichtigkeit der Thematik erkannt, und es entwickelte sich sogar das Additivfach der Sporttraumatologie (§ 15 Abs. 1 Z. 24 ÄAO) (Sportttraumatologie - DocCheck Flexikon, 2015).

Obwohl die Gruppe von Patientinnen und Patienten mit Sportverletzungen anhand statistischer Daten im Verlauf der letzten zehn Jahre gesehen annähernd unverändert bleibt (Kuratorium für Verkehrssicherheit, 2013), haben immer mehr Menschen mit sportbedingten Gesundheitsschädigungen zu kämpfen (Arendt, 1990, S. 11). Gleichzeitig nimmt die Breite der Verletzungsarten zu; es werden längst nicht mehr nur knöcherne Verletzungen behandelt; dank der kontinuierlichen Verbesserung der diagnostischen und operativen Möglichkeiten sowie dem Erfahrungsschatz der Behandelnden ist es heute möglich und notwendig, verstärkt auf Verletzungen der Gefäße, Gelenke und anderer „weicher“ Strukturen einzugehen (Schlosser, 1971, S. 1 ff.). Dieser Trend lässt sich auch heute noch beobachten (Komorek, 2015).

Da das Thema grundsätzlich an eine medizinische Fragstellung, nämlich jene der traumatischen Sportverletzungen, anknüpft, war es auch notwendig, sich mit den anatomischen, physiologischen und pathologischen Grundlagen solcher Verletzungen auseinanderzusetzen sowie diese von dem – vorwiegend ökonomischen – Gesichtspunkt der vorliegenden Bachelorarbeit abzugrenzen.

Eine begriffliche Abgrenzung ist bei den – oftmals synonym verwendeten –Termini „Sportverletzung“ und „Sportschaden“ notwendig. Während sich ein Sportschaden meist über einen längeren Zeitraum entwickelt, etwa durch das Nichtausheilen einer Verletzung oder eine chronische Überbelastung, wird eine Sportverletzung als plötzlich eintretendes Ereignis beschrieben, bei dem es durch innere oder äußere Krafteinwirkung zu einer in dessen Zusammenhang stehenden Verletzung kommt (Timmermann & Streubl, 2009, S. 21 ff.).

2 Hintergrund

Dieses Kapitel beleuchtet den Forschungsgegenstand sowie bisher bekannte Informationen zu ähnlichen Problemstellungen.

In dieser Arbeit wird der Begriff „Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrer“ als die Gesamtheit der Schneesportarten Unterrichtenden definiert und umfasst hauptsächlich Schilehrerinnen und Schilehrer, Snowboardlehrerinnen und Snowboardlehrer, Dualschneesportlehrerinnen und Dualschneesportlehrer (Schi und Snowboard gleichermaßen) sowie die Lehrerinnen und Lehrer anderer genannter Schneesportarten, z.B. Langlauf, Monoschi, Snowbike oder Freestyle.

2.1 Sportverletzungen im Kontext

Wenn Menschen Sport betreiben, laufen sie stets Gefahr, sich bei der Ausübung zu verletzen. Oftmals ist jedoch nicht klar, was genau eine Sportverletzung oder ein Sportunfall ist.

Obwohl die Begriffe Sportunfall und Sportverletzung sowohl im allgemeinen Sprachgebrauch häufig synonym verwendet werden, als auch juristisch keine Abgrenzung der beiden besteht, wird in der Literatur der Sportunfall als ein Ereignis definiert, welches einen Schaden für Hab und Gut oder Leib und Leben hat und im Zusammenhang mit der Ausübung einer Sportart steht. Bei Sportverletzungen wird zusätzlich davon ausgegangen, dass sich diese die Sportlerin oder der Sportler selbst zugefügt und verschuldet hat (Fritzweiler, 1978, S. 3 ff).

Ferner muss die Kausalitätsvarianz Berücksichtigung finden; die häufigsten Ursachen sind hierbei mangelndes Training, bzw. mangelnde Übung oder Ungeschicktheit. Etwa zwanzig Prozent rühren von Überanstrengung oder Übermüdung her, weitere Gründe sind ungünstige Bodenverhältnisse, mangelnde Disziplin oder das Verhalten anderer involvierter Personen, wie zum Beispiel von Mitspielerinnen und Mitspielern. Die ökonomischen Folgen hängen dabei sehr häufig mit der der Verletzung zu Grunde liegenden ausgeübten Sportart zusammen; während ein Fußballsportunfall lediglich 100 Stunden Arbeitsausfallzeit verursacht, ist bei Schiunfällen mit einem bis zu doppelt so langen Ausfall zu rechnen (Biener & Fasler, 1978, S. 19 ff.).

Obwohl die Bedeutung von Sport im Alltag im Verlauf der letzten Jahrzehnte zunimmt, bleiben die Unfallzahlen über die Jahre gesehen weitgehend unverändert. Im Jahr 2013 kam es in Österreich zu 196.600 Sportunfällen. Diese entfallen zu zwei Drittel auf Männer, zu einem Drittel auf Frauen (Kuratorium für Verkehrssicherheit, 2013). Im Jahr 2003 waren es mit 198.600 um lediglich 2.000 Sportunfälle mehr, die Geschlechterverteilung war jedoch eine ähnliche (Kuratorium für Verkehrssicherheit, 2003).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Sportverletzungen im alpinen Schilauf 2003-2013 (eig. Darst.)

Abbildung 1 zeigt im Verlauf von zehn Jahren (Daten der Jahre 2003, 2008 sowie 2013) einen leichten Rückgang der Verletzungen beim alpinen Schilauf in jeder der drei Hauptkategorien, Kopf (Verletzungen des Schädels), o.E. (Verletzungen der oberen Extremitäten und deren Gelenke) sowie u.E. (Verletzungen der unteren Extremitäten und deren Gelenke) (Kuratorium für Verkehrssicherheit, 2003), (Kuratorium für Verkehrssicherheit, 2008), (Kuratorium für Verkehrssicherheit, 2013).

2.2 Arten der Verletzungen

Bei vielen Sportarten, insbesondere jedoch beim Schifahren, ist das Knie eines jener Körperteile, die am häufigsten von Verletzungen betroffen sind.
Univ.-Prof. Dr. Otto M. Chiari empfiehlt zur Unfallvermeidung beim Schilauf, auf richtig dimensioniertes und angemessenes Material zu achten, sowie Können und Pistenverhältnisse richtig zu beurteilen (Chiari, 1950, S. 71).

Antti Stenroos und Lauri Handolin (2014) von der Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie in Helsinki, Finnland, haben in einer sechsjährigen Untersuchung in Levi, dem größten finnischen Schigebiet, beobachtet, wie sich Sportverletzungen bei der Ausübung des Schifahrens und Snowboardens entwickeln und wie schwer diese Verletzungen sind.

Es zeigt sich, dass alpine Schneesportarten durchaus zu jenen Sportarten zu zählen sind, bei denen ein erhöhtes Verletzungsrisiko besteht. Sind es bei Schifahrerinnen und Schifahrern häufig Verletzungen der unteren Extremitäten, hier besonders jene des Kniegelenks, sind bei Snowboarderinnen und Snowboardern am öftesten die oberen Extremitäten, insbesondere die Handgelenke, betroffen. Außerdem wird deutlich, dass Verletzungen der Extremitäten über den Zeitraum von sechs Jahren eher zunehmen, während Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen – keiner so großen Schwankung unterliegend – eher leicht rückläufig sind (Handolin & Stenroos, 2014).

Auch zeigt eine Studie, die von Maffulli et.al. (2010) unter 825 Athletinnen und Athleten durchgeführt wurde, dass das Risiko einer Verletzung von Gelenken, insbesondere der unteren Extremität, bei Sporttreibenden im Vergleich zu den Personen der Kontrollgruppe erhöht ist. Besonders auffällig war das Auftreten von Knieverletzungen bei Fußballern, von denen etwa 25 Prozent in einer Top-Liga tätig waren; hierbei zeigte sich, dass die Kontrollgruppe einem beinahe zehnfach geringeren Risiko ausgesetzt war, als jene Personen, die dem Sport professionell und daher wesentlich exzessiver nachgingen (Maffulli, Longo, Gougoulias, Caine, & Denaro, 2010).

2.3 Krankenstand und Arbeitsunfähigkeit

Verletzungen, ausdrücklich jedoch Sportverletzungen, gehen häufig mit einem bestimmten Grad der Arbeitsunfähigkeit einher, welcher hauptsächlich von der beruflich ausgeübten Tätigkeit sowie der Art der Verletzung abhängig ist. Die Folge ist ein Krankenstand. Krankenstände der unselbständig Beschäftigten haben in Österreich im Vergleich der Jahre 2012 und 201 um 1,7 Prozent zugenommen, die Krankengeldleistungen sind um 8,1 Prozent, das sind 46,8 Millionen Euro gestiegen (Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, 2014, S. 33 ff.). Die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer habt im Falle eines Krankenstandes Anspruch auf Entgeltfortzahlung (§ 2 EFZG; § 1154b ABGB, ).

Primäres Ziel dieser Entgeltfortzahlung ist, wirtschaftlichen Schaden von der Arbeitnehmerin bzw. vom Arbeitnehmer abzuwenden. Einer solchen Arbeitsverhinderung liegt ein „regelwidriger Körper- oder Geisteszustand zu Grunde, der eine Heilbehandlung notwendig macht“ und nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt worden ist (Kallab, Ullmann, & Chwojka, 2012, S. 171 ff.). Der Vorsatz, bzw. die grobe Fahrlässigkeit sind dabei von einer oder einem Sachverständigen festzustellen und der oder dem Betroffenen per Bescheid zur Kenntnis zu bringen. Das allgemeine Sozialversicherungsgesetz sieht darüber hinaus für den Versicherungsfall einer Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit oder geminderter Arbeitsfähigkeit die Leistung des Krankengeldes, welches nach Ablauf einer Frist anstelle der Entgeltfortzahlung des Arbeitgebers tritt, oder eines Rehabilitationsgeldes vor (§§ 117, 138 ff. ASVG). Der Grundsatz „Rehabilitation vor Pension“ rückt wieder stärker in den Vordergrund und legt den Fokus auf die vollständige Rekonvaleszenz und die Wiedereingliederung in die Arbeitswelt, bevor über Maßnahmen der Invaliditätspension bzw. Frühpension entschieden wird (Federal Ministry of Social Affairs and Consumer Protection, 2014, S. 50 ff.).

Hat der Unfall jedoch eine längerfristige Minderung der Leistungsfähigkeit zur Folge und wird der oder dem Betroffenen eine Dauerrente zugesprochen, so kann diese bestenfalls den Ausfall gänzlich decken oder aber als Stützrente (vorläufige Versehrtenrente) im Sinne des Allgemeinen Sozialversicherungsgesetzes zugesprochen werden (§ 210 Abs. 4 ASVG).

Ist die Empfängerin bzw. der Empfänger der Stützrente mit der Höhe der Rente nicht einverstanden, so kann sie oder er gegen den oben genannten Bescheid berufen, wie am folgenden Beispiel eines Profi-Schirennläufers deutlich wird: ihm wurden in der Folge zweier Arbeitsunfälle, Ab- und Teileinrissen beider VKB, der Seitenbänder sowie weiterer knöcherner Verletzungen, die er im Trainingsbetrieb in Kitzbühel, respektive in Kanada erlitten hatte, eine vorläufige Versehrtenrente in der Höhe von zunächst 30 Prozent, später dann 20 Prozent zuerkannt. Dem Rekurs des Klägers wurde in einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes stattgegeben und die Versehrtenrente auf 25 Prozent angehoben (Entscheidung des OGH, 2009). Es ist vorstellbar, dass Höchstgerichtsentscheidungen dieser Art auch auf die Gruppe der Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrer Anwendung finden können, wenn betroffene Personen diesen Weg gehen möchten.

Krankenstände allgemein verlaufen – über das Erwerbsleben gesehen – tendenziell in der Form einer umgekehrten Parabel; zu Beginn der Arbeitstätigkeit sind die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eher häufiger krank, ab dem 19. Geburtstag sinkt die Zahl der Krankenstandstage und erreicht zwischen dem 25. und 39. Lebensjahr die Talsohle; bis 40 Jahre steigt die Zahl dezent an, liegt jedoch immer noch unter dem Gesamtdurchschnitt. Erst ab dem 45. Lebensjahr nimmt die Anzahl der Krankenstandstage wieder spürbarer zu – dies korreliert mit der Zunahme der altersbedingten Erkrankungen (Leoni, 2014, S. 30 ff.).

Übertragen auf die gegenständliche Berufsgruppe, nämlich Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrer, wird deutlich, dass der Großteil der Befragten in jene Altersgruppen fällt, die eher selten Krankenstände beanspruchen (vgl. Abbildung 3: Alter der Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrer); lediglich 10 Prozent der Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrer sind jünger als 19 Jahre.

3 Problemstellung und Zielsetzung

Der Schneesport entwickelt sich stetig weiter – sowohl in Bezug auf die Anzahl der Sporttreibenden als auch, was die Varianten und Möglichkeiten betrifft.

Durch moderne Aufstiegshilfen können Personen bereits sehr früh – also relativ unerfahren bzw. ungeübt – in hohe Lagen der Schigebiete vordringen und befahren Pisten, die in früheren Zeiten für Menschen dieses Könnens nicht erreichbar gewesen wären. Ferner tragen Entwicklungen wie die Carving-Technologie maßgeblich dazu bei, das Schifahren heute schneller zu erlernen als zuvor. Sie erlauben schnelle Erfolge, vermitteln also das Gefühl, eine gute Schifahrerin bzw. ein guter Schifahrer zu sein, auch wenn man noch nicht besonders erfahren ist. Dadurch sind ungeübte Schifahrerinnen und Schifahrer oftmals mit höherem Tempo unterwegs, als es ihrer körperlichen Verfassung und dem Stand ihres Könnens entspricht (Schlegel, 1998, S. 79 ff.). Auch aus heutiger Sicht sind diese Schwierigkeiten vom Autor dieser Bachelorarbeit oftmals in österreichischen Schigebieten zu beobachten.

Gleichzeitig hat die Carving-Technik durch ihre leichtere Handhabbarkeit zu einer Reduzierung des Risikos für eine Sportverletzung geführt, die Verletzungsmuster haben sich jedoch verändert. Auch hat das vermehrte Tragen von Helmen und Protektoren das Risiko annähernd halbiert (Aschauer, Resch, Ritter, Spatzenegger, & Thoeni, 2007). Sollte es dennoch zu einem Unfall bzw. zu einer Sportverletzung kommen, sind einige Faktoren beeinflussend für den weiteren Genesungsverlauf.

Primär muss eine gesicherte Diagnose gestellt werden; dies erfolgt einerseits durch manuelle Tests, am Beispiel einer VKB-Verletzung kommen unter anderem der Lachman- und der Schubladentest zur Anwendung. Diese sind relativ einfach und ohne spezielle medizinische Geräte durchführbar, da sie lediglich durch die Verschiebung des Unterschenkels gegen den Oberschenkel und die Beobachtung der Parallelverschiebung ausgeführt werden. Um diese Diagnose abzusichern, sollten diese Erkenntnisse mit bildgebenden Verfahren belegt werden (Strobel, 2008, S. 89 ff.). Bei knöchernen Verletzungen muss daher ein Röntgenbild angefertigt, bei Verletzungen von Bändern und anderen nicht-knöchernen Strukturen eine Untersuchung mittels Magnetresonanztomographie gemacht werden. Sodann legen die betroffenen Personen gemeinsam mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt die weitere Vorgehensweise fest.

Die erste Entscheidung ist, ob konservativ vorgegangen werden soll, also ausschließlich unter Einsatz von Physiotherapie, oder ein operatives Eingreifen notwendig, respektive sinnvoll ist. Bei Letzterem muss zusätzlich unter Berücksichtigung der Trainingsziele der betroffenen Person festgelegt werden, ob dieser Eingriff sofort, d.h. binnen kurzer Zeit nach dem Ereignis, verzögert primär, also innerhalb von etwa zwei Monaten oder überhaupt erst verzögert (nach Ablauf von acht Wochen) stattfinden soll (Strobel, 2008, S. 89 ff.).

Die generelle Schneesport-Unfallstatistik in Österreich lässt sich leicht eruieren, und auch die Anzahl der aktiven Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrer. Nicht bekannt ist jedoch die Zahl jener Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrer, die bei der Berufsausübung bzw. in Verbindung mit dem Schneesport einen Unfall erleiden und welche Folgen dieser nach sich zieht. Mit diesen Fragen beschäftigt sich daher die gegenständliche Arbeit.

Forschungsfrage

Dieser Bachelorarbeit liegt die folgende Forschungsfrage zu Grunde:

Welche Auswirkungen haben Sportunfälle und Sportverletzungen auf Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrer in Österreich?

Die Forschungsfrage wird nach Bearbeitung des theoretischen Unterbaus mittels einer empirischen Untersuchung behandelt und beantwortet.

4 Forschungsdesign

Dieser Bachelorarbeit liegt die Literatur- und Datenrecherche der Bachelorarbeit I zu Grunde, welche in dieser Arbeit um den empirischen Aspekt erweitert wird.

Neben der Recherche in den Universitätsbibliotheken der IMC Fachhochschule Krems bzw. der Donau-Universität Krems, der Wirtschaftsuniversität Wien, der Medizinischen Universität Wien und der Universität Wien – Fachbereichsbibliothek Sportwissenschaften wurden deutschsprachige und internationale Datenbanken, beispielsweise Springer LINK, Emerald Fulltext und PubMed verwendet; eingesetzte Suchbegriffe waren unter anderem „Sportverletzung“, „sport injury“, „Sportschaden“, „Sportunfall“, „sport accident“ jeweils alleine sowie in Kombination mit den Begriffen „Folgen“, „ökonomisch“, „consequences“, „economic“. Örtlich beschränkt sich die gegenständliche Bachelorarbeit weitgehend auf Österreich, der Fokus liegt auf der betroffenen Berufsgruppe – jener der Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrer. Für die Fragebogenerhebung wurde das Bundesland Salzburg ausgewählt, weil es sich durch seine hohe Anzahl an Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrern – neben Tirol und Vorarlberg – um eines jener Bundesländer handelt, das eine in diesem Bereich besonders ausgeprägte Berufsgruppe aufweist und daher als repräsentativ für Gesamtösterreich einzustufen ist.

Bei der Verwendung der Freizeitunfallstatistik des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (2003; 2008; 2013) wurden bewusst die Statistiken dreier Jahre gewählt, die fünf beziehungsweise zehn Jahre voneinander getrennt liegen, um etwaige auftretende Veränderungen in der Häufigkeit oder einzelner Parameter im Verlaufe eines Jahrzehnts erkennen zu können; diese Daten beziehen sich jedoch auf das Gesamtbild der Unfälle in Österreich, es ist keine gezielte Abfrage zu einzelnen Berufsgruppen möglich.

4.1 Datenerhebung

Die Erhebung der Daten fand mittels eines mehrstufig entwickelten Fragebogens statt (s. Anhang)

Der Fragebogen wurde vom Autor in Zusammenarbeit mit Fachkolleginnen und Fachkollegen erstellt und mit dem Betreuer konsolidiert. Dieser Prototyp des Fragebogens wurde dann an eine ausgewählte Testgruppe per E-Mail zur teilweisen Beantwortung versandt. Die Testgruppe erfüllte die Kriterien der Befragungsteilnehmerinnen und Befragungsteilnehmer, mit Ausnahme der Zugehörigkeit zum Salzburger Berufsschilehrer und Snowboardlehrerverband (SBSSV) und war somit in der Grundgesamtheit der Erhebung nicht enthalten.

Beim Aufbau des Fragebogens wurde auf dessen leichte Verständlichkeit geachtet und es wurde versucht, komplexe Sachverhalte möglichst einfach abzufragen. Je nach eingegebenen Antworten veränderte sich der Verlauf des Fragebogens, es waren jedoch maximal zwölf Fragen zu beantworten(siehe dazu Abbildung 2: schematische Darstellung des Fragebogens).

Der Fragebogen wurde auf der Online-Plattform www.umfrageonline.com erstellt und der generierte Hyperlink wurde vom SBSSV per E-Mail an 3.852 Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrer versendet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: schematische Darstellung des Fragebogens

[...]

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Die Folgen von Sportverletzungen
Untertitel
Eine empirische Felduntersuchung bei Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrern im Bundesland Salzburg
Hochschule
FH Krems  (Business Administration for the Public Health Sector)
Autor
Jahr
2015
Seiten
50
Katalognummer
V303040
ISBN (eBook)
9783668014589
ISBN (Buch)
9783668014596
Dateigröße
623 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
snowsports, skiing instructor, injury, sports injury, consequences, economic con-sequences, Austria, snowboard instructor, accident, sports accident, Schneesport, Schilehrer, Verletzung, Sportverletzung, Folgen, Bewertung von Sportverletzungen, Österreich, Salzburg, Snowboardlehrer, Unfall, Sportunfall, skiing, Schifahren, Skifahren, Schnee, Wintersport
Arbeit zitieren
Nikolaus Dissauer (Autor), 2015, Die Folgen von Sportverletzungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303040

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Folgen von Sportverletzungen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden