Musik und Evolution. Beitrag zu einer Ästhetik nach Darwin


Seminararbeit, 2014

15 Seiten, Note: 14,00


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Inhaltsverzeichnis

1. Fragestellung dieser Arbeit

2. Die Funktion von Kunst

3. Musikalische Default-Einstellungen

4. Musik und Kulturindustrie: Eine evolutionsbiologische Deutung

5. Fazit

6. Verwendete Literatur

1. Fragestellung dieser Arbeit

Im vorliegenden Text geht es vorrangig um die philosophische Disziplin der Ästhetik, welche unter Berücksichtung von Erkenntnissen der darwinischen Evolutionstheorie so wie der Musiktheorie behandelt werden soll. In dieser Arbeit soll der Versuch unternommen werden, Ursachen für die Entstehung von Musik und die evolutionäre Funktion in der Entwicklungsgeschichte des Menschen darzustellen. Dabei soll zunächst die Bedeutung der sogenannten Costly-Signal-Theory erörtert werden. Sie spielt eine zentrale Rolle für die Erklärung einer Reihe von ästhetischen Praktiken des Menschen wie z. B. das Tragen von Diamanten als Körperschmuck. An das Modell der Costly-Signal-Theory anknüpfend, werden Kunst und Musik als Vermittlungselement zwischen Konkurrenz bzw. Kooperation innerhalb von Gruppen erklärt. Danach soll auf einen vermutlichen (selbst-)bildenden Charakter von Kunst und Musik hingewiesen werden. Im zweiten Abschnitt werden Argumente für eine Hypothese der ästhetischen Default-Einstellungen entwickelt. Dabei soll gezeigt werden, dass es vermutlich evolutionär angelegte Beschaffenheiten des Menschen gibt, die dazu beitragen, dass einige wahrnehmbare Entitäten unabhängig von individueller Erfahrung als ästhetische Wertvoll erachtet werden. Schließlich soll mit Rekurs auf beide Theorien der von Theodor W. Adorno geprägte Begriff der Kulturindustrie behandelt werden. Dabei geht es in erster Linie um die Beantwortung der Frage, unter welchen Bedingungen sich die in der Kulturindustrie vorherrschenden Prozesse als ein erfolgreiches Produktionskonzept von Musik als Ware entwickeln konnten. Dazu wird ein exemplarischer Popsong musiktheoretisch analysiert und auf Elemente hin untersucht, die mithilfe der evolutionären Ästhetik interpretiert werden können. Zusätzlich soll der Frage nachgegangen werden, was es bedeutet, wenn von einer Autonomie der Kunst gesprochen wird und inwieweit diese mit den funktionalen Aspekten der evolutionären Ästhetik betrachtet werden kann.

2. Die Funktion von Kunst

Ein Grundanliegen der evolutionären Ästhetik besteht in der Suche nach den Ursachen für menschliches Verhalten, das in Bezug auf künstlerische Entitäten existiert. Dabei wird in der Regel von der Prämisse ausgegangen, dass jede menschliche Handlung, die ästhetische Artefakte hervorbringt, in einem evolutionsbiologischen Kontext betrachtet werden muss, um die Funktion von Kunst erklären zu können. Dies bedeutet einerseits, auf ultimater Ebene nach Ursachen für die Evolvierung eines Merkmals zu suchen, das als künstlerisch bezeichnet werden kann. Andererseits sollen auf proximater Ebene Phänomene charakterisiert werden, die in Rekurs auf ultimate ästhetische Phänomene erklärt werden können. Eine etablierte Methode dabei ist die Beobachtung von Merkmalen und Verhaltensweisen von nicht- menschlichen Organismen. Im Tierreich existieren zahlreiche Beispiele, die zur Theoriebildung und Erklärung für die Ursachen und Funktion ästhetischer Praktiken beitragen sollen. Als besonders populäres Beispiel wird dabei häufig das farbprächtige Federkleid des Pfaus angeführt. Dieses scheint zunächst keine überlebensdienliche Funktion für den Pfauenhahn zu erfüllen, sondern erscheint eher als Merkmal, dass an die Umweltbedingungen des Tieres unangepasst ist, da es seine Flugfähigkeit einschränkt. Die Funktion des Federkleides obliegt vielmehr einer ästhetischen Kategorie, die den Pfauenmännchen bei der Partnerwahl dienlich ist: Tiere, die ein besonders farbprächtiges und schönes Federkleid besitzen, haben in der Regel Vorteile bei der Partnerwahl und der Fortpflanzung. Der Aufwand an natürliches Ressourcen, die in ein besonders schönes Pfauenrad investiert werden müssen, signalisieren dem Pfauenweibchen einen gesunden Zustand des Männchens. Das Federkleid des Pfaus signalisiert einen qualitativ hochwertigen Genpool des Männchens, für den es sich lohnt, sich auf eine Kopulation einzulassen.1 Die Beschaffenheit dieses Phänomens wird in der evolutionären Ästhetik als ein Teilaspekt der Theorie der kostspieligen Signale (Costly Signal Theory)2 angeführt. Dieser Theorie zufolge besteht die Funktion von Schönheitsmerkmalen und ästhetischem Verhalten bei vielen Organismen vordergründig in der konkurrenzorientierten Werbung um Sexualpartner. Neben den Federn des Pfaus, welche ein körpereigenes Schönheitsmerkmal darstellen, kann der Gesang von Vögeln als ein weiteres kostspieliges Signal im Wettbewerb um einen Sexualpartner angesehen werden:

Elaboriertes Singen zu sexuellen Werbungszwecken hat in jedem Fall Gegengewicht im Register der natürlichen Selektion. Nicht nur ist es metabolisch kostspielig, da die physiologischen Vorraussetzungen für Singen ausgebildet und unterhalten, die Fähigkeiten des Singens geübt und verfeinert werden müssen und das werbende Singen selbst häufig viel Energie und Zeit in Anspruch nimmt. Lautes Singen verrät Gegenwart und Standort des Sängers. Es erhöht damit sein Risiko, Opfer von Beutetieren zu werden. Im Sinne der costly signal-Theorie sind es nicht zuletzt diese Kosten, die das Singen zu einem "honest signal" machen.3

Da Signalgeber Fitnesseinschränkungen ausgesetzt und somit in ihrer optimalen Anpassung an ihre Umwelt eingeschränkt und behindert werden, wird im Zusammenhang mit der Costly Signal Theorie auch vom Handicap-Prinzip gesprochen. Ein teures Signal gilt als ehrliches Signal (honest signal), weil die Überlebensfähigkeit des Signalgebers unter fitnesseinschränkenden Bedingungen gewährt ist. Nach dem Handicap-Prinzip müssen kostspielige Signale mit einem hohen Lebensaufwand des Signalgebers einhergehen, damit sie vom Signalgeber als schön und einzigartig empfunden werden können.

[...]


1 Vgl. Voland 2003, S. 240.

2 Vgl. Ebd. S. 241.

3 Menninghaus 2011, S. 81.

15 von 15 Seiten

Details

Titel
Musik und Evolution. Beitrag zu einer Ästhetik nach Darwin
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Philosophie und Grundlagen der Wissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in die Bio-Philosophie
Note
14,00
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V303723
ISBN (Buch)
9783668021549
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
art, music, biology, eckart, voland, biophilosophie, adorno, kulturindustrie, cultural industry, hegel, marx, darwin, popper, wissenschaft, science
Arbeit zitieren
Constantin Koch (Autor), 2014, Musik und Evolution. Beitrag zu einer Ästhetik nach Darwin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303723

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