1. Einleitung
In einer Zeit des Umbruchs wurde das Christentum aus dem orientalischen Raum in das Gebiet der Germanen importiert. Das römische Reich zerfiel, Völkerwanderungen in riesigem Ausmaß fanden statt, Kulturen verschwanden, assimilierten und wurden assimiliert, mal friedlich, mal mit kriegerischen Mitteln. Die Christianisierung der naturverbundenen, kampfeshungrigen Germanen dauerte ungefähr bis ins 12. Jrh. n. Chr., zu diskutieren ist, ob sie (bei ihren Nachfahren) noch immer andauert. Diese Hausarbeit wird versuchen, diesen langen und ereignisreichen Zeitraum vereinfachend zusammenzufassen. Dabei werde ich zuerst die Germanen als Volk mit eigener Religion vorstellen, die wichtigsten Vorkommnisse der Christianisierung und ihre Folgen kommentieren, um dann in einem Ausblick zu beschreiben was vom germanischen Glauben heutzutage geblieben ist. Näher eingehen werde ich u.a. auf die Vermischung von christlichem und germanischem Glauben, welche meiner Meinung nach besonders interessant ist. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historie der germanischen Stämme
3. Geographische Ausdehnung
4. Germanische Kultur
5. Germanische Religion
5.1 Allgemein
5.2 Germanische Götter und wichtige Begriffe der germanischen Mythologie (alphabetische Auswahl)
6. Die Christianisierung
6.1 Christianisierung aus machtpolitischen Gründen
6.2 Gegen den Arianismus
6.3 Mit Axt und Schwert
6.4 Religion und Territorium
6.5 Wunderglaube und christliche Geschichtsfälschung
7. Nach dem Sturm: Folgen der Christianisierung
7.1 Auflösung
7.2 Dämonisierung der germanischen Religion
7.3 Germanisierung des Christentums
8. Fazit und Ausblick
9. Quellen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den komplexen Prozess der Christianisierung der germanischen Völker und die damit einhergehende wechselseitige Beeinflussung. Das Hauptziel besteht darin, diesen langwierigen historischen Wandel kritisch zu beleuchten und dabei insbesondere die Vermischung von christlichen und germanischen Glaubenselementen sowie die Auswirkungen der Missionierung auf die germanische Kultur und Identität zu analysieren.
- Historische Entwicklung der germanischen Stämme
- Analyse der verschiedenen Christianisierungsstrategien und machtpolitischen Hintergründe
- Untersuchung der Dämonisierung germanischer Religion und Symbole durch die christliche Kirche
- Betrachtung der Vermischung germanischer Traditionen mit dem christlichen Glauben
- Reflexion über die dauerhafte Wirkung germanischer Identität in der heutigen Religionsgeschichte
Auszug aus dem Buch
6.3 Mit Axt und Schwert
Friesen: Die Friesen liessen sich laut Dr. Mudrak nicht leicht bekehren.
Als Wilibrord von 690 an unter fränkischem Schutze versuchte, die Friesen zu bekehren, zeigte sich allerdings, daß seine Erfolge nicht weiter reichten als die fränkische Macht; der Friesenkönig Redbad lehnte das Christentum scharf ab, und die im Sinne der allgemeinen christlichen Übung durchgeführte Schändung des Heiligtums auf Fositesland kostete Wilibrord fast das Leben.
Als er erneut nach Friesland ging und Götzenbilder zerstörte wurde er 754 erschlagen. Erst nach der Einverleibung Frieslands in das Frankenreich konnte 786 n.Chr. die Annahme des Christentums erreicht werden.
Sachsen: Die Sachsen widersetzten sich ebenfalls den christlich/ römischen Invasoren, die vom König der Franken, Karl dem Großen (768-814) angeführt wurden. 782 befahl Karl die Hinrichtung ca. 4500 sächsischer Kriegsgefangener. Von 772 bis 804 ging dieser Krieg, den die Sachsen schließlich verloren. Die Annahme des Christentums blieb äußerlich, und durch Gewalt erzwungen.
England: Wie bei den Sueven und den Franken beginnt die Christianisierung damit, daß der König eine Katholikin zur Gattin nimmt. König Edwin heiratete 625 Ethelbrechts Tochter Ethelberga, und schon 627 trat er zum Christentum über.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in den historischen Kontext der Christianisierung der Germanen ein und skizziert die methodische Absicht, diesen Prozess und seine Folgen für den heutigen Glauben zu untersuchen.
2. Historie der germanischen Stämme: Hier werden die Ursprünge der Germanen, ihre Stammesgruppen und die Auswirkungen der Völkerwanderung auf die europäische Geschichte behandelt.
3. Geographische Ausdehnung: Dieses Kapitel beschreibt das Siedlungsgebiet der germanischen Stämme und die Wahrnehmung Germaniens durch antike Gelehrte wie Tacitus.
4. Germanische Kultur: Fokus liegt auf den sozialen Strukturen, der Ständeordnung, der Rolle des Heeres und der mündlichen Rechtsprechung der germanischen Völker.
5. Germanische Religion: Eine Übersicht über die germanische Götterwelt, das Weltbild und die Bedeutung von Zauberei und Naturverehrung als "Urkraft".
6. Die Christianisierung: Analyse der Missionierungsmethoden, wobei machtpolitische Motive, der Arianismus und die Anwendung von Gewalt bei der Bekehrung hervorgehoben werden.
7. Nach dem Sturm: Folgen der Christianisierung: Untersuchung des Wandels von Sippenstrukturen, der Dämonisierung alter Riten und der nachhaltigen Germanisierung christlicher Feiertage.
8. Fazit und Ausblick: Abschließende Reflexion über das komplexe Erbe der Christianisierung und die moderne Suche nach religiöser Identität in Europa.
Schlüsselwörter
Germanisierung, Christianisierung, Religionsgeschichte, Germanische Mythologie, Arianismus, Kulturwandel, Sippenstrukturen, Missionierung, Kirchengeschichte, Identität, Volksglaube, Götterdämmerung, Heidentum, Weltbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Prozess der Christianisierung germanischer Stämme und der gleichzeitigen, oft übersehenen Germanisierung des Christentums durch die Integration alter Glaubensmuster.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die historischen Ursprünge der Germanen, die gewaltvolle Missionierung durch die Kirche sowie der spätere kulturelle Austausch, der Feiertage und religiöse Vorstellungen nachhaltig prägte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die einseitig christlich geprägte Geschichtsschreibung zu ergänzen und aufzuzeigen, wie tiefgreifend und konfliktreich die Verbindung zwischen altem germanischen Glauben und dem neuen orientalischen Christentum war.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor stützt sich auf eine Analyse historischer Fachliteratur sowie auf zeitgenössische Internetquellen, um die Auswirkungen der Bekehrung auf Gesellschaft und Kultur kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der germanischen Religion, die Analyse machtpolitischer Christianisierungsgründe, Berichte über kriegerische Missionierung und die Untersuchung der Folgen für die germanische Geisteswelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Christianisierung, Germanisierung, Kulturwandel, Arianismus, Mythologie und das Spannungsfeld zwischen staatlicher Macht und religiöser Identität.
Wie bewertet der Autor die "Bekehrung" durch kriegerische Gewalt?
Der Autor stellt fest, dass die Missionierung häufig, etwa bei den Sachsen oder in Skandinavien, durch massive physische Gewalt erzwungen wurde und die Annahme des neuen Glaubens anfangs oft nur eine äußere Fassade blieb.
Warum blieben germanische Traditionen auch nach der Christianisierung erhalten?
Die Kirche reagierte pragmatisch auf die tiefe Verwurzelung der alten Bräuche, indem sie christliche Feste auf die Daten germanischer Feiertage legte und archaische religiöse Muster, wie den Glauben an Dämonen oder die Nutzung von Amuletten, in den christlichen Alltag integrierte.
- Quote paper
- Ralf Klossek (Author), 2004, Die Christianisierung der Germanen- (oder: Die Germanisierung des Christentums), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30359