Reaktionen in der Politik auf den Dopingskandal 2013. Der Sportausschuss im Deutschen Bundestag und seine Möglichkeiten für ein neues Anti-Doping-Gesetz in Deutschland


Hausarbeit, 2013

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Abschlussbericht zu einer Studie der Berliner Humboldt-Universität zum systematischen Doping in der Bundesrepublik Deutschland

2 Der Sportausschuss im Deutschen Bundestag und seine Rolle bei der Anti- Doping-Gesetzgebung in Deutschland
2.1 Das Ausschusssystem im Deutschen Bundestag
2.2 Der Sportausschuss im Deutschen Bundestag
2.3 Die Rolle des Sportausschusses bei der Auseinandersetzung mit der Dopingvergangenheit der Bundesrepublik Deutschland am Beispiel des Sportausschuss-Hearing 1977

2.4 Die Geschichte der Anti-Doping-Gesetzgebung in der Bundesrepublik Deutschland und die Rolle des Sportausschusses

2.5 Der aktuelle Stand der Debatte um ein Anti-Doping-Gesetz und ein möglicher neuer Anlauf für das Gesetz im Sportausschuss

3 Neues Anti-Doping-Gesetz nur bei Regierungswechsel nach der Bundestagswahl?

Literaturverzeichnis

1 Abschlussbericht zu einer Studie der Berliner HumboldtUniversität zum systematischen Doping in der Bundesrepublik Deutschland

„Wie die Bundesrepublik jahrelang Doping förderte - Anabolika, Testosteron, Östrogen, Epo: Über Jahrzehnte wurden in der Bundesrepublik leistungsstei- gernde Mittel erforscht und an Sportler verteilt. Funktionäre deckten das Sys- tem, auch die Politik war eingeweiht. Ein Bericht der Berliner Humboldt- Universität enthüllt die Ausmaße des Doping-Systems in Westdeutschland“ (Hofmann u. a. 2013).

Mit diesen einleitenden Sätzen wird knapp umschrieben, was die Humboldt-Universität zu Berlin laut der Süddeutschen Zeitung in einer jahrelangen Studie herausgefunden und in ihrem circa 800-seitigen Abschlussbericht mit dem Titel „Doping in Deutschland von 1950 bis heute“ dargestellt hat, nämlich das systematische und organisierte Doping in der Bundesrepublik Deutschland seit Beginn der Siebzigerjahre. Demnach wurden Ver- suche mit verbotenen Substanzen wie Anabolika, Testosteron oder Epo an deutschen Spitzensportlern aus Steuermitteln finanziert und vom Bundesinstitut für Sportwissen- schaft organisiert, das nach wie vor dem Bundesministerium des Inneren untersteht (Hofmann u. a. 2013).

Schnell wurden nach Bekanntwerden der Studie Forderungen nach einem Anti-Doping- Gesetz in Deutschland laut. So pochte etwa der Chef der Deutschen Fußball Liga Rainhard Rauball auf einen solchen Erlass (Bohrdt 2013).

Doch welche Rolle spielt die Bundespolitik in Form des Sportausschusses im Deut- schen Bundestag bei einem möglichen Anti-Doping-Gesetz? Und welche Rolle spielt und spielte er bei der Aufarbeitung der Dopingvergangenheit in Deutschland, gilt er doch als das „mobilisierende Zentrum der Sportpolitik [und] Kontrollzentrum mit unterstützenden, ausgleichenden Funktionen“ (Danckert 2009: 121)?

Kann der Sportausschuss seinen Einfluss nutzen und vor allem, bestärkt durch die aktuelle Diskussion, den Weg frei machen für ein Anti-Doping-Gesetz in Deutschland?

In der folgenden Arbeit wird zu Beginn das Ausschusssystem im Deutschen Bundestag knapp im Allgemeinen dargestellt, bevor der Sportausschuss im Besonderen betrachtet wird. Hierbei wird vor allem auf die Rolle des Sportausschusses bei der Aufarbeitung der Dopingvergangenheit in der Bundesrepublik eingegangen, wobei exemplarisch das Sportausschuss-Hearing aus dem Jahr 1977 dargelegt wird. Abschließen wird die Historie der Anti-Doping-Gesetzgebung in Deutschland und die Beleuchtung der Frage, ob durch die aktuelle Debatte um die oben kurz skizzierte Dopingproblematik in Deutschland der Sportausschuss seinen Einfluss und seine Macht nutzen kann, um ein neues Anti-Doping-Gesetz in Deutschland zu ermöglichen.

2 Der Sportausschuss im Deutschen Bundestag und seine Rolle bei der Anti-Doping-Gesetzgebung in Deutschland

2.1 Das Ausschusssystem im Deutschen Bundestag

Um sich dem Sportausschuss im Deutschen Bundestag zu nähern, ist es sinnvoll, zu- nächst kurz das Ausschusssystem im Deutschen Bundestag zu betrachten. Sieht man den Deutschen Bundestag als Arbeitsparlament an (Ismayr 2012: 162), so liegt ein we- sentlicher Teil der Parlamentsarbeit unter anderem auch in den Ausschüssen (Ismayr 2012: 162). Nur durch ihre strukturierte Arbeitsorganisation ist es so für den Bundestag möglich, die vielfach komplexen Regierunsvorlagen in einer vernünftigen Art und Wei- se zu bearbeiten (Ismayr 2012: 162-165). In der Geschäftsordnung des Deutschen Bun- destag werden die Ausschüsse als vorbereitende Beschlussorgane definiert, deren Be- schlussempfehlung praktisch Entscheidungscharakter besitzen (Ismayr 2012: 165). An- gepasst an die Gliederung der Bundesregierung steht jedem Bundesministerium im Normalfall ein analoger Ausschuss gegenüber, wobei entsprechend der Arbeitsintensität die Anzahl der Mitglieder bestimmt wird. So gehören etwa in der 17. Wahlperiode mit 18 Abgeordneten im Vergleich zu den übrigen Ausschüssen verhältnismäßig wenige Mitglieder dem Sportausschuss an, dem Haushaltsausschuss mit 41 Parlamentariern die meisten (Ismayr 2012: 164).

2.2 Der Sportausschuss im Deutschen Bundestag

Auch wenn der Sportausschuss und sogar seine bloße Existenz selbst in jüngster Ver- gangenheit noch Gegenstand heftiger Diskurse waren, deren Diskutanten beispielsweise seine Abschaffung forderten (Weinreich 2012), hat er sich doch seit seiner Gründung 1969 etabliert und „ein enormes Pensum an Arbeit geleistet und so manche neue Stell- schraube eingedreht“ (Danckert 2009: 119). Doch die Tatsache, dass der Sportausschuss eine ganze Zeit lang nicht öffentlich tagte, machte es für die breite Masse nicht gerade einfach, den Taten des Ausschusses in Gänze zu folgen. Vor allem die zuständigen Journalisten waren insbesondere auf die sportpolitische Referenten der einzelnen Partei- en angewiesen, um Details aus den Sitzungen zu erfahren (Danckert 2009: 119 f.). Ein- zig Mitarbeitern von Heute im Bundestag war es möglich, den Sitzungen beizuwohnen und entsprechend die Öffentlichkeit beispielsweise auch über das Internet zu informie- ren (Danckert 2009: 120). Dieser gravierende Unterschied in der Möglichkeit der Be- richterstattung erledigte sich erst mit dem Beginn der 16. Wahlperiode, seit dem der Sportausschuss öffentlich tagte und regelmäßig von mindestens fünf Journalisten in seiner Arbeit begleitet wurde (Danckert 2009: 120). Nicht allein dadurch hat der Sport- ausschuss nochmals an Anerkennung gewonnen, auch die aktuelle Entwicklung des Sports an sich, etwa das verstärkte Interesse der Wirtschaft und der Medien, hat den Sport und damit den Sportausschuss weiter in den Mittelpunkt gerückt (Danckert 2009: 121). Trotz all dieser positiven Entwicklungen erfuhr der Sportausschuss etwa zur Hälf- te der 17. Wahlperiode so etwas wie einen „Rückfall in alte Zeiten“ (Weinreich 2011). Seit Ende Oktober 2011 ist die Öffentlichkeit von den Ausschusssitzungen wieder aus- geschlossen, wodurch sich der Sportausschuss mit heftiger Kritik konfrontiert sieht. So war etwa vom „Ende der Transparenz“ (Wolf 2011) die Rede. Unabhängig von diesem Rückschlag für die Möglichkeiten der Berichterstattung in der Öffentlichkeit hat sich das Aufgabenspektrum des Ausschusses deutlich weiterentwickelt. Waren dem Sport- ausschuss zu Beginn durch mangelndes Wissen die Bedrohungen, mit denen der welt- weite Sport zu kämpfen hat nur unzureichend bekannt, ist es mittlerweile sein Ziel „ei- nen sauberen, manipulationsfreien Sport zu fördern“ (Danckert 2009: 122). Das sei „wichtiger, als mit Medaillen um jeden Preis auf einem nationalstaatlichen Plateau glänzen zu wollen“ (Danckert 2009: 122).

2.3 Die Rolle des Sportausschusses bei der Auseinanderset- zung mit der Dopingvergangenheit der Bundesrepublik Deutschland am Beispiel des Sportausschuss-Hearing 1977

Erschwerend zu den eben angesprochenen anfänglichen Problemen, etwa der fehlenden Fachkenntnis vieler Ausschussmitglieder, kam hinzu, dass sogar entsprechende Exper- ten ihr Wissen nur bruchstückhaft weitergeben wollten (Danckert 2009: 122), was sich vor allem bei Dopingfällen in der Bundesrepublik deutlich zeigte. Stets war nur von sporadischen Einzelfällen die Rede und erst nach langer Zeit wurde klar, dass es sich hierbei um ein strukturelles Problem handelte (Danckert 2009: 122). Erst durch die von Dopingfällen geprägte Tour de France 1998 wurde das Dopingausmaß deutlich, mit dem es der organisierte Sport weltweit zu tun hatte, selbst wenn sich bereits lange Zeit davor andere Beispiele, auch in Deutschland, finden, etwa der Tod der deutschen Leichtathletin Birgit Dressel 1987 oder die ersten Veröffentlichungen über systemati- sches Doping in der DDR Anfang der neunziger Jahre (Danckert 2009: 122). Doch die Politik in der Bundesrepublik befand sich in einem Dilemma: Auf der einen Seite wollte sie illegale Leistungsbeeinflussung verhindern, auf der anderen Seite forderte sie Spit- zenleistungen und kürzte aufgrund von Misserfolgen die finanziellen Mittel. Erst seit diesem Jahrtausend ist es allgemein Konsens, dass sich die betroffenen Sportverbände nicht komplett und selbstständig gegen die kriminelle Energie von außen wehren kön- nen (Danckert 2009: 122).

Existenziell wichtig für die Aufklärung und für die Aufarbeitung vor allem der Doping- vergangenheit in der BRD sollte das erste öffentliche Doping-Hearing des Sportaus- schusses im September 1977 werden. Der damalige Ausschussvorsitzende Hans Evers (CDU) machte zu Beginn deutlich: „Das Parlament mu[ss] Antwort auf die Frage be- kommen, was wir eigentlich mit den Sportförderungsmitteln der öffentlichen Haushalte fördern. Deckt sich das, was wir fördern, mit den sportpolitischen Zielvorstellungen, die von den Fraktionen und von den Parteien entwickelt worden sind? [...] Geheimniskrä- merei ist der Feind vertrauensvoller Zusammenarbeit. Sie schadet der Unabhängigkeit. Es wäre deshalb schädlich und ein schädliches Mi[ss]verständnis, wenn das Doping- problem als eine sportinterne Verschlu[ss]sache behandelt werden sollte“ (Deutscher Bundestag 1977: 6/9). Der Sportausschuss versuchte mit diesem Hearing also zu klären, ob der Sport, die Bundesregierung und der Bundestag auf dem beabsichtigten Weg bei dem Gebrauch von öffentlichen Fördermitteln für den Spitzensport waren. Dass dieses Hearing zahlreiche neue Fakten ans Tageslicht bringen würde, zeigte sich gleich zu Be- ginn, als der ehemalige Leichtathlet Manfred Ommer sein Wissen über Anabolika dar- legte und klar machte, dass viele Trainer keinerlei Bedenken gegenüber der Einnahme von Anabolika gehabt hätten. Weiter führte er aus, dass es Beweise gäbe, die belegten, dass Verbandsfunktionäre „Athleten zu der Einnahme von Anabolika geraten haben“ (Danckert 2009: 151). Ähnlich äußerte sich Thomas Wessinghage, ebenfalls ehemaliger Leichtathlet, der sogar davon sprach, zur Anabolikaeinnahme gezwungen worden zu sein. Wenig Hoffnung auf eine komplett dopingfreie Zukunft machte Professor Wildor Hollmann von der Deutschen Sporthochschule Köln: „Wir sind überzeugt, dass es un- möglich ist, auf alle Zeit eine chemische und physikalische Beeinflussung des Leis- tungsfähigkeit des Spitzensportlers auszuschließen. Wegen dieser technischen Unmög- lichkeit muss der Spitzensport auch in der Bundesrepublik Deutschland zwangsläufig lernen, mit dieser unerwünschten Realität in einem naturwissenschaftlichen Zeitalter zu leben [...]“ (Danckert 2009: 155). Der Tübinger Sportpädagoge und spätere Vizepräsi- dent des Deutschen Sportbundes Professor Ommo Grupe zweifelte sogar an der Not- wendigkeit des Dopings zur Leistungssteigerung und lehnte eine totale Kontrolle ab (Danckert 2009: 156 f.). So sei „es dem Sinn des Sports nicht angemessen, totale Kon- trolle anzustreben. [...] Die Einführung einer Art von Medizinpolizei wäre etwas, was man dem Spitzensport nicht wünschen möchte“ (Danckert 2009: 157). Doch nicht nur Experten, auch zahlreiche Politiker und Ausschussmitglieder vermieden es, eine deutli- che Anti-Doping-Position zu beziehen. Etwa formulierte Sportausschussmitglied Heinz Schwarz von der CDU, dass es Aufgabe der Politik sei, die Unabhängigkeit des Sportes aufrechtzuerhalten und es dem Sport überlassen werden müsse, inwieweit er den Ana- bolikamissbrauch fördere oder nicht (Danckert 2009: 157). Ähnlich äußerte sich sein Parteifreund Hans-Joachim Jentsch, der vor allem an entsprechenden Kontrollmöglich- keiten zweifelte (Danckert 2009: 158).

Friedel Schimmer von der damals in Regierungsverantwortung stehenden SPD trug hingegen vor: „Ich möchte nicht Erfolge um jeden Preis. [...] Wir wollen den humanen Sport in den Mittelpunkt stellen, nicht die Leistung an sich“ (Danckert 2009: 158).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Reaktionen in der Politik auf den Dopingskandal 2013. Der Sportausschuss im Deutschen Bundestag und seine Möglichkeiten für ein neues Anti-Doping-Gesetz in Deutschland
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Politikwissenschaft und Soziologie)
Veranstaltung
Parlamentarismus in der Bundesrepublik: der Deutsche Bundestag
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V303080
ISBN (eBook)
9783668016682
ISBN (Buch)
9783668016699
Dateigröße
735 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sport, Sportausschuss, Deutscher Bundestag, Bundestag, BRD, Doping, Anti-Doping-Gesetz, EPO, Sportpolitik
Arbeit zitieren
Fabian Herbst (Autor), 2013, Reaktionen in der Politik auf den Dopingskandal 2013. Der Sportausschuss im Deutschen Bundestag und seine Möglichkeiten für ein neues Anti-Doping-Gesetz in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303080

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