,,Der Schamanismus ist Koreas älteste Religion, deren Ursprung weit in die Vergangenheit reicht und nicht mehr klar erkennbar ist. Sie beruht auf dem Glauben, dass nicht nur Menschen eine Seele haben, sondern dass auch Naturkräften und Gegenständen eine Seele innewohnt."1 Der Buddhismus dagegen, ist, laut Stengel, ,,eine auf philosophischen Grundsätzen aufbauende Religion, die in erster Linie Disziplin vorschreibt. Er betont die Errettung des Menschen durch Verzicht auf weltliches Verlangen, wodurch die Wiedergeburt im endlosen Zyklus der Reinkarnation überwunden werden und die Seele des Erleuchteten ins Nirwana eingehen kann." Beide Religionsformen sind in Korea stark vertreten, und ich werde sie in dieser Hausarbeit auf örtliche Eigenheiten und Praktiken untersuchen. Den historischen Teil habe ich bereits in meinem zugehörigen Referat beleuchtet (s. Anhang). Hinzufügen möchte ich noch, dass ich mich ausschließlich auf den Süden des Landes beziehen werde, da im nordkoreanischen Gebiet unter der kommunistischen Herrschaft jegliche Religionsausübung unterdrückt wird. 1 Stengel, Willi: Religion in Korea. http://www.willi-stengel.de/religion_in_korea.htm (09.08.2003).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Koreanischer Schamanismus
2.1 Allgemeine Fakten
2.2 Geister und Götter
3. Der Schamane
3.1 Initiation
3.2 Tätigkeit
4. Schamanismus Heute
5. Koreanischer Buddhismus
5.1 Allgemeine Fakten
5.2 Son-Tradition
6. Der buddhistische Mönch
6.1 Konflikt mit der Familie
6.2 Zeremonien und Feste
6.3 Praxis der Son-Meditation
6.4 Zölibat
7. Buddhismus Heute
8. Fazit
9. Literatur
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Zusammenspiel und die praktischen Ausprägungen von Schamanismus und Buddhismus im südlichen Korea, um deren Bedeutung für die religiöse Identität des Landes aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung und Verbreitung der beiden Religionen in Korea
- Strukturen, Hierarchien und Riten im koreanischen Schamanismus
- Die Rolle und Lebensrealität des buddhistischen Mönchs
- Anpassungsprozesse der Religionen an die moderne Gesellschaft
- Das harmonische Koexistenzverhältnis zwischen Schamanismus und Buddhismus
Auszug aus dem Buch
3.1 Initiation
Am Anfang seines Lebens als Schamane muss der Novize die Initiationszeremonie (Naerim-kut) durchstehen. Es beginnt alles mit der sog. Götter (Sinbyong)-, oder auch Schamanenkrankheit (Mubyong) und folgenden Symptomen: Unerklärliche, langandauernde Krankheiten verbunden mit Träumen, Halluzinationen in denen der zukünftige Novize von Göttern oder Geistern u.a. mitgeteilt bekommt, wo die für seine zukünftige Tätigkeit wichtigen, und von einem verstorbenen Schamanen versteckten, Schamanengeräte (Mugu) zu suchen sind. Von krankhaften Psychosen unterscheidet sich dieser Prozess dadurch, dass es sich um eine religiöse Erfahrung handelt.
Während einer bestimmten Schamanenzeremonie, dem Hoju-kut, werden die Symptome eines Kandidaten danach beurteilt, ob er tatsächlich an der Schamanenkrankheit leidet, er also auserwählt ist, oder ob der Betreffende nur von untergeordneten Göttern, den Chapsin, aus Bosheit gequält wird. Wenn es sich bei dem Kandidaten um einen echten Schamanen handelt, wird er zu Anfang der Zeremonie von selbst aufstehen, lächelnd tanzen und klatschen, während eine Schamanin auf einer Trommel (Changgo) spielt (Hung-Youn, 1982, S. 21-24).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert Schamanismus und Buddhismus als Koreas zentrale Glaubensformen und grenzt den Untersuchungsbereich auf Südkorea ein.
2. Koreanischer Schamanismus: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen des Schamanismus als Koreas älteste Religion sowie die komplexe Hierarchie der verehrten Geister und Götter.
3. Der Schamane: Hier werden der Initiationsprozess durch die "Schamanenkrankheit" und das Aufgabenspektrum sowie die Typologie der Schamanen detailliert beschrieben.
4. Schamanismus Heute: Das Kapitel beleuchtet den aktuellen Stellenwert des Schamanismus als gelebte Religion der "kleinen Leute" in der modernen koreanischen Gesellschaft.
5. Koreanischer Buddhismus: Diese Sektion bietet einen historischen Abriss über die Ankunft des Buddhismus in Korea und die Bedeutung der Son-Tradition.
6. Der buddhistische Mönch: Es werden die Lebensbedingungen, die familiären Konfliktpotenziale sowie die spirituellen Praktiken und rituellen Zeremonien der Mönche untersucht.
7. Buddhismus Heute: Das Kapitel analysiert die gegenwärtige Verbreitung des Buddhismus und dessen Versuche, sich durch städtische Zentren der modernen Welt anzupassen.
8. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass sich beide Religionen gegenseitig beeinflusst haben und weiterhin einen wesentlichen Teil der koreanischen Identität bilden.
9. Literatur: Das Verzeichnis der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Werke.
Schlüsselwörter
Korea, Schamanismus, Buddhismus, Religion, Son-Meditation, Mönche, Schamanen, Mudang, Rituale, Naerim-kut, Geistheilung, religiöse Identität, Geisterglaube, Tempel, Sinbyong
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den beiden prägenden Religionen Südkoreas, dem Schamanismus und dem Buddhismus, und untersucht deren jeweilige Praktiken sowie ihr Verhältnis zueinander.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Initiationsriten und Tätigkeiten von Schamanen, die philosophischen Grundlagen des koreanischen Buddhismus sowie die historische und aktuelle Entwicklung beider Glaubensrichtungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, örtliche Eigenheiten, religiöse Praktiken und die Koexistenz von Schamanismus und Buddhismus in der koreanischen Identität zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine religionswissenschaftliche Ausarbeitung, die auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung von Fallbeispielen sowie Internetquellen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Hierarchien der Schamanengeister, die Ausbildung zum Schamanen, die Geschichte des Buddhismus in Korea und den Alltag sowie die religiöse Praxis buddhistischer Mönche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Korea, Schamanismus, Buddhismus, Son-Meditation, Schamanenkrankheit, Mudang und religiöse Koexistenz.
Was genau ist die "Schamanenkrankheit" (Mubyong)?
Es handelt sich um einen spirituellen Initiationsprozess, bei dem ein zukünftiger Schamane durch unerklärliche Symptome und Träume dazu berufen wird, die Geisterwelt zu vermitteln.
Warum spielen Rituale und Feste im koreanischen Buddhismus eine untergeordnete Rolle?
Nach Ansicht vieler koreanischer Mönche tragen äußere Rituale nicht zur spirituellen Erleuchtung bei, weshalb der Fokus stärker auf innerer Meditation liegt, was auch eine Folge historischer Verfolgungen ist.
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- Ralf Klossek (Author), 2003, Schamanismus und Buddhismus in Korea, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30361