Die Christianisierung der Germanen- (oder: Die Germanisierung des Christentums)


Hausarbeit, 2004
23 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Historie der germanischen Stämme

3. Geographische Ausdehnung

4. Germanische Kultur

5. Germanische Religion
5.1 Allgemein
5.2 Germanische Götter und wichtige Begriffe der germanischen Mythologie (alphabetische Auswahl)

6. Die Christianisierung
6.1 Christianisierung aus machtpolitischen Gründen
6.2 Gegen den Arianismus
6.3 Mit Axt und Schwert
6.4 Religion und Territorium
6.5 Wunderglaube und christliche Geschichtsfälschung

7. Nach dem Sturm: Folgen der Christianisierung
7.1 Auflösung
7.2 Dämonisierung der germanischen Religion
7.3 Germanisierung des Christentums

8. Fazit und Ausblick

9. Quellen

10. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

In einer Zeit des Umbruchs wurde das Christentum aus dem orientalischen Raum in das Gebiet der Germanen importiert. Das römische Reich zerfiel, Völkerwanderungen in riesigem Ausmaß fanden statt, Kulturen verschwanden, assimilierten und wurden assimiliert, mal friedlich, mal mit kriegerischen Mitteln. Die Christianisierung der naturverbundenen, kampfeshungrigen Germanen dauerte ungefähr bis ins 12. Jrh. n. Chr., zu diskutieren ist, ob sie (bei ihren Nachfahren) noch immer andauert. Diese Hausarbeit wird versuchen, diesen langen und ereignisreichen Zeitraum vereinfachend zusammenzufassen. Dabei werde ich zuerst die Germanen als Volk mit eigener Religion vorstellen, die wichtigsten Vorkommnisse der Christianisierung und ihre Folgen kommentieren, um dann in einem Ausblick zu beschreiben was vom germanischen Glauben heutzutage geblieben ist. Näher eingehen werde ich u.a. auf die Vermischung von christlichem und germanischem Glauben, welche meiner Meinung nach besonders interessant ist.

2. Historie der germanischen Stämme

Die Bedeutung[1] des Begriffs Germanen (germ. Germanoz) kommt wahrscheinlich von Ger, "Speer" und "Männer" oder er meint "echte Kelten". Im 1. Jrh. v. Chr. nannten so die Römer diejenigen Stämme, die aus dem Norden und Osten über den Rhein kamen.

Der römische Gelehrte Publius Cornelius Tacitus (ca. 55- ca. 120), dessen 98 n.Chr. verfasste Germania zu den bedeutendsten Schriftquellen germanischer Geschichte zählt, unterschied drei Stammesgruppen: Die an der Küste siedelndenIngäwonen, den Herminonen (Mitte) und die Istwäonen (Norden und Osten). Die Altertumskunde teilt die Germanen ebenfalls in drei Stammesgruppen ein: Die Nordseegermanen, die Elbgermanen und die Weser-Rhein-Germanen. Unterschieden wird auch in Nordgermanen (Skandinavien, Island) und Südgermanen.

Die Römer stießen erstmals im 2. Jrh. v. Chr. auf nördlich der Alpen lebende Stämme, als die Kimbern und Teutonen über das Gebirge kamen und ins römische Kernland einbrachen. Später führte die Eroberung Galliens durch Caesar zu einer langen Grenze des Römischen Reiches mit germanischen Gebieten, die Schauplatz zahlreicher Konflikte war.

Allmählich bildeten sich jenseits dieser Grenze die später historisch bedeutsamen Stämme der Alemannen, Franken, Goten, Langobarden, Markomannen und Sachsen heraus. Als deren Länder Ende des 4. Jahrhunderts von den Hunnen überrannt wurden, begann die Völkerwanderung, in deren Folge die Germanen das weströmische Reich zerstörten (476). Im Süden Europas (Ostgoten 493-553 in Italien, von 412-711 die Westgoten in Südgallien und Spanien, in Oberitalien von 568-774 die Langobarden) und in Nordafrika (Wandalen, 429-534) wurden einige meist unbeständige Königreiche gegründet. Als überlebensfähig erwies sich im Norden das Frankenreich, aus dem später Frankreich und Deutschland hervorgingen.

3. Geographische Ausdehnung

Tacitus erschienen die Berichte[2] vom kühlen und nebligen, von dunklen Wäldern bedeckten Germanien so unerfreulich, dass der sonnenverwöhnte Gelehrte der Meinung war, die Germanen müßten Eingeborene sein, da sich sonst niemand in Germanien aufhalten würde, es sei denn, er wäre dort geboren.

Germanien grenzte im Westen etwa entlang des Rheins an die Gebiete der keltischen Gallier. Im Süden bilden grob Alpen und Donau die Grenze, im Osten die Weichsel. Seit dem Mittelalter versteht man unter Germanien in mehreren Sprachen Deutschland (engl. Germany, ital. Germania, russ. Germanija).

4. Germanische Kultur

Die Wurzeln germanischer[3] Kultur reichen bis in die Steinzeit. Die Germanen lebten in Sippenverbänden und patriarchalischen Großfamilien. Es gab 3 Stände: Freie, Halbfreie und Sklaven. Aus den Freien bildete sich der Adel, aus der Heerführung bei Wanderzügen entstand ein Königtum. Die Germanen siedelten in Dörfern und Einzelgehöften. Die germanische Kultur war keine Hochkultur, aber die Berührung mit den Römern brachte kulturelle Fortschritte.

Das germanische Heer war nach Sippen geordnet. Jeder Freie war zum Kriegsdienst verpflichtet. Hauptwaffen waren Lanze, Axt und Schwert, dazu als Distanzwaffe Pfeil und Bogen. Die Reiterei war bereits bekannt und effizient. Eher selten waren Helm und Panzer.

Die Rechtsprechung beruhte auf mündlich überliefertem Recht.

5. Germanische Religion

5.1 Allgemein

Tacitus setzte in[4] seiner Germania die germ. Hauptgötter römischen Göttern gleich, so Wodan dem Merkur, Tyr dem Mars, Thor dem Jupiter, Frigg der Venus. Die Götter der Edda (s. dazu Punkt 5.2) sind erhöhte Wesen von menschlicher Gestalt, deren Überlegenheit auf Zauberkräften beruht. So nahm die Zauberei einen wichtigen Platz im germanischen Leben ein, wozu auch die Befragung der Runen gehörte.

Neben dem eigentlichen religiösen Glauben bildete sich allmählich eine Lehre von den Mächten und Geschehnissen einer höheren Welt heraus. Es waren vor allem die Isländer, die dieses Weltbild schufen. Nach ihrer Überlieferung ist die Welt von gütigen und gleichzeitig kriegerischen Göttern, Asen und Wanen, aus den Gliedern eines Urwesens, dem Riesen Ymir, geschaffen worden. Welt und Menschheit werden einst im Ragnarök (s. dazu Punkt 5.2) zu Grunde gehen.

So kriegerisch das Volk[5], so kriegerisch war auch ihre Religion, in der mächtige, furchteinflößende und oft schwer bewaffnete Kriegs- und Fruchtbarkeitsgötter verehrt wurden. Odin/Wodan beispielsweise steht seinen Kriegern im Kampf gegen ihre Feinde bei; die tapfersten seiner Krieger tötet er aber schließlich selbst um sie (mittels der Walküren) nach Walhalla zu bringen und sie später im Ragnarök als Einherier abermals für sich kämpfen zu lassen.

Am Anfang standen die Verehrung der Sonne und der Zeugungskraft. Der höchste Gott und Himmelsherr war Tyr/Ziu, schon früh von Odin abgelöst. Das Weltgeschehen ist durch ständige Kämpfe zwischen Göttern und Riesen bestimmt. Jahreszeitlich bedingte rituelle Feste (s. dazu Punkt 7.3) fanden unter freiem Himmel statt. Im Laufe der Zeit begannen sie auch mit dem Tempelbau und der Verehrung von Götterbildern. Die Germanen verehrten vor allem die Natur, Bäume, Flüsse etc., sprich die "Urkraft".

Auch Gottheiten des Mittelmeerraums, also der hellenistischen Götterwelt, wie Isis oder Diana waren den Germanen Mitteleuropas bekannt.

Angesichts der Weite des Raumes und der Vermischungen mit Nachbarvölkern ist es nicht verwunderlich, dass es nie eine einheitliche Germanische Religion gab. Keltische und römische Einflüsse im Westen, bzw. Süden, Kontakt mit Balten und Slawen im Norden, bzw. Osten sowie frühe Expeditionen germanischer Völker bis nach Kleinasien brachten Impulse in den germ. Kult ein.

5.2 Germanische Götter und wichtige Begriffe der germanischen Mythologie (alphabetische Auswahl)

Asen: Größeres[6] der Göttergeschlechter, das in Asgard wohnt. Herrscher über die Welt und die Menschen, in ihrer Macht aber begrenzt durch das Schicksal. Vorwiegend Kriegsgötter.

Asgard: Wohnsitz der Götter (Asen) über Midgard (Menschenwelt) und Utgard (der Riesen- und Dämonenwelt).

[...]


[1] Die folgenden Angaben stammen aus Mudrak, Dr. Edmund: Die Christianisierung. http://www.artgemeinschaft.org/christianisierung.htm (6.4.2004).

[2] Die folgenden Angaben stammen aus Zompro, Andreas: Germanien. http://www.sungaya.de/schwarz/germanen/geographie/geographie.htm (1.4.2004a).

[3] Vgl. Zompro, Andreas: Germanische Kultur. http://www.sungaya.de/schwarz/germanen/geographie/kultur.htm (1.4.2004b).

[4] Vgl. De Vries, Jan: Altgermanische Religionsgeschichte, Band II. Berlin, 1970. (=Grundriss der germanischen Philologie; Bd. 12/II.) S. 10ff.

[5] "'Und nicht so leicht könnte man einen Germanen dazu bringen, das Feld zu bestellen und die Ernte abzuwarten, als den Feind herauszufordern und sich Wunden zu holen; es gilt sogar für träge und schlaff, sich mit Schweiß zu erarbeiten, was man mit Blut erringen kann.'" Tacitus, Publius Cornelius: Germania. http://www.artgemeinschaft.org/germania.htm (6.4.2004). Absatz 14, Z. 9-11.

[6] Vgl. De Vries, 1970, S. 10ff.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Christianisierung der Germanen- (oder: Die Germanisierung des Christentums)
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Seminar für Religionswissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in die europäische Religionsgeschichte
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V30359
ISBN (eBook)
9783638316347
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Christianisierung, Germanen-, Germanisierung, Christentums), Einführung, Religionsgeschichte
Arbeit zitieren
Ralf Klossek (Autor), 2004, Die Christianisierung der Germanen- (oder: Die Germanisierung des Christentums), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30359

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