Die Rollen von Joko und Klaas in "Circus HalliGalli"


Hausarbeit, 2015
11 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Relevante Theorien zur Fernsehwissenschaft
2.1. Parasoziale Interaktion in Fernsehshows
2.2. Interaktionsgruppen einer Fernsehshow

3. Analyse der Rollen von Joko und Klaas am Gegenstand
3.1. Joko und Klaas als ‚presenters‘
3.2. Joko und Klaas als ‚participants‘
3.3. Joko und Klaas als ‚reporters and other regular personnel‘
3.4. Auswertung

4. Fazit

Quellenverzeichnis

Bibliografie

Mediografie

1. Einleitung

„Sie sind wild, sie haben keine Angst und sie machen alles anders“ (DIE ZEIT, Nr.49, 2014). Die Rede ist von dem Moderatoren-Duo Joachim Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf alias Joko und Klaas. Seit Februar 2013 begegnet man ihnen regelmäßig montagabends bei Circus HalliGalli auf ProSieben. Obwohl sie eigentlich die Moderatoren der Sendung sind, stellen sie sich gegenseitig immer wieder auf die Probe, sind sich für keine Aufgabe zu schade und lassen sich dadurch scheinbar in keine Schublade stecken.

Frances Bonner stellt 2003 das Konzept von Gruppen einer Fernsehshow auf. Sie unterteilt, ähnlich wie andere schon vor ihr, in ‚presenters‘, ‚reporters and other regular personnel‘, ‚stars and experts‘, ‚participants‘, ‚studio viewer‘ und ‚active viewer‘. Jede beteiligte Person einer Fernsehshow scheint so Platz in einer festen Kategorie zu finden. Allerdings betont Bonner auch wiederholend, dass Grenzen zwischen den Kategorien durchaus überschritten werden können.

Mit der Gruppe der ‚presenters‘ befasst sich die Theorie der parasozialen Interaktionen, welche auf Richard Horton und Donald Wohl zurückzuführen ist. Sie gehen davon aus, dass der ‚presenter‘ (bei ihnen ‚persona’ genannt) durch ein bestimmtes Verhalten eine Art Face-to-Face-Interaktion illusionieren kann und sich so für den Zuschauer eine scheinbar freundschaftliche Beziehung zum ‚presenter‘ entwickelt.

Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein, anhand Bonners Kategorisierung zu analysieren, welche der genannten Gruppen Joko und Klaas in Circus Halligalli annehmen. Da Joko und Klaas besonders in genanntem Format immer wieder mit der Überschreitung von Grenzen zwischen den Gruppen spielen, eignet es sich besonders gut zur Analyse. Um die Arbeit nicht zu umfangreich zu gestalten, bezieht sich diese Analyse nur auf die siebte Folge der zweiten Staffel, welche erstmals am 14. Oktober 2013 ausgestrahlt wurde.

Die Untersuchung gliedert sich in zwei Teile. Zunächst werden für die Arbeit relevante Theorien zur Fernsehwissenschaft erläutert. Diese werden im darauf folgenden Kapitel auf den Gegenstand angewendet.

2. Relevante Theorien zur Fernsehwissenschaft

2.1. Parasoziale Interaktion in Fernsehshows

Zum Thema Parasoziale Interaktion und Parasoziale Beziehungen lässt sich eine Reihe Publikationen finden. Allesamt verweisen sie auf eine Arbeit von Donald Horton und Richard Wohl, die 1956 in der Zeitschrift Psychiatry unter dem Titel ‚Mass communication and para-social interaction. Observations on intimacy at a distance‘ erschien. Horton und Wohl schlugen darin vor, das Verhalten von Zuschauern vor den Fernsehern als eine Art soziale Interaktion zu verstehen. Die scheinbare Face-to-Face-Beziehung, die neue Massenmedien illusionieren, verstehen sie als parasoziale Beziehung. Dadurch, dass der Moderator (nach Horton/Wohl ‚Persona‘ genannt) den Zuschauer vorm Fernseher durch verschiedene Methoden direkt adressiert, entsteht eine parasoziale Interaktion. Diese Interaktion ist jedoch nur einseitig. Sie wird von der Persona ermöglicht und kontrolliert. Der Zuschauer vorm Fernseher kann also zwischen verschiedenen Beziehungen/Interaktionen entscheiden. Ob er sich auf die Inszenierung ein- oder diese verlässt bleibt dabei ihm selbst überlassen. Da die Interaktion nur einseitig stattfindet, kann sich der Zuschauer der Situation leichter entziehen und die Interaktion verlassen als er es bei einer klassischen, sozialen Interaktion könnte.

Aufgrund regelmäßigen Erscheinens im Fernsehen erzeugt die Persona Intimität mit ganzen Menschenmassen (vgl. Horton/Wohl, 2002, 76). Durch eine Kontinuität der parasozialen Situation scheint sich für den Zuschauer eine Art freundschaftliche Beziehung zu entwickeln. Genau dies ist nach Horton/Wohl das Ziel der Persona. Durch Gestik, Small Talk, Anekdoten aus dem vermeintlichen Privatleben der Persona und eine informelle Face-to-Face-Interaktion wird die Illusion von Intimität noch verstärkt. Auch technische Geräte tragen ihren Teil dazu bei, so fungiert die Kamera quasi als Augen des Zuschauers und die Persona blickt diesem bei der Moderation scheinbar direkt in die Augen. Die ganze Sendung mit ihren Beiträgen ist exakt auf den Zuschauer vor dem Fernseher ausgerichtet.

Vom Publikum wird nun erwartet, dass es die zuvor von der Persona antizipierte Reaktion zeigt. Es soll die Gegenrolle zur Persona annehmen. Es wird gewünscht, dass es „von der Weisheit der Persona profitiert, bei Schwierigkeiten zu ihr steht, ihr Fehler verzeiht und Produkte kauft, die sie empfiehlt“ (Horton/Wohl, 2002, S. 83). Natürlich kann der Zuschauer auch andere Rollen (beispielsweise eine ablehnende Rolle) einnehmen, jedoch bleiben Zuschauer, die die vorgegebene Rolle nicht erfüllen, nach Horton/Wohl meist nur einmalige Zuschauer, da sie das Interesse verlieren.

Bei der erwarteten Reaktion des Publikums setzt die Sendung natürlich nicht auf die Erfahrung und Intuition des Zuschauers, sondern ‚schult‘ es. Methode dieser ‚Schulung‘ ist beispielsweise das Studiopublikum, welches dem Zuschauer vor dem Fernseher durch Klatschen etc. eine mögliche Reaktion auf Geschehenes vorlebt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass versucht wird, die Illusion einer Face-to-Face-Beziehung mit allen nur möglichen Mitteln zu perfektionieren um beim Zuschauer ein Intimitätsgefühl und eine Bindung zur Persona zu erzeugen.

2.2. Interaktionsgruppen einer Fernsehshow

2003 schrieb Frances Bonner eine Arbeit mit dem Titel ‚The People Involved‘, in der sie die Beteiligten einer Fernsehshow in verschiedene Gruppen einteilt. Anfangs unterteilt sie in ‚Special People‘ und ‚Ordinary People‘. Unter ‚Special People‘ fallen zunächst die Moderatoren (bei Bonner ‚The presenters‘ genannt).

Die Moderatoren begrüßen das Publikum am Anfang, leiten durch die Show und beenden diese am Schluss wieder. Gefällt einem Zuschauer ein Moderator, bietet sich ihm die Möglichkeit, ihm von Show zu Show zu folgen. Folglich werden Moderatoren zu Magneten oder auch Marken. Der Name des Moderators und auch er selber dient als Werbung für ein gewisses Format. Oftmals verwenden Moderatoren das Pronomen ‚wir‘ (beispielsweise: ‚Wir haben da mal etwas vorbereitet.‘). Mit ‚wir‘ meinen sie sich und natürlich das Team, welches hinter der Kamera steht und nicht zu sehen ist. Moderatoren werden nach Bonner also zur Verknüpfung zwischen Show und normaler Welt. Nur sie können den Zuschauer einbinden, obwohl sie paradoxerweise selber Teil der Show sind. Sie fungieren also intermedial.

Moderatoren sprechen den Zuschauer zu Hause direkt an um Intimität zwischen Sendung und Zuschauer zu simulieren. Um dem Zuschauer sympathisch zu werden zeigen sie, dass sie selber ganz normal sind um sich so mit dem Publikum auf eine Stufe zu stellen. Um dieses Ziel zu erreichen gibt es zahlreiche Wege, von denen einige schon im vorhergegangenen Punkt erläutert wurden.

Die nächste Unterkategorie der ‚Special People‘ sind Reporter und andere Personen (bei Bonner ‚Reporters and other regular personnel‘). Hier ordnet Bonner Reporter ein, die scheinbar von den Moderatoren in die Außenwelt geschickt werden um bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Diese Reporter stehen nur im Dialog mit den Moderatoren und haben lediglich kleine Auftritte (Einspieler) in der Show. Zu anderen Personen zählt Bonner Geschäftsleute, die im Hintergrund agieren, Musiker der Show und Hostessen beziehungsweise Assistentinnen, die einen eher dekorativen Zweck erfüllen sollen. Am Rande benennt sie auch das Team, welches hinter den Kulissen arbeitet und nicht in der Show zu sehen ist.

Als letztes nennt Bonner unter der Kategorie ‚Special People‘ Experten und Stars (nach Bonner ‚stars and experts‘), die als Gäste in der Show vertreten werden. Während Stars als Zuschauermagnet wirken und im Gegenzug ein aktuelles Buch oder einen aktuellen Film bewerben dürfen, dienen Experten lediglich dazu, ihr spezielles Fachwissen zu einem Thema kundzugeben.

Die Kategorie ‚Ordinary People‘ besteht ebenfalls aus drei Untergruppen. Bonner nennt hier die Teilnehmer (‚participants‘) einer Show. Es wird gewöhnlichen Personen die Möglichkeit geboten, im Fernsehen aufzutreten und sich selbst zu präsentieren. Je nach Format müssen sie Aufgaben absolvieren oder Fragen beantworten.

Weiterhin nennt Bonner das Studiopublikum (‚studio viewer‘), welches den Zuschauer Zuhause vor Ort im Studio repräsentiert. Es soll durch Beifall und ähnliche Verhaltensweisen die Stimmung der Show unterstreichen und dem Zuschauer Zuhause Reaktionen vorleben.

Als letztes spricht Bonner den aktiven Zuschauer (‚active viewer‘) an. Hiermit meint sie den Zuschauer vor dem Fernseher, der sich aktiv in die Sendung einbringt. Dies kann durch Anrufe, E-Mails, Fanpost oder Leserbriefe stattfinden.

Trotz der strengen Kategorisierung weicht Bonner immer wieder dessen Grenzen auf und betont, dass eine Person auch zwischen den Kategorien wechseln kann. Ist ein Moderator zum Beispiel Gast in einer anderen Sendung fungiert er dort als Experte oder Star, während er in seiner eigenen Show der Moderator bleibt. Die Theorie der Einordnung in Kategorien bringt also eine gewisse Struktur in die Beteiligten einer TV Show, jedoch können dessen Grenzen überwunden werden.

Eine ähnliche Kategorisierung in Gruppen unternahm auch schon Andreas Garaventa 1993. Jedoch teilte er, anders als Bonner, in nur fünf Gruppen und erwähnte Reporter und andere Mitarbeiter nicht. Er unterteilte in „Showmaster, Stars, Kandidaten, Präsenz- und Fernsehpublikum“ (Garaventa, 1993, 38). Im Grunde ist das Gerüst und die jeweiligen Definitionen denen nach Bonner sehr ähnlich, jedoch präzisiert Bonner in ihrer Arbeit rund 20 Jahre später jede Gruppe noch einmal. So werden Stars beispielsweise zu ‚stars and experts‘.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Rollen von Joko und Klaas in "Circus HalliGalli"
Autor
Jahr
2015
Seiten
11
Katalognummer
V303565
ISBN (eBook)
9783668024045
ISBN (Buch)
9783668024052
Dateigröße
772 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rollen, joko, klaas, circus, halligalli
Arbeit zitieren
Lena Kötitz (Autor), 2015, Die Rollen von Joko und Klaas in "Circus HalliGalli", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303565

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Rollen von Joko und Klaas in "Circus HalliGalli"


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden