Die vorliegende Ausarbeitung zur mündlichen Examensprüfung zum Thema "Die Novelle im ausgehenden 18. Jahrhundert und 19. Jahrhundert" umfasst folgende Schwerpunkte in Stichpunkten:
Was ist eine Novelle? - Betrachtung der Gattung Novelle mit kurzem geschichtlichen Abriss
Kurze Analysen der folgenden Novellen:
Johann Wolfgang von Goethe: Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten (1795),
Heinrich von Kleist: Das Erdbeben in Chili (1807),
Heinrich von Kleist: Die Marquise von O… (1808),
Adalbert Stifter: Brigitta (1847),
Theodor Storm: Immensee (1849),
Paul Heyse: L’Arrabbiata (1853),
Gottfried Keller: Romeo und Julia auf dem Dorfe (1856),
Gottfried Keller: Die drei gerechten Kammmacher (1856),
Theodor Storm: Auf dem Staatshof (1859),
Theodor Storm: Pole Poppenspäler (1874),
Gerhart Hauptmann: Bahnwärter Thiel (1888),
Thomas Mann: Der kleine Herr Friedemann (1897).
Inhaltsverzeichnis
Die Novelle im ausgehenden 18. Jh. und im 19. Jh.
Begriff, Bedeutung, Herkunft
Novellentheorie
Novellentechnik (allg. Strukturmerkmale)
Novellenmärchen – Märchennovellen
Novelle – Roman – Kurzgeschichte
Die Novelle der Klassik
Novelle der Romantik
Die Novelle der Restaurationszeit
Die Novelle des poetischen Realismus
Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten
Marquise von O…
Das Erdbeben in Chili
Romeo und Julia auf dem Dorfe
Die drei gerechten Kammmacher
Immensee
Auf dem Staatshof
Pole Poppenspäler
L’Arrabbiata
Bahnwärter Thiel
Der kleine Herr Friedemann
Brigitta
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der Analyse der Novellistik im ausgehenden 18. Jahrhundert sowie im gesamten 19. Jahrhundert. Das primäre Ziel ist es, die gattungstypischen Merkmale, die theoretische Entwicklung sowie die verschiedenen Ausprägungen der Novelle – von der Klassik über die Romantik bis hin zum poetischen Realismus – anhand zahlreicher Primärbeispiele systematisch aufzuarbeiten.
- Historische Herleitung und Begriffsbestimmung der Novelle.
- Entwicklung und Wandel novellistischer Theoriebildung.
- Strukturanalyse zentraler Merkmale wie Wendepunkt, Falke und Rahmenerzählung.
- Vergleichende Untersuchung der Gattung gegenüber Roman und Kurzgeschichte.
- Interpretation exemplarischer Novellen bedeutender Autoren dieser Epochen.
Auszug aus dem Buch
Novellentheorie
Seit Wieland wurde die Adaption der Novelle in Dtl. mit Versuchen begleitet, sie theoretisch zu erfassen u. die Besonderheiten novellistischen Erzählens zu bestimmen
Wieland hebt v.a. die Kürze hervor u. verweist auf die „Simplicität des Plans“ im Vgl. zum Roman
Er grenzt sie vom Märchen ab, da sich das Erzählte auf die Wirklichkeit des Menschen bezieht
Goethe beschreibt die zentrale Struktur der Novelle als eine sich ereignete unerhörte Begebenheit -> er betont damit die Dominanz des Ereignishaften u. bezieht das Außergewöhnliche des Erzählens mit ein; auch er grenzt sie vom Roman ab: in der Novelle dominiert das Ereignis im Gegensatz zum Roman, in dem die Personen u. die Möglichkeiten personaler Einflussnahme auf die Geschehnisse im Vordergrund steht; im Roman finden sich mehrere Handlungsstränge bzw. es wird am Ausschnitt das Ganze/ die Welt gezeigt; die Novelle hingegen zeigt nur einen Ausschnitt u. nicht die ganze Welt, daher ist sie konzentriertes, dichtes Erzählen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Novelle im ausgehenden 18. Jh. und im 19. Jh.: Dieses Kapitel führt in die Primärliteratur ein und bietet einen ersten Überblick über die theoretischen Grundlagen des Genres.
Begriff, Bedeutung, Herkunft: Hier wird die Etymologie des Wortes und die historische Entwicklung aus den Troubadour-Biographien bis hin zur Etablierung in der deutschen Literatur erläutert.
Novellentheorie: Es werden die theoretischen Ansätze von Wieland bis Goethe dargestellt, wobei insbesondere die Abgrenzung zum Roman und die Definition der "unerhörten Begebenheit" im Vordergrund stehen.
Novellentechnik (allg. Strukturmerkmale): Dieses Kapitel beleuchtet prototypische Merkmale wie die Rahmenerzählung sowie die Funktion der Einzelerzählung.
Novellenmärchen – Märchennovellen: Die Untersuchung der Mischformen zwischen Realismus und Utopie zeigt die Spannung zwischen diesen beiden literarischen Welten.
Novelle – Roman – Kurzgeschichte: Eine komparative Analyse der drei Erzählformen hinsichtlich ihrer Struktur und des Freiheitsgrades der handelnden Subjekte.
Die Novelle der Klassik: Analyse der adaptierten Novellistik unter Goethe und Kleist mit Fokus auf humanen Optimismus versus moralische Skepsis.
Novelle der Romantik: Darstellung der Novelle als Ausdruck der Dialektik von Begrenzung und Entgrenzung in der romantischen Literatur.
Die Novelle der Restaurationszeit: Untersuchung der Gattung als Medium der Daseinsvergewisserung nach gescheiterten revolutionären Aufbrüchen.
Die Novelle des poetischen Realismus: Analyse des Gattungshöhepunkts im 19. Jahrhundert unter dem Eindruck von Industrialisierung und sozialem Umbruch.
Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten: Detaillierte Interpretation der Novellensammlung Goethes unter Berücksichtigung des Rahmens und der Moral.
Marquise von O…: Untersuchung der analytischen Novelle Kleists bezüglich ihrer Schicksalhaftigkeit und Leitmotivik.
Das Erdbeben in Chili: Analyse der Schicksalsnovelle Kleists hinsichtlich ihrer religiösen und gesellschaftlichen Implikationen.
Romeo und Julia auf dem Dorfe: Interpretation der Tragik der bürgerlichen Gesellschaft anhand der Symbolik von Fluss und Steinen.
Die drei gerechten Kammmacher: Untersuchung der Novelle Kellers als Kritik an einer einseitigen Glückseligkeitsmoral.
Immensee: Analyse der lyrischen Novelle von Theodor Storm mit Fokus auf die Symbolik der Wasserlilie.
Auf dem Staatshof: Untersuchung der Novelle als Spiegelbild des Niedergangs des Adels und des Aufstiegs des Bürgertums.
Pole Poppenspäler: Interpretation der Rahmennovelle als Beispiel für ein glückliches Ende und die Künstlertragödie.
L’Arrabbiata: Analyse der Novelle Heyse’s als Bildungsnovelle mit Fokus auf das Falkenmotiv.
Bahnwärter Thiel: Untersuchung der naturalistischen Studie Hauptmanns bezüglich ihrer symbolischen Verknüpfung von Außen- und Innenwelt.
Der kleine Herr Friedemann: Analyse der Dekadenznovelle Thomas Manns als Ausdruck der Spannung zwischen Geist und Leben.
Brigitta: Interpretation der Novelle Stifters hinsichtlich der Versöhnung durch innere Schönheit.
Schlüsselwörter
Novelle, Unerhörte Begebenheit, Wendepunkt, Falke, Rahmenerzählung, Klassik, Romantik, Poetischer Realismus, Literaturgeschichte, Gattungstheorie, Schicksal, Bürgertum, Erzähltechnik, Symbolik, Humanität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine umfassende literaturwissenschaftliche Analyse der deutschen Novellistik zwischen dem späten 18. und dem späten 19. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die theoretische Entwicklung des Gattungsbegriffs, die Analyse novellistischer Strukturmerkmale sowie deren Anwendung auf bedeutende Primärtexte der Epoche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die systematische Aufarbeitung und Gegenüberstellung der Novellentheorie und -praxis, um den Wandel des Genres durch die verschiedenen Literaturepochen hinweg verständlich zu machen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende strukturalistische und motivgeschichtliche Analyse der behandelten Novellen, ergänzt durch historische Kontextualisierung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zu Gattungsmerkmalen und eine detaillierte Interpretation spezifischer Novellen, von Goethe bis Thomas Mann.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören "Unerhörte Begebenheit", "Wendepunkt", "Rahmenerzählung" sowie die verschiedenen literarischen Strömungen der deutschen Novellistik.
Wie unterscheidet sich die Novelle laut dem Autor vom Roman?
Die Novelle zeichnet sich durch die Konzentration auf ein singuläres Ereignis und eine begrenzte Welt aus, während der Roman durch mehrere Handlungsstränge und eine breitere Weltanschauung bestimmt ist.
Welche Bedeutung kommt dem "Falken" in der Novellentheorie zu?
Das Falkenmotiv fungiert als ein strukturierendes, oft symbolisches Element an Gelenkstellen der Handlung, das zur Interpretation des zentralen Konflikts beiträgt.
Warum wird Bahnwärter Thiel als "Schwellentext" bezeichnet?
Er markiert den Übergang zur modernen Erzählweise durch die naturalistische Milieustudie und die psychologische Verknüpfung von Außenwelt und Unbewusstem.
Welche Rolle spielt die "unerhörte Begebenheit" bei Kleist?
Bei Kleist führt sie oft zu existentiellen Krisen oder zur Zerstörung der bürgerlichen Ordnung, wodurch die Hinfälligkeit menschlicher Humanität aufgezeigt wird.
- Arbeit zitieren
- Milena Gutsch (Autor:in), 2012, Die Novelle im ausgehenden 18. Jahrhundert und im 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303595