Die Problematik der Geldanlage im Niedrigzinsumfeld hat sich zu einem hoch diskutierten Thema bei deutschen Finanzdienstleistern entwickelt. Das Sparverhalten der Deutschen, welches sich in der Vergangenheit bewährt und in deren Bewusstsein etabliert hat, ist aufgrund der heutigen, niedrigen Zinsen nicht mehr zeitgemäß. Direktbanken versuchen sich gegenseitig durch höhere Tagesgeldsätze zu übertreffen. Start-Up Unternehmen und Crowdfunding-Plattformen versprechen hohe Renditen, um einen Mehrwert gegenüber den traditionellen Anlagemöglichkeiten zu bieten, doch häufig werden die damit einhergehenden überhöhten Risiken nicht offengelegt.
In der Tat besteht die Notwendigkeit zu alternativen Anlagemöglichkeiten. Doch wie bereits Warren Buffet sagte, entsteht Risiko dann, wenn man nicht weiß was man tut. Genau an diesem Punkt sollten die Banken anknüpfen und ihre Kunden mit adäquaten Produktlösungen abholen. Durch ihr branchenspezifisches Know-How können sie ihren Kunden eine mögliche Überrendite zu einem berechenbaren, begrenzten Risiko anbieten oder dieses sogar gänzlich eliminieren. Der bestehende Wunsch nach Alternativen konnte in einer durchgeführten Online-Umfrage exemplarisch belegt werden. Hierin spiegelt sich die Sparhaltung und (Ab-)Neigung gegenüber den aktuellen Bankenlösungen von rund 670 Teilnehmern wider. Zielgruppe der Befragung waren vor allem junge Sparer. Außerdem ist der Befragung das Interesse der „Generation Y“ an alternativen Investmentstrategien und -produkten zu entnehmen.
Im Rahmen der Arbeit werden jeweils zwei aktive und passive Lösungsansätze vorgestellt. In der Variante der aktiven Vermögensverwaltung wird das angelegte Vermögen von einem Vermögensmanager verwaltet. Das Produkt „IndexSelect“ ermöglicht durch das Festlegen eines Caps und Floors die begrenzte Gewinnpartizipation an einem Index, auf der anderen Seite wird die Verlustpartizipation ausgeschlossen. Die passiven Lösungsansätze basieren auf ETFs und Aktien, die durch eine spezielle Gewichtung bzw. einen logischen Algorithmus eine Überrendite gegenüber ihrer Vergleichsindices ermöglichen. Die Produktlösungen wurden in einer Fallstudie konkret aufgegriffen. Dadurch konnte deren mögliche Effektivität aufgezeigt, sowie ein Implementierungsansatz geliefert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1 PROBLEMSTELLUNG UND ZIELSETZUNG
1.2 AUFBAU DER ARBEIT
2. MARKTBESCHREIBUNG/ -ANALYSE
2.1 MARKTUMFELD
2.2 SCHLUSSFOLGERUNGEN AUS DEM NEUEN ZINSUMFELD
2.3 NOTWENDIGKEIT ZU NEUEN PRODUKTEN
2.4 MARKTPOTENTIAL
3. EMPIRISCHE ERHEBUNG
3.1 AUFBAU
3.2 DESKRIPTIVE ERGEBNISSE
3.3 ZUSAMMENFASSUNG
4. LÖSUNGSANSATZ AKTIV
4.1 AUSGANGSLAGE UND DEFINITION
4.2 AKTIVE VERMÖGENSVERWALTUNG
4.3 „INDEXSELECT“
5. LÖSUNGSANSATZ PASSIV
5.1 DEFINITION UND EINFÜHRUNG
5.2 SMART-BETA ETFS
5.3 QUANTITATIVE AKTIEN-SELEKTION
6. CASESTUDY: HISTORISCHE PERFORMANCE
6.1 AKTIVE VERMÖGENSVERWALTUNG
6.2 INDEX SELECT
6.3 SMART-BETA STRATEGIE
6.4 QUANTITATIVE AKTIEN-SELEKTION
6.4.1 DAS MODELL „Q-SELECT“
6.4.2 KENNZAHLEN
6.4.3 PERFORMANCE
6.4.4 RISIKOASPEKT
7. VERGLEICH DER VORGESTELLTEN ALTERNATIVEN
7.1 ABGRENZUNG DER INVESTMENTSTRATEGIEN
7.2 VOR- UND NACHTEILE DER QUANTITATIVEN MANAGEMENTSTILE
7.2.1 KOSTEN UND ERTRÄGE
7.2.2 BETRACHTUNG DER MARKTRISIKOKOMPONENTE
8. KRITISCHE WÜRDIGUNG
9. FAZIT UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht im Kontext der anhaltenden Niedrigzinsphase neue, adäquate Anlagemöglichkeiten für Privatkunden, um eine attraktive Rendite bei gleichzeitig vertretbarem Risiko zu erzielen und der Altersarmut entgegenzuwirken. Ein besonderer Fokus liegt auf der Erarbeitung und Analyse verschiedener aktiver und passiver Investmentstrategien.
- Analyse des aktuellen Niedrigzinsumfelds und der Marktgegebenheiten
- Empirische Untersuchung des Anlageverhaltens und Bedürfnisses der Generation Y
- Gegenüberstellung aktiver (z.B. IndexSelect) und passiver (z.B. Smart-Beta ETFs) Ansätze
- Entwicklung und Modellierung einer quantitativen Aktien-Selektionsstrategie (Q-Select)
- Bewertung der historischen Performance und Risikoprofile der vorgestellten Konzepte
Auszug aus dem Buch
4.2 Aktive Vermögensverwaltung
Um das System der aktiven Vermögensverwaltung detaillierter zu betrachten, werden in diesem Kapitel die Phasen einer optimalen Vermögensverwaltung beschrieben und die dazugehörigen Prozesse erläutert.
In der sog. Vorbereitungsphase ist es für Kunden und Vermögensverwalter von entscheidender Bedeutung einen weitest gehenden Konsens zu finden, wie die Gestaltung des Anlagerahmens statt zu finden hat. Da es aufgrund der Masse an Kunden nur schwer erscheint mit jedem Kunden ein ausführliches Gespräch über den genauen Inhalt der einzelnen Verwaltung zu führen, werden diverse Gruppen gebildet. Hierbei beantwortet der Kunde verschiedene Fragen zu den Themengebieten Sicherheit, Rentabilität und Rendite. Da diese drei Bestandteile in Zielkongruenz stehen, ist von Kunden und (daran orientiert) später von dem Verwalter eine Gewichtung mit den Hauptschwerpunkten der zuvor festgelegten Präferenz zu treffen. Die zu dem Produkt bzw. zur Verwaltung passende Gruppeneinteilung erfolgt anhand verschiedener Risikoklassen. Das Risiko wird hierbei durch den möglichen Maximalanteil an Aktien wiedergespiegelt. Bei einem hohen Aktienanteil wird von einer hohen Risikobereitschaft seitens des Kunden gesprochen, bei einem geringen Aktienanteil von einer niedrigen Risikobereitschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Analyse des Niedrigzinsumfelds, der Problemstellung für Banken und Kunden sowie Definition der Zielsetzung und des Aufbaus der Arbeit.
2. MARKTBESCHREIBUNG/ -ANALYSE: Untersuchung der Ursachen und Folgen der Niedrigzinsphase sowie Identifikation von Anlagepotenzialen außerhalb klassischer Sparformen.
3. EMPIRISCHE ERHEBUNG: Durchführung einer Umfrage zur Validierung des Marktpotenzials und zur Erfassung des Anlageverhaltens sowie der Bedürfnisse der Generation Y.
4. LÖSUNGSANSATZ AKTIV: Definition und Vorstellung aktiver Vermögensverwaltungsansätze, insbesondere der Variante „IndexSelect“.
5. LÖSUNGSANSATZ PASSIV: Vorstellung passiver Investmentstrategien, erweitert um die aktive Komponente „Smart Beta“, mit Fokus auf ETFs und quantitativer Aktien-Selektion.
6. CASESTUDY: HISTORISCHE PERFORMANCE: Empirische Überprüfung und Kalkulation der Performance der vorgestellten Lösungsansätze anhand historischer Daten.
7. VERGLEICH DER VORGESTELLTEN ALTERNATIVEN: Systematischer Vergleich der aktiven und passiven Strategien hinsichtlich ihrer Kostenstrukturen und Marktrisiken.
8. KRITISCHE WÜRDIGUNG: Kritische Reflexion der wissenschaftlichen Methodik, der Datenbasis und der getroffenen Annahmen.
9. FAZIT UND AUSBLICK: Zusammenfassung der Ergebnisse und Einschätzung zur Implementierung der untersuchten Anlageprodukte im Konzern.
Schlüsselwörter
Niedrigzinsphase, Geldanlage, Vermögensverwaltung, IndexSelect, Smart-Beta ETFs, Quantitative Aktien-Selektion, Generation Y, Rendite, Risiko, Performance, Diversifikation, Marktrisiko, Assetklassen, Anlageberatung, Depot.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen der Niedrigzinsphase auf die Geldanlage und stellt alternative, renditeorientierte Produktlösungen für den Privatkundenbereich vor.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind das Marktumfeld, die Anlegerpräferenzen der Generation Y, die aktive Vermögensverwaltung sowie passive Strategien wie Smart-Beta und quantitative Selektion.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, für die Postbank leicht vermittelbare Anlagealternativen zu klassischen Sparformen zu evaluieren, die sowohl für den Kunden rentabel sind als auch Ertragspotenzial für die Bank bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine Literaturanalyse zur Marktsituation mit einer empirischen Online-Umfrage unter 673 Teilnehmern sowie einer quantitativen Fallstudie zur Performancebewertung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Niedrigzinsumfeld, wertet die Umfrageergebnisse aus und stellt spezifische Anlagekonzepte wie IndexSelect, Smart-Beta ETFs und ein eigenes Modell zur Aktienselektion vor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Niedrigzinsumfeld, Vermögensverwaltung, IndexSelect, Smart-Beta, Performance und Risikomanagement.
Welche Rolle spielt das „Q-Select“ Modell in der Arbeit?
Das eigenständig entwickelte „Q-Select“ Modell dient als Fallbeispiel für eine quantitative Aktien-Selektionsstrategie, die mittels fundamentaler Kennzahlen eine nachhaltige Outperformance erzielen soll.
Wie bewerten die Verfasser das Interesse der Generation Y an Alternativen?
Die Studie zeigt, dass trotz einer Sicherheitspräferenz grundsätzlich Interesse an alternativen Anlageformen besteht, dieses jedoch oft durch Informationsmangel oder Unkenntnis gehemmt wird.
- Arbeit zitieren
- Marvin Müller (Autor:in), Jakob Bouchetob (Autor:in), Daniel Flörchinger (Autor:in), Niklas Litzenberger (Autor:in), 2015, Auswege aus dem Zinsdilemma. Hat Geldanlage eine Zukunft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303075