Die Gründung der baden-durlachischen Residenz Karlsruhe und ihre Bedeutung als Denkmal des Absolutismus

"... eine gantz[!] neu angelegte Stadt und schönes Schloß in einer luftigen Gegend"


Hausarbeit, 1994

40 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

A. Einleitung

B.
I. Die badischen Markgrafschaften zwischen dem Pfälzischen Erbfolgekrieg und dem Fireden von Rastatt 1714
II. Die Residenz Karls III. Wilhelm
1. Der neue Landesherr
2. Der markgräfliche Hof - in Durlach ohne Zukunft
3. Das Projekt
4. "Carolsruhe" entsteht
a) Das Schloß im Hardtwald
b) Die Gartenanlagen
c) Residenzschloß oder Residenzstadt ?
d) Stadtanlage und Bebauung

C. Karlsruhe als Denkmal

Quellen

Literatur

Nachweis der auf Seite 4 wiedergegebenen Zitate

Der Titel der Arbeit verwendet ein Zitat von Johannes Heinrich Zedler, "Großes vollstän­diges Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste, welche bißhero durch mensch­lichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden", Halle und Leipzig 1733. Zi­tiert nach Klaus-Jörg Ruhl (Hg.), Karlsruhe in alten und neuen Reisebeschreibungen, Düs­seldorf 1991, S. 19.

Karlsruhe ist übrigens noch eben so langweilig, wie ich es vor 16 Jahren

auf meiner ersten Schweizerreise fand.

Albert Kreuzhage (1836)

... ein Symbol des Glanzes fürstlicher Selbstherrlichkeit

war hier im Grundriß dem Lande aufgeprägt

Arthur Valdenaire (1929)

... folglich fehlet ihr, wenn nichts fehlte, der eigene Reiz

der Alterthümlichkeit.

Carl Julius Weber (1828)

Von der Breite und Regelmäßigkeit der Straßen kommen

in Sanitätsrücksicht Vortheile und Nachtheile.

Matthias Koch (1848)

... so großzügig man im Barock und heute wieder mit den Zwischenräumen verfuhr, so engherzig war man selbst in dieser Stadt im 19. Jahrhundert.

Wilhelm Westecker (1962)

Sie ist klar und lichtvoll wie eine Regel, und wenn man hineintritt, so ist es, als ob ein geordneter Verstand uns anspräche.

Heinrich von Kleist (1801)

Welch eine superbe Anlage!

Kaiser Joseph II. von Österreich (1777)

A. Einleitung

Als im Jahre 1952 aus den bis dahin eigenständigen Ländern Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern und Baden das Bundesland Baden-Württemberg wurde, ging für die nordbadische Stadt Karlsruhe eine Epoche zuende.[1] Für mehr als zwei Jahrhunderte war sie die Hauptstadt eines selbständigen Landes gewesen, ein Schauplatz absolutistischer Machtausübung wie auch erster par­lamentarischer Arbeit in Deutschland. Später hatte die aufkommende Industrialisierung wie ande­renorts auch hier das Stadtbild geprägt. Karlsruhe wurde zur lebendigen Metropole Badens, bis die Bomben des Zweiten Weltkrieges das Gesicht auch dieser Stadt weitgehend veränderten.

Trotz aller Zerstörungen blieb bis heute erkennbar, was das Charakteristikum Karlsruhes ausmachte: Sein im frühen 18. Jahrhundert angelegter fächerförmiger Kern hat die Zeiten überdauert. Von einem im Zentrum gelegenen Schloß ausgehend entwarfen die Planer eine Residenz, die sich an 32 strahlen­förmig in den Wald geschlagenen Alleen orientierte und schließlich eine Verbindung aus herrschaft­licher Repräsentation und herrscherlicher Zerstreuung, aus geschäftiger Siedlung und großzügigem Waldgebiet darstellte. Die politische Grundvoraussetzung, unter der ein solches Bauvorhaben in die Tat umgesetzt werden konnte, war das Bestehen eines absolutistischen Staates.

Zwar haben auch spätere Umwälzungen vor allem sozioökonomischer Natur im Grundriß Karlsruhes ihren Niederschlag gefunden, gegenüber der in diesen Zeiten entstandenen unregelmäßigen Bebau­ung ist das geometrisch angelegte Stadtzentrum mit dem Schloß jedoch umso weniger zu übersehen. Heute kann Karlsruhe somit als ein Denkmal gelten, das an die Epoche des Absolutismus ebenso zu erinnern vermag wie an das industrielle Zeitalter - der folgende Text begnügt sich indes damit, die Architektur dieser Stadt in Hinblick auf die Zeit ihrer Gründung zu beleuchten.

Er beschreibt die Entstehung der baden-durlachischen Residenzstadt und geht zum Abschluß der Frage nach, inwiefern diese ein Denkmal ihrer Gründungsepoche, des frühen 18. Jahrhunderts dar­stellt. Der einleitende Abschnitt des Hauptteils skizziert die politischen Rahmenbedingungen. Der anschließende Teil beschreibt Planung und Bau der Residenz. Schließlich versucht der Schlußab­schnitt aufzuzeigen, inwieweit die "Fächerstadt" heute als Denkmal betrachtet werden kann. Als sie 1715 entstand, versinnbildlichte sie in strenger Geometrie-ob freiwillig oder unfreiwillig-das Ideal politischer Machtverhältnisse. Daneben hat die wirtschaftliche Abhängigkeit einer Residenzstadt vom Hofe in ihrem Grundriß symbolischen Ausdruck gefunden. Rückblickend betrachtet haben je­doch auch die tatsächlichen Zeitumstände ihre Spuren hinterlassen: Die Epoche des Absolutismus beginnt sich bereits ihrem Ende zuzuneigen. Ein wirtschaftlich mächtiges Bürgertum schickt sich an, die Grenzen der Ständegesellschaft zu sprengen. Als ihr Gründer im Jahre 1738 verstirbt, ist die absolutistische Residenzstadt Karlsruhe in ihrer Existenz bedrohter denn je.

Die Planung und Entstehung Karlsruhes war mehrfach Gegenstand intensiver Forschungen, aller­dings sind ausführliche Darstellungen zu Gründung, Baugeschichte und Architektur zumeist älteren Datums.[2] Als Denkmal stand die Stadt bereits 1926 im Mittelpunkt eines Aufsatzes.[3] Zur Biographie Markgraf Karl Wilhelms lassen sich aus der Literatur nur wenig detaillierte Erkenntnisse gewinnen.[4] Die Entwicklung Karlsruhes als "Planstadt" nachzuzeichnen, hat sich in neuerer Zeit ein Ausstel­lungskatalog des Badischen Landesmuseums aus dem Jahre 1990 zur Aufgabe gemacht.[5] Abgesehen von der 1992 erschienenen "Karlsruher Chronik" Manfred Kochs[6] befassen sich neueste Arbeiten in der Mehrzahl mit Fragen der Alltags- und Sozialgeschichte, gehen jedoch an vielen Stellen auf Pla­nung, Bau und Besiedelung der Residenz ein.[7]

B.

I. Die badischen Markgrafschaften zwischen dem Pfälzischen Erbfolgekrieg und dem Fireden von Rastatt 1714

Die Ursachen für die Gründung der Stadt Karlsruhe reichen zurück bis in den Sommer 1689. Seit dem Vorjahr überzog der französische König Ludwig XIV. Europa mit einem Krieg, der die Vorherr­schaft Versailles' auf dem Kontinent endgültig sicherstellen sollte.

Elisabeth Charlotte von der Pfalz, der Gemahlin Herzog Philipps von Orléans, war 1685 ein An­spruch auf das pfälzische Herrschaftserbe zugefallen. Sie selbst war gewiß nicht bestrebt, dieses Recht mit kriegerischen Mitteln durchzusetzen. Doch nicht sie bestimmte die Geschicke Frankreichs - der "Sonnenkönig" war entschlossen, diese Gelegenheit zum Gewinn neuer Territorien keinesfalls ungenutzt verstreichen zu lassen. Bereits 1679/80 war Freiburg zu einem bedeutenden Brückenkopf jenseits des Rheins geworden, und als es nun zusätzlicher Sicherung der französischen Grenze be­durfte, begannen Truppen des Marschalls Mélac mit der systematischen Verwüstung rechtsrheini­scher Gebiete. Leidtragende dieses Vorgehens waren neben den Schloßanlagen zu Heidelberg, Rastatt und Baden-Baden unzählige Dörfer und Städte.[8]

Zum Hauptkriegsschauplatz gehörten die Territorien der Markgrafschaften Baden-Baden und Baden-Durlach, die sich in verstreuter Form über einen Bereich von Basel bis nach Philippsburg hinzogen. Diese Kleinstaaten waren 1535 im Zuge einer Erbteilung aus der alten Markgrafschaft Baden hervor­gegangen.[9] Von einer Besetzung durch durlachische Truppen zwischen 1594 und 1622 abgesehen wurde Baden-Baden seither katholisch, Baden-Durlach protestantisch regiert; beide Länder verstan­den sich dennoch weiterhin als "ein Corpus".[10] Baden-Durlach hatte als einstiges Gründungsmitglied der protestantischen Union die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges unmittelbar wie wohl nur wenige andere Staaten erlebt. Als 1648 endlich die Waffen schwiegen, war das Land verwüstet, die Bevölkerung um die Hälfte dezimiert. Darüber hinaus deutete sich für zukünftige Zeiten neues Un­heil an, denn Frankreich war es mit dem Westfälischen Frieden gelungen, im Elsaß Fuß zu fassen und sich sogar die wertvollen Festungen Breisach und Philippsburg zu sichern.[11] Daß Markgraf Ludwig Wilhelm (1655-1707), ab 1677 Regent des befreundeten Baden-Baden, ein Patenkind des französischen Regenten war, bot nur scheinbare Sicherheit, wie der Pfälzische Erbfolgekrieg ab 1688 zeigte.[12]

Unter den Siedlungen, die den französischen Armeen zum Opfer fielen, befand sich auch die kleine Residenzstadt Durlach, gegen die Marschall Mélac am 15. August 1689 vorging. Markgraf Friedrich VII. Magnus war nach Basel ins Exil geflohen, alle diplomatischen Bemühungen hatten die Kata­strophe nicht verhindern können. Seine Carlsburg in Durlach ging mitsamt der übrigen Stadt in Flammen auf.[13]

Ludwig Wilhelm von Baden-Baden nahm 1693 als kaiserlicher Feldmarschall den Kampf gegen die Armeen des "Sonnenkönigs" auf, und es gelang ihm, Frankreich durch einen jahrelangen Ermat­tungskrieg zu Verhandlungen zu zwingen, die schließlich 1697 im Vertrag von Rijswijk endeten.[14]

Wie ein düsteres Vorzeichen für Baden-Durlach mochte es wirken, daß der "Hagenbacher Hof", das Basler Ausweichquartier der markgräflichen Familie, bei der Friedensfeier 1698 abbrannte[15]: Für den Augenblick hatte Ludwig XIV. zwar die Festungen Freiburg, Breisach und Philippsburg eingebüßt; er unternahm aber schon 1701 einen Versuch, den Mißerfolg von 1697 wettzumachen. Schauplatz des dreizehnjährigen Ringens, in dessen Verlauf sich der Sonnenkönig wiederum seinem Patenkind Ludwig Wilhelm gegenübersah, war einmal mehr das Land am Oberrhein, jedoch blieben den badi­schen Markgrafschaften ähnliche Zerstörungen wie 1688/97 erspart. Der baden-badische Regent vollendete sogar den 1697 in Angriff genommenen Schloßneubau in Rastatt, der 1714 eindrucksvolle Kulisse der Friedensverhandlungen werden sollte. Der Markgraf selbst hat das Ende des Spanischen Erbfolgekrieges nicht mehr erlebt - er starb 1707 an den Folgen einer drei Jahre zuvor erlittenen Verwundung.[16]

Friedrich VII. Magnus von Baden-Durlach überlebte ihn um zwei Jahre. Die Markgrafenwürde fiel an seinen Sohn Karl III. Wilhelm. Von der Carlsburg war gerade einmal der Westflügel wiederauf­gebaut.[17]

II. Die Residenz Karls III. Wilhelm

1. Der neue Landesherr

Der 25. Juni 1709 wurde in mehrfacher Hinsicht zu einer Zäsur im Leben des neuen Regenten: Äu­ßerliches Zeichen war, daß er fortan seinen Geburtstag nicht mehr am 18. Januar zu feiern pflegte, sondern am 28. Januar - dem Namenstag Kaiser Karls des Großen.[18] Der weitgereiste, kampferprobte Heißsporn entwickelte sich alsbald zu einem fürsorglichen und umsichtigen Landesherrn.

Erbprinz Karl Wilhelm war am 18. Januar 1679 in Durlach geboren. Im November 1688 hatte er mit der markgräflichen Familie vor dem Pfälzischen Erbfolgekrieg nach Basel fliehen müssen. Bereits zwei Jahre später brach er in Begleitung des Hofmeisters Johann Bernhard von Gemmingen auf, um die Hohe Schule in Lausanne zu besuchen. Bald wechselte er nach Genf, und anschließend zum Stu­dium der Geschichte, Politik und Rechtswissenschaften an die Universität Utrecht. Im Verlaufe der Jahre erlernte er mehrere Sprachen, pflegte seine künstlerischen Talente und erarbeitete sich gründli­che Kenntnisse in der Architektur und im Festungsbau. Mehrere Auslandsreisen führten ihn an den englischen Hof, wo ihn bereits in jungen Jahren frühes Gedankengut der Aufklärung geprägt haben mag.

Kurz vor Ende des Pfälzischen Erbfolgekrieges trat er 1696 in die kaiserliche Armee seines Vetters Ludwig Wilhelm von Baden-Baden ein. Nach Abschluß der Kampfhandlungen entfaltete der Erb­prinz von neuem eifrige Reisetätigkeit zu befreundeten und verwandten europäischen Höfen, wurde in Stockholm bereits zur Zielfigur schwedischer Heiratspolitik, doch die Ehe schloß er zu Basel mit der Württembergerin Magdalene Wilhelmine am 27. Juni 1697. Im Spanischen Erbfolgekrieg - einmal mehr unter dem Kommando des "Türkenlouis" Ludwig Wilhelm - zeichnete sich Karl Wil­helm durch große Kühnheit aus, wurde mehrfach verwundet, was sicherlich zu seiner Ernennung zum Generalfeldmarschall 1715 beitrug. In diese Jahre fallen auch amouröse Erlebnisse, die zu sei­nem späteren Ruf beitragen sollten.[19]

Als Markgraf bewies er dieselbe "naturhafte Dynamik"[20], die ihn bereits als Soldaten ausgezeichnet hatte. Es war ihm bewußt, daß das vom Kriege gebeutelte Baden-Durlach nichts weniger benötigte als einen Herrscher vom Schlage Ludwigs XIV. - obgleich das Land seit Markgraf Friedrich VI. ab­solutistisch verwaltet wurde und die letzte Einberufung der Landstände 1668 datiert.[21] Karl Wilhelm war ein Freund der schönen Künste, der Musik und der Jagd, aber er scheint stets weit davon entfernt gewesen zu sein , auf Kosten seiner Untertanen ein üppiges Leben zu führen.

So hielten am Durlacher Hof die Gepflogenheiten des Aufgeklärten Absolutismus Einzug: Der Markgraf verordnete sich selbst einen bis ins Detail geregelten Tagesablauf, der im Sommer bereits um vier Uhr morgens begann und zu einem guten Teil mit der Wahrnehmung von Regierungsge­schäften ausgefüllt gewesen sein mag. Nicht genug, daß Karl Wilhelm sich täglich auf das Intensiv­ste mit seinen Ministern beriet und selbst in nebensächlichen Angelegenheiten Entscheidungen persönlich zu treffen pflegte; er stand in seinen regelmäßig stattfindenden Audienzen jedem Untertan zur Verfügung.[22]

Auf außenpolitischem Gebiet war der Markgraf nach einer diplomatischen Mission in kaiserlichen Diensten auch bei den Friedensverhandlungen in Rastatt zugegen. Im Vordergrund standen jedoch Aktivitäten innenpolitischer Natur. So förderte Karl Wilhelm merkantilistischem Zeitgeist getreu die Ansiedlung von Gewerbe in Baden und beteiligte sich aktiv an der Rechtspflege. Dabei konnte er auf dem Werk seiner Vorgänger aufbauen: Bereits unter Friedrich V. waren 1654 eine Landesordnung und ein Landesrecht publiziert worden, der Aufbau einer effektiven Verwaltung war im Gange. Dar­über hinaus entfaltete der Markgraf verschiedene Aktivitäten sozialer Natur, zu deren Ergebnissen ein Waisen-, Irren-, und Zuchthaus, ein mit höchsten Privilegien ausgestattetes "Fräulein-Stift" - beide in Pforzheim, der größten Stadt des Landes - sowie eine Versorgungskasse für Hinterbliebene geistlicher Staatsdiener gehörten.[23]

Der Dürftigkeit biographischer Überlieferung entspricht der Kranz von Legenden, die sich um den "Narren in folio" (Elisabeth Charlotte von der Pfalz[24] ) ranken. Seinem vorteilhaften äußeren Erschei­nungsbild und tatendurstigen Charakter mochte es Karl Wilhelm zu einem guten Teil verdanken, wenn schon die Zeitgenossen über den Durlacher Lebemann und seine unbekannte, aber gewiß nicht geringe Zahl von Mätressen Geschichten von zuchtlosem Leben und Ausschweifungen jeglicher Art zu berichten wußten - allen voran Elisabeth Charlotte von der Pfalz, die sich mehr als einmal in ihrer Korrespondenz über den "ridicullen Serail"[25] ausließ. Spätere Chronisten wie Eduard Vehse be­schrieben minuziös die baulichen Verhältnisse des Schloßturmes, in denen die "einhundertsechzig" jungen Frauen, dem Markgrafen stets zu Diensten, untergebracht gewesen seien.[26]

Die Tatsache, daß der Karlsruher Schloßturm zur Beherbergung einer solchen Zahl von Menschen wohl der doppelten Kapazität bedurft hätte, hat es nicht verhindern können, daß die Frage, welche Aufgaben diese "Tulpenmädchen" (so schließlich im 20. Jahrhundert bezeichnet) am baden-durlachi­schen Hof hatten, auch von seriösen Historikern recht stiefmütterlich behandelt worden ist.[27] Heute scheint anhand von Besoldungstabellen geklärt, daß sich die Zahl der (im übrigen einheimischen) jungen Frauen zwischen 34 und 60 bewegte - in starker Abhängigkeit von den finanziellen Verhält­nissen des Landesherrn, der insoweit mit anderen Herrschern jener Zeit nicht zu vergleichen ist, die sich teure ausländische Mätressen hielten. Darüber hinaus darf man die "Tulpenmädchen" keines­wegs mit jenen Damen gleichsetzen, denn in der Hauptsache lag ihr Tätigkeitsfeld auf den Gebieten des Hoftheaters und der Tafelmusik. Die Vermutungen Liselottes von der Pfalz scheinen zwar nicht ganz unbegründet, aber das Ausmaß solcher Vorkommnisse blieb offenbar weit hinter dem zurück, was die Zentralfigur barocken Hofgeschwätzes ihre Halbschwester Louise von Degenfeld glauben machen wollte. Auch die Anzahl der Hofdamen hob den baden-durlachischen Hof in keiner Weise über vergleichbare Häuser seiner Zeit empor.[28] Schließlich verdunkelt der Begriff "Tulpenmädchen" die Tatsachen, denn mit der Erstellung jener zwanzig Folianten mit prachtvollen Tulpenabbildungen, die Karl Wilhelm der Nachwelt hinterließ, waren anerkannte Blumenmaler der Zeit beauftragt wor­den.[29]

2. Der markgräfliche Hof - in Durlach ohne Zukunft

Eine Legende verklärt auch die Gründung der Stadt, die zu Karl Wilhelms Vermächtnis geworden ist. Der junge Markgraf habe auf einem seiner zahlreichen Jagdausritte in den Hardtwald westlich von Durlach die Verbindung zu seinem Gefährten verloren; nach langer Suche sei er ermattet unter einer Eiche vom Pferd gesunken und in tiefen Schlummer gefallen. Im Traum sah er sie vor sich - die neue Residenzstadt, der Sonne gleich. Als er erwachte, habe er nur mehr einen Gedanken gehabt: diesen Traum in die Wirklichkeit umzusetzen, sein Schloß im Ausgangspunkt der Strahlen und an jenem Ort, an dem er von dieser Stadt geträumt. Der Name der Residenz sollte für alle Zeiten an ihren Ursprung erinnern: Carols-Ruhe.[30]

Die wahren Gründe, aus denen Karl Wilhelm seine neue Residenzstadt gründete, waren freilich weit weniger malerischer Natur. Der noch von seinem Vorgänger Friedrich Magnus in Angriff genom­mene Wiederaufbau der Carlsburg hatte das Verhältnis zu den Durlacher Bürgern empfindlich ge­trübt. Grundlage dieses Vorhabens war ein Plan des Bologneser Architekten Domenico Egidio Rossi, dessen Verwirklichung selbst einem unzerstörten Lande Baden-Durlach das Letzte an finanzieller Leistungsfähigkeit abverlangt hätte. Die Durlacher waren nicht bereit, neben dem Wiederaufbau ihrer eigenen Häuser Beihilfen zur Errichtung eines prunkvollen Schlosses zu leisten, zumal der Neubau mit seinen Gärten einen erheblichen Teil des bisherigen Stadtgebietes eingenommen hätte. Für das kostspielige Hofleben brachten sie ohnehin wenig Verständnis auf.[31]

Karl Wilhelm schlug deshalb vor, Durlach als Ausgleich für den Platzbedarf der Carlsburg um eine Vorstadt zu erweitern, doch auch dies erschien dem Rat der Stadt wirtschaftlich nicht tragbar.[32] Die Ratsherren konnten ferner auf die mangelnde Eignung des Umlandes zur Bebauung verweisen, denn Durlach liegt auf einem trockenen Schwemmfächer inmitten der zumeist aus Moor- und Torfunter­grund bestehenden Niederung des früheren Kinzig-Murg-Flusses. Im Osten grenzt die Stadt an die Ausläufer des nördlichen Schwarzwaldes und des Kraichgaus, eine Erweiterung in dieser Richtung schied also gleichfalls aus.[33] Vielleicht bewog die Untertanen auch die Furcht vor einem ausufernden residenzstädtischen Leben und damit verbundener "Überfremdung",[34] obgleich sie sich der Konse­quenzen bewußt gewesen sein müssen, die für den Fall drohten, daß der Hof tatsächlich ihre Stadt verließ: Erfahrungsgemäß wirkte sich ein solcher Wegzug in höchstem Maße negativ auf die Wirt­schaft der bisherigen Residenzstadt aus.[35]

Die Zwistigkeiten werden wesentlich dazu beigetragen haben, daß sich der Markgraf zur Gründung einer neuen Residenz entschloß. Es gesellten sich aber weitere Beweggründe hinzu. Das Verhältnis zu seiner Gemahlin war mit der Zeit merklich abgekühlt - zu sehr unterschied sich der lebenshungri­ge Fürst von der charakterlich ernsteren Württembergerin, die Karl Wilhelms Neigungen zu ausgie­biger Jagd und rauschenden Festen verständnislos gegenüberstand.[36] Magdalene Wilhelmine ist ih­rem Gemahl denn auch nicht nach Karlsruhe gefolgt.[37]

Schließlich entsprach die Anlage großzügiger Residenzen "auf der grünen Wiese" barockem Zeit­geist. Wiewohl gefürchtet und oftmals gehaßt, hatte Ludwig XIV. mit dem Schloß Versailles ein Meisterwerk geschaffen, das die Fürsten ganz Europas beeindruckte und sie - selbstverständlich in kleinerem Maßstab - zur Nachahmung anregte.[38] So waren bereits in Bruchsal und Ludwigsburg prächtige Residenzbauten geschaffen worden, zu schweigen vom gewaltigen Werk Kurfürst Karl Philipps von der Pfalz in Mannheim, und selbst Karl Wilhelms Vetter Ludwig Wilhelm war im Be­griff, in Rastatt ein schmuckes Schloß zu beziehen. Was die halbfertige Carlsburg anbetraf, mußte sich der Markgraf eingestehen, daß die Epoche der um einen Innenhof angelegten Stadtschlösser ihrem Ende zuging: Die Zeit verlangte nach großzügigen Bauten inmitten weitläufiger Gartenanla­gen. Innerhalb des kleinen Städtchens am Schwarzwaldhang ließ sich eine derartige Anlage keines­falls verwirklichen.[39]

Letzte Klarheit über die Beweggründe des Markgrafen ist heute nicht mehr zu erlangen, so läßt sich auch die Annahme nicht beweisen, Karl Wilhelm habe durch Vergabe umfangreicher Bauaufträge die Wirtschaft Baden-Durlachs beleben wollen. Seit dem 22. Januar 1715 war Johann Georg Förderer von Richtenfels badischer Kammerprokurator, ein eifriger Verfechter merkantilistischer Ideen. Karl Wilhelms Entscheidung, die Neugründung, wie sich noch zeigen wird, nicht auf ein Jagdschloß zu beschränken, sondern eine Residenz stadt zu schaffen, beruht höchstwahrscheinlich zu einem Teil auf Förderers Einfluß.[40] Ein Historiker bezeichnet ihn gar als den zweiten Gründer Karlsruhes neben Karl Wilhelm. Daß dies - und damit auch der von vornherein feststehende Entschluß, eine Residenzstadt zu schaffen - in der Geschichtsschreibung zumeist unbeachtet blieb, hält er für eine Nachwirkung des Zwistes, den Förderer mit einer eifersüchtigen Hofbürokratie zu führen gehabt habe, zu deren Aktivi­täten schließlich gar die Vernichtung von Akten, die auf Förderers Verdienste hinwiesen, gehört habe.[41]

Es gab also der Gründe mehr als genug, Durlach den Rücken zu kehren. Im Jahre 1714 ließ denn auch der Vertrag von Rastatt ein wenig Aussicht auf dauerhaften Frieden für das Land am Oberrhein aufkeimen - wenn sich Karl Wilhelm auch nicht zu sehr dieser Hoffnung hingab.[42] Allein ein jahre­langes Zuwarten wäre sicherlich seiner Natur zuwidergelaufen. Der Markgraf begann Überlegungen, an welchem Ort die neue Residenz erstehen sollte.

[...]


[1] Vgl. zur Entstehung Baden-Württembergs: Hans-Georg Wehling, Art. Land Baden-Württemberg, in: Uwe Andersen / Wichard Woyke (Hg.), Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 1992, S. 239-244; hier: S. 239.

[2] Zu den älteren Standardwerken gehören: Kurt Ehrenberg, Baugeschichte von Karlsruhe 1715-1870. Bau- und Bodenpolitik. Eine Studie zur Geschichte des Städtebaus, Karlsruhe 1909; Karl Gustav Fecht, Geschichte der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe, Karlsruhe 1887; Robert Goldschmit, Die Stadt Karlsruhe, ihre Geschichte und ihre Verwaltung. Festschrift zur Erinnerung an das 200jährige Bestehen der Stadt, Karlsruhe 1915; Gustav Rommel, Der Karlsruher Hardtwald mit Wildpark, Fasanengarten und Stutensee. Historisch-topographische Studien, Karlsruhe 1933 sowie die weiter unten zitierten Arbeiten von Valdenaire und Weech.

[3] Franz Schnabel, Karlsruhe, die Stadt als Denkmal, in: O. Berendt (Hg.), Karlsruhe. Das Buch der Stadt, Stuttgart 1926, S. 11-15.

[4] Im Mittelpunkt steht das Leben Karl Wilhelms lediglich in dem Text von Hans Leopold Zollner, "Der sich in Carolsruh ein Eden hat erbaut". Zum 250. Todestag des Markgrafen Karl Wilhelm von Baden-Durlach, in: Bad. Heimat 68 (1988), S. 243-255.

[5] Badisches Landesmuseum (Hg.), "Klar und lichtvoll wie eine Regel" - Planstädte der Neuzeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, Karlsruhe 1990.

[6] Manfred Koch, Karlsruher Chronik. Stadtgeschichte in Daten, Bildern, Analysen, Karlsruhe 1992 (Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 14).

[7] U.a.: Olivia Hochstrasser u.a., Karlsruher Frauen 1715-1945. Eine Stadtgeschichte, Karlsruhe 1992 (Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 15); Christina Müller, Karlsruhe im 18. Jahrhundert. Zur Genese und zur sozialen Schichtung einer residenzstädtischen Bevölkerung, Karlsruhe 1992 (Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte. Schrif­tenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 1.) - künftig zitiert: "Karlsruhe"; Heinz Schmitt (Hg.), Alltag in Karlsruhe. Vom Lebenswandel einer Stadt durch drei Jahrhunderte, Karlsruhe 1990 (Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 10).

Andere Texte aus neuerer Zeit enthalten viele zusätzliche Details, zu nennen sind vor allem die Werke von Carl Helmut Bohtz, Karlsruhe, München-Berlin 1970; Hubert Doerrschuck / Herbert Meininger, Stadtgeschichte und Bilddokumenta­tion: Karlsruhe, Karlsruhe 1984; Emil Mangler, Fünfzig Skizzen zur Geschichte der Stadt Karlsruhe, Karlsruhe 1961; Horst Pampel, Karlsruhe. Zwischen den Zeilen der Chronik, Karlsruhe 1988. - Daneben: Hermann Erbacher (Hg.), Suchet der Stadt Bestes. Festschrift der Evangelischen Kirchengemeinde Karlsruhe zum Stadtjubiläum 1715-1965, Karlsruhe 1965 und die unten zitierten Arbeiten von Leiber, schließlich der von Kurt Andermann herausgegebene Sammelband: Residenzen - Aspekte hauptstädtischer Zentralität von der frühen Neuzeit bis zum Ende der Monarchie, Sigmaringen 1992 (Oberrheinische Studien 10).

[8] Vgl. zu Kriegsanlässen und -verlauf: Wolfgang Hug, Geschichte Badens, Stuttgart 1992, S. 154, 155 sowie Eugen Reinhard, Die Residenz in der Kulturlandschaft Südwestdeutschlands - Ihre Topographie und ihr Umland, in: Kurt Andermann (Hg.), Residenzen - Aspekte hauptstädtischer Zentralität von der frühen Neuzeit bis zum Ende der Monarchie, Sigmaringen 1992 (Oberrheinische Studien 10), S. 25-46 - künftig zitiert: "Residenz"; hier zu Rastatt zitiert: S. 37.

[9] Vgl. zu dieser Teilung durch das Los: Volker Press, Die badischen Markgrafen im Reich der frühen Neuzeit, in: ZGO 142 (1994), S. 19-57 - hier: S. 29/30; Friedrich von Weech, Badische Geschichte, Karlsruhe 1890, S. 134/135; Joachim Fischer, Beiwort zu den Karten VI, 1 - Territorialentwicklung Badens bis 1796 - und VI, 1 a - Die Markgrafschaften Baden-Baden und Baden-Durlach bis zu ihrer Vereinigung 1771, in: Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg (Hg.), Historischer Atlas von Baden-Württemberg, Erläuterungen, Stuttgart 7. Lieferung 1979, S. 4. - Eine bildliche Darstellung der Territorien bieten die genannten Karten.

[10] Vgl. Hug, a.a.O., S. 149 sowie Karl Stiefel, Baden 1648-1952, Bd. I, Karlsruhe 1977, S. 71. Stiefel zitiert "ein Corpus" aus einer nicht näher bezeichneten "Festlegung im Zusammenhang mit der Trennung".

[11] Vgl. Westfälischer Friede - Instrumentum Pacis Monasteriense, §§ 73, 74, 76, in: H.K.G. Rönnefarth (Bearb.), Konferenzen und Verträge Teil II, 3. Band: Neuere Zeit 1492-1914, hg. v. Ploetz-Verlag, Würzburg 21958, S. 81/82; ferner Hug, a.a.O., S. 151, 153.

[12] Vgl. Dieter Stievermann, Von den Markgrafschaften zum Großherzogtum. Baden in der letzten Epoche des Alten Rei­ches 1648-1806, in: Hansmartin Schwarzmaier u.a. (Hg.), Geschichte Badens in Bildern 1100-1918, Stuttgart u.a. 1993, S. 115-136; hier zitiert S. 119.

[13] Durlach brannte bis auf sechs Häuser nieder, vgl. Doerrschuck, a.a.O., S. 13 sowie Hans-Detlef Rösiger, Durlach und Karlsruhe, Erstausgabe Karlsruhe 1924, ND Karlsruhe 1974, S. 1, 5, 17, 18, der als Tag der Zerstörung den 16. August angibt. Vermutlich zog sich der Angriff bis in die Nachtstunden zum 16. August hin. - Vgl. ferner Press, a.a.O., S. 47/48 sowie Hug, a.a.O., S. 155. - Friedrich VII. Magnus von Baden-Durlach, geboren 1643, regierte von 1677 bis zu seinem To­de 1709, vgl. Stiefel, a.a.O., S. 67.

[14] Vgl. Press, a.a.O., S. 44; Hug, a.a.O., S. 155/156; Stievermann, a.a.O., S. 119.

[15] Vgl. Erbacher, a.a.O., S. 10.

[16] Vgl. Press, a.a.O., S. 45; Hug, a.a.O., S. 156, 158, 159; Stievermann, a.a.O., S. 119-121.

[17] Vgl. Arthur Valdenaire, Das Karlsruher Schloß, Karlsruhe 1931 - künftig zitiert: "Schloß" - , S. 5.

[18] Vgl. Hans Leopold Zollner, "Der sich in Carolsruh ein Eden hat erbaut". Zum 250. Todestag des Markgrafen Karl Wil­helm von Baden-Durlach, in: Bad. Heimat 68 (1988), S. 243-255; hier zitiert S. 247, 249. Nicht korrekt ist insoweit wohl das Geburtsdatum, das Edmund Sander, Karlsruhe einst und jetzt in Wort und Bild, Erstausgabe Karlsruhe 1911, ND Karlsruhe 1978, S. 25 mit dem 28. Januar angibt, gleiches gilt für Friedrich von Weech, Geschichte der Stadt und Verwaltung Karlsruhe Bd. I, Karlsruhe 1895 - künftig zitiert: "Stadt" - , S. 7.

[19] Vgl. zu den geschilderten Einzelheiten aus Karl Wilhelms Biographie: Press, a.a.O., S. 48,49; Hug, a.a.O., S. 162; Erbacher, a.a.O., S. 9; Zollner, a.a.O., S. 244-247; Emil Vierneisel, Neutralitätspolitik unter Markgraf Karl-Wilhelm von Baden-Durlach, in: ZGO 72 (1918), S. 373-417, 496-525 und ZGO 73 (1919), S. 77-132, 191-226, 358-384, 503-515; hier zitiert: ZGO 72 (1918), S. 496 ff. sowie Edgar Frhr. v. Rotberg, "Karls-Ruhe", in: Hermann E. Busse (Hg.), Karlsruhe. Jahresheft der Zeitschrift Badische Heimat 1928, Karlsruhe 1928, S. 44-52; hier: S. 45.

[20] Mangler, a.a.O., S. 8.

[21] Vgl. Stiefel, a.a.O., S. 66/67. Friedrich VI., geboren 1617, regierte Baden-Durlach von 1659 bis 1677 und war Vorgän­ger Friedrichs VII. Magnus.

[22] Vgl. zu den Regierungsgepflogenheiten Karl Wilhelms: Weech, Stadt, S. 8; Sander, a.a.O., S. 25; Mangler, a.a.O., S. 8.

[23] Vgl. Zollner, a.a.O., S. 249; Stievermann, a.a.O., S. 121 sowie Stiefel, a.a.O., S. 67.

[24] So zitiert aus einem Brief an Raugräfin Louise von Degenfeld vom 3. April 1721 bei Olivia Hochstrasser, Hof, Stadt, Dörfle - Karlsruher Frauen in der vorbürgerlichen Gesellschaft (1715-1806), in: dies. u.a., Karlsruher Frauen 1715-1945. Eine Stadtgeschichte, Karlsruhe 1992 (Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 15), S. 19-101; hier S. 28.

[25] Zitiert aus einem Brief an Louise von Degenfeld vom 15. Dezember 1718 nach Hochstrasser, a.a.O., S. 28.

[26] Vgl. Hochstrasser, a.a.O., S. 25. Sie zitiert Vehses Bericht aus dem Jahre 1853 nach Eduard Vehse, Süddeutsche Für­stenhöfe Bd. II. Der württembergische und der badische Hof, Karlsruhe 21921, S. 257-259; Zitat "einhundertsechzig" dem Beitrag Hochstrassers entnommen.

[27] Den Forschungsstand zu dieser Frage beschreibt detailliert Hochstrasser, a.a.O., S. 23-27.

[28] Vgl. etwa die Zahlenangaben bei Jürgen Frhr. v. Kruedener, Die Rolle des Hofes im Absolutismus, Stuttgart 1973 (Diss. phil. München 1971) (Forschungen zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Bd. 19), S. 9: So gehörten zum pfälzischen Hof in Mannheim 1723 mehr als 700 Personen.

[29] Vgl. zusammenfassend zu den "Tulpenmädchen" - auch zum Problem dieses Begriffes: Hochstrasser, a.a.O., S. 30-36.

[30] Vgl. zur Sage um die Gründung Karlsruhes: Sander, a.a.O., S. 7-10; Bohtz, a.a.O., S. 12 sowie Otto Goldfarb, Die kommerzielle und industrielle Entwicklung der Stadt Karlsruhe. Ein Beispiel aus der Geschichte der merkantilistischen In­dustrie- und Stadtgründungen, Diss. Frankfurt (M.) 1924, S. 1. - Die Bedeutung der Legende für die Rechtfertigung der Neugründung gegenüber der Durlacher Bürgerschaft und der Hofbürokratie schildert Müller, Karlsruhe, S. 191. - Um die Gründung des Zisterzienserklosters Lehnin in der Mark Brandenburg 1180 rankt sich im übrigen eine ähnliche Legende, vgl. Bohtz, a.a.O., S. 12.

[31] Vgl. Valdenaire, Schloß, S. 5/6 sowie Albert Göckler, Alt-Karlsruhe von Markgraf Karl Wilhelm bis Weinbrenner, Karlsruhe 1930, S. 6.

[32] Vgl. Erbacher, a.a.O., S. 9. - Der Markgraf plante nämlich eine modellmäßige Bebauung, und dies hätte noch höhere Kosten verursacht, als es eine konventionelle Erweiterung getan hätte. Modellhäuser boten sich auch für den Aufbau der Kernstadt umso weniger an, als die Außenmauern vieler Häuser die Brandnacht von 1689 überstanden hatten. Vgl. hierzu Michael Borrmann, Barocke Stadt- und Modellhausprojekte in der Markgrafschaft Baden-Durlach vor der Gründung von Karlsruhe, in: Badisches Landesmuseum (Hg.), "Klar und lichtvoll wie eine Regel" - Planstädte der Neuzeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, Karlsruhe 1990, S. 231-242; hier: S. 235/236.

[33] Vgl. zu den geographischen Verhältnissen in der Umgebung Durlachs Göckler, a.a.O., S. 6; Fecht, a.a.O., S. 39, 40 sowie Gottfried Leiber, Städtebau in Karlsruhe - Von der Gründung bis zum Ende der Ära Weinbrenner, in: Stadt Karlsruhe (Hg.), Karlsruher Beiträge 6. Leben in der Fächerstadt. 275 Jahre Karlsruhe, Karlsruhe 1991, S. 23-47 - künftig zitiert: "Städtebau"; hier: S. 23. - All dies widerspricht Goldfarbs a.a.O., S. 3, vertretener Auffassung, Durlach sei zu großzügigem Ausbau gut geeignet gewesen.

[34] Dies vermuten Göckler, a.a.O., S. 6 und auch Goldschmit, a.a.O., S. 2.

[35] Am Beispiel der Residenz Ludwigsburg wird deutlich, wie sehr ihr Aufschwung und Niedergang im 18. Jahrhundert vom mehrfachen Umzug des württembergischen Hofes bestimmt waren, vgl. Eugen Reinhard, Die oberrheinische Kulturlandschaft in der Barockzeit, in: Hansmartin Schwarzmaier (Hg.), Barock am Oberrhein, Karlsruhe 1985 (Oberrheinische Studien VI), S. 19-54 - künftig zitiert: "Kulturlandschaft"; hier zitiert: S. 40. - Vergleichbares zeigt sich im Falle der Stadt Mannheim, vgl. Reinhard, Residenz, S. 36. - Ähnlich sollte es im 18. Jahrhundert auch Durlach ergehen: "Jetzt sieht dieser Ort wie ein alter Mann aus, der ehemals wohlhabend war, nun von Nahrungssorgen gebeugt wird ..." be­fand 1785 Johann Heinrich Campe im zweiten Teil seiner "Sammlung interessanter und durchgängig zweckmäßig abgefaßter Reisebeschreibungen für die Jugend", zitiert nach Klaus-Jörg Ruhl (Hg.), Karlsruhe in alten und neuen Reisebeschreibungen, Düsseldorf 1991, S. 44.

[36] Vgl. Valdenaire, Schloß, S. 6.

[37] Vgl. Bohtz, a.a.O., S. 15.

[38] Vgl. Kruedener, a.a.O., S. 75.

[39] Vgl. Hug, a.a.O., S. 159/160, 164-167 sowie Bohtz, a.a.O., S. 9/10. - Eine genauere Beschreibung der Schloßanlagen zu Ludwigsburg und Rastatt bietet Reinhard, Kulturlandschaft, S. 37, 38, 40. - Zur Residenz Mannheim vgl. Ernst Plewe, Mannheim-Ludwigshafen - eine stadtgeographische Skizze, in: Gottfried Pfeifer / Hans Graul / Hermann Overbeck (Hg.), Heidelberg und die Rhein-Neckar-Lande. Festschrift zum 34. Deutschen Geographentag vom 4. bis 7. Juni 1963 in Heidelberg, Heidelberg-München 1963, S. 126-153.

[40] Müller, Karlsruhe, S. 190/91, 193, betont die Vorbildfunktion Ludwigsburgs für die Neugründung Karlsruhe. - Vgl. ferner Manfred Koch (Hg.), Karlsruher Chronik. Stadtgeschichte in Daten, Bildern, Analysen, Karlsruhe 1992 (Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 14), a.a.O., S. 18/19. - Welche Gründe ausschlaggebend für die Verlegung der Residenz waren, ist in der Literatur umstritten: So verneint Erbacher, a.a.O., S. 11, eine Gründung aus "wirtschaftliche[n] oder gar strategische[n] Gesichtspunkte[n]". Auch Arthur Valdenaire, Karlsruhe. Die klassisch gebaute Stadt, Augsburg 1929 (Deutsche Kunstführer Bd. 25) - künftig zitiert: "Karlsruhe", S. 12, schließt wirtschaftliche Gründe für die Schaffung der Residenz aus. - Den Einfluß Förderers hält hingegen für wesentlich: Ernst-Otto Bräunche, Vom mark­gräflichen "Lust-Hauß" zur großherzoglichen "Haupt- und Residenzstadt". Die Entwicklung der Residenz Karlsruhe zwischen 1715 und 1918, in: Kurt Andermann (Hg.), Residenzen - Aspekte hauptstädtischer Zentralität von der frühen Neuzeit bis zum Ende der Monarchie, Sigmaringen 1992 (Oberrheinische Studien 10), S. 199-222 - künftig zitiert: "Lust-Hauß"; hier: S. 204/205. - Für Eugen Reinhard, Beiwort zur Karte IV, 10. Grundrisse neuzeitlicher Städte I. Karlsruhe bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, in: Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg (Hg.), Historischer Atlas von Baden-Württemberg, Erläuterungen, Stuttgart 6. Lieferung 1977 - künftig zitiert: "Beiwort" -, S. 3, waren eindeutig die unüberwindlichen Hindernisse für einen Schloßbau innerhalb Durlachs ausschlaggebend.

[41] So Franz Schneider, Die Anfänge von Schloß und Stadt Karlsruhe, in: ZGO 85 (1933), S. 432-455: Zwischen dem Kammerprokurator und der Hofbeamtenschaft entspann sich ein jahrelanger Streit, an dessen Ende die Beamten 1717 För­derers Entlassung erreichten. Dessen wirtschaftliche Erfolge waren zwar hinter seinen Versprechungen zurückgeblieben, seine Entlassung beruht dennoch auf wahrscheinlich schwer belegbaren Vorwürfen, welche die Bürokratie beim Markgrafen erhoben hatte.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Die Gründung der baden-durlachischen Residenz Karlsruhe und ihre Bedeutung als Denkmal des Absolutismus
Untertitel
"... eine gantz[!] neu angelegte Stadt und schönes Schloß in einer luftigen Gegend"
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Didaktik der Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar "Einführung in die Didaktik der Geschichte"
Note
1,0
Autor
Jahr
1994
Seiten
40
Katalognummer
V303215
ISBN (eBook)
9783668019782
ISBN (Buch)
9783668019799
Dateigröße
611 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar: "Die Arbeit wurde mit 'sehr gut' (1,0) bewertet. Sie ist außerordentlich."
Schlagworte
Karlsruhe, Baden, Durlach, Baden-Durlach, Karl III. Wilhelm, Residenz, Absolutismus, Architektur, Herrschaftsarchitektur, Barock, Planstadt, Planstädte
Arbeit zitieren
Michael Kuhlmann (Autor), 1994, Die Gründung der baden-durlachischen Residenz Karlsruhe und ihre Bedeutung als Denkmal des Absolutismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303215

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