„Soziologie ist die Untersuchung des gesellschaftlichen Lebens der Menschen, von Gruppen und Gesellschaften“ (Giddens, 1999, S.2). Dieser Definition zufolge untersuchen Soziologen zwischenmenschliches Handeln und das Agieren Einzelner in Gruppen. Diese Seminararbeit soll ebenfalls menschlichen Handelns untersuchen, insbesondere unter dem Aspekt der sozialen Rolle und der sozialen Position.
Grundlage der Arbeit ist die Formel „Wir alle spielen Theater“. Ihren Ursprung hat sie in der Übersetzung eines Buches von Erving Goffman. In einem Skriptum-Text wird sie dann später auch verwendet als Kapitelüberschrift für die Rollentheorie der Arbeitsgruppe Soziologie. Hier ist fraglich, ob beide Theorien dasselbe meinen, wie dieselbe Überschrift anklingen lässt.
Die Seminararbeit soll die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Rollentheorie, wie sie die Arbeitsgruppe Soziologie 1978 erarbeitet hat, und dem Ansatz von Erving Goffman aufzeigen und die Werke somit vergleichen. Dem eigentlichen Vergleich wird jeweils eine Zusammenfassung der Theorie vorangestellt, um die Ansichten festzuhalten. Dem Leser soll so erst jede Theorie alleine näher gebracht werden, damit er ihren Inhalt und die Hauptaussagen versteht. Daraufhin wird die Arbeit den Vergleich der beiden Theorien aufzeigen, wobei erst auf die Gemeinsamkeiten und anschliessend auf die Unterschiede eingegangen wird. Schliesslich werden in der Conclusio die Hauptaussagen über den Vergleich beider Theorien zusammengefasst und daraus folgend ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zusammenfassungen der Theorien
2.1 Rollentheorie der Arbeitsgruppe Soziologie
2.2 Ansatz von Erving Goffman
3 Gemeinsamkeiten zwischen der Rollentheorie und dem Ansatz von Erving Goffman
3.1 Absicht
3.2 Definition der sozialen Rolle und sozialen Position
3.3 Erwartungen der Umwelt
3.4 Soziale Norm
3.5 Zeit-Raum-Konvergenz
4 Unterschiede zwischen der Rollentheorie und dem Ansatz von Erving Goffman
4.1 Die Verwendung des Modells Theater
4.2 Aufrechterhaltung der sozialen Norm
5 Conclusio
5.1 Zusammenfassung der Gemeinsamkeiten
5.2 Zusammenfassung der Unterschiede
5.3 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Seminararbeit vergleicht die Rollentheorie der Arbeitsgruppe Soziologie mit dem dramaturgischen Ansatz von Erving Goffman, um Gemeinsamkeiten und fundamentale Unterschiede in der theoretischen Fundierung und Begriffsverwendung herauszuarbeiten.
- Vergleichende Analyse soziologischer Rollenkonzepte
- Untersuchung der Metapher "Wir alle spielen Theater"
- Gegenüberstellung von sozialer Rolle und Position
- Analyse der Aufrechterhaltung sozialer Normen
- Differenzierung zwischen aktiver Sanktionierung und passiver Rahmenentziehung
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Verwendung des Modells Theater
Sowohl Erving Goffman wie auch die Arbeitsgruppe Soziologie verwenden das Theater als Modell für ihre Theorien. Allerdings wird dieses Modell auf zwei sehr unterschiedliche Weisen gebraucht.
Die Arbeitsgruppe Soziologie (1978) benutzt das Theatermodell, um die Begriffe der sozialen Rolle und der sozialen Position zu erklären (S. 21). Weiterhin wird in ihrer Rollentheorie das Theater benutzt, um praktische Beispiele vorzuweisen (S. 22). Von dieser Situation ausgehend wird durch die Arbeitsgruppe eine Theorie aufgebaut, die mit dem Theater nicht mehr in Verbindung steht. Das Theater hat also nur die Funktion zwei Begriffe zu erklären und für diese praktische Beispiele vorzuweisen.
Goffman nutzt das Theater viel ausgiebiger. Beim Beschreiben seiner Theorie spricht Giddens (1999) sogar vom dramaturgischen Modell (S. 87). Diese Formulierung ist auch gerechtfertigt. Goffman benutzt das Theater nicht nur, um Begriffe zu beschreiben oder um Beispiele zu finden, sondern er basiert sein gesamten Ansatz, wie er von Giddens beschrieben wird, auf dem Beispiel des Theaters.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Rollentheorie und Vorstellung des Forschungsgegenstandes sowie der Zielsetzung der Arbeit.
2 Zusammenfassungen der Theorien: Darstellung der theoretischen Grundlagen der Rollentheorie der Arbeitsgruppe Soziologie und des Ansatzes von Erving Goffman.
3 Gemeinsamkeiten zwischen der Rollentheorie und dem Ansatz von Erving Goffman: Identifikation und Erläuterung der Übereinstimmungen beider Ansätze in Bezug auf Absicht, Rollendefinition und soziale Normen.
4 Unterschiede zwischen der Rollentheorie und dem Ansatz von Erving Goffman: Analyse der divergenten Nutzung des Theatermodells und der unterschiedlichen Konzepte zur Aufrechterhaltung sozialer Normen.
5 Conclusio: Abschließende Synthese der Analyseergebnisse und persönliches Fazit des Autors zum Vergleich beider Theorien.
Schlüsselwörter
Rollentheorie, Erving Goffman, soziale Rolle, soziale Position, Theatermodell, dramaturgisches Modell, soziale Norm, Bezugsgruppen, Interaktion, Eindrucksmanipulation, Rahmenanalyse, Sanktionen, Leistungsgesellschaft, Rollenkonflikt, Soziologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem theoretischen Vergleich zwischen der klassischen Rollentheorie der Arbeitsgruppe Soziologie und dem dramaturgischen Modell von Erving Goffman.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte der sozialen Rolle, der sozialen Position, die Verwendung von Theater-Metaphern zur Erklärung von Sozialverhalten und die Mechanismen der sozialen Normdurchsetzung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Seminararbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass trotz der oberflächlichen Übereinstimmung in der Verwendung des Zitats „Wir alle spielen Theater“, inhaltlich signifikante Unterschiede in der theoretischen Tiefe und Anwendung vorliegen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, bei der die Primär- und Sekundärquellen beider Theorieansätze gegenübergestellt werden.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine strukturierte Gegenüberstellung von Gemeinsamkeiten – wie die Intention und Definition von Rollen – und den deutlichen Unterschieden in der Nutzung des Theatermodells sowie der Aufrechterhaltung von Normen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind „dramaturgisches Modell“, „Rahmenanalyse“, „Eindrucksmanipulation“, „soziale Rolle“ und „Sanktionen“.
Wie unterscheidet sich die Nutzung des Theatermodells bei den beiden Theorien?
Während die Arbeitsgruppe Soziologie das Theater lediglich als illustratives Beispiel zur Veranschaulichung von Rollen nutzt, betrachtet Goffman das Theater als grundlegendes Modell, um das soziale Leben in Form von Vorder- und Hinterbühnen-Interaktionen zu erklären.
Wie interpretieren die Theorien die Aufrechterhaltung sozialer Normen?
Die Arbeitsgruppe Soziologie sieht eine aktive Aufrechterhaltung durch Sanktionen vor, wohingegen Goffman das Verlassen von Rahmen und die daraus resultierende Interaktionshemmung als passives Ereignis beschreibt.
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- Anonym (Author), 2003, Rollentheorie und Erving Goffman, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30375