Der vorliegende Versuch einer grundlegenden Einführung in den Begriffskomplex des Sozialkapitals von Jugendlichen ist zweigliedrig gestaltet: Im Theorieteil wird Robert D. Putnams Definitionsansatz analysiert. Danach folgt unter Rückgriff auf den ersten Teil eine Ausarbeitung des Schwerpunkts der Arbeit, der aus einem möglichen Zugang zur empirischen Operationalisierung von Sozialkapital besteht. Durch die Auswertung der dabei entstandenen Ergebnisse wird versucht, die Themafrage zu beantworten. Als Datengrundlage dienen Erkenntnisse der Shell Jugendstudie 2010. Ziel der Untersuchung ist es, zu beantworten, ob von einer Steigerung der Engagementbereitschaft die Rede sein kann oder von einem weiterem Rückgang, oder gar vom Niedergang des Sozialkapitals.
Inhaltsverzeichnis
1. Politikverdrossene Jugend vs. jugendverdrossene Politik
1.1 Erläuterung der Themafrage, Vorgehensweise und Ziele
1.2 Literaturbericht
2. Sozialkapital und Bürgergesellschaft: Das Konzept Robert D. Putnams
2.1 Generelle Schwierigkeiten bei der Annäherung zu einer wissenschaftlichen Begriffsdefinition
2.2 Vorpolitische Parameter von Sozialkapital
2.3 Der Doppelte Doppelcharakter von Sozialkapital als theoretische Grundlage für eine empirische Operationalisierung
3. Methodischer Zugang zu Sozialkapital von Jugendlichen in der BRD
3.1 Sozialkapital und politisches Interesse
3.2 Sozialkapital und ‚Aktives Sich-Informieren‘
3.3 Strukturelle Aspekte
3.3.1 Politische Partizipation
3.3.2 Bürgergesellschaftliches Engagement
3.4 Kulturelle Aspekte von Sozialkapital
3.4.1 Zufriedenheit mit der Demokratie
3.4.2 Vertrauen in Institutionen und gesellschaftliche Gruppierungen
3.5 Auswertung der Ergebnisse
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis der Shell Jugendstudie 2010, ob bei Jugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland von einem Rückgang an Sozialkapital gesprochen werden kann oder ob eine Repolitisierung zu verzeichnen ist. Dabei wird der Definitionsansatz von Robert D. Putnam theoretisch analysiert und auf die empirische Realität von Jugendlichen übertragen.
- Analyse des Sozialkapital-Konzepts nach Robert D. Putnam
- Politisches Interesse und Informationsverhalten von Jugendlichen
- Strukturelle Aspekte wie politische Partizipation und Wahlbeteiligung
- Bürgergesellschaftliches Engagement und soziale Partizipation
- Kulturelle Dimensionen wie Demokratiezufriedenheit und Vertrauen
Auszug aus dem Buch
1. Politikverdrossene Jugend vs. jugendverdrossene Politik
„Jugendliche gehen immer weniger zur Wahl, treten immer weniger in die Nachwuchsorganisationen der politischen Parteien, der Gewerkschaften, der Verbände […] ein. Sie wollen sich nicht ein für allemal festlegen, […] keine (politischen) langfristigen Bindungen eingehen, kein kontinuierliches (politisches und soziales) Engagement […], insbesondere keine dauerhafte Rücksichtnahme zeigen und [sich] nur temporär[…] [verpflichten]“ (Ferchhoff 2011: 440).1
Seit Mitte der 1990er ist von einer durch Medien berühmt gewordenen und viel diskutierten ‚Spukgestalt‘ in der Bundesrepublik Deutschland die Rede: Die Partizipationsmüdigkeit, beruhend auf einer Politikverdrossenheit von Jugendlichen. Ihren Ausdruck soll sie beispielsweise in einer vergleichsweise geringen Wahlbeteiligung, einer zunehmenden Distanz zu Parteien und einem Vertrauensverlust in politische Institutionen finden (Burdewick 2003: 13, Schneekloth 2010: 129, Zimmer 2007: 197). Jugendliche, bezeichnet als „soziale Pioniere und Pfadfinder für eine neue Auffassung von Politik […]“ (Hurrelmann/Quenzel 2013: 218), können gerade im Alter zwischen 12 und 25 Jahren wichtige partizipatorische Erfahrungen machen, welche im Erwachsenenalter bedeutend für politische Einstellungen und Verhaltensweisen werden (Schäfer 2006: 184). Eine Partizipationsmüdigkeit bereits in ‚jungen Jahren‘ könnte sich daher ‚später‘ weiter verstärken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Politikverdrossene Jugend vs. jugendverdrossene Politik: Das Kapitel führt in die Problematik der politischen Partizipation Jugendlicher ein und diskutiert das Spannungsfeld zwischen unterstellter Politikverdrossenheit und jugendverdrossener Politik.
2. Sozialkapital und Bürgergesellschaft: Das Konzept Robert D. Putnams: Es werden die theoretischen Grundlagen des Sozialkapital-Begriffs nach Robert D. Putnam dargelegt, insbesondere seine funktionalistische Sichtweise und die Bedeutung für moderne Demokratien.
3. Methodischer Zugang zu Sozialkapital von Jugendlichen in der BRD: Dieser Hauptteil verknüpft die Theorie mit empirischen Daten der Shell Jugendstudie 2010, um verschiedene Aspekte wie politisches Interesse, Partizipation und Vertrauen systematisch zu untersuchen.
Schlüsselwörter
Sozialkapital, Robert D. Putnam, Jugendstudie, Politische Partizipation, Politikverdrossenheit, Bürgergesellschaft, Zivilgesellschaft, Demokratiezufriedenheit, Vertrauen, Ehrenamt, Wahlbeteiligung, Soziale Netzwerke, Repolitisierung, Politische Bildung, Engagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwieweit die Sozialkapital-Theorie von Robert D. Putnam auf Jugendliche in Deutschland anwendbar ist und ob eine Abnahme oder Zunahme ihres gesellschaftlichen Engagements vorliegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem politischen Interesse, der Wahlbeteiligung, dem ehrenamtlichen Engagement sowie den Einstellungen der Jugendlichen zu demokratischen Institutionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob von einem Niedergang des Sozialkapitals bei Jugendlichen gesprochen werden kann oder ob neue Formen der Beteiligung auf eine Repolitisierung hindeuten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse des Putnam-Ansatzes in Kombination mit einer sekundäranalytischen Auswertung der Shell Jugendstudie 2010.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden strukturelle und kulturelle Aspekte von Sozialkapital untersucht, wobei Faktoren wie politisches Interesse, das aktive Informationsverhalten und das Vertrauen in Institutionen analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Sozialkapital, politische Partizipation, Bürgergesellschaft und die kritische Auseinandersetzung mit der Politikverdrossenheit.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Parteien?
Die Arbeit stellt fest, dass traditionelle Organisationen wie Parteien für Jugendliche massiv an Attraktivität und Bindungskraft verloren haben und oft nicht mehr als adäquate Dialogpartner wahrgenommen werden.
Welche Rolle spielt das Bildungsniveau bei der Partizipation?
Das Bildungsniveau korreliert stark mit dem politischen Interesse; Jugendliche mit höherer Bildung weisen eine deutlich ausgeprägtere Partizipationsbereitschaft auf als Jugendliche mit Hauptschulabschluss.
- Arbeit zitieren
- V. P. (Autor:in), 2014, Niedergang des Sozialkapitals? Das politische und soziale Verhalten von Jugendlichen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303376