Ronald de Sousas „Love as Theater“. Auffassung der romantischen Liebe, Probleme und Lösungen


Hausarbeit, 2015

11 Seiten, Note: 2,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ronald de Sousas Auffassung von romantischer Liebe

3. Ronald de Sousas Probleme der romantischen Liebe
Crystallization
The Platonic requirement
The Anti-Platonic Requirement
Transference

4. Ronald de Sousas Lösung zur romantischen Liebe
Consensual Simulation

5. Quellen

1. Einleitung

Ronald de Sousa ist emeritierter Professor an der Universität von Toronto in Kanada. Er veröffentlichte 1991 in dem Buch „Philosophy of (Erotic) Love“ von Robert C. Solomon und Kathleen M. Higgins erstmals den Aufsatz „Love as Theater“. Der Aufsatz „Love as Theater“ soll in dieser Hausarbeit betrachtet werden. Ronald de Sousa geht in seinem Aufsatz nur auf eine Form der Liebe ein: „eros“ die erotische Liebe, die auch Sex beinhaltet. Zuerst werden vier Probleme dargestellt, die de Sousa in Hinblick auf die romantische Liebe thematisiert. De Sousa ist der Meinung, dass die Anforderungen von romantischer Liebe fast unmöglich zu erfüllen sind. Dafür führt er vier Probleme an. Die Kristallisation, die schon von Stendhal „Über die Liebe“ thematisiert wird, ist eine der vier problematischen Charakteristika, die hier betrachtet werden, ebenso wie die platonische Notwendigkeit, die anti-platonische Notwendigkeit und Übertragung. Des Weiteren erläutert de Sousa eine mögliche Lösung in Hinblick auf die romantische Liebe, die hier ebenfalls behandelt werden soll. Er nennt es die einvernehmliche Simulation, diese beinhaltet das man gemeinsam mit der Liebe spielt um sie aufrecht zu erhalten, sich also Bezeugungen, Beweise und liebevolle Gesten entgegenbringt um somit das körperliche als auch das emotionale Gefühl der Liebe zu erhalten und zu steigern. Diesen Prozess nennt Ronald de Sousa „Theater of Love“.

2. Ronald de Sousas Auffassung von romantischer Liebe

„In the kind of eros I am talking about, the dominant feeling is precisely that there is no possibility of real consummation. Of course, there may be sexual intercourse of various sorts or degrees. There may be orgasm, which may lead to the cessation of physical desire. But the erxperience I am trying to isolate- that form of eros that I call Romantic Love – is characterized by the feeling that nothing would actually constitute a consummation. The phenomenological mark of this experience of love is the acute consciousness of the impossibility of possession.

[...]

What all these legends and stories have in common is the connection of romantic love and death, irrevocable separation, or some other insuperable obstacle. [...] The four problematic features presented in these classic stories of romantic love either consist in self-deception or offer an almost irresistible temptation to self-deception. These are crystallisations, the Platonic ideal, the anti-Platonic ideal, and the problem of transference.“[1]

Nach Ronald de Sousa gibt es verschiedene Arten der Liebe. Eine davon ist eros. Diese verschiedenen Arten der Liebe sind unabhängig voneinander, d.h. selbst wenn eros nicht empfunden wird, können trotzdem die anderen Arten der Liebe eintreten. In seinem Aufsatz „Love as Theater“ bezieht er sich jedoch nur auf eros. Mit dem eros geht die Vorstellung der romantischen Liebe einher. Im eros sind ebenso emotionale als auch sexuelle Empfindungen enthalten. Nach Ronald de Sousa ist jedoch die Möglichkeit der Vollendung und Erfüllung der romantischen Liebe ausgegliedert. Für ihn ist diese Vorstellung einfach nicht erfüllbar. Die großen Legenden und Liebesgeschichten zeigen in seinen Augen auch, dass dieses Konzept von romantischer Liebe nicht realisierbar ist. Sie alle enden im Tod, in Trennung oder in anderen unüberwindbaren Hindernissen. Was aber wäre mit diesen Paaren geschehen, wenn sie sich bekommen hätten? Ronald de Sousa führt vier Gründe bzw. Probleme an, warum in seinen Augen das Konzept von romantischer Liebe nicht funktionieren kann. Die Kristallisation, die platonische Notwendigkeit, die anti-platonische Notwendigkeit und die Übertragung.

3. Ronald de Sousas Probleme der romantischen Liebe

Crystallization:

„The name of this process is inspired by Stendhal’s observation that if you deposited a twig for few days in the Salzburg salt mines, it would acquire beautiful accretions of salt crystals. [...] This view implies that romantic love is particularly resistant to the encroachment of the real. Whatever dissolves the shining crystals will reveal only a common twig, which seems doomed to banality. Crystallization consists essentially in self-deception, or at least in bootstrapping, that is, in the process of solving the Euthyphro problem by fiat, constituting certain features of the loved one into objective virtues just by deeming them so.“[2]

Die Kristallisation ist das erste der vier genannten Probleme. Bei dieser bezieht sich Ronald de Sousa auf einen von Stendhal geprägten Begriff. Dieser beschreibt den Vorgang eines in einer Salzmine vergessenen Zweiges, welcher nach einiger Zeit voller strahlender Kristalle ist. Ronald de Sousa überträgt dieses Bild auf das Konzept der romantischen Liebe. Diese ist resistent gegenüber der Realität. Man könnte hier auch die Redewendung: Liebe macht blind als Beispiel anführen oder auch das Bild der rosaroten Brille. Nach Ronald de Sousa machen wir Menschen das Gleiche mit dem Objekt unserer Liebe, was die Salzmine mit dem Zweig macht. Nur statt Kristallen sind es schöne Vorstellungen in unseren Köpfen oder die Einbildung, dass uns etwas an jemandem gefällt, was uns im Normalfall nicht gefallen würde. Wir hängen diese Vorstellungen und Eigenschaften dem Objekt unserer Liebe an und steigern somit noch die Gefühle. Wir reden uns in unserem Kopf diese Objekt schön. Ronald de Sousa sieht in diesem Prozess eine Selbsttäuschung. Dieser Prozess ist wie das Schnüren von Stiefeln, ein immer weiteres festzurren der Schnüre bzw. Vorstellungen. Unsere Vorstellungen, die wir immer weiter ausbauen steigern sich also immer weiter, haben aber nichts mehr mit der Realität zu tun. Die Realität würde uns in diesem Falle tief enttäuschen. Diese Gründe für die Liebe sind nur in unserem Kopf, es sind verherrlichte Vorstellungen und Ausschmückungen. Man bildet sich ein etwas gut zu finden, was man normalerweise nicht gut finden würde. Es sind keine realen Gründe für eine romantische Liebe und somit Selbsttäuschung.

The Platonic requirement:

„The idealization of the object, which goes with the fact that consummation is always impossible or delayed, I call the Platonic Requirement. [...] Since the true object of desire is something literally out of this world, it can never be possessed in this life. But the temptation to deny this impossibility is irresistible. The Platonic condition encourages self-deception once again, in the willful belief that the loved object is the ideal, or provides some sort of mystical path to the ideal.“[3]

Ein weiteres Problem ist die platonische Notwendigkeit. Mit dem Konzept der romantischen Liebe geht das Begehren des Objektes einher. Das Begehren richtet sich jedoch nicht auf die Person an sich, sondern auf eine spezielle Eigenschaft, wie zum Beispiel die Schönheit. Es gefällt also nicht die Person, sondern die Schönheit. Diese Eigenschaft könnte jedoch auch von anderen Menschen erfüllt werden. Das Begehren richtet sich nicht einfach auf die Person, sondern auf Grund der Schönheit auf diese Person, da man mit Eigenschaften keine Beziehung eingehen kann. Was wäre also, wenn die Person plötzlich ihre Schönheit verliert? Die romantische Liebe gilt demnach nur der Schönheit bzw. einer Eigenschaft im Allgemeinen. Da nicht wirklich die Person geliebt wird, wie man es eigentlich annimmt, sieht Ronald de Sousa auch hier wieder eine Form der Selbsttäuschung und die Empfindungen die man hat, können demnach nur platonischer Form sein.

The Anti-Platonic Requirement:

„It demands that romantic love be essentially focused on a singular, particular individual. [...] Thus I must know not just that you are yourself, but in what actual properties you differ from all others. [...] If I must know you to love you, I must always love you for some qualities, however inarticulate, that severally or together make you lovable for me. So although love is of an individual, the “target,“ it is always motivated by some set of general characteristics that could, in principle, be shared by another. In that sense, though acquaintance is with particulars, knowledge is intrinsically general. Truly singular love can no more be achieved than Platonic love.“[4]

„To direct one’s attention onto the properties of a particular person is certainly possible in fact, but it is always logically possible in principle that someone else might share just that set of properties. That is what I mean by saying that we can have knowledge only of the general. The general can be as specific as you like, but can never guarantee that is not taking one singular object for another of the same kind. In this case, the self-deception consists in believing that the contingent uniqueness of the properties collected in the one loved object is identical with the necessary uniqueness that pertains to any particular just as a matter of logic.“[5]

[...]


[1] De Sousa, Ronald: Love as Theater. In: De Sousa, Ronald: Emotional Truth. New York: Oxford University Press 2011 S. 266

[2] Ebd. S. 267

[3] Ebd. S. 267/268

[4] Ebd. S. 268

[5] Ebd. S. 269

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Ronald de Sousas „Love as Theater“. Auffassung der romantischen Liebe, Probleme und Lösungen
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Ronalde de Sousas philosophische Reflexionen zur Liebe
Note
2,2
Autor
Jahr
2015
Seiten
11
Katalognummer
V303263
ISBN (eBook)
9783668019157
ISBN (Buch)
9783668019164
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ronald de Sousa, Liebe, romantische Liebe, Kristallisation, Notwendigkeit, Übertragung, Transference
Arbeit zitieren
Luise Seemann (Autor), 2015, Ronald de Sousas „Love as Theater“. Auffassung der romantischen Liebe, Probleme und Lösungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303263

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