Die Unternehmensethik ist für uns alle von besonderem Interesse, weil sie einen Teil unseres täglichen (Arbeits-)Lebens ausmacht. Der sogenannte Code of Conduct enthält als unternehmensethische Richtlinie Verhaltens- und Businessregeln aller Art.
In dieser Arbeit beantwortet der Autor unter anderem folgende Fragen: Was genau ist der Code of Conduct? Ist die Einhaltung der Regeln des Codes of Conduct verpflichtend oder freiwillig? Hat jedes Unternehmen einen Code of Conduct? Und handelt es sich dabei um eine seriöse unternehmensethische Richtlinie oder nur um ein heuchlerisches Werbemittel zur Aufbesserung der Reputation gegenüber anderen Unternehmen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung
3. Code of Conduct: Allgegenwärtig?
4. Code of Conduct: geschichtlicher Aspekt
5. Exkurs: Whistleblowing
6. Code of Conduct: Beispiele
6.1. Beispiel Deichmann
6.2. Beispiel Bayer
6.3. Beispiel Disney
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Wirksamkeit des "Code of Conduct" als unternehmensethisches Instrument in multinationalen Konzernen. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob diese Richtlinien tatsächlich verbindliche ethische Standards setzen oder primär als Instrumente zur Imagepflege dienen, insbesondere unter Berücksichtigung der Diskrepanz zwischen schriftlich fixierten Vorgaben und der realen Umsetzung bei Zulieferern.
- Begriffliche Einordnung und globale Verbreitung von Verhaltenskodizes
- Historische Entwicklung und rechtliche Einbettung (USA vs. Europa)
- Analyse des Phänomens "Whistleblowing" im Kontext von Unternehmenskultur
- Kritische Untersuchung von Fallbeispielen (Deichmann, Bayer, Disney)
- Bewertung der Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit unternehmensethischer Richtlinien
Auszug aus dem Buch
5. Exkurs: Whistleblowing
Dieser Text befindet sich meist am Ende des Codes of Conduct. Es handelt sich um das sogenannte Whistleblowing, sprich: „Verpfeifen“. Göbel (2010, S. 204) definiert dies so:
„Ein „Whistle Blower“ ist jemand, der unethische Praktiken innerhalb einer Organisation gegenüber Vorgesetzten oder gegenüber der Öffentlichkeit aufdeckt.“
Als ich den Text (ähnlich Abb. 4) im firmeninternen Code of Conduct zum ersten Mal sah, war ich erschrocken. Einige Kollegen informierten sich beim Betriebsrat um Genaueres zu erfahren. Eine Aufforderung zum Denunzieren von Kollegen wird weder gerne gesehen und noch gerne angenommen.
Laut Barmeyer & Davoine (2008, S. 54) haben deutsche und französische Manager mit der Aufforderung zum Whistleblowing im Code of Conduct die größten Schwierigkeiten. Die Ablehnung des Whistleblowings war bei den französischen Mitarbeitern voller Emotionen und außerordentlich groß. Die Autoren sprechen davon, dass die Franzosen beim anonymen Denunzieren von Kollegen an den zweiten Weltkrieg erinnert werden, als Franzosen eigene Landsleute verrieten, die im Widerstand gegen das Nazi-Deutschland kämpften. Ein Zitat eines französischen Managers lautet (ebd., S.54):
„Es gab Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Code of Conduct, weil er zu amerikanisch war. Zum Beispiel ist die Denunziation in der französischen Kultur nicht präsent.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor erläutert seine persönliche Motivation zur Themenwahl und formuliert zentrale Fragen bezüglich der Ernsthaftigkeit von Unternehmensrichtlinien.
2. Begriffsbestimmung: Hier werden verschiedene Definitionen des Code of Conduct zusammengetragen und als freiwillige unternehmensethische Selbstverpflichtung eingeordnet.
3. Code of Conduct: Allgegenwärtig?: Dieses Kapitel analysiert statistische Daten zur Verbreitung von Verhaltenskodizes bei den Top-200-Unternehmen weltweit.
4. Code of Conduct: geschichtlicher Aspekt: Die historischen Wurzeln in den USA des 19. Jahrhunderts und die Rolle des Sarbanes-Oxley-Acts werden beleuchtet.
5. Exkurs: Whistleblowing: Dieser Abschnitt thematisiert die kulturellen Widerstände gegen Whistleblowing-Systeme in europäischen Unternehmen.
6. Code of Conduct: Beispiele: Anhand von Praxisfällen bei Deichmann, Bayer und Disney wird die Einhaltung ethischer Standards bei Lieferanten kritisch hinterfragt.
6.1. Beispiel Deichmann: Darstellung der Diskrepanz zwischen dem unternehmenseigenen Kodex und den Arbeitsbedingungen bei Zulieferern in Kambodscha und Indien.
6.2. Beispiel Bayer: Untersuchung der Vorwürfe bezüglich Kinderarbeit in der indischen Zulieferkette unter Einbeziehung externer Studien.
6.3. Beispiel Disney: Analyse der Missstände in chinesischen Zulieferbetrieben trotz existenter Verhaltensregeln für Hersteller.
7. Resümee: Zusammenfassende Bewertung der Notwendigkeit einer Kulturanpassung ethischer Instrumente und kritisches Fazit zur Glaubwürdigkeit der untersuchten Großkonzerne.
Schlüsselwörter
Code of Conduct, Unternehmensethik, Verhaltenskodex, Whistleblowing, Unternehmensführung, Soziale Verantwortung, Zulieferkette, Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit, Multinationale Konzerne, Freiwillige Selbstkontrolle, Sarbanes-Oxley-Act, Kulturanpassung, Unternehmensreputation, Globalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung, der historischen Entwicklung und der praktischen Wirksamkeit von Verhaltenskodizes (Codes of Conduct) in global agierenden Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Definition ethischer Richtlinien, die kulturellen Unterschiede in deren Wahrnehmung, die Implementierung von Whistleblowing-Systemen sowie die Prüfung von Compliance-Aussagen bei Zulieferern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Codes of Conduct als seriöse Instrumente für ethisches Handeln gelten können oder ob sie lediglich der Aufbesserung des Unternehmensimages dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Untersuchung von Fallbeispielen und Berichten zu konkreten Missständen in globalen Lieferketten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Verbreitung der Kodizes, ihren historischen Hintergrund, die kulturellen Konflikte beim Whistleblowing sowie konkrete Beispiele bei Unternehmen wie Deichmann, Bayer und Disney.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Code of Conduct, Unternehmensethik, globale Lieferketten, Whistleblowing, Kinderarbeit und die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Wie bewertet die Arbeit die Wirksamkeit bei Bayer und Disney?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass trotz vorliegender schriftlicher Verhaltenskodizes in der Praxis erhebliche Verstöße gegen soziale Standards, etwa bezüglich Kinderarbeit, dokumentiert sind.
Warum ist das Thema "Whistleblowing" in Europa kontrovers?
Aufgrund historischer und kultureller Unterschiede, insbesondere in Deutschland und Frankreich, wird das Anonym-Denunzieren von Kollegen oft abgelehnt, da es als unethisch oder belastend empfunden wird.
- Arbeit zitieren
- Wolfgang Daspelgruber (Autor:in), 2011, Der Code of Conduct. Betrachtung unternehmensethischer Richtlinien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303661