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Frauen als Randfigur im Kult? Die weibliche Rolle im sakralen Raum des klassischen Athens

Titel: Frauen als Randfigur im Kult? Die weibliche Rolle im sakralen Raum des klassischen Athens

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2015 , 15 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Celine Briot (Autor:in)

Weltgeschichte - Altertum
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In den Altertumswissenschaften haben die Ansätze der Geschlechterforschung neue Impulse geliefert und vor allem in Hinblick auf die antike Frauenforschung innovative und differenzierte Fragestellungen, mit essenziellen Themen wie Machtverhältnisse, Sozialisierung und Sexualität hervorgebracht. Insbesondere das Verhältnis der Geschlechter im Bezug auf die Teilnahme und Ausübung religiöser Kulthandlungen ist in den Fokus neuerer Untersuchungen gerückt, seit die lange Zeit gültige Auffassung einer Trennung von säkularen und sakralem Bereich innerhalb der Polis der Erkenntnis weichen musste, dass die griechische Religion eine wichtige Instanz des gemeinschaftlichen Lebens bildete. Da griechischen Frauen in der allgemeinen Annahme der Zugang zum sakralen Feld offen stand und Frömmigkeit sogar als Tugend beider Geschlechter postuliert worden war, bietet der hohe Stellenwert des Kultes innerhalb der Polis eine neue Perspektive für die Untersuchung des Wirkungsbereich der Griechinnen.
Es bleibt die Frage zu stellen, welche Rollen Frauen im öffentlich praktizierendem Kult einnahmen und wie wichtig ihre Beteiligung bei Festen und Ritualen für die Gemeinde war? In der Forschung gibt es zu dieser Fragestellung kontrastierende Meinungen. Allerdings zeigt sich eine Tendenz, mit zunehmender Bedeutung des Sakralen für den Lebensalltag der Gemeinde, Frauen im religiösen Feld verstärkt zu marginalisieren. Mit Hinblick auf diese Neigung soll in der vorliegenden Arbeit der soeben gestellten Frage nachgegangen werden. Spielte die Frau nur eine Nebenrolle oder bot ihr der religiöse Raum gar eine tragende Funktion für das Wohl der Gemeinde? Ziel der Arbeit ist es, den entstehenden sozialen und gesellschaftlich identitätsstiftenden Handlungsspielraum der antiken Frau durch die verschiedenen Möglichkeiten des Kultes zur weiblichen Partizipation zu untersuchen. Um das Thema für den Rahmen dieser Arbeit einzugrenzen, richtet sich die Fragestellung auf Frauen des klassischen Athens. Durch die zentrale Stellung der Stadt in der Antike ist dort die sonst spärliche Quellenlage über den Lebensraum antiker Frauen im Vergleich viel versprechender. Im ersten Teil der Arbeit wird mit einer Untersuchung der Kultpraktiken der attischen Frauen im gemeinschaftlichen Raum der Polis begonnen. Anschließend wird in einem zweiten Teil auf die Bedeutung von Frauenfesten für das Wirkungsfeld der Frau eingegangen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Frauen im Poliskult

2.1 Religiöse Feste

2.2 Prozession

2.3 Rituelles Opfer

2.4 Kulthandlungen für die Gemeinschaft

3. Frauenfeste

3.1 Die Thesmophorien

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den sozialen und gesellschaftlich identitätsstiftenden Handlungsspielraum von Frauen im klassischen Athen durch deren Teilnahme an religiösen Kultpraktiken und Festen, um die These der rein häuslichen Isolation zu hinterfragen.

  • Bedeutung der Religion für die Polis und Identitätsbildung
  • Partizipation von Frauen an Prozessionen und öffentlichen Kulthandlungen
  • Weibliche Rollen in rituellen Opfern und religiösen Diensten
  • Relevanz und Funktion spezieller Frauenfeste wie die Thesmophorien
  • Differenzierung zwischen häuslichem Wirkungsbereich und öffentlicher kultischer Präsenz

Auszug aus dem Buch

2.2 Prozession

Prozessionen waren Bestandteil aller großen Feste und fungierten meist als Vorläufer einer gemeinschaftlichen Opferhandlung, um den Wert des Opfertieres und die eigene Frömmigkeit der Teilnehmer nach Außen darzustellen. Zudem ermöglichte sie ein gemeinsames Bewegen im sakralen Raum und stärkte somit das eigene Bewusstsein der Gemeinde als soziale Einheit. Die Beteiligten versammelten sich mit festlich geschmückten Gewändern auf der Agora und sortierten sich dort in Gruppen. Zumeist spiegelte die Formierung des Zuges die soziale Struktur der Bürgerschaft wider. Christine Schnur-Redford schreibt über die Prozessionen, man müsse sie sich als einen volksfestähnlichen Umzug vorstellen. Vom Alltäglichen kontrastierend, bot eine Prozession ihren Teilnehmern eine gelockerte Atmosphäre der sonst strengen gesellschaftlichen Ordnung.

Die Beteiligung von Frauen bei diesen lässt sich am Beispiel einer Abbildung auf einem Fries am Parthenon auf der Akropolis in Athen nachweisen. Dort wird eine Prozession anlässlich der Panathenäen dargestellt. Betrachtet man die linke Seite des Ostfrieses ist eine größere Anzahl Frauen und Mädchen als Teilnehmer des Festzuges zu erkennen. Ihre Haltungen zeigt leicht gesenkte Köpfe, was von manchen Historikern als zurückhaltend und passive Rolle interpretiert wird. Allerdings sind unter ihnen auch Trägerinnen von Kannen und Opferschalen dargestellt, womit man ihnen wiederum eine aktive Rolle zuweisen kann. Auch in anderen Prozessionen übernahmen Frauen und Mädchen aktive Rollen. Jungfrauen aus vornehmen Familien konnten zu kanephoren erhoben werden, wodurch ihnen die Aufgabe oblag, Opfermaterialien in Körben auf ihren Köpfen zu transportieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Erläutert die Forschungsrelevanz von Gender Studies in der Altertumswissenschaft und stellt die zentrale Fragestellung nach dem Handlungsspielraum attischer Frauen im öffentlichen religiösen Kult dar.

2. Frauen im Poliskult: Analysiert die Teilnahme von Frauen an verschiedenen Kultpraktiken, Prozessionen und Opfern und beleuchtet deren Rolle als Akteurinnen innerhalb der Polis-Gemeinschaft.

2.1 Religiöse Feste: Untersucht die Bedeutung des umfassenden Festkalenders und die Partizipationsmöglichkeiten von Frauen bei großen öffentlichen religiösen Feierlichkeiten.

2.2 Prozession: Beschreibt die Funktion von Prozessionen als Integrationsmittel der sozialen Gemeinschaft und analysiert die aktive, wenn auch teilweise interpretierte Rolle von Frauen und Mädchen in Festzügen.

2.3 Rituelles Opfer: Erörtert die kontroversen Forschungsmeinungen zur aktiven Einbindung von Frauen in öffentliche Blutopfer und deren spezifische rituelle Aufgaben.

2.4 Kulthandlungen für die Gemeinschaft: Beleuchtet weitere rituelle Tätigkeiten von Frauen, wie das Weben von Kultgewändern und choreografische Beiträge, als wichtige Dienste für das Wohl der Polis.

3. Frauenfeste: Fokussiert auf exklusive Frauenfeste, die den Teilnehmerinnen außerhalb des häuslichen Bereichs Freiräume boten und eine besondere gesellschaftliche Bedeutung hatten.

3.1 Die Thesmophorien: Analysiert das bedeutendste dreitägige Frauenfest, seinen rituellen Ablauf und seine symbolische Funktion für Fruchtbarkeit und sozialen Zusammenhalt.

4. Fazit: Führt die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Frauen durch ihre unerlässliche Rolle im Kult aktiv am öffentlichen Leben der Polis teilnahmen.

Schlüsselwörter

Griechische Antike, Athen, Frauenforschung, Gender Studies, Polis, Religion, Kult, Prozession, Opferritual, Thesmophorien, Demeter, Partizipation, Öffentlichkeit, rituelles Handeln, Geschlechtergeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Rolle und den Handlungsspielraum von Frauen im klassischen Athen im Kontext des religiösen Kults und öffentlicher Feste.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den zentralen Themen gehören die Bedeutung der griechischen Religion für die Polis-Identität, weibliche Kultpraktiken, die Teilnahme an Prozessionen sowie der Status von speziellen Frauenfesten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, ob Frauen im antiken Athen lediglich in den häuslichen Bereich (oikos) verbannt waren oder ob sie durch ihre kultischen Aufgaben eine tragende Funktion in der Öffentlichkeit und für das Wohl der Gemeinde innehatten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von antiken literarischen Quellen, bildlichen Darstellungen sowie die kritische Auseinandersetzung mit der modernen altertumswissenschaftlichen Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Frauen im gemeinschaftlichen Poliskult (Prozessionen, Opfer, Webdienste) und die detaillierte Betrachtung von exklusiven Frauenfesten wie den Thesmophorien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Griechische Antike, Gender Studies, Kultpraxis, Partizipation, Öffentlichkeit, Thesmophorien, Fruchtbarkeitskulte.

Welche Bedeutung kommt den sogenannten "Kanephoren" zu?

Kanephoren waren junge Mädchen aus vornehmen Familien, die bei Prozessionen Opfermaterialien in Körben auf dem Kopf trugen, was ihre sichtbare und aktive Rolle im öffentlichen religiösen Raum unterstreicht.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Frauen beim rituellen Blutopfer?

Die Arbeit stellt dar, dass Historiker diesen Punkt kontrovers diskutieren: Während einige eine radikale Ausgrenzung sehen, argumentieren andere, dass Frauen spezifische Aufgaben (wie den Opferschrei "ololyge") wahrnahmen und daher aktiv in das Ritual eingebunden waren.

Warum gelten die Thesmophorien als besonders wichtig für die Untersuchung?

Als größte und bedeutendste Frauenfest der Antike boten die Thesmophorien Frauen einen exklusiven Raum außerhalb des oikos, der ihre rituelle Macht und ihre Bedeutung für die landwirtschaftliche Fruchtbarkeit und den sozialen Zusammenhalt manifestierte.

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Details

Titel
Frauen als Randfigur im Kult? Die weibliche Rolle im sakralen Raum des klassischen Athens
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Alte Geschichte)
Veranstaltung
Religion in der Antike
Note
1,3
Autor
Celine Briot (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V303847
ISBN (eBook)
9783668024205
ISBN (Buch)
9783668024212
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frauen randfigur kult rolle raum athens
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Celine Briot (Autor:in), 2015, Frauen als Randfigur im Kult? Die weibliche Rolle im sakralen Raum des klassischen Athens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303847
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Leseprobe aus  15  Seiten
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