Zwischen Sport und Spiegel. Eine ethnographische Analyse der Interaktionen von Fitnessstudio-Besucherinnen in Umkleidekabinen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung - Der heutige Stellenwert der Fitness

2. Zur Methodik der teilnehmenden Beobachtung
2.1 Zugang zum Feld
2.2 Beobachtung und Auswertung

3. Das Fitnessstudio als untersuchtes Feld
3.1 Beschreibung des Feldes: Fitnessstudio und Umkleidekabinen
3.2 Soziostrukturelle Aspekte und Prozesse
3.3 Gemeinsamkeiten der Fitnessstudios und Umkleidekabinen

4. Umkleidekabinen als Hinterbühne
4.1 Der Ablauf des Umkleiden
4.2 Funktionen und Interaktionen in Umkleidekabinen

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung - Der heutige Stellenwert der Fitness

Seit mehr als 30 Jahren schwitzen und trainieren Menschen in Fitnessstudios und aus der heutigen Sportlandschaft sind diese nicht mehr wegzudenken. Der Boom hält bis heute an und mit mehr als 8 Millionen Mitgliedern deutschlandweit verdrängte der Gang ins Fitnessstudio selbst des deutschen liebstes Kind - den Fußball. Auf die Nachfrage folgt auch das Angebot und so eröffnet nahezu im wöchentlichen Turnus eine neue Fitnessanlage in jeder Stadt. Nicht nur die Anzahl, sondern auch die Konzepte der Studios verändern sich und in den letzten Jahren findet sich unter Discount-, Nischen- und Premiumanbietern für jeden Sportwilligen das passende Angebot. Doch mit steigender Anzahl an Anbietern steigt auch die Konkurrenz untereinander und die Fitnessstudios müssen sich künftig um jeden Vertragsabschluss bemühen.

Das gesellschaftliche Leben und insbesondere das Freizeitverhalten haben sich in den letzten Jahren stark geändert. Der Wunsch seine Freizeit individuell und sportlich zu gestalten wird von immer mehr Menschen verfolgt und die körperliche Fitness rückt bei vielen mehr und mehr in den Vordergrund und soll weiter gefördert werden. Doch nicht nur die Freizeit, sondern besonders der Arbeitsalltag, der überwiegend am Schreibtisch verbracht wird, gibt Anlass dafür seinen Körper sportlich zu betätigen und gesundheitsfördernd vorzubeugen. Sport dient der Entspannung und kann den immer weiter steigenden Stress am Arbeitsplatz abbauen.

Beim Sport lernen wir, uns selber zu spüren, erlangen Kontrolle über unseren Körper und erreichen unsere persönlich gesetzten Ziele. Unsere Leistung wird von anderen Sportler_innen im Studio mit Wertschätzung und Erfolg belohnt und befriedigt unser narzisstisch motiviertes Selbst. Das Studio selbst wird beim Training zu unserer eigenen Bühne auf der wir unseren Körper darstellen können.

In folgender Arbeit soll jedoch nicht das Verhalten der Studiobesucher auf der Trainingsfläche beobachtet werden, sondern das Verhalten der Trainierenden in den Umkleidekabinen stehen im Vordergrund folgender ethnographischen Untersuchung. Den Umkleideräumen wird dabei oftmals die Funktion einer notwendigen Hinterbühne zugewiesen, die vorwiegend dem Wechsel zwischen Sport- und Alltagswelt dient. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, welche körperlichen Interaktionen sich in den

Umkleiden von Fitnessstudios beobachten lassen und wie in Gruppenumkleidekabinen mit dem sensiblen Thema der Entblößung umgegangen wird.

Der vorliegende Aufsatz soll die aufgeworfene Frage in vier Abschnitten untersuchen. Zunächst ist es notwendig, eine Übersicht über die Methodik der Studie als teilnehmende Beobachtung zu geben. Im darauffolgenden Abschnitt soll sich dann mit dem Fitnessstudio als untersuchtes Feld hinsichtlich Infrastruktur, Gemeinsamkeiten und sozialstrukturellen Aspekte auseinandergesetzt werden.

Aus der Auseinandersetzung mit dem beobachteten Verhalten in Umkleidekabinen heraus, sollen dann in Abschnitt 4 die typischen Funktionen und Verhaltensweisen in Umkleidekabinen dargestellt werden. Am Ende des Aufsatzes findet sich schließlich eine Zusammenfassung und ein kurzer Forschungsausblick.

2. Zur Methodik der teilnehmenden Beobachtung

Nach diesen einleitenden Bemerkungen möchte ich im nächsten Abschnitt auf die Beschreibung des methodischen Vorgehens näher eingehen. Dabei soll sowohl die Auswahl und Zugang zum Feld als auch die Beobachtung und Auswertung näher beschrieben werden. Methodisch beruht folgende Arbeit auf einer teilnehmenden Beobachtung, die an mehreren Tagen in verschiedenen Fitnessstudios in Erlangen, Fürth und Nürnberg durchgeführt wurde. Der Einstieg ins praktische ‚Feld‘ erfolgte in einem weiten Verständnis von ‚Teilnahme und Beobachtung‘ und für die Auswertung wurde nicht nur eigenes, sondern auch fremdes Datenmaterial genutzt, um eine Vielzahl an Informationen zu generieren. Die Beschreibung der nachfolgenden Schritte bezieht sich auf das eigenständig generierte Datenmaterial.

2.1 Zugang zum Feld

Bei einem Fitnessstudio handelt es sich um einen geschlossene Zugang, da erst mit dem Abschluss einer Mitgliedschaft und mit Bezahlung des Mitgliedsbeitrages die Erlaubnis zum regelmäßigen Betreten des Fitnessstudios erfolgt. Eine Ausnahme bietet dabei das Probetraining, doch auch hier erfolgt erst nach ausdrücklicher Anmeldung die Erlaubnis zum Zugang durch das Personal des Studios (vgl. Bortz & Döring, S.339, 1992).

Vom Forscher selbst wird erwartet, sich der Situation anzupassen und auch die Rolle eines engagierten Trainierenden einzunehmen.

Da sich die Fragestellung auf ein bestimmtes Feld - das Fitnessstudio - bezog, verlief die Auswahl des Feldes schnell und problemlos. Dennoch sollte das gewählte Studio einige Kriterien erfüllen.

So sollte das Studio einfach und zu verschiedenen Tageszeiten erreichbar sein, um dort regelmäßige Beobachtungen durchführen zu können. Es wurde zudem darauf geachtet, dass es sich bei dem Fitnessstudio, um einen Anbieter im mittleren bis unteren Preis- segment und nicht um ein Premium-Studio handelt, um einen möglichst breiten Schnitt durch die Schichten der Besucher zu erhalten. Zudem handelt es sich bei dem gewählten Feld, um ein Studio, dass beide Geschlechter anspricht und sich dahingehend nicht spezialisiert hat.

Wichtig für die Untersuchung war weiterhin, dass das Studio über einen großen Cardio - und Gerätebereich verfügte und nicht ausschließlich Sportkurse anbot. Zudem ermöglicht das Training im Cardiobereich eine ungestörte Beobachtung der Besucher.

Für meinen Besuch im Fitnessstudio vereinbarte ich im Vorfeld weder telefonisch noch online einen Termin, denn ich wusste von befreundeten Mitgliedern des Studios, dass dort ein spontanes Erst-Training ohne Terminvereinbarung möglich ist.

2.2 Beobachtung und Auswertung

Als Methode für die Feldforschung wurde die teilnehmende Beobachtung gewählt, die während vier Besuchen im ausgewählten Studio durchgeführt wurden. Es handelte sich um eine verdeckte Untersuchung, da es den anwesenden Mitgliedern des Studios nicht bewusst war, dass sie beobachtet wurden.

Ganz im Gegensatz jedoch zum unbeteiligten Beobachter, habe ich mich dem „Alltag“ des Studios im gleichen Maße angepasst wie die anwesenden Trainierenden und bin für kurze Zeit zu einem mehr oder minder motivierten Mitglied des Studios geworden. Ein Protokoll der Beobachtung wurde während des Trainings im Studio erstellt, allerdings nicht schriftlich in ein Notizblock, sondern, um möglichst unauffällig zu bleiben, wurden die Beobachtungen, Gedanken und typischen Merkmale, die beobach- tete wurden, im mitgeführten Smartphone notiert.

Die Studio-Ethnographie basiert zum überwiegenden Teil auf meinen eigenen Beobach- tung, während unterschiedlicher Probetrainings im gleichen Studio. Zudem wurden, wie bereits erwähnt, nicht nur das eigene Beobachtungsprotokoll für die Fragestellung ausgewertet, sondern weitere fünf Beobachtungsprotokolle aus unterschiedlichen Studios herangezogen, um mit fremden Datenmaterial weitere Informationen zu gene- rieren.

3. Das Fitnessstudio als untersuchtes Feld

Das Studio stellt für viele Mitglieder einen Raum dar, an dem wöchentlich (täglich) viele Stunden verbracht werden und das Training nimmt neben Arbeiten, Schlafen und Essen einen wichtigen Stellenwert im Leben des Einzelnen ein. Fitnessstudios sind kleine Mikrokosmen, in denen das Verhalten der Anwesenden an bestimmte Regeln gebunden ist und einem bestimmten Zweck dient. Im Folgenden soll das beobachtete Feld näher beschrieben werden und dabei soziostrukturelle Aspekte und Gemeinsamkeiten aller Studios herausgestellt werden.

3.1 Beschreibung des Feldes: Fitnessstudio und Umkleidekabinen

Das von mir als Teilnahme- und Beobachtungsfeld gewählte Studio zeichnet sich durch keinerlei besondere Qualitäten aus. Es befindet sich in Fürth im ersten Stock und neben einem Finanzcenter, einer Postfiliale und dem gewählten Studio befindet sich noch eine Berufsfachschule im zweiten Stock des markanten Bürogebäudes. Durch die Lage am Hauptbahnhof Fürth ist das Studio sowohl mit Zug, U-Bahn und Bus einfach und gut zu erreichen.

Zudem bietet das Fitnessstudio Parkplätze in der Tiefgarage des Gebäudes an. Das Studio selbst ist Teil der deutschlandweiten Fitnesskette die bundesweit 216 Studios betreiben. Mit einem monatlichen Mitgliedsbeitrag von 19,90 Euro liegt das Studio im unteren Preissegment und gehört nicht zu den Premium-Anbietern. Zudem bietet das Fitnessstudio keine Kurse an, sondern nur Cardio- und Gerätetraining.

Über ein breites und einfaches Treppenhaus gelangt man in den ersten Stock und damit in das gewählte Studio. Ein Drehkreuz am Eingang verhindert den Eintritt von Nicht-Mitgliedern in den Trainingsbereich und kann mithilfe der Mitgliedskarte oder durch das Personal geöffnet werden.

Die Empfangstheke befindet sich rechts neben dem Eingang und ist offen zum Haupt-raum ausgerichtet. Dies ermöglicht zum einen die Möglichkeit zur Kommunikation mit dem Personal, als auch eine Kontrollmöglichkeit durch eben dieses, da sich Trainer und Angestellte oft in diesem Bereich aufhalten. Gegenüber des Empfangsschalters befindet sich eine kleine Selbstbedienungsbar, an welcher Wasser und verschiedene Mineralgetränke gezapft werden können.

Das Studio selbst ist 1600qm groß und besteht aus einer einzelnen offenen Trainings-fläche, auf welcher sich das eigentliche Geschehen abspielt. Auf eben dieser Trainingsfläche wurden, durch die Anordnung der verschiedenen Trainingsgeräte und durch Trennwände, separate Trainingsbereiche geschaffen. Zwischen den Trainingsflächen stehen Grünpflanzen und kleine Sitzecken mit Sesseln und Zeitschriften. Die rote Farbe des Corporate Designs der Franchise-Kette dominiert auch in diesem Studio und wird in den Möbeln und Postern aufgegriffen. Einen besonderen Bereich im Fitness-Studio stellt der Bereich dar, der für das Bodybuilding und Krafttraining vorgesehen ist. Hier sind die Geräte funktional so angeordnet, dass mehrere Besucher den Raum parallel nutzen können. Zudem befinden sich die Geräte vor einer großen Spiegelwand, um die eigenen Übungen kontrollieren zu können.

Im Cardiobereich sind in drei Reihen die Geräte wie Fahrräder, Cross-Trainer und Stepper nebeneinander angeordnet und eine Reihe an Fernsehbildschirmen, welche von der Decke hängen sorgen für Ablenkung beim Training. Durch die weiß gestrichenen Wände und durch eine breite Fensterfront ist das Studio sehr hell gestaltet.

Links nach dem Eingang befinden sich die Umkleiden mit Toiletten und Duschen und abgeschlossene Räume mit Solarium, Massage- und Collagenliegen. In die Umkleidekabinen für Damen gelangt man durch eine geschlossene, rotgestrichene Tür, die sich rechts neben der Mineralbar befindet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Zwischen Sport und Spiegel. Eine ethnographische Analyse der Interaktionen von Fitnessstudio-Besucherinnen in Umkleidekabinen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V303813
ISBN (eBook)
9783668020931
ISBN (Buch)
9783668020948
Dateigröße
624 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethnographie, Fitness, Feldforschung
Arbeit zitieren
Carolin Wabra (Autor), 2015, Zwischen Sport und Spiegel. Eine ethnographische Analyse der Interaktionen von Fitnessstudio-Besucherinnen in Umkleidekabinen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303813

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