Das Thema „ Psychotrauma “ interessierte mich nicht nur deshalb, weil ich neben dem Studium der Sozialarbeit eine kunsttherapeutische Ausbildung mache. Es hat mich auch deshalb interessiert, weil zur Zeit ein Perspektivwechsel stattfindet. Dabei richtet sich das Augenmerk nicht mehr so sehr auf unbewältigte Konflikte im Sinne der Trieblehre Freuds, sondern auf Realtraumatisierungen.
Erstaunlich fand ich im Rahmen des Psychotraumaseminars anlässlich eines Filmbeitrags, wie wenig die EMDR- Therapiemethode bekannt ist. Eine Kommilitonin fragte, ob es sich dabei um Hypnose handele.
Ich werde im Verlauf dieser Hausarbeit darlegen was Psychotrauma ist, welche Folgeerscheinungen damit verbunden sind und wie die Behandlung traumatisierter Menschen konkret, idealerweise auszusehen hätte.
Danach werde ich die EMDR- Behandlungsmethode vorstellen und im letzten Kapitel
den Bezug zu dem Bereich der Sozialarbeit herstellen.
Ich möchte hier einen Überblick geben über dieses doch sehr umfangreiche Gebiet. Das bedeutet, dass ich mich beschränkt habe auf die mir wichtig erscheinenden Sachverhalte.
Nicht eingehen kann ich auf die Entwicklungspsychologie bei Kindern und auf die vielfältigen Risikofaktoren bei Traumatisierungen. Dies hätte den Rahmen der Hausarbeit gesprengt.
Ich habe, wenn ich von Therapeuten und Sozialarbeitern spreche, die männliche Form gewählt. Ich bitte dies nicht als diskriminierend zu werten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Trauma
3. Traumafolgen
3.1 Wiederholungszwang
3.2 Trigger
3.3 Trauma und Hirnforschung
3.4 Fragmentierung
4. Zusammenfassung Trauma und Traumafolgen
5. Suizidalität
6. Rituelle Gewalt
7. Traumabehandlung
7.1 Stabilisierungsphase
7.1.1 Stabilisierungs- und Distanzierungstechniken
7.1.2 Weitere Stabilisierungsmöglichkeiten
7.2 Traumabearbeitung
7.2.1 Screentechnik
7.3 Integration und Neuorientierung
8. EMDR als eine Möglichkeit der Traumabehandlung
9. Zusammenfassung EMDR
10. Wirkungsweise
11. Die acht Phasen der EMDR- Behandlung
11.1 1. Phase
11.2 2. Phase
11.3 3. Phase
11.4 4. Phase
11.5 5. Phase
11.6 6. Phase
11.7 7. Phase
11.8 8. Phase
12. Zusammenfassung Traumabehandlung und EMDR- Behandlung
13. Psychotrauma und Soziale Arbeit
13.1 Klientel
13.2 Wissensstand und Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen
13.3 Wissen und Reflexion am Beispiel einer Jugend- Wohngruppe
13.4 Vermeidung weiterer Traumatisierungen
13.5 Sensibilität und Selbstreflexion
13.6 Die innere Haltung dem Klienten gegenüber
14. Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Psychotrauma sowie die Behandlungsmöglichkeiten durch die EMDR-Methode (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) mit einem spezifischen Fokus auf die Relevanz für die Soziale Arbeit. Ziel ist es, ein Grundverständnis für traumatische Prozesse und deren therapeutische Bewältigung zu schaffen sowie die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit und reflexiver Praxis für Sozialarbeiter im Umgang mit traumatisierten Klienten hervorzuheben.
- Definition und neurologische Grundlagen von Psychotraumata.
- Die Phasen der Traumatherapie und der Stellenwert der Stabilisierung.
- Wirkungsweise und praktische Anwendung von EMDR.
- Herausforderungen und Rolle der Sozialen Arbeit bei der Betreuung traumatisierter Zielgruppen.
- Reflexion der inneren Haltung und Vermeidung von Retraumatisierungen.
Auszug aus dem Buch
8. EMDR als eine Möglichkeit der Traumabehandlung:
EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) wurde im Jahr 1987 von Francine Shapiro entdeckt. Diese Methode der Traumabehandlung hat sich seitdem weltweit durchgesetzt. Die Geschichte der Entdeckung von EMDR klingt ein wenig wie ein „modernes Märchen“. Die in dieser Zeit an Krebs erkrankte Francine Shapiro bemerkte durch Zufall bei einem Spaziergang, dass die bedrückenden und belastenden Gedanken und Gefühle bzgl. ihrer Krankheit an Intensität verloren, nachdem sie diagonale Augenbewegungen machte, wie wir es aus der sogenannten REM- Schlafphase kennen. Shapiro war überrascht über die positive Wirkung der von ihr erzeugten Augenbewegungen. Im Laufe von 6 Monaten experimentierte sie mit etwa 70 Personen und entwickelte dabei ein Standardverfahren, wobei sich allerdings herausstellte, dass die betreffenden Personen eher in der Lage waren die Augenbewegungen zu machen, wenn sie der Hin- und Her- Bewegung eines Fingers folgen konnten. Shapiros bevorzugter psychotherapeutischer Ansatz zu jenem Zeitpunkt war ein verhaltenstherapeutischer, denn es ging damals um die Desensibilisierung von Angstgefühlen, daher die Bezeichnung EMDR. 1987 gab es die erste kontrollierte Studie mit Patienten, bei denen eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert wurde (vgl.Shapiro,1999,30).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Motivation des Autors, sich mit dem Thema Psychotrauma auseinanderzusetzen und gibt einen Überblick über den Aufbau der Arbeit.
2. Trauma: Dieses Kapitel definiert den Begriff Trauma abgrenzend zur körperlichen Verletzung und beschreibt die physiologischen Reaktionen bei extremer Belastung.
3. Traumafolgen: Hier werden die langfristigen Auswirkungen von Traumatisierungen, wie PTBS und Identitätsspaltungen, sowie deren Ursachen und neurologische Zusammenhänge dargelegt.
4. Zusammenfassung Trauma und Traumafolgen: Dieses Kapitel fasst die Erkenntnisse über die Chronifizierung von Traumafolgen und die Risikofaktoren zusammen.
5. Suizidalität: Kurze Betrachtung der Rolle der Täter-Opfer-Spaltung als Motiv für suizidales Verhalten.
6. Rituelle Gewalt: Erläuterung der spezifischen Traumatisierung durch rituelle Gewalt und deren Auswirkungen auf die Opfer.
7. Traumabehandlung: Detaillierte Beschreibung des dreiphasigen therapeutischen Vorgehens, mit Fokus auf Stabilisierung und Distanzierungstechniken.
8. EMDR als eine Möglichkeit der Traumabehandlung: Einführung in die Entstehungsgeschichte und wissenschaftliche Anerkennung der EMDR-Methode.
9. Zusammenfassung EMDR: Kurzer Überblick über die Wirksamkeit von EMDR bei traumaspezifischen Symptomen.
10. Wirkungsweise: Diskussion der theoretischen Modelle und neurologischen Annahmen, die den therapeutischen Erfolg von EMDR erklären könnten.
11. Die acht Phasen der EMDR- Behandlung: Schritt-für-Schritt-Darstellung des standardisierten EMDR-Behandlungsprozesses von der Anamnese bis zur Überprüfung.
12. Zusammenfassung Traumabehandlung und EMDR- Behandlung: Synthese der therapeutischen Vorgehensweisen und Betonung der therapeutischen Beziehung sowie fachlicher Qualifikation.
13. Psychotrauma und Soziale Arbeit: Untersuchung der spezifischen Relevanz für Sozialarbeiter, von der Klientel bis zur reflexiven Arbeit in Einrichtungen wie Jugendwohngruppen.
14. Schlussbemerkung: Resümee über die Fortschritte der Psychotraumatologie und den gesellschaftspolitischen Aufklärungsauftrag der Sozialen Arbeit.
Schlüsselwörter
Psychotrauma, Traumabehandlung, EMDR, Posttraumatische Belastungsstörung, PTBS, Soziale Arbeit, Stabilisierung, Dissoziation, Traumafolgen, Neurowissenschaft, Trigger, Reinszenierung, Ressourcenaktivierung, Interdisziplinarität, Trauma
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das komplexe Thema Psychotrauma, dessen Folgen für Betroffene sowie therapeutische Ansätze zu dessen Bewältigung, mit besonderem Augenmerk auf die EMDR-Methode und die Rolle der Sozialen Arbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Definition von Trauma, die neurologischen Grundlagen, die Phasen der Traumatherapie, die spezifische Wirkungsweise von EMDR sowie die praktischen Anforderungen an Sozialarbeiter im Umgang mit traumatisierten Klienten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, ein fundiertes Verständnis für Psychotraumata zu vermitteln, die Wirksamkeit von EMDR zu beleuchten und die Schnittstelle zwischen klinischer Traumatherapie und professioneller Sozialer Arbeit zu definieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf einer Literaturanalyse sowie der Zusammenfassung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Behandlungsmodelle (insbesondere nach Francine Shapiro und Michaela Huber) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die neurologischen Hintergründe von Traumata, die dreiphasige Traumatherapie, die detaillierte Darstellung der acht EMDR-Phasen und eine praxisorientierte Analyse der Sozialen Arbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Psychotrauma, EMDR, PTBS, Stabilisierung, Soziale Arbeit und Dissoziation charakterisiert.
Warum ist Stabilisierung vor der EMDR-Behandlung so entscheidend?
Ohne ausreichende Stabilisierung und das Erlernen von Distanzierungstechniken könnte eine Konfrontation mit traumatischen Inhalten zu einer Überflutung oder Retraumatisierung des Klienten führen.
Welche Rolle spielt der Sozialarbeiter in der Arbeit mit traumatisierten Mädchen in Jugendwohngruppen?
Der Sozialarbeiter fungiert als Bezugsperson, die Übertragungsphänomene erkennen, Affektdurchbrüche reflektieren und durch fachliches Wissen eine Retraumatisierung im Alltag vermeiden muss.
- Citation du texte
- Rainer Landeck (Auteur), 2004, Psychotrauma - EMDR als eine Möglichkeit der Traumabehandlung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30373