Homosexuelle in der NS-Zeit. Ihre Verfolgung, Ausgrenzung und Ermordung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Gründe für die Wahl des Themas

2. Allgemeine Informationen zu Homosexuellen

3. Magnus Hirschfeld

4. Paragraph 175
4.1 Allgemeines
4.2 Nach der Machtübernahme
4.3 In der Nachkriegszeit

5. „Rosa Winkel“

6. Fazit

1. Einleitung

1.1 Einführung in die Thematik

Homosexuelle oder auch „Schwule“ genannt, leben genauso wie „normale“ Menschen im 21. Jahrhundert. Sie werden von vielen Menschen auf der Welt nicht akzeptiert und anerkannt. Erst vor kurzem sprach sich der Friedensnobelpreisträger und frühere polnische Arbeiterführer Lech Walesa gegen Homosexuelle aus. Seiner Meinung nach sollten „Schwule“ im Parlament in der letzten Reihe sitzen, am besten sogar hinter einer Mauer (DPA, 2013). Wann genau der erste Homosexuelle auftrat, lässt sich nicht feststellen. Jedoch kann man behaupten, dass es sie genauso lange gibt wie andere Menschen auch, also seit der Evolution. Selbst Prominente Leute wie zum Beispiel Fußballer können sich nicht einfach Outen, da ihre Karriere ansonsten schnell vorbei sein kann. Natürlich gibt es bekannte Leute, wie zum Beispiel Elton John, der seine Homosexualität öffentlich gemacht hat. Man könnte meinen, dass jüngere Menschen eine andere und lockerer Ansicht zu diesem Thema haben als die ältere Generation. Die Hausarbeit soll ein besonderes Augenmerk darauf legen, wie Homosexuelle unter der nationalsozialistischen Zeit gelitten haben und wie es ihnen in der heutigen Zeit geht.

1.2 Gründe für die Wahl des Themas

Meine Entscheidung für die Wahl des Themas „Homosexuelle in der nationalsozialistischen Zeit“ begründet sich damit, dass ich durch die Recherche für mein Referat sehr interessante und für mich persönlich auch sehr erschütternde Einblicke erhalten habe. Durch diese Erfahrung und auch wegen der aktuellen Diskussion über die Gleichstellung der Homosexuellen mit „normalen“ Menschen, gerade im Hinblick auf die Ehe, war für mich schnell klar, dass ich noch mehr über diese Thematik erfahren möchte. Vor meinem Referat sah ich die Homosexuellen als Teil unserer Gesellschaft an. Jedoch war es bis zu dieser Anerkennung ein harter und schwerer Weg für sie, vor allem unter der Machtübernahme der Nazis.

2. Allgemeine Informationen zu Homosexuellen

Betrachtet man sich die Auswertung des Statistischen Bundesamtes „Mikrozensus“, erfährt man, dass im Jahr 2009 mindestens 63.000 Menschen gleichen Geschlechts zusammen lebten. Rund 19.000 Paare waren als Lebenspartnerschaften eingetragen. 59% der Lebensgemeinschaften wurden von Männern geführt. 2007 waren es rund viertausend Lebensgemeinschaften weniger. Schaut man sich die Zeitspanne von 1996 bis 2009 an, so sieht man, dass es 1996 38.000 Lebensgemeinschaften gab. Insgesamt ist die Zahl um ca. 29.000 gestiegen (bpb, 2010). Laut der International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA) werden Homosexuelle in 79 Ländern strafrechtlich verfolgt. Je nach Staat unterscheiden sich die Strafmaßnahmen. In sieben Staaten – Iran, Nigeria, Saudi-Arabien, Jemen, Mauretanien, Somalia und Sudan – werden homosexuelle Handlungen mit der Hinrichtung bestraft. In den verbleibenden Staaten, werden Gefängnisstrafen in Höhe von einem Monat bis zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verhängt (ILGA, 2010). Blickt man in die Vergangenheit zurück, stellt man fest, dass bereits ab dem Jahre 1933 die erste Zerschlagung der homosexuellen Bewegung stattfand. Vier Jahre davor, 1929, versuchte der Rechtsausschuss des Bundestages die Bestrafung der Homosexuellen aufzuheben. Doch die Krise in der Weimarer Republik und der enorme Anstieg der Stimmen der Nazis verhinderten den Beschluss. Zwei Monate nach der Zerschlagung der homosexuellen Bewegung wurden in Berlin, sowie in anderen Städten Deutschlands, schwule und lesbische Kneipen geschlossen. Die Infrastruktur von Vereinen, Lokalen, Verlägen und Zeitschriften wurde durch die Nationalsozialisten verboten, zerstört und aufgelöst. Somit war die erste Zerschlagung der deutschen Schwulenbewegung vollständig. 1934 begann man homosexuelle Männer systematisch zu verfolgen. Am 24. Oktober verschickte die geheime Staatspolizei (Gestapo) ein Telegramm, mit dem Inhalt, dass man alle Männer die sich homosexuell verhalten bzw. den Anschein machen, verhaften soll. Die erste Razzia gegen Homosexuelle wurde in München durchgeführt. Dabei wurden 48 Männer in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert. Später wurden auch in Berlin Razzien durchgeführt. Mehrere hunderte Personen wurden festgenommen und im Anschluss in ein Konzentrationslager überführt. Zwischen 1934 und 1935 wurden homosexuelle Männer vor allem im Konzentrationslager Lichtenburg inhaftiert. Laut der Gestapo-Statistik wurden 1935 circa 513 Homosexuelle in Konzentrationslagern festgehalten. Männer die ihre Haftstrafe regelgerecht abgesessen hatten, wurden durch die Justizbehörde direkt in ein Konzentrationslager überliefert oder wurden von der geheimen Staatspolizei in Schutzhaft genommen. Dies bedeutete ebenfalls die Einlieferung in ein Konzentrationslager. Die genauen Zahlen der inhaftierten Homosexuellen in den Konzentrationslagern kennt man nicht, jedoch sind es Vermutungen nach zwischen 5.000 und 15.000 Personen (Zinn, 2008). Erwähnen sollte man auch, dass es keine weibliche Strafverfolgung gab. Die Nationalsozialisten sahen die Homosexuellen als „Volksschädlinge“ an, da sie nicht für die Geburtensteigerung beitrugen und somit auch nicht als Idealbild eines deutschen Mannes anerkannt wurden. So wurden sie als Feinde eingestuft, verhaftet, misshandelt und ermordet. Die Wohnungen der verhafteten Männer wurden gründlich auf Spuren weiterer Homosexueller durchsucht. Hierzu zählt zum Beispiel das Auswerten der Adressbücher von Gefangenen. Oftmals wurden sie bei Verhören der Polizei, durch Gewalt und Drohungen, erpresst weitere Namen homosexueller Personen zu nennen. Des Weiteren wurden sie von ihren eigenen Nachbarn, Arbeitskollegen oder auch Freunden und Bekannten diffamiert (Rahe, 2010).

3. Magnus Hirschfeld

In diesem Abschnitt werde ich mich mit Magnus Hirschfeld, seiner Arbeit und die Folgen für ihn mit der Machtübernahme der Nazis beschäftigen. Doch wer war Magnus Hirschfeld und warum wurde er von den Nationalsozialisten gehasst und vertrieben? Magnus Hirschfeld ist Sohn eines jüdischen Sanitätsarztes und wurde am 14. Mai 1868 in Kolberg/Pommern geboren. Er studierte Philosophie, Philologie und Medizin. 1885 ließ er sich in Berlin nieder und gründete dort zwei Jahre später, am 15. Mai 1887, das „Wissenschaftlich – humanitäre – Komitee“ (WhK). Neben Magnus Hirschfeld standen ihm bei der Gründung der Jurist Eduard Oberg, der Verleger Max Spohr und der Schriftsteller Franz Josef von Bülow zur Seite. Das „Wissenschaftlich – humanitäre – Komitee“ war weltweit die erste Organisation, die sich für die Bürgerrechte der Homosexuellen einsetzte. Die erste Handlung der WhK´s war eine Bitte an die Regierung, den Paragraphen 175 abzuschaffen. Die genauere Erklärung und die Folgen dieses Paragraphen werden im späteren Verlauf dieser Hausarbeit näher gebracht. Jedoch wurde die Petition abgelehnt. Daraufhin unternahm das WhK eine Aufklärungskampagne, um die Menschen in der Bevölkerung mit dem Thema „Homosexualität“ zu konfrontieren. Durch diese Kampagne gelang es dem WhK Verständnis der Bevölkerung gegenüber den Homosexuellen zu erwecken. Ebenfalls wurden viele Befürworter zur Abschaffung des Paragraphen gewonnen (BLSB, 2007). Mit dem Beginn des ersten Weltkrieges diente Magnus Hirschfeld als Lazarettarzt in einem Gefangenenlager (Petrovic & Kupfer, o.J.). Mit dem Ende des ersten Weltkrieges gründete er die erste Institution weltweit, das Institut für Sexualwissenschaft in Berlin. Fortan war die Einrichtung Anlaufstelle für Transsexuelle und auch Transvestiten. Hirschfeld setzte sich nicht nur in Deutschland für Homosexuelle ein, sondern rief 1921 die „Internationale Tagung für Sexualreform auf sexualwissenschaftlicher Grundlage“ ins Leben. Er sprach im Bundestag vor und bekam eine Einladung von der damaligen UdSSR. Dort hielt er in Moskau und Leningrad seine Reden. Es folgten weitere Tagungen die ihn nach Kopenhagen, London und Wien führten. Ebenfalls machte er sich bei der Gründung der „Weltliga für Sexualreform“ stark. Ihr Zentralsitz war im Institut für Sexualwissenschaften. Aufgrund seines hohen Einsatzes für die Anerkennung von Homosexuellen, seinen Aufklärungskampagnen und der Entdiskriminierung, zog er enorme Aufmerksamkeit und somit auch Anfeindungen auf sich. Die Nationalsozialisten wurden auf ihn Aufmerksam und erkannten in Magnus Hirschfeld ein Feindbild. Es kam so weit, dass Hirschfeld nach einem Vortrag in München von rechtsradikalen Anhängern brutal angegriffen und schwer verletzt wurde. Manche Zeitungen meldeten sogar seinen Tod (Kehr & Schönknecht, o.J.). Daraufhin begab sich Hirschfeld auf eine Weltreise, von der er nie wieder nach Deutschland zurückkehrte. 1933 wurde sein Institut für Sexualwissenschaft von den Nationalsozialisten verwüstet, geplündert und letztendlich zerstört. Seine ganzen Bücher, Schriftrollen und seine Büske wurden auf dem Berliner Opernplatz verbrannt. Hirschfeld war zu diesem Zeitpunkt in Paris und verfolgte die grausamen Taten der Nazis. Das Vorhaben, ein neues Institut in Paris aufzubauen scheiterte. Somit wanderte Magnus Hirschfeld nach Nizza aus, wo er an seinem 67. Geburtstag starb (Petrovic & Kupfer, o.J.). Beschreibt man das Leben des Magnus Hirschfelds in Kurzform, lernt man einen deutschen Arzt mit jüdischen Wurzeln kennen, welcher Mitbegründer der ersten Homosexuellenbewegung (WhK) ist, zugleich schwul, Empiriker, Sozialist und Sexualforscher. Mit seinem unermüdlichen Einsatz gilt Magnus Hirschfeld, alias „Tante Magnesia“, als zentrale Figur der damaligen Schwulenbewegung. Zur Erinnerung an Magnus Hirschfeld wurde in Berlin das Spreeufer zwischen der Luther- und Moltkebrücke nach ihm benannt (LSVD, 2008).

4. Paragraph 175

4.1 Allgemeines

Vorab werde ich allgemeine Informationen zu dem Paragraphen 175 nennen und im weiteren Verlauf detaillierter auf den Inhalt eingehen. Der Paragraph 175 war schon im Alten Testament des dritten Buches Mose vorhanden. In Vers 20.13 heißt es: "Und wenn ein Mann bei einem Mann liegt, wie man bei einer Frau liegt, dann haben beide einen Greuel verübt. Sie müssen getötet werden, ihr Blut ist auf ihnen." Des Weiteren steht im Vers 20.15-16: "Und wenn ein Mann bei einem Vieh liegt, soll er unbedingt getötet werden, und das Vieh sollt ihr umbringen. Und wenn eine Frau sich irgendeinem Vieh nähert, damit es sie begatte, dann sollst du die Frau und das Vieh umbringen. Sie müssen getötet werden, ihr Blut ist auf ihnen." Mitten im 13. Jahrhundert wurden die sexuellen Handlungen gleichgeschlechtlicher Männer im europäischen Raum mit der Todesstrafe geahndet, wobei es davor ein legaler Vorgang war. Springt man nun in das Kaiserreich, versuchte das WhK gegen den Paragraphen anzukämpfen. Das Whk versucht die Menschen zu überzeugen, dass Homosexualität ein angeborener Vorgang der Natur sei. Magnus Hirschfeld, Vorsitzender des WhK´s und Arzt, versuchte mit einer Bittschrift gegen den Paragraphen vorzugehen. Er konnte über 6000 Unterschriften und Stimmen hinter sich bringen. Ein Jahr später wurde der Antrag von dem damaligen SPD – Vorsitzenden, August Bebel, in den Reichstag eingebracht. Jedoch ohne Erfolg! Die Regierung plante sogar Frauen in den Paragraphen mit einzubeziehen. Aufgrund des ersten Weltkrieges und dem Untergang des deutschen Kaiserreichs ging das Vorhaben verloren. In der Weimarer Republik scheiterte die linke Partei beim Versuch der Abschaffung des Paragraphen 175 aufgrund der niedrigen beziehungsweise fehlenden Stimmen.

4.2 Nach der Machtübernahme

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der Paragraph enorm verschärft. Folgen waren unzählige Verfolgungen, Verhaftungen und Ermordungen. Die Verschärfung begründet die nationalsozialistische Regierung damit, dass man einen neuen Staat aufbaut, in dem man gegen die Unzucht der Männer hart vorgeht. Kämpft man gegen die Homosexuellen nicht an, so würden sie sich seuchenartig verbreiten und einen negativen Einfluss auf das Denken und das Fühlen anderer Menschen übergreifen. Der neue Paragraph lautete: „Ein Mann, der mit einem anderen Mann Unzucht treibt oder sich von ihm zur Unzucht missbrauchen lässt, wird mit Gefängnis bestraft. Bei einem Beteiligten, der zur Zeit der Tat noch nicht einundzwanzig Jahre alte war, kann das Gericht in besonderes leichten Fällen von einer Strafe absehen.“ Neu eingefügt wurde der Paragraph 175a: „Mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren, bei mildernden Umständen mit Gefängnis nicht unter drei Monaten wird bestraft:

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Homosexuelle in der NS-Zeit. Ihre Verfolgung, Ausgrenzung und Ermordung
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
"Grundlagen und Problemen des Politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland“
Note
2,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V303720
ISBN (eBook)
9783668020818
ISBN (Buch)
9783668020825
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
homosexuelle, ns-zeit, ihre, verfolgung, ausgrenzung, ermordung
Arbeit zitieren
Ali Koç (Autor:in), 2013, Homosexuelle in der NS-Zeit. Ihre Verfolgung, Ausgrenzung und Ermordung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303720

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