Die vorliegende Seminararbeit widmet sich der Thematik rechtsextremer (im Folgenden mit rex. abgekürzt) Gewalt als menschenfeindliche Ausprägung auf der Handlungsebene. Die Themenwahl erfolgte aus dem Grundgedanke heraus, dass es uns als Bürger eines freiheitlich, demokratischen Staates, normativ alle angeht und daher ein jeder gefordert ist, größtmöglich zu partizipieren an z.B. der Entwicklung und Implementierung Rechtsextremismus (im folgenden mit Rex. abgekürzt) eindämmender Initiativen und Präventionsstrategien.
Der Telos dieser Arbeit liegt sowohl auf der Darstellung rex. Gewalt und die sie beeinflussenden Faktoren am Bsp. rex. Musik als auch auf der Veranschaulichung verschiedener theoretischer Erklärungsansätze bezüglich der Genese von Rex. Dies geschieht unter dem ständigen Leitgedanken – „stellen Rex. und Gewalt stets eine Symbiose oder doch eher ein ambivalentes Verhältnis dar?“ – deren Beantwortung ich mich am Schluss stelle.
Strukturiert ist diese Arbeit so, dass zum besseren Verständnis zunächst die zwei elementaren Begriffe Rex. und Gewalt definiert werden, um dadurch einen thematischen Bezugsrahmen zu schaffen. Danach werden 3 – voneinander divergierende –, theoretische Erklärungsansätze, bezüglich der Genese rex. Gewalt beleuchtet. Anschließend erfolgt eine grobe Skizzierung rex. Gewalt in Deutschland seit 1990, sowie einer daraus abgeleiteten möglichen Verantwortung des Staates. Im Anschluss wird eine argumentative und inhaltliche Textanalyse eines Songs der sog. Schulhof-CD durchgeführt, um zu verdeutlichen, welche Einflüsse rex. Musik auf das Gewaltpotential rex. Gewalttäter haben könnte. Darauf folgt eine Auswertung des Verfassungsschutzberichts von 2010, um hierdurch eine möglich Verharmlosung rex. Gewalt aufzuzeigen.
Abschließend wird die vorangegangene und die gesamte Arbeit durchziehende Leitfrage – ob Rex. und Gewalt eine Symbiose oder ein ambivalentes Verhältnis bilden – beantwortet.
Zudem sei darauf verwiesen, dass geschlechtsspezifische, altersspezifische und Ost-West und internationale Vergleiche außer acht gelassen werden, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Elementare Begrifflichkeiten
2.1 Rechtsextremismus und dessen 6 Dimensionen
2.2 Gewalt als Erscheinung sozialen Zusammenlebens
3. Rechtsextreme Gewalt
3.1 Drei Erklärungsansätze zur Genese
3.2 Eine Grobe Skizze rechtsextremer Gewalt in Deutschland seit 1990
3.3 Der Mord an Amadeu Antonio Kiowa - ein Beispiel für das Ausmaß rechtsextremer Gewalt
3.4 Die Rolle des Verfassungsschutz
4. Einfluss rechtsextremer Musik auf das Gewaltpotential rechtsextremer Gewalttäter
4.1 Textanalyse des Songs „Ein Krieger“
4.2 Schlussfolgerung aus den verwendeten Stilmitteln
5. Schluss: Das Verhältnis von Rechtsextremismus zu Gewalt
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Rechtsextremismus und Gewalt. Ziel ist es, die Genese rechtsextremer Gewalt zu beleuchten, die Entwicklung in Deutschland seit 1990 anhand von Fallbeispielen zu skizzieren und kritisch zu hinterfragen, welchen Einfluss rechtsextreme Musik auf das Gewaltpotential von Tätern ausübt sowie die Rolle des Verfassungsschutzes in diesem Kontext zu bewerten.
- Dimensionen des Rechtsextremismus und Definition von Gewalt
- Theoretische Erklärungsansätze für rechtsextrem motivierte Gewalt
- Analyse rechtsextremer Gewalttaten in Deutschland seit 1990
- Der Einfluss rechtsextremer Musik auf die Radikalisierung
- Kritische Auseinandersetzung mit der Rolle des Verfassungsschutzes
Auszug aus dem Buch
3.1 Drei Erklärungsansätze zur Genese
Im folgenden werden 3 voneinander divergierende Erklärungsansätze, bezüglich der Genese rex. Gewalt dargestellt, um unterschiedliche Perspektiven aufzuzeigen. 1. Erklärungsansatz: Die Verbindung von ökonomischen mit sozialen, kulturellen und psychischen Aspekten von Klaus Wahl. Demnach weisen xenophobe und xenoaggressive Jugendliche beim Umgang mit ethnisch Fremden, eine allg. Ängstlichkeit oder mangelnde Sozialkompetenz auf und parallel dazu, ein durch Autonomie und Selbstbewusstsein geprägtes Selbstbild. Eine Korrelation zwischen ängstlichen und selbstbewussten Auftreten, erklärt Wahl durch die Kausalität zwischen Beziehungen zu Eltern und Fremden während der Kindheit.
Demzufolge haben fremdängstliche und fremdenfeindliche Jugendliche das Gefühl, ihre Familie biete ihnen in Notfallsituationen eher unügenden Schutz, weshalb deren Erinnerungen, bezüglich Fremden, zumeist primär negativ besetzt sind. Daher nimmt Wahl an, dass die Verarbeitung individueller sozio-ökonomischer Situationen, durch die Sozialisation in der Familie erfolgt und Geschehnisse, wie die Wiedervereinigung - bezogen auf die neuen Bundesländer - eher sekundär zur Ausbildung von Fremdenfeindlichkeit beigetragen haben.
2. Erklärungsansatz: Annette Streeck-Fischer's Ansatz beruht indes auf klinischer Psychoanalytik. Hiernach resultiere die Hinwendung zu rex. Einstellungen aus kindlichen und jugendlichen psychosozialen Entwicklungsprozessen. Entscheidend zur Entwicklung einer Fähigkeit zur Rollendistanz, sind ihrer Meinung nach die Kommunikationsprozesse innerhalb der Familie, insb. während der Adoleszenz.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus der Arbeit auf das ambivalente Verhältnis von Rechtsextremismus und Gewalt sowie die methodische Vorgehensweise.
2. Elementare Begrifflichkeiten: Hier werden die zentralen Begriffe Rechtsextremismus und Gewalt definiert, um einen theoretischen Bezugsrahmen für die Untersuchung zu schaffen.
3. Rechtsextreme Gewalt: Dieses Kapitel analysiert verschiedene Erklärungsmodelle zur Entstehung rechtsextremer Gewalt und diskutiert deren Entwicklung in Deutschland seit 1990 anhand von Fallbeispielen und der behördlichen Rolle.
4. Einfluss rechtsextremer Musik auf das Gewaltpotential rechtsextremer Gewalttäter: Dieser Abschnitt untersucht mittels einer Textanalyse, wie Musik als Artikulations- und Manipulationsinstrument zur Gewaltlegitimierung in der Szene genutzt wird.
5. Schluss: Das Verhältnis von Rechtsextremismus zu Gewalt: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung des komplexen Zusammenspiels von Ideologie und Gewalt ab und betont die Bedeutung von Bildung als präventives Mittel.
Schlüsselwörter
Rechtsextremismus, Gewalt, Sozialisation, Musik, Radikalisierung, Verfassungsschutz, Fremdenfeindlichkeit, Ideologie, Prävention, Deutschland, Politik, Soziologie, Psychologie, Extremismus, Diskurs.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse rechtsextremer Gewalt, deren Ursachen und der Rolle, die Ideologie und äußere Einflüsse wie Musik bei der Radikalisierung spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Rechtsextremismus und Gewalt, die Genese rechtsextremer Gewalttaten in Deutschland und die Rolle staatlicher Sicherheitsbehörden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Verhältnis zwischen Rechtsextremismus und Gewalt zu klären und zu beleuchten, wie durch ideologische Indoktrination Gewalt legitimiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine theoretische Aufarbeitung bestehender Ansätze sowie eine qualitative Textanalyse am Beispiel der "Schulhof-CD".
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Erklärungsansätze, eine historische Skizze der Gewaltentwicklung seit 1990 und eine Untersuchung des Einflusses rechtsextremer Musik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Rechtsextremismus, Gewalt, Radikalisierung, Ideologie, Musik, Verfassungsschutz und gesellschaftliche Prävention.
Welche Rolle spielt die Familie laut den Erklärungsansätzen?
Die Familie wird als zentraler Ort der Sozialisation betrachtet, in dem durch Kommunikationsprozesse oder mangelnde Schutzgefühle die Basis für eine spätere Offenheit gegenüber rechtsextremen Ideologien gelegt werden kann.
Wie kritisch bewertet der Autor die Rolle des Verfassungsschutzes?
Die Rolle des Verfassungsschutzes wird scharf kritisiert, insbesondere im Hinblick auf die statistische Erfassung rechtsextremer Gewalt und das Versagen bei der Aufklärung des NSU-Komplexes.
- Arbeit zitieren
- Ronny Hellesch (Autor:in), 2012, Musik als Trigger. Bilden Rechtsextremismus und Gewalt eine Symbiose?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303975