Das Seeschlachtargument von Aristoteles. Kritisch erörternder Aufsatz der gleichnamigen Abhandlung von Hermann Weidemann


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

16 Seiten, Note: 1,0


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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Ablehnung des Bivalenzprinzips

Notwendig-zukünftige Aussagen

Das Determinismus-Problem

Notwendigkeit und Möglichkeit bei Aristoteles

Noch nicht realisierte Möglichkeiten in Dingen

Halblinearität der Zukunft

Die Notwendigkeit in der Vergangenheit

Wahrheit aus moderner Sicht

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

1. In seiner Schrift Peri Hermeneias (De Interpretiatione) erörtert Aristoteles logische Aussagen im Allgemeinen und im neunten Kapitel thematisiert er Aussagen über Ereignisse in der Zukunft im Besonderen. Anhand eines berühmten Beispiels stellt er seine These über solche Aussagen dar. Nehmen wir an, dass jemand am Vorabend der Seeschlacht bei Salamis angeblich am 28. September des Jahres 480 v. Chr. behauptet, dass am folgenden Tag eine Seeschlacht stattfinden wird. Inwiefern hat dieser mit seiner Behauptung etwas Wahres ausgedrückt?

Es ist offensichtlich, dass diese Aussage sich gleich am nächsten Tag mit dem Ausbruch der Seeschlacht bewahrheiten wird und zu diesem Zeitpunkt als wahr gilt. Genauso ist es eindeutig, dass diese Aussage sich an demselben Tag als falsch erweisen würde, wenn die Seeschlacht an diesem Tag nicht stattfinden würde. Die interessante Frage dabei ist jedoch, ob die Aussage "Morgen wird eine Seeschlacht stattfinden" zu dem Zeitpunkt, zu dem sie aufgestellt worden ist, überhaupt einen Wahrheitswert hat. Aristoteles beantwortet diese Frage mit einem Nein. Demnach haben Aussagen über kontingent-zukünftige Ereignisse keinen Wahrheitswert zu dem Zeitpunkt, zu dem sie gemacht worden sind.

In diesem Aufsatz möchte ich zunächst die Gründe vorbringen, die Aristoteles zu diesem Ergebnis geführt haben. Danach werde ich versuchen, diese These zu kritisieren und widerlegen. Dabei beziehe ich mich auf Peri Hermeneias Übersetzt Und Erläutert von Hermann Weidemann.

Die Ablehnung des Bivalenzprinzips

2. Das neunte Kapitel von Peri Hermeneias fängt mit diesen Worten an:

„Bei dem was (gegenwärtig) der Fall ist, und dem, was bereits geschehen ist, muss also, wenn es Gegenstand einer bejahenden oder (der ihr kontradiktorisch entgegengesetzten) verneinenden Aussage ist, diese notwendigerweise wahr oder falsch sein.“[1]

Es geht hier um das Prinzip der Zweiwertigkeit oder das sogenannte Bivalenzprinzip in der klassischen Logik. Demnach ist jeder Aussage einer von zwei Wahrheitswerten zugewiesen. Alle Aussagen sind entweder wahr oder falsch. Dem Zitat folgend muss von zwei kontradiktorisch entgegengesetzten Aussagen bei einem Aussagenpaar eine wahr und die andere falsch sein. Ein dritter Wahrheitswert ist weder für die eine noch die andere möglich. Nach Aristoteles gilt das Bivalenzprinzip ausnahmslos für alle Aussagen, die sich auf Ereignisse in der Gegenwart („was der Fall ist“) und in der Vergangenheit („was bereits geschehen ist“) beziehen. Jedoch macht er die Bemerkung: „Bei einzelnem, das noch bevorsteht, aber verhält es sich (mit den Aussagen) nicht so.“[2], aus der hervorgeht, dass nicht alle Aussagen über die Zukunft („das noch bevorsteht“) einen Wahrheitswert haben.

3. Warum ist dem so? Was die Zukunft auf den ersten Blick von der Vergangenheit und der Gegenwart unterscheidet, ist die Tatsache, dass sie noch nicht gekommen ist. Es ist eine wesentliche Eigenschaft der Zukunft, dass sie immer vor uns ist. Je mehr wir uns ihr annähern, desto mehr entfernt sie sich von uns.

Die Vergangenheit ist die Summe aller zeitlich zurückliegenden Ereignisse. Die Gegenwart dagegen ist die Summe aller bestehenden Ereignisse. Aber die Zukunft ist die Summe aller Ereignisse, die noch nicht da sind, sondern zu einem späteren Zeitpunkt (da) sein werden. Wo bei den ersten und zweiten feststeht, aus welchen Komponenten diese Summe besteht, ist es bei der Zukunft noch nicht bestimmt, welche Ereignisse Elemente dieser Summe sein werden und wie diese Summe aussehen wird. Während es für alle gegenwarts- oder vergangenheitsbezogenen Aussagen schon objektive Tatsachen gibt, mit denen die Aussagen übereinstimmen oder nicht übereinstimmen, also einen Wahr- oder Falschmacher befindet, ist es bei allen zukünftigen Aussagen nicht unbedingt der Fall.

4. Da die Zukunft immer das Noch-nicht-gekommene ist, folgt daraus, dass der Wahrheitswert bei allen zukunftsbezogenen Aussagen fehlen muss? Statt eine pauschale Bewertung über alle zukünftigen Aussagen zu machen, beschränkt Aristoteles seine Behauptung nur auf kontingente (also zufällige oder nicht notwendige) Aussagen über die Zukunft, wie Hermann Weidemann erläutert:

„Dass es sich „bei Einzelnem, das noch bevorsteht, (mit den Aussagen) nicht so“ verhält wie „bei dem, was (gegenwärtig) der Fall ist, und dem, was bereits geschehen ist“, würde dann heißen, dass nicht alle zukunftsbezogenen singulären Aussagen einen Wahrheitswert haben müssen, sondern nur diejenigen, die sich auf Ereignisse beziehen, deren zukünftiges Eintreten oder Ausbleiben bereits in der Gegenwart feststeht.“[3]

Notwendig-zukünftige Aussagen

5. Welche Ereignisse sind von solcher Art, dass ihr zukünftiges Eintreten oder Ausbleiben bereits in der Gegenwart feststeht?

Zunächst erinnern wir uns an logische Sätze oder mathematische Aussagen: „Die Winkelsumme des Dreiecks ist 180°“, „2 plus 2 ist 4“, „Alles ist mit sich selbst identisch.“ Obwohl diese Sätze in der Zeitform Präsens stehen, ist die Behauptung nicht auf die Gegenwart beschränkt. Mit dem „ist“ möchten wir hier nicht sagen, dass es momentan als aktuelles Ereignis einmalig der Fall ist, sondern wir treffen ein generelles, zeitloses Urteil. Das Wort „ist“ erfasst an dieser Stelle, dass es immer der Fall war, ist und sein wird. Deswegen ist es auch einfach, von solchen Sätzen zukünftige Aussagen abzuleiten: „Die Winkelsumme des Dreiecks wird 180°“, „2 plus 2 wird 4“, „Alles wird mit sich selbst identisch sein.“ Diese Sätze, obwohl sie ein Urteil über die Zukunft beinhalten, haben bereits in der Gegenwart einen Wahrheitswert und sind eigentlich wahr. Dies gilt nicht nur in der Welt in der wir uns befinden, sondern in jeder möglichen vorstellbaren Welt. Sie haben eine zeitlose Gültigkeit und beherrschen auch die Zukunft. Die Zukunft ist in diesem Sinne bedingt und wir müssen nicht auf das Eintreten der zukünftigen Ereignisse warten, um festzustellen, ob sich diese Aussagen bewahrheiten oder nicht bewahrheiten werden.

Jedoch sind nicht nur diese logischen Urteile notwendig-zukünftige Aussagen. Es kann auch von einer anderen, vielleicht von der empirischen Notwendigkeit die Rede sein. Nehmen wir an, es ist ein Tag mit einem Gewitter. Wir sehen einen Blitz am Himmel. Wenn jemand in diesem Moment sagen würde, „Es wird donnern“, dann hätte er völlig recht. Weil die Lichtgeschwindigkeit größer als die Schallgeschwindigkeit ist, sehen wir erst den Blitz und hören dann den Donner. Blitz ist die Ursache des Donners und wenn die Ursache da ist, folgt die Wirkung unmittelbar darauf. Es steht in dem Moment fest, dass es donnern wird, als ein Blitz über den Himmel zuckt und die Aussage „Es wird donnern“ hat zu dem Zeitpunkt, zu dem sie aufgestellt worden ist, einen Wahrheitswert. Obwohl die Tatsache, also das krachende Geräusch noch nicht da ist, sind die Gründe, die sie notwendig machen, in diesem Moment schon da. Daher hat die zukünftige Aussage in diesem Moment einen Wahrheitswert. Bei diesem Beispiel ist auch zu beachten, dass nicht die Tatsache selbst, sondern die hinreichenden Gründe dieser, eine Aussage über diese Tatsache wahrmachen können.

Eine Nebenbemerkung: Diese empirische Notwendigkeit ist allerdings nicht so stark wie die logische Notwendigkeit. Für uns ist eine Welt vorstellbar, in der die Lichtgeschwindigkeit langsamer als die Schallgeschwindigkeit ist und man deswegen zuerst den Donner hört und dann den Blitz wahrnimmt oder eine Welt, in der es überhaupt keine Schallwellen gibt. In beiden Fällen, sowohl bei der logischen als auch bei der empirischen Notwendigkeit, steht aber das Eintreten des darauf bezogenen Ereignisses schon im Jetzt fest.

Ein anderes Beispiel für notwendig-zukünftige Ereignisse bietet die Schachwelt. 1996 hat der ehemalige Schachweltmeister Garri Kasparow gegen den damals am besten programmierten Schachcomputer Deep Blue eine Partie gespielt und nach 37 Zügen hat die Maschine die Mattkombination gegen Kasparow gefunden. Eine Mattkombination bedeutet, dass alle Züge des Verlierers gezwungene Züge sind und alle Kombinationen für ein mögliches Ausweichen vor einer Niederlage schon ausgegangen sind. In so einer Schachkomposition müssen eigentlich nicht alle Schachzüge gespielt werden, bis der König des Verlierers Schachmatt gesetzt wird. Der Sieg von Deep Blue oder die Niederlage von Kasparow, je nachdem von welcher Seite man es betrachtet, ist bei diesem Beispiel schon zu dem Zeitpunkt, zu dem die Mattkombination gefunden ist, auf dem Brett. Hätte jemand nachdem diese Position erzielt worden ist behauptet, dass Deep Blue die Partie nach ein paar Zügen gewinnen wird, hätte dieser mit seiner Behauptung Recht gehabt. In diesem Moment hat die Aussage „Deep Blue wird gewinnen“ einen Wahrheitswert. Am Anfang des Spieles, als sich schwarze und weiße Figuren in ihren ursprünglichen Feldern befanden, hätte dieselbe Aussage jedoch keinen Wahrheitswert. Interessanterweise benutzen wir manchmal in so einer Situation statt „Kasparow wird verlieren“ den Satz „Kasparow hat schon verloren“, um die Notwendigkeit des zukünftigen Ereignisses zu betonen. Mit der Verwendung des Perfekts möchten wir unterstreichen, dass die Gründe, die das zukünftige Ereignis notwendig machen, schon da sind.

Diese sind Beispiele für Ereignisse, deren zukünftiges Eintreten oder Ausbleiben bereits in der Gegenwart feststeht. Nicht nur die wahren Aussagen in den Beispielen, sondern auch ihre Gegenteile haben einen Wahrheitswert, indem sie falsch sind: „Die Winkelsumme des Dreiecks wird morgen nicht 180°“, „Es wird nicht donnern“, „Deep Blue wird verlieren“ sind jeweils falsche Aussagen.

Das Determinismus-Problem

6. Was wäre, wenn nicht nur notwendige, sondern alle zukunftsbezogenen Aussagen zu dem Zeitpunkt einen Wahrheitswert hätten, zu dem sie aufgestellt worden sind? Nach Aristoteles würde dies bedeuten, dass es keinen Platz für Zufälle gäbe:

„Nichts ist der Fall und nichts geschieht folglich als bloßes Ergebnis eines (glücklichen oder unglücklichen) Zufalls oder je nachdem, wie es sich gerade trifft, und es wird auch nichts in dieser Weise sein oder nicht sein, sondern alles wird mit Notwendigkeit geschehen und nicht je nachdem, wie es sich gerade trifft – denn es sagt ja entweder derjenige die Wahrheit, der die bejahende, oder derjenige, der die verneinende Aussage macht -; andernfalls könnte (etwas) nämlich ebensogut geschehen wie nicht geschehen, denn mit dem, was je nachdem, wie es sich gerade trifft, (geschieht oder nicht geschieht), verhält es sich um nicht eher so – oder wird es sich um nichts eher so verhalten – als nicht so.“[4]

Wenn die kontingente Aussage „Morgen wird eine Seeschlacht stattfinden“ schon heute einen Wahrheitswert hat, dann hätte nach dem Satz vom ausgeschlossenen Dritten entweder sie selbst oder ihr Gegenteil richtig sein müssen. Dann ist sie entweder wahr oder falsch. Wenn sie wahr ist, steht es heute fest, dass morgen eine Seeschlacht stattfindet. Und wenn sie falsch ist, steht heute fest, dass morgen keine Seeschlacht stattfindet. Jedenfalls würde es heißen, dass das Erfolgen oder Nichterfolgen der morgigen Seeschlacht schon heute feststeht, wie dass der Donner dem Blitz folgt. Folglich würde es bedeuten, dass nichts in der Zukunft kontingent ist, alles notwendigerweise geschieht und wir in einer deterministischen Welt leben.

7. Nach der Übersetzung und Erläuterung von Hermann Weidemann ist es nicht der Satz vom ausgeschlossenen Dritten, den Aristoteles bestreitet, wie es in manchen Interpretationen behauptet wird. Der Satz besagt, dass entweder eine Aussage oder ihr Gegenteil der Fall war, ist oder sein wird (φ ∨ ¬φ). Aristoteles aber streicht den Satz für die zukünftigen Ereignisse nicht aus. „Es wird der Fall sein, dass morgen eine Seeschlacht entweder stattfindet oder nicht stattfindet.“ ist eine wahre Aussage nach Aristoteles, obwohl die bejahende und verneinende Komponente über die morgige mögliche Seeschlacht keinen Wahrheitswert haben. Aristoteles bestreitet auch nicht den Satz vom Widerspruch, der besagt, dass zwei einander widersprechende Aussagen nicht zugleich zutreffen können. ( ¬(φ ∧ ¬φ) ) „Es wird nicht gleichzeitig der Fall sein, dass morgen eine Seeschlacht stattfindet und dass morgen keine Seeschlacht stattfindet.“ ist demnach auch eine wahre Aussage.

Notwendigkeit und Möglichkeit bei Aristoteles

8. Das Stattfinden und das Nicht-Stattfinden der Seeschlacht sind nach Aristoteles jedoch zwei verschiedene Möglichkeiten.

„Somit ist es zwar für alles notwendig, dass es (entweder) ist oder nicht ist, und auch, dass es (entweder) sein oder nicht sein wird; nicht aber ist das, was man behauptet, wenn man das eine getrennt vom anderen behauptet, notwendig. Ich meine damit, dass es beispielweise zwar notwendig ist, dass morgen eine Seeschlacht entweder stattfinden oder nicht stattfinden wird, dass es aber nicht notwendig ist, dass morgen eine Seeschlacht stattfindet, und auch nicht notwendig, dass morgen keine Seeschlacht stattfindet. Dass jedoch morgen eine Seeschlacht (entweder) stattfindet oder nicht stattfindet, ist notwendig.“[5]

Wenn wir die Aussagen in diesem Absatz formulieren würden:

□ (es ist notwendig, dass...)

◊ (es ist möglich, dass...)

s: Es wird morgen eine Seeschlacht stattfinden.

□(s ∨ ¬s) (Es ist notwendig, dass morgen eine Seeschlacht entweder stattfindet oder nicht stattfindet.)

Aber für Aristoteles, der das Bivalenzprinzip für kontingent-zukünftige Aussagen bestreitet, stimmt es nicht, dass es notwendig ist, dass morgen eine Seeschlacht stattfindet. Es ist auch nicht notwendig, dass morgen keine Seeschlacht stattfindet. Wenn wir diesen Satz formulieren würden:

¬□s ∧ ¬□¬s

Es steht also zu dem Zeitpunkt nicht fest, dass morgen eine Seeschlacht stattfinden wird. Es steht auch nicht fest, dass morgen keine Seeschlacht stattfinden wird. Das Stattfinden oder das Nicht-Stattfinden der Seeschlacht sind zwei Möglichkeiten und die betreffende Aussage kann so formuliert werden:

◊s ∧ ◊¬s (Es ist möglich, dass morgen eine Seeschlacht stattfinden wird und es ist möglich, dass morgen eine Seeschlacht nicht stattfinden wird.)

Da es eine Konjunktion gibt, sind beide Teile des Satzes von dieser Aussage logisch ableitbar. Sowohl ◊s als auch ◊¬s ist eine wahre Aussage.

9. Nach der Darstellung von Aristoteles gibt es also eine enge Beziehung zwischen

Notwendigkeit und Wahrheitswert einer Aussage. Nur Aussagen über Notwendiges haben einen Wahrheitswert. Die Vergangenheit und die Gegenwart stehen schon fest, so dass alle diesbezüglichen Aussagen einen Wahrheitswert haben. Auch die Aussagen über die Zukunft, sofern sie bestimmt oder notwendig ist, also ausgeschlossen ist, haben ebenfalls einen Wahrheitswert. Aber Aussagen über Kontingente haben keinen Wahrheitswert.

10. Nach Aristoteles gibt es sowohl Raum für den Zufall als auch für den freien Wille in der Welt. Wie kann sonst von Möglichkeiten die Rede sein? Gegen Determinismus bringt Aristoteles ein handlungstheoretisches Argument vor:

„dass überall dort, wo etwas geschieht, nichts je nachdem, wie es sich gerade träfe, so oder nicht so wäre, sondern dass alles mit Notwendigkeit der Fall wäre und geschähe, so dass wir weder Überlegungen anzustellen noch in der Erwägung tätig zu sein bräuchten, es werde, wenn wir das und das tun, das und das der Fall sein, wenn wir es aber nicht tun. Denn es steht ja nichts im Wege, dass selbst zehntausend Jahre im Voraus einer behauptete, das und das werde dann sein, und ein anderer, dies werde dann nicht so sein, so dass mit Notwendigkeit eintreffen würde, was auch immer von beidem schon damals wahrheitsgemäß hätte vorhergesagt werden können.“[6]

Wenn das Eintreten und oder Nichteintreten aller Tatsachen schon bestimmt ist, würde dies bedeuten, dass wir uns nicht bemühen müssten, etwas zu verwirklichen. Zum Beispiel hätte es für eine Fußballmannschaft keinen Sinn mehr, sich zu bemühen, einen Sieg zu erringen, wenn das Spielergebnis schon feststeht. Mit welcher Strategie und Taktik, mit welchen Spielern diese Mannschaft auf dem Platz stehen wird, wäre gleichgültig. Für den Trainer hätten das Überlegen und welche Entscheidungen er trifft ihren Sinn verloren. In so einer Welt wäre es sinnlos, Pläne zu machen und Möglichkeiten wahrzunehmen, wenn alles schon unabänderlich vorherbestimmt ist. In so einer Welt, wo alles notwendigerweise passiert und nicht möglicherweise geschieht, also nicht kontingent ist, gibt es auch keinen Spielraum für Subjekte. Nach Aristoteles widerspricht dieses Ergebnis unserer alltäglichen Erfahrung, beziehungsweise unserer impliziten Annahme, dass unser Handeln Ursache der Ereignisse ist, also dass wir die Ereignisse mit unserem Handeln bestimmen und die Wirklichkeit gestalten können.

Noch nicht realisierte Möglichkeiten in Dingen

11. Der Unterschied zwischen Möglichkeit und Notwendigkeit kann auch im Spiegel der Eigenschaften der Dinge verstanden werden. Aristoteles macht die Bemerkung:

„dass es für das, was in Zukunft sein wird, sowohl in unseren Überlegungen als auch in unserem Handeln einen Ursprung gibt und dass überhaupt für diejenigen Dinge, die sich nicht immer im Zustand der Verwirklichung (einer bestimmten Möglichkeit) befinden, die Möglichkeit besteht, (das und das) zu sein, und auch die Möglichkeit, (es) nicht zu sein, wobei für diese Dinge jeweils beides möglich ist: sowohl, dass sie (das und das) sind, als auch, dass sie (es) nicht sind, und demzufolge sowohl, dass sie (es) werden, als auch, dass sie (es) nicht werden; und bei vielen Dingen ist es doch ganz offenkundig für uns, dass es sich so mit ihnen verhält,“[7]

und gibt dieses Beispiel:

„dass es z. B. für diesen Mantel da möglich ist, (irgendwann) auseinandergeschnitten zu werden, dass er aber dann doch nicht auseinandergeschnitten, sondern zuvor aufgetragen wird, wobei es aber ebenso auch möglich ist, dass man ihn nicht auseinanderschneidet; denn es könnte ja nicht dazu kommen, dass man ihn zuvor aufträgt, wenn es nicht möglich wäre, dass man ihn nicht auseinanderschneidet.“[8]

Dinge haben aktuelle Eigenschaften aber sie beinhalten auch noch nicht realisierte Möglichkeiten in sich selbst. Ein Stück Lehm hat die Möglichkeit eine Vase zu werden, aber er hat auch die Möglichkeit ein Krug zu sein. Alle möglichen Gegenstände, die ein Künstler aus ihm erschaffen kann, sind die Potenz des Lehms und wenn er zu einem bestimmten Gegenstand gestaltet wird, dann hat er dessen aktuelle Eigenschaften. Wenn von dem Lehm eine Vase gemacht wird, dann ist es für ihn nicht mehr möglich ein Krug zu werden und wenn er eine Vase wird, ist es für ihn ausgeschlossen, ein Krug zu sein. So verhält es sich nach Aristoteles auch mit den zukünftigen Geschehnissen.

Halblinearität der Zukunft

12. Wenn wir die Zeitwahrnehmung von Aristoteles als eine Baumstruktur bezeichnen würden, dann ergibt sich folgendes Bild:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Charakteristisch ist bei dieser Struktur, dass wir auf der linken Seite immer eine gerade Linie haben. Die Vergangenheit ist schon ausgeschlossen, es ist nicht mehr möglich, einzugreifen und etwas zu verändern. Sie bietet keinen Raum für Entscheidungen, da alles schon entschieden ist.

Die Gegenwart ist ein Punkt, der am Ende dieser langen Vergangenheitslinie liegt und Ursprung für die möglichen Zukunftslinien auf der rechten Seite ist. Sie stellt eine Grenze zwischen Vergangenheit und Zukunft dar. Die Abzweigung auf der rechten Seite dieses Punktes zeigt, dass es für die Welt die Möglichkeit gibt, einen dieser Wege einzuschlagen. Wenn sich eine der Möglichkeiten bewahrheitet, geht die jeweils andere verloren.

Rückgreifend auf die Aussagen aus Kapitel 7, die Aristoteles für wahr hält, wird folgendes deutlich: „Es wird der Fall sein, dass morgen eine Seeschlacht entweder stattfindet oder nicht stattfindet.“ besagt, dass mindestens einem Weg gefolgt werden muss. „Es wird nicht der Fall sein, dass morgen eine Seeschlacht stattfindet und dass morgen keine Seeschlacht stattfindet.“ besagt, dass höchstens einem Weg gefolgt werden kann.

Der finnische Philosoph und Logiker Georg Henrik von Wright formuliert treffend in seinem Artikel „ Determinismus, Wahrheit und Zeitlichkeit “: „ Determinismus ist die Idee der Linearität der Zukunft.[9] Das heißt, dass für den Deterministen nicht nur auf der linken Seite dieser Zeichnung eine Linie liegt, sondern auch auf der rechten Seite der befindlichen Zeitstelle eine Linie sein sollte, da die Zukunft wie die Gegenwart unabänderlich bestimmt ist. Kimio Harada ergänzt diese Definition in seinem Aufsatz „Indeterministische Zeitlogik“ auf diese Weise: „Analog wollen wir hier den Indeterminismus so erklären, dass er die Idee der Halblinearität der Zeit ist. Das heißt, die Vergangenheit einschließlich der Gegenwart liegt zwar schon fest; es gibt aber verschiedene mögliche Zukünfte, und welche von ihnen wirklich sein wird, ist noch nicht determiniert.“[10]

Die Notwendigkeit in der Vergangenheit

13. Aristoteles benutzt das Wort „notwendig“ für die Ereignisse in der Gegenwart und Vergangenheit, was jedoch nicht bedeutet, dass der gesamte Weltzustand in der Vergangenheit nicht anders sein könnte. Ein Teil der Ereignisse in der Gegenwart (wie die in der Zukunft) waren auch einmal Kontingente oder mögliche Sachverhalte, die sich als Tatsachen verwirklicht haben. Aus heutiger Sicht sind sie aber keine Möglichkeiten mehr.

Diese Auffassung wird mittels der gestrichelten Linien der Pfeile auf der linken Seite der Struktur dargestellt. Sie sind die Wege, in die die Welt nicht eingebogen hat obwohl es auch so sein könnte. In einer individuellen Geschichte sind die verpassten Chancen, die nicht wahrgenommene Möglichkeiten oder vielleicht Reue von solcher Art. Dafür gibt es den Konjunktiv in der Sprache. „Wenn ich das und das getan hätte, wäre es jetzt so und so.“ Nach einem Kontingenten Ereignis ist es auch möglich, ähnliche Sätze zu bilden wie zum Beispiel „Wenn eine Seeschlacht nicht stattgefunden hätte, wäre es so und so.“

Wenn aber alle Tatsachen in der Vergangenheit bereits vor ihrem Eintreten oder Ausbleiben schon feststehen würde, widerspräche es dem, was Aristoteles über zukünftig Kontingente Ereignisse behauptet. Es wäre ein Widerspruch, Zufälle und Möglichkeiten in der Zukunft wahrzunehmen und gleichzeitig den Determinismus in der Vergangenheit zu vertreten.

Kann das Argument von Aristoteles widergelegt werden?

14. Das Argument von Aristoteles können wir auf diese Weise zusammenfassen:

1. Wenn alle Aussagen bereits in der Gegenwart einen Wahrheitswert haben, dann gibt es keine zukünftigen Ereignisse, die Kontingent sind.

2. Es gibt zukünftige Ereignisse, die Kontingent sind.

Schlussfolgerung von 1+2: Nicht alle Aussagen haben bereits in der Gegenwart einen Wahrheitswert

Das Argument lässt sich wie folgt darstellen:

1. p → ¬q

2. q

- ¬p

und ist korrekt. Wenn also die Prämissen wahr sind, muss die Konklusion auch wahr sein. Das heißt, dass man die Prämisse in Frage stellen muss, um das Argument zu widerlegen. Weidemann gibt in seinem Artikel „ Die Seeschlacht und das Meisterargument “ eine ausführliche Rechenschaft darüber, warum wir die zweite Prämisse als wahr gelten lassen können. Harada zeigt dazu noch auf: „Die Logik muss, so meinen wir gewöhnlich, neutral gegenüber einer Entscheidung für den Indeterminismus oder den Determinismus sein.“[11]

Die erste Prämisse kann man allerdings bestreiten. Wenn man das Gegenteil der ersten Prämisse beweisen kann, also dass ihre Negation wahr ist, das heißt, dass es mindestens eine zukünftig-kontingente Aussage gibt, die bereits in der Gegenwart einen Wahrheitswert hat, dann kann man das Argument von Aristoteles widerlegen.

Wahrheit aus moderner Sicht

15. Heute haben wir auch die Neigung zu sagen: Auch zukunftsbezogene Aussagen haben einen Wahrheitswert; wenn wir Geduld haben, werden die zukünftigen Tatsachen zum Vorschein kommen und jede Aussage wird sich als wahr oder falsch erweisen. Alle Aussagen, auch die über Kontingent-zukünftiges, werden von den Tatsachen unbedingt bejaht oder verneint, so dass sie dementsprechend als wahre oder falsche Aussagen bewertet werden. Sie können in diesem Sinne nicht dem Gericht der Zeit entfliehen.

Dementsprechend bedeutet „Morgen wird eine Seeschlacht stattfinden“, dass einen Tag später eine Seeschlacht stattfinden wird. Nehmen wir an, dass diese Aussage am 01.03.2015 gemacht wird. Die Aussage kann dann so formuliert werden: „Am 02.03.2015 findet eine Seeschlacht statt.“ So ist die Zeitangabe nicht mehr relativ zu dem befindlichen Zeitpunkt.

In diesem Szenario deuten alle drei Aussagen auf dasselbe hin und sind daher äquivalent:

s1 : „Morgen wird eine Seeschlacht stattfinden.“ (in t°)

s2 : „Eine Seeschlacht findet heute statt.“ (in t')

s3 : „Gestern hat eine Seeschlacht stattgefunden.“ (in t'')

Sie können als s0: „In t' findet eine Seeschlacht statt.“ übersetzt werden, vorausgesetzt, dass die Zeit aus aufeinanderfolgenden Zeitpunkten besteht und diese Punkte in diesem Beispiel Tage sind.

In dieser Strategie spielt es keine Rolle mehr, wann die Behauptung aufgestellt worden ist, auch ist nicht mehr die Rede von vergangenheits-, gegenwarts- oder zukunftsbezogenen Aussagen, da alle in eine zeitlose Aussage mit einer absoluten Zeitangabe übersetzt werden können.

Die Loslösung einer Aussage von dem Zeitpunkt, zu dem sie gemacht worden ist, ermöglicht uns, ihr einen Wahrheitswert zuzuweisen. In dieser Analyse ist es ausreichend, dass die Aussage durch die Tatsachen verifizierbar oder widerlegbar ist, um einen Wahrheitswert zu besitzen. Es wird sich an dem betreffenden Tag entscheiden, ob die Aussage die bestehenden Sachverhalte beschreiben kann und ob sie demnach wahr oder falsch ist. Also hat auch die Aussage „Morgen wird eine Seeschlacht stattfinden.“ einen Wahrheitswert, nur wissen wir nicht, welchen.

Nach dieser Strategie haben die drei Aussagen (s1, s2, s3) verschiedene Darstellungen, da sie mit verschiedenen Formulierungen wie morgen (einen Tag später), gestern (einen Tag früher), heute (an diesem Tag) dasselbe beschreiben. Obwohl die Art des Gegebenseins unterschiedlich ist, ist das Ereignis, auf das sie hindeuten (der Bezugsgegenstand) dasselbe, nämlich das Stattfinden der Seeschlacht in t'.

Inwiefern bedeutet diese Analyse eine Widerlegung der Begründung von Aristoteles?

Schluss

16. Im Kern der Begründung von Aristoteles liegt die entscheidende Annahme, dass von der Aussage „Morgen wird eine Seeschlacht stattfinden“ (s), wenn diese einen Wahrheitswert habe, unmittelbar diese Aussage folge: „Es steht heute fest, dass morgen eine Seeschlacht stattfinden wird.“ (n) Sobald man Ersteres behauptet, behauptet man demnach implizit auch Letzteres. Es gibt eine logische Notwendigkeit zwischen beiden. Die zweite Aussage (n) ist nach Aristoteles jedoch eine falsche Aussage, da von einem kontingent-zukünftigen Ereignis die Rede ist. Und da es um eine Implikation geht, macht modus tollendo tollens die Annahme falsch, dass (s) einen Wahrheitswert hat. Um zusammenzufassen:

1. Wenn (s) wahr ist, dann steht heute fest, dass morgen eine Seeschlacht stattfindet.

2. Es steht heute nicht fest, dass morgen eine Seeschlacht stattfindet.

- (s) ist nicht wahr

Bei dem Gegenteil von (s) ist dasselbe der Fall, da es auch nicht feststeht, dass morgen keine Seeschlacht stattfindet:

1. Wenn (s) falsch ist, dann steht heute fest, dass morgen keine Seeschlacht stattfindet.

2. Es steht heute nicht fest, dass morgen keine Seeschlacht stattfindet.

- (s) ist nicht falsch.

Aus eben diesem Grund schreibt Aristoteles den zukünftig-kontingente Ereignisse keinen Wahrheitswert zu: um nicht in einen Widerspruch zu geraten.

Aus der modernen Sicht folgt aber die zweite (n) die erste (s) nicht, wenn (s) einen Wahrheitswert hat. Wenn man behauptet, dass morgen eine Seeschlacht stattfinden wird, dann ist dies eine Behauptung, die sich lediglich auf den morgigen, nicht auf den heutigen Weltzustand bezieht. Es ist hinreichend, eine Aussage als wahr oder falsch zu bezeichnen, wenn sie von dem morgigen Weltzustand verifiziert oder falsifiziert werden kann. Die Wahrheitsbedingung ist weniger streng.

Aus aristotelischer Sicht ist der Bezugsgegenstand nicht nur das zukünftige Ereignis sondern auch die Notwendigkeit im Heute. „Morgen wird eine Seeschlacht stattfinden.“ müsste nicht nur auf das Eintreten der morgigen Seeschlacht, sondern auch auf die hinreichenden Gründe im Heute hindeuten, die sie unausweichlich machen. Da diese Gründe aber nicht vorhanden sind, also der Bezugsgegenstand fehlt, fehlt auch die Wahrheit der Aussage.

Schließlich handelt es sich um zwei Strategien, da sie nicht von demselben Wahrheitsbegriff ausgehen und widerlegen einander daher auch nicht.

Literaturverzeichnis

Aristoteles: Peri Hermeneias Übersetzt und Erläutert von Hermann Weidemann, Berlin, 1994.

Weidemann, Hermann: Die Seeschlacht und das Meisterargument. In: Klassische Argumentationen der Philosophie, hg. von Rolf W. Puster. Münster, 2013, S. 73-89.

Wright, Georg Henrik von: Determinismus, Wahrheit und Zeitlichkeit. Ein Beitrag zum Problem der zukünftigen Kontingenten Wahrheiten. In: Zustand und Ereignis, hg. Von B. Kienzle. Frankfurt am Main 1994, S. 171-189.

Harada, Kimio: Indeterministische Zeitlogik, In: Zustand und Ereignis, hg. Von B. Kienzle. Frankfurt am Main 1994, S. 236-373.

[...]


[1] Aristoteles: Peri Hermeneias Übersetzt und Erläutert von Hermann Weidemann, Berlin, 1994. S.11, 25-28

[2] Aristoteles: Peri Hermeneias. S. 12, 1-2

[3] Aristoteles: Peri Hermeneias. S. 228

[4] Aristoteles: Peri Hermeneias. S. 12, 20-30

[5] Aristoteles: Peri Hermeneias. S. 15, 26 – 16, 2

[6] Aristoteles: Peri Hermeneias. S. 13, 34 – 14, 9

[7] Aristoteles: Peri Hermeneias. S. 14, 29 – 15, 4

[8] Aristoteles: Peri Hermeneias. S. 15, 4–10

[9] Wright, Georg Henrik von: Determinismus, Wahrheit und Zeitlichkeit. Ein Beitrag zum Problem der zukünftigen kontingenten Wahrheiten. In: Zustand und Ereignis, hg. Von B. Kienzle. Frankfurt am Main 1994, S. 171-189. Hier S. 175

[10] Harada, Kimio: Determinismus, Wahrheit und Zeitlichkeit. In: Zustand und Ereignis, S. 236-373. Hier: S.

[11] Harada, Kimio: Determinismus, Wahrheit und Zeitlichkeit. In: Zustand und Ereignis, S. 239

16 von 16 Seiten

Details

Titel
Das Seeschlachtargument von Aristoteles. Kritisch erörternder Aufsatz der gleichnamigen Abhandlung von Hermann Weidemann
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Philosophie)
Veranstaltung
Philosophische Argumentationen
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V303368
ISBN (Buch)
9783668047785
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Seeschlachtargument, Aristoteles, Seeschlacht bei Salamis, Logik, Philosophie, Aufsatz, Hermann Weidemann, Abhandlung, 480 v. Chr.
Arbeit zitieren
Ercan Coskun (Autor), 2015, Das Seeschlachtargument von Aristoteles. Kritisch erörternder Aufsatz der gleichnamigen Abhandlung von Hermann Weidemann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303368

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