Der Unterrichtseinstieg als Motivation für Schüler. Möglichkeiten und Grenzen


Praktikumsbericht / -arbeit, 2015
15 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unterrichtseinstieg – Begriffsklärung

3. Kriterien für einen gelungenen Unterrichtseinstieg (nach Hilbert Meyer)
3.1 Funktionen von Unterrichtseinstiegen
3.2 Gefahren von Unterrichtseinstiegen

4. Formen von Unterrichtseinstiegen
4.1 Stundeneröffnungsrituale
4.2 Übungen zum stofflichen Aufwärmen
4.3 Unterrichtseinstiege mit höherem Grad an Lehrerlenkung
4.4 Unterrichtseinstiege mit höherem Grad an Schülerselbsttätigkeit

5. Unterrichtseinstiege im Mathematikunterricht

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wer in etwas einsteigt, und sei es nachts in eine Bank, ist aktiv, übernimmt Verantwortung für das, was er tut, und trägt ein gewisses Risiko, dass die Sache auch schiefgehen kann.“ (Greving/Paradies 2007, S.17).

Doch wie kann ein Lehrer[1] in den Unterricht einsteigen? Wie kann er die Schüler motivieren und ihr Interesse wecken? Wie kann er eine gewisse Erwartungshaltung und Spannung für die Unterrichtsstunde aufbauen? Und kann ein gelungener Einstieg die Motivation und das Interesse der Schüler für den weiteren Stundenverlauf oder sogar für die komplette Unterrichtseinheit aufrechterhalten?

Zu Beginn einer Unterrichtsstunde hat man als Lehrer oft viel Organisatorisches (z.B. Anwesenheitskontrolle, Elternbriefe...) im Hinterkopf. Geklärt wird dies meistens gleich am Anfang der Stunde. Danach folgt in vielen Fällen die Hausaufgabenkontrolle. Dadurch kann es passieren, dass der Unterrichtseinstieg zu kurz kommt. Doch der Unterrichtseinstieg ist ebenso eine wichtige Phase des Unterrichts, wie auch die Erarbeitung, die Sicherung und der Abschluss, da er viele didaktische Funktionen besitzt. Doch auch die Schüler haben zu Beginn der Stunde oft andere Dinge im Kopf. Sie haben zum Beispiel gerade eine Mathematikarbeit geschrieben oder es gab Streit in der Pause (Althoff 2015, S.13). Oft können sie sich dann nicht sofort auf das neue Unterrichtsthema einlassen. Umso wichtiger ist es dann, den Unterrichtseinstieg abwechslungsreich, interessant und motivierend zu gestalten, damit sich die Schüler ganz auf das neue Thema einstellen und sich von der vorigen Stunde lösen können.

Hilbert Meyer bezeichnet diese Phase des Unterrichts als 'Tor, durch das der Schüler in die neue Lern-Landschaft hinauswandert' (Woithe 2015, S.9).

2. Unterrichtseinstieg – Begriffsklärung

Der Begriff „Unterrichtseinstieg“ stellt die erste der drei wesentlichen Unterrichtsphasen (Einstieg – Erarbeitung – Sicherung) dar. Lange Zeit wurde jedoch der Unterrichtseinstieg nicht als eigenständige Phase des Unterrichts betrachtet.

„Im Begriff „Einstieg“ dagegen steckt die Selbstständigkeit dieser Phase und die hierbei notwendige Aktivität von Lehrer- und Schülerseite“ (ebenda, S.17). Doch weder in der Formalstufentheorie der Herbartianer, noch in der „bildungstheoretischen Didaktik Klafkis“ (ebenda, S.17) oder der „Berliner Schule“ wurde dem Unterrichtseinstieg besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Heutzutage wird dem Unterrichtseinstieg größere Bedeutung zugemessen. Er soll dabei die Schüler an ein neues Thema heranführen und sie dafür begeistern. Die Kernfrage ist hierbei: „Was sagt oder macht die Lehrkraft konkret, um ein neues Thema einzuführen?“.

Der Unterrichtseinstieg ist meist zu Beginn der Stunde angesiedelt und schließt an die Stundeneröffnung an (siehe 4.1). Er kann jedoch auch nach Abschluss eines Themas in der Mitte oder gegen Ende einer Stunde erfolgen. Wird der Unterrichtseinstieg gegen Ende der Stunde gewählt, wird oft die Hausaufgabe der Schüler dafür genutzt, um auf das neue Thema vorzubereiten.

Der Unterrichtseinstieg kann jedoch nicht nur in das Stundenthema, sondern auch in das Thema einer Unterrichtseinheit oder in das Thema eines Projekts einleiten (Mühlhausen/Wegner 2010, S.60).

3. Kriterien für einen gelungenen Unterrichtseinstieg (nach Hilbert Meyer)

Hilbert Meyer stellte fünf Kriterien für einen gelungenen Unterrichtseinstieg auf. Da es darüber hinaus weitere Kriterien gibt, die ein guter Unterrichtseinstieg erfüllen sollte, stellten Greving und Paradies daraus folgende Kriterien zusammen.

Der Einstieg sollte:

- den Schülern einen Orientierungsrahmen bieten und sie über den Verlauf der Stunde informieren
- an die Vorerfahrung der Schüler anknüpfen und das Wissen der Schüler mit dem neuen Lerngegenstand vernetzen
- die Schüler disziplinieren und auf den Unterricht vorbereiten
- einen handlungsorientierten Zugang zu dem neuen Thema ermöglichen
- das Selbstvertrauen der Schüler stärken (Greving/Paradies 2007, S.18).

3.1 Funktionen von Unterrichtseinstiegen

Unterrichtseinstiege sollen überdies auch eine Reihe didaktischer Funktionen erfüllen. An die Kriterien von Hilbert Meyer anknüpfend, sind folgende Funktionen zu nennen:

Der Unterrichtseinstieg soll die Schüler über das (neue) Thema informieren. Er soll dabei bei den Schülern Interesse und Neugier wecken und eine Fragehaltung aufwerfen, die zur weiteren Beschäftigung führt. Des Weiteren kann ein Einstieg die Schüler über die geplanten Arbeitsschritte, sowie über das anvisierte Lernziel informieren.

Er kann überdies die Verantwortungsbereitschaft der Schüler für ihr eigenes Lernen und für die Zusammenarbeit wecken.

Der Einstieg kann den Schülern außerdem Gelegenheit geben, Vorerfahrungen bzw. Vorwissen zu äußern. Als Lehrkraft kann der Einstieg dann auch Gelegenheit geben, die eigenen Vorgaben zu korrigieren (z.B. aufgrund mangelnder Vorkenntnisse der Schüler) (Paradies/Wegner 2007, 17f.).

Mühlhausen und Wegner haben diese Funktionen zu vier Hauptintensionen des Unterrichtseinstiegs zusammengefasst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[2]

Vergl. Mühlhausen/ Wegner 2010

Dabei muss (und kann) nicht jeder Einstieg alle Funktionen gleichzeitig erfüllen!

3.2 Gefahren von Unterrichtseinstiegen

Dem Unterrichtseinstieg wird heute eine große Bedeutung zugeschrieben. Sowohl in der Literatur als auch in der Ausbildung der Lehrkräfte wird er oft als sehr bedeutsames Element des Unterrichts thematisiert. Besonders angehende Lehrkräfte überschätzen daher oftmals die Bedeutung des Unterrichtseinstiegs. Besonders in Lehrproben gestalten Referendare des Öfteren ein „pompöse[s] Feuerwerk, um die Prüfungskommission zu beeindrucken“ (Mühlhausen/ Wegner 2010, S.66). Diese Inszenierung gibt vor allem Anfängern eine gewisse Sicherheit. Jedoch gibt dies den Schülern in dieser Phase oftmals keine Chance sich zu äußern.

Eine weitere Gefahr des Einstiegs ist die Ungewissheit, was momentan in der Klasse anliegt. Hat es einen Streit in der Pause gegeben, den man zuerst klären muss? Haben sich die Schüler zum Stundenbeginn einen Streich ausgedacht? Oder wie reagieren die Schüler auf den Einstieg? Dies macht die erste Phase des Unterrichts zu einer sehr unvorhersehbaren und ungewissen Phase.

[...]


[1] Im Folgenden wird aus Gründen der Leserfreundlichkeit ausschließlich die männliche Form verwendet. Weibliche Personen sind jedoch stets inbegriffen.

[2] Akronym = Sonderfall der Abkürzung

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Unterrichtseinstieg als Motivation für Schüler. Möglichkeiten und Grenzen
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V303952
ISBN (eBook)
9783668025141
ISBN (Buch)
9783668025158
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit wurde im Rahmen des Integrierten Semesterpraktikums angefertigt. Sie soll zur Verknüpfung von Theorie und Praxis dienen.
Schlagworte
unterrichtseinstieg, motivation, schüler, möglichkeiten, grenzen
Arbeit zitieren
Ramona Frommknecht (Autor), 2015, Der Unterrichtseinstieg als Motivation für Schüler. Möglichkeiten und Grenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303952

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