In dieser Arbeit werden zwei Literaturverfilmungen zu dem Roman 'Frau Jenny Treibel, oder: 'Wo sich Herz zum Herzen find't' ' von Theodor Fontane mit einander verglichen, wobei die Charaktere, Entwicklungen und Handlungen der Hauptpersonen, in diesem Falle Frau Jenny Treibel und Corinna Schmidt, im Zusammenhang mit der Norm des Besitz- und Bildungsbürgertums einerseits und der gesellschaftlichen Lage zur damaligen Zeit und zur Zeit der Verfilmungen andererseits näher betrachtet und analysiert werden.
Dabei sind vor allem die unterschiedlichen Interpretationen der jeweiligen Regisseure und Drehbuchautoren interessant: während der eine Film 1951 in der DDR gedreht worden ist (Arthur Pohl) und die Hinzufügung 'Frei nach Theodor Fontane' trägt, ist der andere Film, (1982 im Auftrag des Bayerischen Rundfunks von Walter Jens und Franz Josef Wild inszeniert), im westlichen Teil Deutschlands entstanden.
In dieser Arbeit wird der Effekt der unterschiedlichen Darstellung der gesellschaftlichen Lage auf das Handeln und auf die Entwicklung der Hauptpersonen betrachtet. Es wird ein Versuch gemacht, die Frage, ob und in wiefern einerseits Jenny Treibel in ihrem Charakter und in ihren Handlungen authentisch ist, oder sich nur als Exponent der herrschenden Gesellschaftsnorm zeigt, und andererseits in wiefern Corinna Schmidt sich dieser (etwaigen) Norm fügt oder sich zu einer selbständigen Person entwickelt, zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Fontane und die Bourgeoisie
Frau Jenny Treibel - zwei Verfilmungen
Frau Jenny Treibel – ein Film von Walter Jens (Drehbuch) und Franz Josef Wild (Regie), Bayerischer Rundfunk 1982
Frau Jenny Treibel oder Corinna Schmidt – ein Film von Arthur Pohl (Drehbuch und Regie), DEFA 1951
Darstellung der Hauptfiguren: das Handeln und die Entwicklung der Jenny und der Corinna
Die Darstellung der Jenny und der Corinna: Herkunft, Charakter, Erscheinung und soziale Stellung
Charakter und Herkunft: Jenny
Charakter und Herkunft: Corinna
Handel und Wandel bei Jenny und Corinna
Jenny als Mater Familias
Jenny und Corinna
Corinna und Leopold
Corinna und Marcell
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Charakterdarstellungen, Handlungsweisen und Entwicklungen der Protagonistinnen Jenny Treibel und Corinna Schmidt in zwei unterschiedlichen Literaturverfilmungen von Theodor Fontanes Roman „Frau Jenny Treibel“. Dabei analysiert die Arbeit insbesondere, inwiefern die zeitgeschichtlichen Hintergründe und die unterschiedlichen filmischen Interpretationen der Regisseure die Wahrnehmung der sozialen Machtverhältnisse zwischen dem Besitz- und dem Bildungsbürgertum beeinflussen.
- Vergleichende Analyse der Literaturverfilmungen von Arthur Pohl (1951) und Walter Jens/Franz Josef Wild (1982).
- Untersuchung der gesellschaftlichen Positionierung von Jenny Treibel als „Typus einer Bourgeoise“.
- Darstellung der Entwicklung Corinna Schmidts zur unabhängigen Persönlichkeit.
- Gegenüberstellung von sozialkritischen Ansätzen im DDR-Film gegenüber dem westdeutschen Fernsehdrama.
- Reflektion über Machtstrukturen und das Rollenverständnis von Frau und Mann in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts im Vergleich zur Rezeptionszeit der Filme.
Auszug aus dem Buch
Charakter und Herkunft: Jenny
Wie wichtig die Tatsache, dass die Hauptperson in den Filmen und in der literarischen Vorlage aus kleineren Verhältnissen stammt, ist, zeigt jeweils die Anfangsszene: nicht die Treibelsche Villa ist Schauplatz der Handlung, sondern die Adlerstraße, wo Jenny aufgewachsen ist. In den beiden Filmen sehen die jeweiligen Anfangsszenen folgendermaßen aus:
Szene: Adlerstraße/Besuch Jenny an Corinna Film: Jens/Wild, BR 1982
Die Adlerstraße wird dargestellt als eine ruhige, säuberliche Straße mit Bäumen und gepflegten Häusern. Frau Jenny Treibel fährt in Begleitung ihrer Gesellschafterin Fräulein Honig im Landauer vor das Haus ihres Jugendfreundes Wilibald Schmidt. Sie besucht dessen Tochter Corinna, zwecks einer Einladung zur Abendpartie im Hause Treibel. Bei ihrer Ankunft erkennt sie, vor der Tür stehend, einen Küchengeruch, der sie zum Lächeln bringt, und zu sichselbst sagen lässt: ‘Also kleine Wäsche…’
Während des Besuchs schwärmt sie Corinna gegenüber, die sich Reichtum und Luxus ersehnt, von den früheren ‘kleinen Verhältnissen’, die ihr nach ihrem Sagen mehr Glück und Erfüllung gegeben hätten als ihr heutiges Leben als Kommerzienrätin.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstands und der zentralen Forschungsfrage zum Vergleich der Literaturverfilmungen.
Fontane und die Bourgeoisie: Erläuterung des historischen Kontextes des Romans und der gesellschaftlichen Rollenbilder von Besitz- und Bildungsbürgertum.
Frau Jenny Treibel - zwei Verfilmungen: Analyse der atmosphärischen und inhaltlichen Unterschiede zwischen dem DEFA-Film von 1951 und der BRD-Produktion von 1982.
Darstellung der Hauptfiguren: das Handeln und die Entwicklung der Jenny und der Corinna: Detaillierte Betrachtung der Charaktermerkmale und der sozialen Herkunft beider Hauptfiguren im direkten Szenenvergleich.
Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der gesellschaftskritischen Intentionen der Filmemacher und des Umgangs mit dem literarischen Erbe Fontanes.
Schlüsselwörter
Theodor Fontane, Frau Jenny Treibel, Literaturverfilmung, Besitzbürgertum, Bildungsbürgertum, Corinna Schmidt, gesellschaftliche Stellung, Sozialkritik, DEFA, Machtverhältnisse, Emanzipation, DDR-Film, BRD-Fernsehen, Charakteranalyse, Frauenbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Charakteren und sozialen Konflikten in zwei verschiedenen Adaptionen des Fontane-Romans „Frau Jenny Treibel“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen das Spannungsfeld zwischen Besitz- und Bildungsbürgertum sowie die Emanzipationsprozesse der Protagonistinnen im gesellschaftlichen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie sich Charakter, Handlung und Entwicklung der Hauptfiguren in den Verfilmungen von Arthur Pohl und dem Duo Jens/Wild unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literatur- und Filmanalyse, die durch Sekundärliteratur und zeitgeschichtliche Einordnung gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem detaillierten Szenenvergleich der Filme, insbesondere der Herkunft und den Interaktionen von Jenny Treibel und Corinna Schmidt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sozialkritik, Bourgeoisie, Emanzipation und Literaturverfilmung definieren.
Inwiefern beeinflusst der historische Entstehungskontext die Verfilmungen?
Der DEFA-Film von 1951 betont stärker sozialistische Ideale und Arbeiterkultur, während die BRD-Version von 1982 sich eher an der ästhetischen Vorlage des Romans orientiert.
Welche Rolle spielt die „Adlerstraße“ in der Analyse?
Sie fungiert als symbolischer Ort der Herkunft, an dem die Diskrepanz zwischen Jennys bürgerlicher Fassade und ihrer einfachen Vergangenheit besonders deutlich wird.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Corinna bei den Regisseuren?
Während sie bei Pohl als emanzipierte Gegenspielerin des Kapitals agiert, ist sie bei Jens/Wild stärker in traditionellere familiäre und romantische Entscheidungskonflikte eingebunden.
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- Leonie Wagenaar (Author), 2012, Die Gestalt der Jenny Treibel und ihrer Gegenspielerin Corinna Schmidt bei Theodor Fontane in zwei Literaturverfilmungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303334