Krisenintervention durch den Berliner Krisendienst


Hausarbeit, 2015

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 3

2. Ein Definitionsversuch von Krise ... 4

3. Mögliche konkrete Auslöser einer Krise ... 5

4. Der Berliner Krisendienst ... 6
4.1. Geschichte ... 6
4.2. Konzept und Struktur ... 8

5. Fallbeispiel einer Krisenintervention im Kontext des Berliner Krisendienstes ... 12
5.1. Die Erkrankung „Depression“ ... 12
5.2. Fallvorstellung ... 12
5.3. Der Interventionsansatz ... 17

6. Fazit ... 18

Literaturverzeichnis ... 20

Abbildungsverzeichnis ... 21

1. Einleitung

Der heutige Mensch benötigt Kompetenzen im Umgang mit Krisen und Ängsten. Nach der Psychologin R. Marx, welche Herrn U. Beck (Soziologe) heranzieht, leben wir in einer Risikogesellschaft (Marx 2011, S. 10ff zit. n. Beck 1986, S. 10ff). Ursachen sind unter anderem wegfallende verpflichtende Regeln und Werte. „Wenn vieles im menschlichen Zusammenleben nicht mehr geregelt ist“ (Kast 2009, S. 7), der Mensch häufig eine Wahl- und Entscheidungsfreiheit hat, „es keine verpflichtenden Vorgaben mehr gibt, dann reagieren“ (ebd., S. 7) Menschen „mit mehr Hilflosigkeit angesichts komplexer mehrdeutiger Lebenssituationen.“ (ebd., S. 7f) Die Individualisierung der Menschen und Pluralisierung der Strukturen in einer Gesellschaft erhöhen Unsicherheiten, Ängste und begünstigen somit Krisen. (vgl. Kast 2009, S. 7f) (vgl. Marx 2011, S. 10ff) Ob Krisen von der Anzahl her zunehmen stellt die Psychoanalytikerin Verena Kast in Frage. Postuliert wird von ebd. eine Zunahme an Krisenbewusstsein, ein Bewusstsein auch dafür, dass Menschen seelisch verwundbar sind. Jeder Mensch kann in eine Krise geraten. Seelische Folgeschäden sind bei Negierung und Ignorierung der Krise möglich, betroffenen Menschen kann es schleichend schlechter gehen. Mit der richtigen Begleitung und Hilfe können aber Krisen für den Menschen zu einer Lebenschance werden, zur Entwicklung neuer Impulse und Ideen dienen. (vgl. Kast 2009, S. 7ff).

Das erhöhte Krisenbewusstsein in der Gesellschaft erweckt in Metropolen wie Berlin (nebst anderen Städten, Regionen, Landkreisen etc.) den Ruf nach Hilfsangeboten. Diese sollen den Bedarf an Krisenberatung und Krisenintervention decken. Hieraus ist der Berliner Krisendienst entstanden.

2. Ein Definitionsversuch von Krise

„Ich krieg eine Krise“ sagen heute viele Judengliche und Erwachsene im umgangssprachlichen Gebrauch. (vgl. Kunz / Scheuermann / Schürmann 2004, S. 167) Der Duden benennt die Krise als eine „schwierige Lage, Situation, Zeit [die den Höhe- und Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung darstellt]; [eine] Schwierigkeit, kritische Situation; [eine] Zeit der Gefährdung, des Gefährdetseins“ (Duden 2015). Im ursprünglich griechischen Sinne bedeutete „krísis = Entscheidung, entscheidende Wendung)“ (Duden 2015).

Krisen entstehen, wenn Menschen an ihre individuellen Grenzen, an die Grenze ihres Handlungsrepertoires, ihrer Handlungsfähigkeit stoßen. Treten fordernde Lebenssituationen ein, versuchen Personen mit ihrem Bewältigungsrepertoire eine Lösung zu finden. Reichen die individuell vorhandenen Bewältigungsstrategien (Copingstrategien) nicht aus, droht eine Krise zu entstehen. (vgl. Kunz / Scheuermann / Schürmann 2004, S. 167) Der Sozialpsychiater G. Caplan versuchte den Krisenbegriff wissenschaftlich zu präzisieren und formulierte in der Folge eine Krisentheorie. Diese besagt, dass eine Krise durch „eine akute Überforderung eines gewohnten Verhaltensrepertoires [sowie] durch belastende äußere und innere Erlebnisse“ (ebd. 2004, S. 167) hervorgerufen wird. Enger gefasst definiert der Begriff Krise einen „Veränderungsprozess der Person, der gekennzeichnet ist durch Unterbrechung der Kontinuität des Erlebens und Handels, durch eine partielle Desintegration der Handlungsorganisation eine Destabilisierung im emotionalen Bereich mit dem zentralen Merkmale des Selbstzweifels.“ (Kunz / Scheuermann / Schürmann 2004, S. 167). Eine Krise ist demnach ein vorübergehender Zustand, in dem vertraute und eingeübte Handlungsmuster nicht mehr greifen und das Selbstverständnis ins „Wanken“ gerät. Das Gleichgewicht zwischen einer Person und ihrer Umwelt funktioniert nicht mehr, da „historisch-gesellschaftliche, biografische, situative und interpersonelle“ (Kunz / Scheuermann / Schürmann 2004, S. 168) Aspekte dieses Gleichgewicht durcheinanderbringen.

Der Psychiater Luc Ciompi wirft einen etwas anderen Blick auf die Krise. Krisen können nach L. Ciompi durch etwas Akutes, etwas Unvorhergesehenes und somit bedrohlich Wirkendes hervorgerufen werden. Im Entwicklungsprozess der Krise geht ebd. von einer Labilisierung der Person aus, infolge dessen diese Person unter „einer [möglichen] erhöhten Suggestibilität“ (große Wirkungen bei kleinen Ursachen) leidet. (vgl. Kunz / Scheuermann / Schürmann 2004, S. 167) Der Krisenbegriff ist demnach negativ belegt und löst beim Betroffenen Ängste, das Gefühl der Ausweglosigkeit und Selbstzweifel aus. Eine erhöhte Instabilität und Vulnerabilität begünstigt Folgehandlungen der betroffenen Person, die für sie schädlich ausgehen können.

Aus dem Griechischen wird aber auch ersichtlich, dass eine Krise durchaus etwas Positives an sich haben kann. Sie kann eine Wendung sein, eine Entscheidung herausfordern und somit Neuem im Lebensweg einer Person Raum geben.

3. Mögliche konkrete Auslöser einer Krise

Die Ursachen einer Krise können exogene oder endogene Faktoren sein. Diese sind, wie eingangs schon angedeutet, individuell und sehr vielseitig. Im Folgenden werden einige Faktoren näher beleuchtet, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

Als exogene Auslöser sind hier alle äußeren Einflüsse gemeint, die eine Krisenentwicklung beim Menschen begünstigen und schlussendlich innere Prozesse auslösen. Dazu gehören Störungen im Bereich Arbeit / Berufsleben / Karriere (prekäre Arbeitsverhältnisse, Verlust des Arbeitsplatzes, drohende Mittellosigkeit, Überlastungs- und Überforderungssituationen, Ausgrenzung und Ausschluss aus der Arbeitsgemeinschaft, Mobbing / Bossing, seelische Traumata). Dazu gehören interpersonale und soziale Faktoren, diese können sein: ein fehlendes soziales Netzwerk, eine fehlende Familienbande, unklare Beziehungsstrukturen, erkrankte Angehörige. Auf gesundheitlicher Ebene können folgenschwere Diagnosestellungen, eine Konfrontation mit drohender / eintretender Behinderung und mit dem eigenen unausweichlichen Tod, mit der Erkrankung und / oder dem Verlust eines nahe stehenden Menschen Auslöser einer Krise sein. Ebenfalls exogene Auslöser sind alle körperlichen und seelischen Traumata, die einem Menschen wiederfahren können (Krieg, Misshandlungen, jegliche tätlichen Übergriffe, häusliche Gewalt, Kindesmissbrauch, Unfälle). Dazu gehören ebenfalls alle drogeninduzierten Krisen (fehlende Suchtmittel, Drogenentzug, paradoxe Reaktionen, unmittelbare Wirkung von Drogen).

Endogene Faktoren können seelische Erkrankungen sein. Beispielhaft seien genannt: Psychosen (akustische, visuelle und situative Halluzinationen), instabile Persönlichkeitsstörungen (massive Stimmungsschwankungen, Borderline Struktur), das Gefühl der Leere (Suizidalität). Schlummernde, vorerst symptomfreie Traumata aus der früheren Biografie eines Menschen können im Laufe des Lebens getriggert, in ihrer Wirksamkeit ausgelöst werden und somit auch Auslöser einer Krise sein.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Krisenintervention durch den Berliner Krisendienst
Hochschule
Fachhochschule Potsdam
Veranstaltung
Menschen in Lebenskrisen
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V303937
ISBN (eBook)
9783668026582
ISBN (Buch)
9783668026599
Dateigröße
752 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Krisen, Krise, Lebenskrise, Berlin, Krisendienst, Krisenintervention, Depression, Auslöser, Definition, Fallbeispiel, Konzept, Struktur, Kontext, Intervention, Interventionsansatz, Geschichte, Erkrankung, Suizidgefahr, Suizid, Suizidalität, Kast, Marx, Beck, kostenlos, niederschwellig, Angebot, Kreuzberg, Pankow, Tempelhof
Arbeit zitieren
Filipe Fürstenhöfer de Figueiredo e Silva (Autor), 2015, Krisenintervention durch den Berliner Krisendienst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303937

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