Elterngeld als Zukunftssicherung? Vergleich der nachhaltigen Familienpolitik in Deutschland und Schweden


Hausarbeit, 2015
23 Seiten, Note: 1,3
Angelo Poletti (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt – die nachhaltige Familienpolitik als Erfolgsgarant

2. Nachhaltige Familienpolitik: Das Instrument Elterngeld in Deutschland und Schweden
2.1 Nachhaltige Familienpolitik
2.2 Elterngeld in Deutschland
2.3 Elternversicherung in Schweden

3. Elterngeld ist nicht gleich Elterngeld: Ein Vergleich zwischen Deutschland und Schweden
3.1 Geschlechtergerechte Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit
3.2 Wiedereinstieg in die Erwerbsarbeit
3.3 Kinderbetreuung
3.4 Fertilitätserhöhung

4 Fazit: Geburtenboom durch Elterngeld: Realität oder Wunschgedanke

5 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anteile der Eltern, die das Elterngeld für Monate bezogen

Abbildung 2: Entwicklung der Teilzeiterwerbstätigkeit bei Müttern mit Kindern im zweiten Lebensjahr

Abbildung 3 Entwicklung der Vollzeiterwerbstätigkeit bei Müttern mit Kindern im zweiten Lebensjahr

Abbildung 4: Nutzung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten

Abbildung 5: Lebendgeborene nach Alter der Mütter, Geburtsjahrmethode 1991 – 2008

Abbildung 6: Elterngeldansprüche nach Geschlecht und Altersgruppe

Abbildung 7: Elterngeldansprüche von Müttern und Vätern nach Kinderzahl (erster Bezugsmonat)

1. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt – die nachhaltige Familienpolitik als Erfolgsgarant

Ab dem Jahr 2007 sollte alles anders werden, denn die deutsche Bevölkerung altert und schrumpft immer weiter. Seit etwa 30 Jahren befinden sich die deutschen Geburtenraten durchgehend auf einem so niedrigen Niveau, dass eine Elterngeneration nur noch zu zwei Drittel durch den eigenen Nachwuchs ersetzt werden kann (Schulz 2013, S. 539). Im Zuge der „nachhaltigen Familienpolitik“ sollte durch die Einführung des Elterngeldes zum 01.01.2007 eine grundlegende Veränderung stattfinden, um neue Anreize für eine Familiengründung zu schaffen. Denn die dauerhaft niedrige Geburtenrate wirkt sich negativ auf die Wirtschafts-, Renten- und Sozialsysteme aus (Dörfler et al. 2011, S. 86).

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Familienpolitik in Schweden und Deutschland. In der extrem traditionalistischen Familienpolitik in Deutschland kämpft man seit Jahren damit, die Fertilität zu erhöhen, jedoch lange mit wenig Erfolg, denn die Geburtenraten befanden sich im Jahr 2007 mit 1,37 Kindern pro Frau auf einem konstant niedrigen Niveau. Interessant für eine vergleichende Betrachtung ist Schweden, da die dortige Gleichstellungs- und Familienpolitik im europäischen Raum, mit seiner ausgezeichneten Geburtenrate eine Vorreiterrolle einnimmt (Schreyögg 2011, S. 471).

Aufgrund dessen sollen die Länder Schweden und Deutschland auf die primären Ziele der Elterngeldreform 2007 überprüft und verglichen werden.

Zu Beginn der Hausarbeit wird die nachhaltige Familienpolitik kurz definiert, um im Anschluss das Elterngeld in Deutschland sowie in Schweden (Elternversicherung) darzustellen. Danach erfolgt ein Vergleich der beiden Länder im Hinblick auf die im vorangegangen Kapitel genannten Ziele der jeweiligen Familienpolitiken, wie das Ziel einer geschlechtergerechten Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit, ein schnellerer Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit von Frauen nach der Geburt eines Kindes sowie dem übergeordneten Ziel die Geburtenrate zu erhöhen (Reimer 2013, S. 8).

Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit in einem kurzen Fazit zusammengefasst und ein Ausblick auf die mögliche weitere Entwicklung in diesem Politikfeld gegeben.

2. Nachhaltige Familienpolitik: Das Instrument Elterngeld in Deutschland und Schweden

Im folgenden Abschnitt wird kurz die nachhaltige Familienpolitik erläutert sowie auf das Instrument Elterngeld in Deutschland und Schweden eingegangen, das die Opportunitätskosten im Hinblick auf die Entscheidung für den Nachwuchs senken soll.

2.1 Nachhaltige Familienpolitik

In der nachhaltigen Familienpolitik spielt die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer die primäre Rolle. Es soll sowohl die Geburtenrate als auch die Erwerbstätigkeit von Frauen gesteigert werden. Eine ausreichende Kinderzahl ist notwendig, um die negativen Folgen des demographischen Wandels abzumildern. Auch die schnelle Integration der Frauen zurück in das Erwerbsleben soll einem Fachkräftemangel entgegenwirken und die Unabhängigkeit gegenüber dem Partner fördern. Traditionelle Vorstellungen ließen eine Erhöhung der Geburtenrate lediglich mit einer Reduktion der Frauenerwerbstätigkeit verbinden, jedoch zeigen europäische Länder wie Island, Schweden, Frankreich oder Norwegen, dass eine hohe Geburtenzahl sowie Erwerbsquote keine widersprüchlichen Ziele darstellen (Gruescu und Rürup 2005, S. 3).

2.2 Elterngeld in Deutschland

Das seit 1986 bestehende Bundeserziehungsgeldgesetz wurde zum 01.01.2007 innerhalb des Programms „nachhaltiger Familienpolitik“ vom BEEG (Bundeselterngeld- und Elternzeit-gesetz) abgelöst.

Das Ziel der alten Erziehungsgeldregelung war es, die Einkommensschwachen und Bedürftigen zu unterstützen sowie dem erhöhten Armutsrisiko, das mit der Geburt eines Kindes einhergeht, entgegenzuwirken. Aufgrund dessen war die Einkommenshöchstgrenze relativ niedrig angesiedelt, denn das maximale Jahresbruttoeinkommen eines Paares durfte nicht höher als 30.000€ sein.

Desweiteren musste mindestens ein Elternteil die Arbeitszeit auf weniger als 30 Wochen-stunden reduzieren. Das Erziehungsgeld war nicht an das vorherige Einkommen gekoppelt und stellte eine Pauschalzahlung entweder in Höhe von 300€ für zwei Jahre (Regelbetrag) oder für ein Jahr in Höhe von 450€ (Budget) dar (Martinek 2010, S. 159).

Für Eltern von Kindern, die seit dem 01.01.2007 geboren wurden gelten neue Regelungen. Ziel des damals eingeführten Elterngeldes ist es, zu einer geschlechtergerechte Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit beizutragen, zu einem schnelleren Wiedereinstieg in die Erwerbsarbeit von Frauen nach der Geburt eines Kindes zu führen und dem fortbestehenden Geburtenrückgang entgegenzuwirken (Reimer 2013, S. 10).

Die Zielvorgaben einer höheren Geburtenrate und Erwerbstätigkeit von Frauen gelten seitdem als gut miteinander vereinbar. Dies kann an europäischen Vorbildländern wie beispielsweise Frankreich und Schweden untermauert werden (Schulz 2013, S. 544).

Der deutliche Kurswechsel in der deutschen Familienpolitik spiegelt sich vor allem in der finanziellen Unterstützung für Eltern nach der Geburt wider, denn die Bezugsdauer wird auf maximal 14 Monate begrenzt, in der zwei sogenannte Vätermonate eingeschlossen sind (Grunow et al. 2011, S. 400). Eine Verlängerungsoption ermöglicht allerdings die Verteilung der Ansprüche auf eine Zeitdauer von 24 statt 12, bzw. 28 statt 14 Monaten.

Da das Elterngeld einkommensabhängig berechnet wird, konnte es 2007 von fast 100% der Eltern bezogen werden, das Erziehungsgeld hingegen brachte es z.B. 2006 aufgrund der Einkommensgrenze auf lediglich 77%. Anspruch auf Elterngeld haben Mütter und Väter, die ihr/e Kind/er nach der Geburt selbst betreuen und erziehen, nicht mehr als 30 Wochenstunden arbeitstätig sind sowie mit ihren Kindern in einem Haushalt leben und einen Wohnsitz bzw. ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben (BMFSFJ 2013, S. 7).

Das Elterngeld stellt im Gegensatz zum früheren Erziehungsgeld einen echten Lohnersatz dar und soll die entstehenden Einkommensverluste besser kompensieren.

Es bezieht sich auf die Höhe des monatlichen Nettoeinkommens, das die betreuende Person vor der Geburt des Kindes erwirtschaftete. Das Elterngeld wird zwischen 1.000 und 1.200 Euro mit 67% und von 1.240 Euro und mehr mit 65% des früheren Nettogehalts ersetzt. Jedoch beträgt es mindestens 300€ und maximal 1.800€ pro Monat (Personen, die dem Spitzensteuersatz unterliegen, haben keinen Anspruch auf Elterngeld). Bei Geringverdienern, die weniger als 1.000€ Netto im Monat erhielten, erhöht sich die Ersatzrate sogar schrittweise von 67% auf bis zu 100%, denn für jeden Euro, den das Einkommen unter 1.000€ lag, erhöht sich die Ersatzrate um 0,05% (700€ Nettoeinkommen = 82% Ersatz) (ebd.: 12f.).

Da das Elterngeld als Lohnersatzleistung konzipiert wurde, werden die Elterngeldansprüche für ALG II-Empfänger vollständig auf Sozialhilfe sowie auf den Kinderzuschlag angerechnet (Reimer 2013, S. 16).

Bei Mehrlingsgeburten stellt sich ein Sonderfall dar, denn für jeden Mehrling steht ein eigenständiger Elterngeldanspruch in Höhe von 300€ zu.

Auch Familien mit mehr als einem Kind können einen Geschwisterbonus erhalten. Dabei erhöht sich das Elterngeld um 10 Prozent (mindestens aber um 75€), bis das ältere Geschwisterkind, bei zwei Kindern im Haushalt, drei Jahre alt ist und bei drei und mehr Kindern, wenn mindestens zwei der älteren Geschwisterkinder - das sechste Lebensjahr - noch nicht vollendet haben (BMFSFJ 2012, S. 14).

2.3 Elternversicherung in Schweden

Die schwedische Elternzeit- und Elterngeldregelung hat eine lange Tradition, denn Schweden führte bereits 1974 als erstes Land eine Regelung ein, mit der für beide Elternteile das Elterngeld vergütet wurde. Seitdem wurde die Gleichberechtigung der Geschlechter bei der Familien- und Erwerbsarbeit vorangetrieben sowie die einkommensabhängigen Leistungen für Eltern bis heute stetig verbessert. „Dementsprechend wurde bereits seit Ende der 1960er-Jahre die Frauenerwerbstätigkeit aktiv gefördert und die Möglichkeiten der Berufstätigkeit von Müttern durch ein Bündel an gut funktionierenden familienpolitischen Maßnahmen sichergestellt (Steidle und Henkel 2010, S. 16).“

Mit dem anfangs umstrittenen Vatermonat, der 1995 eingeführt wurde, konnte ein weiterer Schritt in Richtung des egalitären Gesellschaftsmodells gemacht werden, in der eine höhere Beteiligung der Väter bei Kinderbetreuung sowie eine (Re-)Integration der Mütter in den Arbeitsmarkt gefödert werden sollte. Bereits 2002 wurde aus einem Vatermonat zwei Vätermonate und auch die anfängliche Ablehnung wich einer breiten Zustimmung in der Politik sowie der Bevölkerung (BmfSFJ 2008, S. 25-26).

Mittlerweile sind zwei Monate sowohl für den Vater, als auch für die Mutter festgeschrieben und können nicht auf den anderen Partner übertragen werden. Zusätzlich stehen jedem Vater bis zu 60 Tage nach der Geburt des Kindes zehn arbeitsfreie Werktage zur Verfügung, die mit 80% des Bruttoeinkommens vergütet werden.

Da das Elternschaftsgeld den Verlust des Einkommens durch die Geburt eines Kindes kompensieren soll, können die Eltern insgesamt 16 Monate (480 Tage) Elternzeit in Anspruch nehmen. Davon werden 13 Monate (390 Tage) mit 80% des bisherigen Bruttoeinkommens vergütet (maximal 43.483€ im Jahr), wenn der Elternteil vor der Antragstellung mindestens acht Monate (240 Tage) ununterbrochen erwerbstätig war. Für die weiteren drei Monate (90 Tage) wird für alle ein Mindestbetrag von etwa 20€ pro Tag ausbezahlt. Geringverdienende, Arbeitslose und Studierende erhalten über den gesamten Zeitraum diesen Pauschalbetrag (Dörfler und Mühling 2011, S. 97).

Desweiteren können die Eltern die Arbeitszeit um 12,5%, 25%, 50% oder 75% verringern und dafür ein reduziertes Elternschaftsgeld bis maximal zum achten Geburtstag des Kindes nutzen.

3. Elterngeld ist nicht gleich Elterngeld: Ein Vergleich zwischen Deutschland und Schweden

In diesem Abschnitt wird das Elterngeld beider Länder miteinander auf deren Nachhaltigkeit sowie auf die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie miteinander verglichen.

3.1 Geschlechtergerechte Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit

Das schwedische Modell hat gezeigt, dass mithilfe der Elternversicherung die Erwerbs-beteiligung von Frauen deutlich zunahm, da das gehaltsbezogene Elterngeld die Einkommens-verluste und sich somit auch die Opportunitätskosten senken ließ.

Deutschland sprang auf den Zug auf und verabschiedete sich vom Pauschalbetrag hin zu einem einkommensabhängigen Lohnersatz.

Auch die Maßnahme zur Gleichberechtigung der Geschlechter wurde mit dem Elterngeld übernommen. In beiden Ländern stehen zwei Monate Elternzeit ausschließlich einem Elternteil zur Verfügung. Dadurch soll einerseits die Mutter bei der Kindererziehung entlastet werden, aber auch dem Vater die Möglichkeit gegeben werden, sich aktiv zu beteiligen (Prognos AG 2005, S. 4). Denn bislang war es stets so, dass die Mutter die Kinderbetreuung in den ersten Jahren übernahm und es zu einem Ungleichgewicht in der Geschlechter-gerechtigkeit kam, da eine Erwerbsunterbrechung sowohl kurz- als auch langfristige finanzielle Nachteile mit sich bringt.

Das Prinzip der neu eingeführten Partnermonate scheint aufzugehen, denn vor der Einführung des Elterngeldes nahmen weniger als vier Prozent aller Väter eine Auszeit, im Jahr 2014 waren es bereits rund 30 Prozent (Hörnlein et al. 2014, S. 1).

Im Vergleich zu Schweden besteht auch hier noch Nachholbedarf, denn dort nimmt mit 80%, die große Mehrheit der Väter die Elternzeit in Anspruch.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Elterngeld als Zukunftssicherung? Vergleich der nachhaltigen Familienpolitik in Deutschland und Schweden
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
23
Katalognummer
V303900
ISBN (eBook)
9783668023840
ISBN (Buch)
9783668023857
Dateigröße
703 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elterngeld, Deutschland, Schweden
Arbeit zitieren
Angelo Poletti (Autor), 2015, Elterngeld als Zukunftssicherung? Vergleich der nachhaltigen Familienpolitik in Deutschland und Schweden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303900

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Elterngeld als Zukunftssicherung? Vergleich der nachhaltigen Familienpolitik in Deutschland und Schweden


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden