Nepal im Spiegel seiner Geschichte. Die Anfänge, Dynastien und die Zeit ab 1950


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

I.) Die Anfänge:

II.) Die Licchavis:

III.) Die Thakuri:

IV.) Die frühe Malla Zeit:

V.) Die Zeit der drei Stadtkönigreiche:

VI.) Die Dynastie der Shah:

VII.) Die Dynastie der Rana:

VIII.) Die Zeit ab 1950:

Literaturverzeichnis:

I.) Die Anfänge:

Die Geschichte Nepals und seine historischen Vorgänge beschränken sich weitgehend auf das Kathmandutal. Gesicherte Kenntnisse und schriftliche Zeugnisse sind erst ab dem 5. Jh. n. Chr. bekannt. Alle vorherigen Erkenntnisse müssen aus den Mythen und Legenden des Landes abgeleitet bzw. geschlussfolgert werden.

„Still und friedvoll bedeckt ein tiefdunkler, türkisblauer See das Tal von Katmandu. Wegen seiner Tiefe nannte man ihn Kalhirhada, das schwarze Wasser, und in ihm lebten die mythischen Urschlangen. Vor zigtausenden Jahren war der erste Buddha ins Tal gekommen, hatte von dem Gipfel eines umliegenden Berges ein Pollenkorn ins Wasser geworfen und die Weissagung getroffen, dass an dieser Stelle einmal ein bedeutendes Heiligtum entstehen sollte. Auf dem See erblühte daraufhin eine wundervolle weiße Lotosblume mit diamantenen Blüten. Über ihr züngelte eine blaue Flamme und verströmte ein mythisches Licht. Es war die Manifestation des Adi Buddha, des Ur-Buddha, das Selbstgeborene. Von allen Seiten kamen die Pilger, um dieses wunderbare Schauspiel zu beobachten, sich am Seeufer niederzulassen und dort zu meditieren. Aus den tief verschneiten Bergen des Nordens kam nach 80.000 Jahren Manjusri, das Erleuchtungswesen, und wollte näher zu der geheiligten Flamme. Mit seinem flammenden Schwert schlug er eine tiefe Schlucht in den Bergrand, ein Durchbruch entstand und das Wasser des Sees floss aus dem Kathmandutal ab. Manjusri konnte den König der Schlangen jedoch dazu bewegen, im Tal zu bleiben und die Fruchtbarkeit zu sichern. Die geheiligte Lotosblume mit dem Licht des Adi Buddha konnte nun im Schlamm des Seegrundes Fuß fassen und Manjusri errichtete an ihrer Stelle einen heiligen Schrein. Der Stupa von Svayambhunath war entstanden und das Licht erstrahlte, bis das gottlose und sündige Zeitalter des Kaliyuga (in dem wir uns gerade befinden) anbrach. Dann erlosch das Licht. Zu Füßen des Stupas ließ Manjusri eine hölzerne Stadt errichten, die sich von Svayambhunath bis hin nach Pashupatinath erstreckte. Manjusri blieb in der hölzernen Stadt und machte seine Nachfahren zum König. [1] So vollzog sich die Entstehung des Stupas und die Gründung Kathmandus, zumindest wenn man den nepalischen Legenden Glauben schenken mag.

Aus der Luft gegriffen sind diese Legenden jedoch nicht, denn wie geologische Forschungen gezeigt haben, war das Tal von Kathmandu früher ein großer See.

Funde im Terai und im Kathmandutal deuten auf eine frühe, 30000 Jahre zurückreichende Besiedelung hin, gesicherte Erkenntnisse über die damaligen Bewohner liegen aber nicht vor.

In der Bevölkerung ist die Erinnerung an verschiedene Dynastien wachgeblieben, von denen es keine schriftlichen Hinterlassenschaften gibt. Die erste dieser Dynastien waren die Gopalas (Kuhhirten). Sie hatten ihre Residenz in Matatirtha, einem heute noch sehr bedeutendem Heiligtum im Westen von Kirtipur.

Die erste Dynastie der Gopalas wurde aber schon bald, von den aus den Ebenen Nordindiens gekommenen Ahirs abgelößt. Die Kiratis wanderten im 7. Jh. v. Chr. aus dem Osten kommend, in das Tal von Kathmandu ein und verdrängten die Ahirs schon nach wenigen Generationen. Woher der Stamm der Kiratis ursprünglich stammte ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Sie errichteten ihre Residenz in einer unzugänglichen Festung auf einem heute bewaldeten Bergrücken über dem Bagmati in der Nähe von Gokarna. Dort befindet sich heute eine Sommerresidenz des Königs. Das jenseits des Bagmati gelegene Shiva-Heiligtum von Gokarneshvara gilt noch immer als überaus heilig und geht sicherlich auf die Kiratis zurück.

Der erste König trug den Namen Yalambar, von insgesamt 28 Kirati-Königen weiß die Überlieferung zu berichten. Die Herrschaft der Kirati wird in die Zeit zwischen dem 7. Jahrhundert vor und dem 2. Jahrhundert nach Christus datiert. Ein wichtiges Ereignis ist die Geburt Gautamas, des Buddha, die auf 563 vor Christus und an einen Ort Lumbini gelegt wird.

Unter der Herrschaft der Kirati züchteten die Bewohner des Tals Schafe, trieben Handel mit Decken, Fellen und Teppichen.[2]

Unter dem siebtem Herrscher soll Gautama Buddha das Kathmandutal besucht und in Patan gelebt haben. Dort erhob er die Kaste der Schmiede zu Goldschmieden und verlieh ihnen seinen Namen, Shakya. Im 2. Jh. v. Chr. besuchte der große indische Kaiser Ashoka, ein frommer Buddhist, den Geburtsort von Buddha und ließ dort eine Gedenksäule errichten. Anschließend hat er das Kathmandutal besucht und in Patan ließ er die vier Ashoka-Stupas errichten.[3] Von anderen Historikern wird ihm die Errichtung der Stupas abgesprochen.[4]

Unter dem Angriff der Somavamshi Rajput, einem Rajputenstamm aus dem Westen, mussten die Kiratis ihre Festung in Gokarna aufgeben. Sie gründeten eine neue Residenz im Bereich des heutigen Patan. Als Kerngebiet dieser ersten Siedlung vermutet man die Region um den Khumbeshvara-Tempel in Patan.

Bald darauf übernahmen die Somavamshi Rajput gänzlich die Herrschaft im Kathmandutal und gründeten die Residenz bei Godavari. Auf sie geht die Gründung des Heiligtums von Pashupatinath zurück. Ursprünglich soll diese Dynastie aus Pashupura (dem heutigen Patna) in Indien gekommen sein. Der Name des Heiligtums erinnert also an seine Erbauer und an deren ehemalige Hauptstadt.

Der letzte Kirati Herrscher zog sich nach Manjkirant, dem ursprünglichen Sitz des Stammes im Osten von Nepal zurück. Die meisten Kirati sind im Kathmandutal geblieben und bilden eine der untersten Kastengruppen..

II.) Die Licchavis:

Auf der berühmten Steinsäule des Königs Manadeva vor dem Tempel von Changu Narayan wird zum ersten Mal schriftlich die Dynastie der Licchiavi erwähnt. Diese Steinsäule gilt als älteste zeitgenössische Quelle in Nepal. Auf ihr wird u.a. von den Eroberungszügen dieses Königs berichtet, die eine bedeutende Ausweitung seines Herrschaftsbereiches entlang den Flüssen weit über die Grenzen des Tales zur Folge hatte. Die Religion dieser Herrscher war der Vishnuismus, eine Form des Hinduismus. Überall im Kathmandutal wurden Heiligtümer zu Ehren des Gottes errichtet. Einige herausragende Kunstdenkmäler stammen aus dieser Zeit. Die Darstellungen Visnhus in Changu Narayan gehören mit zu den bedeutendsten und schönsten Arbeiten des gesamten Tals.

Die Licchavis verband ein enges Band mit der Dynastie der Guptas, die in Indien regierten. Es war ein außerordentlich enger kultureller und womöglich auch politischer Kontakt mit Indien vorhanden. Die offizielle Sprache war Sanskrit, die Sprache in der königliche Dokumente in Stein eingraviert wurden. Das verwunderliche an dieser Sprache ist, daß sie auch die Guptas in Indien verwendeten. Es gab auch umlaufendes Geld. Dabei ist jedoch bemerkenswert, dass nicht so sehr die Münzen der Guptas imitiert wurden, sondern die der in Indien vorangegangenen Dynastie der Kushanas, deren Münzen noch in Nepal verwendet wurden.

Die wichtigste Komponente der damaligen Wirtschaft war der Handel. Der Bau einer Straße von Indien durch das Kathmandutal nach Tibet spielte wirtschaftlich die entscheidende Rolle. Die neu eröffnete Straße machte das Kathmandutal zu einem überaus wichtigen Umschlagplatz zwischen Indien und Tibet und bewirkte einen großen Reichtum, der zu einer ausgesprochenen städtischen Kultur führte. Daneben war die Landwirtschaft zweitranig. Allerdings wurde auch schon damals damit begonnen, über Kanäle ein Bewässerungssystem innerhalb des Kathmandutals aufzubauen. Damit konnten weite Gebiete, unabhängig vom Regen, mit Wasser versorgt werden.

Die klare Verknüpfung Nepals mit der Geschichte Indiens zeigt sich auf einer Steinsäule in Allahabad, die den König von Nepal als tributpflichtig an Kaiser Gupta ausweist. Dies ist das frühste Dokument in dem der Name Nepal erwähnt wird. Die Suzeränität Indiens in Nepal wird noch einmal deutlich, als der Kaiser Indiens Nepal 607 besetzt und einen Statthalter zurücklässt. Hiermit endet temporär die Herrschaft Indiens und der erste große Name Nepals erscheint Amsuvarman.[5]

III.) Die Thakuri:

Die Licchiavifürsten wurden von den alteingesessenen Gopala zunehmend unter Druck gesetzt. Es kam zu einer Einschränkung der königlichen Macht durch übermächtige Adelige. Einem dieser Adeligen gelang es seinen König Shivadeva weitgehend zu entmachten und selbst die Geschicke des Landes zu leiten. Er war ein Thakuri, ein „hoher Herr“ und sein Name war Amsuvarman.

Mit König Amsuvarman , der 620 zur Macht kam, befreite sich Nepal von allen Abhängigkeiten und durchlebte Zeiten neuer Blüte. Er war den Künsten und der Wissenschaft zugetan, ließ die erste Sanskritgrammatik des Landes schreiben und führte ein eigenes Münzsystem ein. Spannungen mit Tibet begegnete er durch die Heirat seiner Tochter mit dem Gründer des großtibetischen Reiches, Srong Tsang-Gampo. Sie brachte die Bettelschale des Buddha nach Tibet. Der König von Tibet nahm eine zweite Frau, die chinesische Prinzessin Wenig und beide bekehrten ihn zum Buddhismus. Ihre Verdienste um die Ausbreitung der Lehre Buddhas, dankten ihnen die Mahayana-Buddhisten indem sie beide als weiße und grüne Tara in das göttliche Pantheon des Mahayana-Buddhismus aufnahmen.

Seine zweite Tochter vergab er an einen indischen Fürsten um auch mit diesem Nachbarn in Einklang leben zu können.

Diese Zeit, die als Lichhavi Periode in die Geschichte Nepals eingegangen ist, wird als das goldene Zeitalter des frühen Nepals bezeichnet. Mit friedlicher Koexistenz von Buddhismus und Hinduismus, guten Kontakten zu den Nachbarn, kultureller Blüte im Inneren und dörflicher Selbstverwaltung. Das Panchayat-System soll hier seine Wurzeln haben.[6]

Nach 750 endet der reiche Inschriften Bestand abrupt und setzt erst 250 Jahre später wieder ein. Damit fehlt weitgehend jegliche historische Information über diese Epoche. Es muss dies eine Zeit starker innerer Erschütterung gewesen sein. Vielleicht wurden durch die inneren Kämpfe, zwischen den verschiedenen Thakuri Familien, sämtliche Inschriften zerstört um die andere Familie gänzlich aus der Geschichte zu verbannen. Die hoch entwickelte städtische Kultur unter den Licchavis dürfte weitgehend zerstört worden sein, wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts.

Im 9. Jahrhundert erfolgte eine Reihe von städtischen Neugründungen. Auch Kantipur (Kathmandu), so der alte Name von Kathmandu, wurde in dieser Zeit gegründet. Über das genaue Gründungsdatum ist man sich uneins. Manche Historiker sprechen vom Jahr 732 andere schwanken zwischen dem 10. Jahrhundert und dem 12. Jahrhundert.

Im Jahre 879 wurde eine neue Zeitrechnung eingeführt, die bis heute Gültigkeit behalten hat. Es ist dies der Nepal Sambat, dieser ersetzte den bis dato gültigen indischen Kalender.

Über die Vorgänge in dieser Zeit sind sich die Historiker vollständig uneins, ob Nepal in dieser Zeit unabhängig war oder der Oberherrschaft Tibets oder Bengalens unterstand.

Lokale Traditionen berichten von einer Vielzahl von Einfällen, von neuen Bevölkerungsgruppen, die ins Land kamen, und von einer Fülle an neuen Gottheiten und Kulturen. Tatsächlich hat diese Zeit das heutige Bild Nepals entscheidend geprägt und hat gleichzeitig einen tiefen Bruch mit der Vergangenheit des Landes mit sich gebracht.

Der Einfall der islamischen Eroberer auf dem Indischen Subkontinent brachte auch für Nepal eine entscheidende Wende. Der König von Karnataka, Harishimadeva, musste sein Land verlassen und fand in Bhaktapur politisches Exil. Er brachte Anhänger einer tantrischen Glaubensrichtung mit sich und diese führten den bis dahin unbekannten Kult der Schutzgöttin Taleju ein. An seinem Hof versammelten sich Gelehrte und Künstler, die auch aus Indien fliehen mussten, somit wurde der Grundstein für ein erneute Blüte und ein neues Königreich im Kathmandutal gelegt. Ob Harishimadeva wieder zurück nach Karnatak ging oder im Tal blieb ist unklar. Aber er legte den Grundstein für das nächste Kapitel in der Geschichte Nepals, die Zeit der Malla.[7]

[...]


[1] Chwaszcza 2000 Seite 63.

[2] Vgl Wiesner 1989 Seite 11.

[3] Vgl Chwaszcza 2000 Seite 64.

[4] Vgl Donner 1972 Seite28.

[5] Vgl Donner 1972 Seite 29.

[6] Vgl Aubert 2000 Seite 37f.

[7] Vgl Donner 1972 Seite 29f.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Nepal im Spiegel seiner Geschichte. Die Anfänge, Dynastien und die Zeit ab 1950
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Geographisches Institut)
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
16
Katalognummer
V303503
ISBN (eBook)
9783668022010
ISBN (Buch)
9783668022027
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nepal, Spiegel, Geschichte
Arbeit zitieren
OStR Niels Preiser (Autor), 2001, Nepal im Spiegel seiner Geschichte. Die Anfänge, Dynastien und die Zeit ab 1950, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303503

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