In der vorliegenden Arbeit wird der frühkindliche Spracherwerb des Französischen als Muttersprache im Hinblick auf die Grammatik behandelt. Als Grundlage diente der Artikel "Comment l’enfant acquiert-il le langage?".
Zunächst werden die Entwicklungsphasen des Spracherwerbs vom Säuglingsalter über die Phasen der Ein-, Zwei-, und Mehrwortäußerungen bis hin zur Aufbauphase der Syntax beleuchtet. Diese Einteilung erfolgt unter Berücksichtigung der kognitiven Entwicklungsstufen nach Jean Piaget. Zunächst werden jeweils die Grundlagen des Spracherwerbs dargestellt, anschließend wird besonders das Erlernen des Regelsystems veranschaulicht. Hierfür wurde vor allem das Werk Französische Kindersprache von Bernd Kielhöfer herangezogen.
Im weiteren Verlauf der Arbeit werden die Erklärungsmodelle Behaviorismus, Interaktionismus, Nativismus und Kognitivismus vorgestellt und diskutiert. Dabei wird genauer auf die Theorien zum Erwerb der Grammatik von Noam Chomsky und Dan Slobin eingegangen. Zusätzlich werden neuere Erkenntnisse aus der Gehirnforschung kurz umrissen. Abschließend erfolgt die Evaluation der Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklungsphasen des frühkindlichen Spracherwerbs
2.1 Säuglingsalter
2.2 Phase der Einwortäußerungen
2.3 Phase der Zweiwortäußerungen
2.4 Phase der Mehrwortäußerungen
2.5 Phase des Syntaxaufbaus
3. Erklärungsmodelle des Spracherwerbs
3.1 Der Behaviorismus
3.2 Der Interaktionismus
3.3 Der Nativismus
3.3.1 Noam Chomsky
3.3.2 Dan Slobin
3.4 Kognitivismus
3.5 Neuere Forschungsergebnisse
4. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den frühkindlichen Spracherwerb des Französischen als Muttersprache mit einem besonderen Fokus auf die Entwicklung der grammatikalischen Fähigkeiten und die zugrunde liegenden kognitiven sowie neurologischen Prozesse.
- Phasenbasierte Analyse der kindlichen Sprachentwicklung
- Kognitive Entwicklungsstufen nach Jean Piaget
- Diskussion klassischer Spracherwerbstheorien (Behaviorismus, Interaktionismus, Nativismus, Kognitivismus)
- Vergleich der Positionen von Noam Chomsky und Dan Slobin
- Verbindung zwischen neurologischen Erkenntnissen und Grammatikerwerb
Auszug aus dem Buch
2.4 Phase der Mehrwortäußerungen
Wenn das Kind sich in Drei- oder Mehrwortäußerungen ausdrückt, befindet es sich auf der Präoperationalen Stufe und kann sich die Bedeutung von Wörtern „auch ohne bildhafte Stützung durch allmähliches Hineinfinden in Sprache“7 erschließen.
In dieser Phase entwickelt sich der Wortschatz des Kindes stark weiter bis eine sprachliche Basis im Alter von drei bis vier Jahren vorhanden ist. Die erlernten Worte können nun auch in Beziehung zu anderen gesetzt werden. Auch Nebensätze werden gebildet.8 Laut Kielhöfer (1997) ist der Relativsatz einer der ersten erlernten Nebensätze, das Relativpronomen „qui“ wird allerdings noch als „ti/til“ realisiert: „le bateau ti s’en va“. Ähnlich verhält es sich mit der Konjunktion „parce que“, die Kinder als Begründung „pasque“ (darum) gebrauchen.9
Die Verwendung von Determinanten funktioniert noch nicht systematisch, da auch hier die Polyfunktionalität Verwirrung stiftet. Darüber hinaus sorgen die Liaison sowie Portmanteaumorpheme dafür, dass die Artikel ohne Kenntnis der Schriftsprache schlecht isoliert werden können.10
Für den Ausbau der Grammatik bedienen sich Kinder unbewusst bestimmter Strategien und testen dann, ob das Ergebnis mit der Norm übereinstimmt. Diese Theorie begründet Kielhöfer (1997) am Beispiel eines Mädchens, das im Alter von zwei Jahren und drei Monaten sagt „veux embrasser pour toi“ anstatt „je veux t’embrasser“, weil die Person „toi“ semantisch gesehen das Objekt ist, das umarmt werden soll.11
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des frühkindlichen Spracherwerbs des Französischen ein und skizziert den methodischen Aufbau der Arbeit unter Einbeziehung kognitiver Entwicklungsstufen.
2. Entwicklungsphasen des frühkindlichen Spracherwerbs: Das Kapitel beschreibt chronologisch die verschiedenen Stufen der kindlichen Sprachentwicklung von der pränatalen Wahrnehmungsfähigkeit bis hin zur komplexen Beherrschung der Syntax im Schulalter.
3. Erklärungsmodelle des Spracherwerbs: Hier werden zentrale theoretische Ansätze wie Behaviorismus, Interaktionismus, Nativismus und Kognitivismus gegenübergestellt und hinsichtlich ihrer Erklärungsleistung für den grammatikalischen Erwerb diskutiert.
4. Schlusswort: Das Schlusswort evaluiert die Ergebnisse der Arbeit und betont die Komplexität des Spracherwerbsprozesses, der auf einem Zusammenspiel aus inneren Anlagen und äußeren Umweltfaktoren basiert.
Schlüsselwörter
Spracherwerb, Französisch, Grammatik, Kindersprache, Behaviorismus, Interaktionismus, Nativismus, Kognitivismus, Jean Piaget, Noam Chomsky, Dan Slobin, Syntax, Spracherwerbstheorien, Morphologie, Sprachareale
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Prozess, wie Kinder ihre Muttersprache, in diesem Fall Französisch, erlernen und dabei sukzessive die komplexen grammatikalischen Strukturen meistern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit gliedert sich in die Darstellung der chronologischen Entwicklungsphasen des Kindes und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit verschiedenen Theorien zur Erklärung dieses Spracherwerbs.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Spracherwerb im Kindesalter zu veranschaulichen, die kognitiven Voraussetzungen zu beleuchten und verschiedene linguistische Erklärungsmodelle auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse basiert, wobei insbesondere die kognitiven Entwicklungsstufen nach Jean Piaget und Ansätze von Bernd Kielhöfer herangezogen werden.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Beschreibung der Sprachentwicklung vom Säuglingsalter bis zum Schulalter sowie eine tiefgehende Diskussion der behavioristischen, interaktionistischen, nativistischen und kognitivistischen Ansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Spracherwerb, Grammatik, Kindersprache, Nativismus, Kognitivismus sowie die Linguisten Chomsky und Slobin.
Inwiefern beeinflussen die Theorien von Noam Chomsky und Dan Slobin das Verständnis?
Chomsky postuliert eine angeborene Sprachfähigkeit und Universalgrammatik, während Slobin den Fokus stärker auf ererbte Strategien legt, mit denen Kinder die Grammatik aktiv aus dem Gehörten konstruieren.
Welche Rolle spielen neuere Erkenntnisse aus der Gehirnforschung?
Neuere Forschung zeigt, dass der Spracherwerb kein isoliertes Sprachorgan benötigt, sondern auf dem Zusammenspiel vieler verschiedener Gehirnareale beruht, was eine Ergänzung zu klassischen Modellen darstellt.
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- Valerie Till (Author), 2014, Der frühkindliche muttersprachliche Erwerb der französischen Grammatik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303220