Der Film „Eyes Wide Shut“ im Deutschunterricht


Unterrichtsentwurf, 2012
13 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Didaktische Analyse
2.1 Farbbedeutungen (Blau, Rot, Violett)
2.2 Farbinterpretation im Film „Eyes Wide Shut“
2.3 Darbietung

3. Quellen

1. Einleitung

Der Film „Eyes Wide Shut“ bietet eine gute Grundlage die Bedeutung von Farben mit Schülern zu erarbeiten. Da im Film die Verwendung der Farben (Blau, Rot, Violett) zu beobachten ist, soll anhand bestimmter Szenen herausgearbeitet werden, welche Funktionen diese besitzen.

Der Inhalt des Filmes wird nicht nur durch die Sprache, sondern auch durch weitere Mittel, wie Musik, Farben, Hintergründe etc., transportiert. Von den Zuschauer werden einige Elemente bewusst wahrgenommen, andere weniger. Diese werden aber trotzdem unbewusst richtig interpretiert. Eine Liste zu nichtmarkierten und markierten Elementen findet man bei Lotmann in seinem Buch „Probleme der Kinoästhetik“.[1]

Der Regisseur kann mithilfe mehrerer Ausdrucksmittel, die er im Film kombiniert, den Inhalt betont präsentieren. „Die Interpretation […] hat es stets mit sprachlich verfassten Interpretations gegenständen zu tun – vorausgesetzt, man verwendet Termini wie „Klangsprache“ und Bildsprache“ nicht bloß als Metapher, sondern meint damit, lebendige, generative Zeichensysteme, in denen es Bedeutungskonventionen und wiederkehrende Strukturen gibt.“[2] In dieser Arbeit soll nur ein Ausdrucksmittel – die Farbe – untersucht werden, das mehr unbewusst wahrgenommen wird. So eine Interpretation nennt Thomas Zabka „synästhetisch-expressives interpretieren“[3]. Da in dieser Arbeit eine didaktische Analyse herausgearbeitet werden soll, wird gezeigt, dass die SchülerInnen durch die Interpretation eines bestimmten Ausdruckmittels den Inhalt des Filmes besser verstehen können.

Die ausgewählten Farben sollen beim Erkennen der zwei unterschiedlichen Welten unterstützen. Das sind zum einen ein vorbildliches Familienleben und zum anderen die Versuchung der moralisch verbotenen Taten. Die Kodierung der Farben verdeutlicht die Intension des Regisseurs zwei Welten gegenüber zu stellen.

2. Didaktische Analyse

In diesem Kapitel wird herausgearbeitet, wie Farben die Szenen in dem Film unterstützen. Dafür wird zuerst die Farbenbedeutung erläutert. Diese könnte man im Kontext mit kulturellen und geschichtlichen Inhalten beschrieben. In dieser Arbeit werden die Farben aber mit ihrer symbolischen Wirkung dargestellt. Danach wird die Auswahl der Szenen aus den Film präsentiert und begründet, warum diese ausgewählt sind. Und als letztes wird versucht, den möglichen Unterrichtsverlauf zu präsentieren.

2.1 Farbbedeutungen (Blau, Rot, Violett)

„Farbe hat sich im Verlauf der Filmgeschichte zu einem eigenständigen Element der Bildkomposition entwickelt, das eine wichtige Rolle für die filmische Bedeutungsproduktion übernehmen kann.“[4] Um die Unterstützung des Inhaltes im Film „Eyes Wide Shut“ durch Farben herauszuarbeiten, wird die Bedeutung der dominanten Farben beschrieben: Blau, Rot und Violette.

Farben können in unterschiedlichen Kontexten, auf ihre psychologische, kulturelle und traditionelle, symbolische oder kreative Wirkungen, untersucht werden. Für die Farbinterpretationen aus dem Film wird nur die symbolische Wirkung beschrieben, weil der Film „Eyes Wide Shut“ eine moderne Literaturverfilmung von Schnitzlers „Traumnovelle“ ist, in der nicht die Wiener Kultur beibehalten wird, sondern die Handlung nach New York verlegt wird.

Blau:

Das Blau kann symbolisch für mehrere Aspekte stehen:

- Das göttliche Blau:

Blau ist die Farbe des Himmels[5]. Im Himmel leben Götter[6] und die „positiven Geister und beschützenden Kräfte des Alls“[7]. „Zum Beispiel werden dort [in Kulturen mit einem ausgeprägten Matriarchat] nahezu alle Türen und Fensterrahmen blau gestrichen, um auf diese Weise die guten Geister auf sich zu lenken.“[8] In Europa ist Blau das Symbol „der himmlischen Mächte“[9]. Wenn das Himmlische auf der Erde wandert, wird ihm ein blaues Gewand gegeben, um zu zeigen, dass es für das Göttliche steht.[10]. „Als Farbe des Göttlichen ist Blau die Farbe der Ewigkeit. Als Farbe der Ewigkeit ist Blau die Farbe der Wahrheit.“[11]

- Das weibliche Blau Marias:

„Maria ist die am häufigsten gemalte Gestalt in der christlichen Kunst. Die Farbe Marias ist Blau“[12], weil sie meistens einen blauen Mantel trägt, der den Himmel symbolisiert. Dieser blaue Mantel sollte die Gläubigen schützen[13]. Wenn Maria als Mutter Gottes dargestellt wird, trägt sie meistens ein rotes Kleid dazu[14], weil diese Farbekombination „die Umsetzung des violetten Herrscherpurpurs“ ist[15]. Wenn sie als „Schmerzensreiche Mutter“ gezeichnet wird, trägt sie ein tiefdunkles Blau[16] (Bild 3). Nach der zugeordneten Rolle repräsentiert Maria „Ruhe und Innerlichkeit, Treue und Tradition“[17].

- Die Farbe der Treue:

Da die blaue Farbe oft in der Religion zu finden ist, kann man dieser Farbe die folgenden Begriffe zuordnen: Sympathie, Harmonie, Freundlichkeit und Ruhe[18]. Wenn man in den Himmel oder auf das Meer schaut, kommt man zur Ruhe. „Wir empfinden Wasser und Luft als blau, obwohl sie nicht wirklich blau sind. […] Weil das Blau durch die unendliche Vervielfältigung des Transparenten entsteht, ist es die Farbe der großen Dimensionen.“[19]

Wenn man Blau als Symbol für den Begriff Treue nimmt, muss man näher erläutern. Heller erklärt das folgendermaßen: „Treue hat mit Ferne zu tun, denn Treue erweist sich erst, wenn Gelegenheit zur Untreu gegeben ist. Die Treue ist keine Tugend, die demonstrativ zur Schau gestellt wird […]“.[20] Das Blau ist das Gegenteil vom Rot.

Rot:

Das Rot ist die Farbe des Lebens, weil das Blut rot ist. Die rote Farbe wird als Warnsignale im alltäglichen Leben ausgewählt, weil Gefahr für das Leben besteht, z. B. bleibt man vor einer roten Ampel stehen.[21] Wie das Rot die Farbe des Lebens präsentiert und sich aber auch in der Nähe vom Tod befindet, zeigt ein kurzes Sprichwort: „Heute rot, morgen tot“.[22] Aber das Rot steht nicht nur für das Leben, sondern auch für Leidenschaften. Alle Gefühle, die das Blut in Wallung bringen, werden mit Rot bezeichnet, z. B. Verlegenheit, Verliebtheit, Aufregung, Wut, Hass usw.[23] Aber auch die negativen Eigenschaften werden mit Rot präsentiert und stehen damit im Gegenteil zum Positiven, besonders wenn sie in der Kombination mit Schwarz vorkommen.[24] Deswegen trägt der Teufel Rot und Schwarz[25]. Diese Farbesymbolik findet man auch in einem anderen Sprichwort:

Rot ist Liebe, rot ist das Blut,
rot ist der Teufel in seiner Wut.[26]

Wie das Sprichwort ausdrückt, ist das Rot die Farbe der Liebe, „[…] aber gewiß nicht in der stillen, platonischen Form. Hier ist eher die körperliche Seite der Liebe gemeint, Sex und Sinnlichkeit, kein heimlich schwelendes Feuer, sondern eins, das glutvoll entfacht ist und lichterloh brennt.“[27] „Im <redlight district>, im Schummerlicht der roten Laternen, herrscht die Unmoral. Das Rot der Erotik, der Sexualität verbindet sich mit dem Schwarz der Sünde und dem lasterhaften Violett.“[28]. Die Hölle ist auch rot[29].

Violett:

Nicht nur Rot stellt die Sünde der Sexualität dar, sondern auch das Violett. Je stärker die Farbe der Liebe mit Violett kombiniert wird, „desto sichtbarer wird das Unmoralische“[30]. Die negative Bedeutung bekam Violett durch die Tradition der weiblichen Kleidung. „Zur Zeit Goethes wurde in der Mode erstmals zwischen Kleiderfarben für Männer und für Frauen unterschieden. Nur Frauen trugen Lila [Lila – durch Weiß geschwächtes Violett].[31] Meistens trugen aber diese Farbe unverheiratete Frauen, die für das kindische Rosa schon zu alt waren, um zu zeigen, dass sie trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch zu haben sind. Deshalb wurde das Violett als negatives Zeichen für sexuelles Begehren geprägt[32].

Das Violett hat aber nicht nur negative Symbolik. Es wird auch als Farbe der Magie interpretiert, weil Violett Sinnlichkeit und Geist, Gefühl und Verstand, Liebe und Entsagung verbindet[33].

[...]


[1] Vgl. Lotman 1977, S. 53f.

[2] Vgl. Zabka, 2003, S. 21.

[3] Ebd., S. 23.

[4] Vgl. Blödorn 1973, S. 321.

[5] Vgl. Braem 1998, S. 57.

[6] Vgl. Heller 2006, S. 38.

[7] Vgl. Braem 1998, S. 57.

[8] Ebd.

[9] Vgl. Heller 2006, S. 38.

[10] Ebd.

[11] Ebd.

[12] Ebd., S. 39.

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] Ebd.

[17] Vgl. Braem 1998, S. 58.

[18] Vgl. Heller 2006, S. 39.

[19] Ebd., S. 24.

[20] Ebd., S. 24.

[21] Vgl. Braem 1998, S. 32.

[22] Vgl. Heller 2006, S. 52.

[23] Ebd., S. 54.

[24] Ebd., S. 54.

[25] Ebd.

[26] Vgl. Braem 1998, S. 34.

[27] Ebd.

[28] Ebd.

[29] Vgl. Heller 2006, S. 52.

[30] Ebd., S. 175.

[31] Ebd., S. 176.

[32] Ebd.

[33] Ebd., S. 172.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der Film „Eyes Wide Shut“ im Deutschunterricht
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Deutsches Institut)
Veranstaltung
Filme im Deutschunterricht
Note
3,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V303596
ISBN (eBook)
9783668038851
ISBN (Buch)
9783668038868
Dateigröße
1274 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
film, eyes, wide, shut, deutschunterricht
Arbeit zitieren
Master of Education Viktoria Popsuy-Johannsen (Autor), 2012, Der Film „Eyes Wide Shut“ im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303596

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Film „Eyes Wide Shut“ im Deutschunterricht


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden