Zwischenstation Mexiko? Lateinamerikanische Migranten auf ihrem Weg in die USA


Masterarbeit, 2015
145 Seiten, Note: 1,5
Chris Herrmann (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Migrationsroute der Zentralamerikaner durch Mexiko

2. Der Migrationsprozess von guatemaltekischen Migranten
2.1 Die wichtigsten Emigrationsmomente seit 1980
2.2 Die aktuelle Migrationssituation
2.3 Die Grenze Mexiko - Guatemala, ein Schmelztiegel verschiedener Migrationsprozesse
2.4 Die Rolle der Frau im guatemaltekischen Migrationsprozess
2.5 Die Geldsendungen der guatemaltekischer Emigranten
2.6 Faktoren, die den guatemaltekischen Migrationsprozess beeinflussen

3. Der Migrationsprozess von salvadorianischen Migranten
3.1 Die wichtigsten Emigrationsmomente seit Beginn des Burgerkriegs 1980
3.2 Die aktuelle Migrationssituation
3.3 Das Migrationsmotiv Gewalt
3.4 Die Rolle der Frau im salvadorianischen Migrationsprozess
3.5 Die Geldsendungen der salvadorianischen Emigranten

4. Der Migrationsprozess von honduranischen Migranten
4.1 Die wichtigsten Emigrationsmomente seit 1990
4.2 Die aktuelle Migrationssituation
4.3 Das Migrationsmotiv Gewalt
4.4 Die Geldsendungen der honduranischen Emigranten

5. Die Zusammenfassung der drei zentralamerikanischen Lander
5.1. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Geschichte der Migrationsprozesse
5.2 Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im aktuellen Migrationsprozess
5.2.1 Die Herkunft der Transitmigranten in Mexiko
5.2.2 Die weiblichen Transitmigranten in Mexiko
5.2.3 Der Familienstand der Transitmigranten in Mexiko
5.2.4 Das Alter der Transitmigranten in Mexiko
5.2.5 Die schulische Bildung und Lohnbeschaftigung der Transitmigranten vor Beginn ihrer Reise
5.2.6 Die Push- und Pull-Faktoren der Transitmigranten von Mexiko
5.2.7 Die intervenierenden Hindernisse im Transit durch Mexiko

Glosssar

Anhang
Fragebogen der Migrantenherbergen
Interview 1
Interview 2
Interview 3

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Einleitung

Weltweitwaren 232 Millionen Menschenlaut der Internationalen Organisation fur Migration im Jahr 2013 Migranten.2

Okonomische und soziale Disparitaten zwischen Emigrations- und Immigrationslandern tragen entschieden dazu bei, dass jahrlich etwa 12 Millionen Menschen3 ihr Heimatland verlassen, sind jedoch nicht die einzigen Motivationen, die Migranten zu einer (temporaren) Emigration bewegen. Die Push- und Pull-Faktoren reichen z.B. vom Arbeitsangebot und dessen Nachfrage, den Bildungschancen, der hoheren Sicherheit im Zielland bis hin zur Familienzusammenfuhrung.

Dennoch werden Migranten weltweit mit ihren individuellen Erlebnissen und Erfahrungen kategorisiert und bekommen, je nach Gesetzeslage der jeweiligen Nation, Status auferlegt, welche ihre Zukunftsperspektiven festlegen.

,,The international community has created many categories to contain people who move, depending on what we perceive to be the reason for their movement, and where they may end up (...). Categorisation is a means of control, designed to confine people within rigid boundaries and contain what possibilities they can have. An implicit hierarchy in the categorisation of migration exists."4

Somit will die vorliegende Arbeit keine Ergebnisse fur den Migrationsprozess der Zentralamerikaner liefern, um abschlieftende Schlussfolgerungen oder Generali-sierungen vorzunehmen. Vielmehr gibt die Untersuchung einen Einblick in die irregulare Transitmigration Mexikos, wie sie von Oktober bis Dezember 2012 in Guadalajara (Zentralmexiko) und im ersten Halbjahr 2013 von sieben Migrantenherbergen in Gesamtmexiko dokumentiert wurde.

Fur die historische Betrachtung sowie fur die Beleuchtung der Ursachen und Auswirkungen der Migrationsstrome wurden Studien von Migrationsforschern, der Internationalen Organisation fur Migration (IOM) und Statistiken vereinzelter Regierungen genutzt. Anhand des Abgleichs dieser Informationen mit den vorliegenden Daten aller Migrantenhauser und denen von der Migrantenherberge FM4 - Paso Libre 5 ergibt sich eine Momentaufnahme der zentralamerikanischen Migration. Weiterhin nimmt die Arbeit Bezug auf die im Juni 2012 in Guadalajara durchgefuhrten Interviews, derenTranskriptionen sich im Anhang befinden.

Kapitel 1 widmet sich zunachst den Migrationsrouten der Zentralamerikaner bis nach Mexiko.

Da 90% der in den Migrantenherbergen dokumentierten Transitmigranten aus Guatemala, El Salvador und Honduras kamen, bezieht sich die vorliegende Arbeit auf die Migrationsprozesse dieser drei Lander, die in den Kapiteln 2 bis 4 separat betrachtet werden. In unterteilten Kapiteln werden die wichtigsten historischen Migrationsmomente, die aktuelle wirtschaftliche Situation der Lander sowie demographische Daten der Migranten, ihre Geldsendungen und die Rolle der Familien und Frauen dargestellt.6

Das zweite Kapitel widmet sich dem Migrationsprozess in Guatemala, das in besonderer Beziehung zu seinem nordlichen Nachbarland Mexiko steht. Da es den Guatemalteken moglich ist, temporar legal nach Mexiko einzureisen und dort zu arbeiten, unterscheidet sich ihr Migrationsprozess von denen El Salvadors und Honduras'. Kapitel 2.2 nimmt Bezug auf dieses Thema und zeigt, wie sich die guatemaltekischen Migrationsstrome verteilen und wie sie im Transitland Mexiko und im primaren Zielland, den USA, wahrgenommen bzw. statistisch erfasste werden. AnschlieRend wird der Wanderungsverlauf der Salvadorianer in Kapitel 3 beschrieben und der Push-Faktor der Bandenkriege beleuchtet, der durch die hohe Anzahl von Totungsdelikten ebenso in Honduras als starkes Migrationsmotiv auftritt und deswegen in den Kapiteln 3.3 und 4.3 separat betrachtet wird.

Kapitel 4 stellt den vergleichsweise jungen Migrationsprozess der Honduraner dar, die aktuell die Mehrheit der Transitmigranten in Mexiko ausmachen. Knapp die Halfte (44%) der im ersten Halbjahr 2013 in den mexikanischen Migrantenherbergen registrierten Personen kamen aus Honduras. Dank der Informationen der Migrantenhauser Mexikos lassen sich demografischen Daten, Migrationsmotivationen und Zielregionen der honduranischen Reisenden benennen. AnschlieRend fasst Kapitel 5 die landerspezifischen Besonderheiten zusammen und zeigt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der aktuellen Migrations-prozesse Guatemalas, El Salvadors und Honduras'. DemgemaR werden demografische Daten und die einzelnen Push- und Pull- Faktoren miteinander verglichen. Weiterhin werden Parallelen in den Migrationsmotiven aufgezeigt. Das letzte Kapitel fuhrt die intervenierenden Hindernisse wahrend des Transits auf, mit denen zentralamerikanische Migranten wahrend ihrer Reise in Mexiko konfrontiertwerden.

1. Die Migrationsroute der Zentralamerikaner durch Mexiko

Wahrend Guatemalteken auf ihrem Weg in die USA direkt nach Mexiko einreisen, mussen Salvadorianer und Honduraner zunachst Guatemala passieren. Seit 2006 konnen sie das legal mit dem CentralAmerica-4 Border ControlAgreement (CA4) und ihrem Reisepass tun.

Im Folgenden erzahlt der Honduraner Rodrigo Lopez, wie sich seine Reise vom Herkunftsland bis zum Beginn der Zugstrecke in Mexiko vollzog:

,,Tome un camion hasta la frontera de Honduras/Guatemala. Y de ahi cruce en Taxi la aduana, la aduana de Guatemala con Honduras. Y luego llegue a una ciudad que se llama Esquipulas y tome un autobus, un camion hasta una ciudad que se llama Santa Elena. Ahl en Santa Elena nos quedamos dormir, toda la noche. El siguiente dla a las cinco en la manana. Este, agarramos una combi para un lugar de Guatemala, ya la media frontera de Guatemala/Mexico. Que se llama ,,la Tecnica". Y as! fue como, ahl llegamos a ,,la Tecnica", cruzamos un lago en lancha. Y luego agarramos un taxi que nos llevo un crucero a agarrar una combi que nos dirigla a Palenque, Tabasco y luego ahl llegamos a la vla del tren.”7

Die ostliche Route durch Mexiko wird auf Grund der dort ansassigen kriminellen Vereinigungen von den Migranten aktuell gemieden, so dass sich der Hauptmigrationsstrom auf die in Abbildung 1 dargestellte Route verlegt.

Dementsprechend antwortete Lopez auf die Frage, warum er sich fur die Route durch Guadalajara entschieden habe: ,, [...] porque he sabido que aqul es mas sano. No hay muchos problemas, no hay maleantes. Por eso me decidl por aca."8

Abb. 1 Die Hauptmigrationsroute von zentralamerikanischen Transitmigranten im Jahr 2013

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Wie im Kapitel 2.2 zu sehen sein wird, reist die Mehrheit der Zentralamerikaner durch den Bundesstaat Chiapas nach Mexiko ein und passiert dabei die Stadt Tapachula. Von dort aus gelangen die Migranten zu den Streckenabschnitten der Guterzuge des Unternehmens FERROMEX9, auf denen sie Richtung Norden reisen und einzelne Migrantenherbergen Mexikos passieren. Neben Tapachula und den Grenzorten Tijuana, Nogales und Ciudad Juarez zeigt Abbildung 1 die funf Migrantenherbergen, die fur die Arbeit die bedeutendsten Informationen lieferten. Dort konnen sich die eintreffenden Personen waschen, Essen und neue Kleidung erhalten und sich von der strapaziosen Reise erholen. Bei Ankunft werden anhand eines von allen Migrantenherbergen genutzten standardisierten Fragebogens kurze Interviews mit ihnen

gefuhrt.10 Auf den Auswertungen und Zusammen-fassungen dieser Fragebogen basieren die in dieser Arbeit verwendeten Informationen.

Abb. 2 Guatemala

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten11

Quelle: Nationalflagge, Guatemala11

2. Der Migrationsprozess von guatemaltekischen Migranten

Mit 15,8 Millionen Einwohnern und einer Gesamtflache von 108.890 km2 ist Guatemala nicht nur das bevolkerungsreichste Land Zentralamerikas, sondern liegt mit einer Bevolkerungszunahme von jahrlich 2,5% uber dem durchschnittlichen Populationswachstum Lateinamerikas.12 Ebenso stellt Guatemala mit einem Bruttoinlandsprodukt von derzeit 53,80 Mrd. US$ und einer jahrlichen Wachstumsrate von 3,7% die groftte Volkswirtschaft Zentralamerikas dar.13 Die vier am haufigsten exportierten Agrarprodukte, die das Land beispielsweise in die USA, El Salvador, Honduras und Mexiko sendet, sind Kaffee (9,7%), Zuckerrohr (9,1%), Bananen (7,1) und Gold (5%).14

Dennoch kommt das grofte wirtschaftliche Potential nicht allen Guatemalteken zugute, sondern bereichert nur wenige. Die Bevolkerung ist von einer groften sozialen Ungleichheit gepragt, die sich exemplarisch in der Diskriminierung der indigenen Bevolkerung und der ungleichen Einkommensverteilung in der Bevolkerung zeigt. So lag das Pro-Kopf-Einkommen im Jahr 2013 bei US$ 3.100, so dass Guatemala laut Auswartigem Amt zu den middle-income-countries und laut Weltbank zu den lower-middle-income- countries zahlt.15

Nach Angaben der Weltbank waren im Jahr 2011 mehr als die Halfte (53,7%) der Guatemalteken von Armut betroffen, von denen 13,3% in absoluter Armut lebten, da ihnen weniger als US$ 1,25 pro Tag zur Verfugung standen.16

Um die Ausgewogenheit der Einkommensverteilung eines Landes zu messen, wird der GINI- Koeffizient (oder GINI-Index) als statistisches Maft angewendet. Mit einem GINI-Index von 52,4 (2011), zahlt Guatemala zu den Landern, die weltweit am meisten von Ungleichheit in der Einkommensverteilung betroffen sind.17

Guatemala weist dennoch ein hoheres Pro-Kopf-Einkommen als Honduras (2013: US$ 2.180) und Nicaragua (2013: US$ 1.790) auf, liegt aber unter dem El Salvadors (2013: US$ 3.720).18 Somit ist das Pro-Kopf-Einkommen zwar nicht das niedrigste Zentralamerikas, die Einkommen sind jedoch derart divergent verteilt, dass die Einkunfte vieler Menschen nicht ausreichen, um ihre Familie zu versorgen, weshalb viele in der Hoffnung auf ein besseres Leben (temporar) emigrieren.

Auffallig ist die Relation zwischen dem Bildungsniveau und dem Zielland der Migranten. Personen mit einem hoheren schulischen Abschluss reisen eher in die USA, wahrend Guatemalteken mit einem niedrigeren Niveau an schulischer Bildung tendenziell nach Mexiko migrieren. Demnach hatten 4,1% der 2009 an der sudmexikanischen Grenze befragten Guatemalteken, die nach Mexiko einreisten einen High School Abschluss19 und 1,3% einen hoherwertigen Abschluss.

Im Vergleich dazu haben 22,5% der in den USA lebenden Guatemalteken laut Pew Research Center einen High School Abschluss und 6,7% einen Bachelor Titel. 57,4% haben keinen High School Abschluss und 13,4% hatten ein Bachelorstudium begonnen, es aber nicht abgeschlossen. Da keine Informationen dazu vorliegen, wo die akademischen Abschlusse stattfanden, ist es ebenso moglich, dass einige Personen ihre schulische Ausbildung in den USA beendeten. Dennoch ist anzunehmen, dass die Mehrheit in die USA reiste, um dort zu arbeiten und somit bereits bei Migrationsinitiierung uber jene akademischen Abschlusse verfugte, die weiterhin ausschlaggebend fur den Verdienst sind. Somit ist der Kostenpunkt der Reise ein weiterer Faktor, der darauf schlieften lasst, dass Personen mit einem niedrigen Niveau an schulischer Ausbildung und demnach mitgeringen finanziellen Mittel vermehrtnach Mexiko einreisen.

esto quiere decir que el flujo a Mexico se encuentra integrado en mayor medida por personas sin escolaridad o con escolaridad primaria, que se desempenan en actividades de baja remuneracion y altos niveles de precariedad."20

Die Migrantenherbergen registrierten zwischen Januar und Juni 2013 2.661 Guatemalteken (20% der insgesamt eingetroffenen Migranten). Infolge der Lebensbedingungen in Guatemala gaben 89% der Personen bei der Befragung an, auf Grund der schlechten finanziellen Situation in ihrem Land emigriert zu sein. Dieser Beweggrund impliziert laut Fragebogen der Herbergen sowohl die hohe Arbeitslosigkeit, als auch den schlechten Lohnausgleich im Land.21 Abbildung 3 veranschaulicht neben diesem Migrationsmotiv andere bedeutende Emigrationsgrunde, wie die Fluchtvor Gewalt, familiare und soziale Grunde.

Abbildung 4 zeigt, dass von den 71 Personen, die aufterten, auf Grund von Bedrohung und Gewalt emigriert zu sein, 44 Personen vor dem organisierten Verbrechen flohen. 15 Befragte gaben an, wegen allgemeiner Gewalt das Land verlassen zu haben, 5 migrierten nach innerfamiliarer Gewalterfahrung, 4 infolge homophober Diskriminierung und weitere 3 Personen verlieften das Land als politisch Verfolgte.

Abb. 3 Migrationsmotive von 2.163 Guatemalteken

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 gewaltbezogene Migrationsmotive von 71 Guatemalteken

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quellen: Eigene Darstellung22

Die Nettomigrationsrate Guatemalas lag im Jahr 2012 bei -2,08 Migranten pro 1.000 Einwohnern,23 In dem Lander-Datenportal Indexmundi liegt Guatemala somit auf Platz 163 von 218 aufgefuhrten Staaten und deren Migrationsraten.24 Durch die hohe Geburtenrate (26,48 pro 1.000 Einwohnern) ist dennoch ein positives Bevolkerungswachstum zu verzeichnen. Es ist davon auszugehen, dass die Nettomigrationsrate weiterhin im negativen Bereich liegen wird, da bei bleibenden Konditionen mehr Personen emigrieren werden. Ein zu beobachtendes Phanomen des zentralamerikanischen Migrationsprozesses ist die Zunahme der minderjahrigen Emigranten, bzw. die Festnahmen von unbegleiteten Minderjahrigen an der Grenze von Mexiko und den USA. Tabelle 1 zeigt, dass im Jahr 2009 1.115 Personen unter 18 Jahren vom US- amerikanischen Grenzschutz festgenommen wurden, wahrend es 4 Jahre spater bereits 17.057 Minderjahrige waren.

Tab. 1 Anzahl der erfassten minderjahrigen Guatemalteken ohne Begleitung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Internetquelle: U.S. Customs Border Protection, Unaccompanied Children

2.1 Die wichtigsten Emigrationsmomente seit 1980

Zu den prinzipiellen guatemaltekischen Emigrationsmomenten der letzten Jahre zahlen die Wirtschaftskrise und der seit den 60er Jahren andauernde sogenannte interne bewaffnete Konflikt,25 der zu Beginn der 80er Jahre schatzungsweise 200.000 Guatemalteken dazu bewegte, nach Sudmexiko zu fliehen. Das Militar ging wahrend des Konflikts nach der sogenannten politico de tierra arrasada vor, unter der es nicht nur Guerilla-Einheiten bekampfte und Zivilisten totete, sondern auch weite Landstriche unbrauchbar machte, in dem es die Ackerflachen abbrannte und die Nutztieren der dort ansassigen meist indigenen Bevolkerung umbrachte.26 Nicht nur aus Angst um ihr Leben, sondern auch, weil ihnen die Lebensgrundlage genommen wurde, war die Bevolkerung somit zur Flucht gezwungen. Nach Schatzungen der UNO, gehorten 83% der getoteten Guatemalteken der indigenen Bevolkerung an.27

Die Autorinnen Freyermuth und Godfrey fassen die Auswirkungen der 80er Jahre wie folgt zusammen:

,,Como resultados de estas politicas, para 1990, unos 440 pueblos habian sido borrados del mapa, un millon de personas habian sido desplazadas dentro del pais, 250.000 ninos estaban huerfanos y habia 40.000 desaparecidos."28

Da der Fluchtlingsstrom in den fruhen 80er Jahren somit rasant zunahm, kamen 46.000 guatemaltekische Fluchtlinge zunachst in UN-Fluchtlingsunterkunften in den mexikanischen Bundesstaaten Chiapas, Campeche und Quintana Roo unter.29 Bis zum Ende des Jahres 1982 wurde ein wochentlicher Fluchtlingsstrom von bis zu 400 Personen verzeichnet, bei dem die Mehrheit ebenfalls die Bevolkerung aus dem landwirtschaftlich genutzten Hochland bildete.

,,According to the army's own figures, its operations destroyed 440 highlands villages during the most intense period (1981-83). Some 150,000 (primarily highlands Mayas) were killed or "disappeared" in the early 1980s [...]."30 °

Infolge der Auseinandersetzung zwischen Militar, Guerilla und Rebellentruppen stiegen die offiziellen Zahlen der in Mexiko residierenden Guatemalteken innerhalb von 10 Jahren von 4.115 (1980) auf 46.005 (1990) an.31

1994 befanden sich laut der mexikanischen Fluchtlingskommission weiterhin 30.059 Fluchtlinge und deren in Mexiko geborene Nachkommen auf mexikanischem Territorium.32 Trotz der weitreichenden Folgen dieses Konflikts kehrten 1989 bereits 4.000 Personen freiwillig nach Guatemala zuruck. Die meisten Fluchtlinge verlieften Mexiko innerhalb der Ruckfuhrungsprogramme in den Jahren 1996 und 1999. Somit stieg die Zahl der Remigranten nach Angaben von COMAR33 im Jahr 1999 auf 42.737 an.34 Messbare Grunde fur die hohen Zahlen und den schnellen Anstieg der Ruckkehrer lagen laut Alfaro Ramirez in dem sozialen und kulturellen Umdenken der Fluchtlinge. Demnach beengte das Leben in den Fluchtlingsunterkunften viele Guatemalteken so sehr, dass sie sich in ihrer Freiheit eingeschrankt sahen und nicht weiter im Suden Mexikos leben, sondern in ihre Dorfer zuruckkehren wollten. Die ungewohnte Situation, Grundbedurfnisse von Organisationen wie COMAR und ACNUR35 organisieren und sichern zu lassen, verstarkte das Gemeinsamkeitsgefuhl und den Zusammenhalt vieler Guatemalteken, die es gewohnt waren, sich auf kleinen landwirtschaftlichen Flachen selbst zu versorgen.

,,Una parte de los refugiados pensaron que en lugar de permanecer indefinidamente "refugiados" su verdadero porvenir estaba en Guatemala, su pais natal, al que debian volver organizados para reclamar lo que les habia sido negado: libertad, propiedad, derechos humanos y, sobre todo, el derecho de ser guatemaltecos."36

Wahrend einige Guatemalteken demnach temporar Schutz in Fluchtlingsunterkunften suchten und anschlieftend in ihre Heimat zuruckkehrten, immigrierten andere Personen in die USA oder Kanada.

Abbildung 5 zeigt hierzu die Einwanderungszahlen und Aufenthalts-genehmigungen von Guatemalteken in den USA. Dementsprechend erhielten zwischen 1980 und 1989 doppelt so viele Guatemalteken (58.847) wie im vorherigen Jahrzehnt (23.837) ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht. Die Beantragung von Asyl in den USA gestaltete sich in den 80er Jahren trotz des bewaffneten Konflikts schwierig, da die Regierung unter Ronald Reagan die guatemaltekische Militarherrschaft wahrend des Konflikts unterstutzte37 und es somit fur die wenigsten Guatemalteken Aussicht auf die Anerkennung des Fluchtlingsstatus gab. Dennoch nahm die guatemaltekische Immigration in die USA nicht ab, vielmehr reisten vermehrt Migranten ohne die sie autorisierenden Papiere ein, so dass sich die tatsachliche Quantitat der guatemaltekischen Immigranten auf Grund der hohen Dunkelziffer der undokumentierten Einwanderer nicht darstellen lasst. Dennoch gibt Abbildung 5 einen Uberblick uber die ungefahre Quantitat der Einwanderungszahlen im Vergleich zu den Aufenthaltsgenehmigungen. Somit wird deutlich, dass lediglich einem Bruchteil der Personen der permanente Aufenthalt gewahrt wurde. Weiterhin ist zu erkennen, dass die Immigration von Guatemalteken in die USA in den letzten Jahrzehnten exponentiell zunahm. Somit registrierten die US-Behorden im Jahr 1970 17.356 Guatemalteken in den USA, wahrend 20 Jahre spater bereits 225.739 Personen dokumentiert wurden. Innerhalb von 10 Jahren stieg deren Zahl um 65%, auf 372.487 bzw. innerhalb von 20 Jahren um 360% auf 1.044.209 Personen, so dass sich ein exponentieller Anstieg der Einwanderung von Guatemalteken in die USA ergibt. Die Aufenthaltsgenehmigungen stiegen ebenso an, zeigen allerdings lediglich bis Ende der 90er Jahre ein lineares Wachstum, da sie sich innerhalb eines Jahrzehnts konstant verdoppelten. Ab dem Jahr 2000 war das nicht mehr der Fall, so dass die Aufenthaltsgenehmigungen zwar von 126.043 (1990-1999) auf 156.992 (2000-2009) anstiegen, die Zunahme allerdings lediglich bei 24% lag.

Abb. 5 Einwanderungszahlen und Aufenthaltsbewilligungen von Guatemalteken in den USA (1970-2010)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle : Eigene Darstellung38

Ungeachtet der Tatsache, dass also nur einige Migranten eine permanente Aufenthaltsgenehmigung erhielten, beantragten Guatemalteken in den 90er Jahren sowohl infolge der Auswirkungen des Konflikts als auch auf Grund der landwirtschaftlichen Krise (crisis del maiz) weiterhin Asyl.39 Durch die ungleiche Landverteilung war es den Einwohnern nicht moglich, sich autark zu versorgen, weshalb sie unter dem zu Beginn der 90er Jahre stark angestiegenen Maispreis litten. Nach Angaben von Freyermuth und Godfrey besaften 2,1% der Bevolkerung 62% der Agrarflachen, wahrend mehr als 87% der Einwohner ohne jeglichen Landbesitz waren.40

Nicht nur die anhaltenden schlechten Lebensbedingungen in Guatemala sorgten als Push-Faktor fur einen weiteren Anstieg der Immigration in die USA. Daruber hinaus rief das fortschreitende Wirtschaftswachstum der USA und der gestiegene Bedarf an Arbeitern eine erhohte Anziehungskraft hervor.

Die IOM fasst die Push- und Pull-Faktoren wie folgt zusammen:

,,Durante la decada de los anos 90, la emigracion guatemalteca se intensifica exponencialmente por la implementacion de politicas de ajuste estructural y la disminucion del estado de bienestar en temas de acceso a vivienda, salud y educacion. Situacion que provoco que miles de guatemaltecos emigraron. Asimismo en estados Unidos de America, el crecimiento economico durante la decada de los 1990 demando mano de obra en los sectores de la construccion y servicios, asi como en la agricultura, lo cual atrajo a miles de migrantes."41

Wie bereits in Abbildung 5 dargestellt, ereignete sich die groftte Einwanderungswelle von Guatemalteken in die USA zwischen den Jahren 2000 und 2010, in denen nach offiziellen Angaben 671.722 Migranten einwanderten. Knapp die Halfte (48,1%) der in den USA lebenden Guatemalteken immigrierten demnach zwischen 2000 und 2010, wahrend 24,7% in den 10 Jahren davor und 27,2% vor 1990 einreisten.42 Diese Steigerung vollzog sich trotz der hohen Ruckfuhrungszahlen von Guatemalteken aus den USA und Mexiko. In Abbildung 6 ist der Verlauf der Ruckfuhrungszahlen von 2002 bis 2014 ablesbar. Die Ruckfuhrungsquote von Guatemalteken aus Mexiko erreichte 2005 ihren Rekord mit 99.315 Abschiebungen, anschlieftend kam es bis zum Jahr 2010 zu einem konstanten Abfall der Rate (28.090 Ruckfuhrungen). In den USA nimmt die Quote jahrlich konstant zu, wobei sie die von Mexiko bis zum Jahr 2010 weit unterschritt. Beispielsweise wurden im Jahr 2002 5.396 Guatemalteken aus den USA festgenommen und zuruckgefuhrt, wahrend es im gleichen Jahr in Mexiko 67.336 Guatemalteken waren. Die Abschiebungen in den USA erreichten 2013 ihr Rekordhoch von 50.221.43 Ein Jahr spater stieg die Ruckfuhrungszahl in Mexiko im Vergleich zu 2013 um 34% auf insgesamt 45.114 Ruckfuhrungen.44

Abb. 6 Abschiebungen von Guatemalteken aus den USA und Mexiko

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung45

An den steigenden Ruckfuhrungszahlen ist also auch eine Zunahme der guatemaltekischen Emigration zu erkennen. Demnach veranlasst die andauernde wirtschaftlich nachteilige Situation immer mehr Personen dazu, Guatemala zu verlassen und in die USA zu migrieren. Im Jahr 2010 kamen somit bereits 2,1% der gesamten hispanoamerikanischen Einwanderer in den USA aus Guatemala.46 Uber die Motive, die sie dazu bewegen, ihr Land zu verlassen, gibt das folgende Kapitel Aufschluss.

2.2 Die aktuelle Migrationssituation

Im Jahr 2012 waren 2,1% der gesamten 40.824.553 Einwanderer der USA guatemaltekischer Herkunft, so dass ihnen ein Anteil von 4% der gesamten Einwanderer aus Lateinamerika und der Karibik zukam.47

Von den Guatemalteken, die 2013 in den sieben Migrantenhausern nach ihrem Migrationsziel gefragt wurde, gaben 71% (1881) an, in die USA immigrieren zu wollen, 14% (375) nannten Mexiko als Ziel und 15% (412) andere Staaten.48 Die USA sind demnach zwar das beliebteste Ziel fur guatemaltekische Migranten, bedingt durch verschiedene intervenierende Hindernisse kann sich dieser Bestimmungsortauf der Reise jedoch (temporar) andern.

Abbildung 7 veranschaulicht hierzu, wie oft Guatemalteken bereits versuchten, in die USA zu gelangen. Diese Statistik involviert sowohl Guatemalteken, die freiwillig in ihr Land
zuruckkehrten, als auch Migranten, die auf Grund fehlender Dokumente zuruckgefuhrt wurden. Dennoch ist davon auszugehen, dass die Mehrheit von ihnen von den mexikanischen und US- amerikanischen Migrationsbehorden zuruckgefuhrt wurden, da eine Reise in die USA sehr energie- und kostenaufwandig ist und sich deshalb nur wenige Guatemalteken das freiwillige Hin- und Herreisen leisten konnen.

Mehr als ein Drittel der in den Herbergen dokumentierten Migranten (37%) gab demnach an, die Wanderung nicht zum ersten Mal zu unternehmen, sondern es bereits mindestens einmal versucht zu haben, in die USA zu gelangen. Somit unternahm ein Viertel der Befragten die Reise bereits zum zweiten Mal, wahrend sich 11% mindestens auf ihrer dritten Wanderung befanden.

Abb.7 Anzahl der Unternehmungen von Guatemalteken in die USA zu gelangen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Vgl. Red de Documentacion de las Organizaciones Defensoras de Migrantes, Vol.1 (2013), S.97.

Jene Guatemalteken, welche die USA erreichen, siedeln sich haufig dort an, wo sich bereits Netzwerke etabliert haben, sie auf Familie und Freunde treffen oder wo sie eine Arbeitsmoglichkeit erwarten. Somit befand sich im Jahr 2012 die Mehrheit der Guatemalteken und deren Nachkommen, welche in den USA geboren wurden, in den Bundesstaaten Kalifornien (410.372), Florida (97.472), Texas (81.701) und New York (79.233).49

2.3 Die Grenze Mexiko - Guatemala, ein Schmelztiegel verschiedener Migrationsprozesse

Um in die USA zu gelangen, mussen Migranten aus Zentralamerika zunachst Mexiko durchqueren, wobei diese Reise meistens im Suden des Bundesstaates Chiapas beginnt. Dementsprechend intensivierte sich die Migrationsdynamik in den letzten Jahren prinzipiell in der Region Soconusco, im sudlichen Chiapas, mit der Stadt Tapachula als Knotenpunkt fur die ankommenden Migranten aus Zentralamerika.50 Die zweitgroftte Stadt des sudmexikanischen Bundesstaates bildet eines der wichtigsten Wirtschaftszentren Chiapas' und gestaltet sich durch das tagliche Eintreffen von guatemaltekischen Arbeitern, die nahe der Grenze Mexikos wohnen und durch die Transitmigranten aus vorrangig zentralamerikanischen Landern, zu einer internationalen Stadt. So fanden im Jahr 2009 84,9% der dokumentierten Grenzubergange in den guatemaltekischen Grenzstadten El Carmen und Tecun Uman statt, von denen die Personen auf ihrer Reise gen Norden direkt nach Tapachula gelangen.51 An diesem Ort treffen somit verschiedene Gruppierungen mit unterschiedlichen Intentionen der Anreise aufeinander.

Aus einer statistischen Erhebung, welche 2009 die tagliche Fluktuation von Guatemalteken an der sudlichen Grenze Mexikos untersuchte, geht hervor, dass 44% der Erfassten fur weniger als 24 Stunden nach Mexiko einreisen und sich somit temporar in den mexikanischen Grenzorten aufhalten, um anschlieftend wieder nach Guatemala zuruckzukehren. Die tagliche Reise kann hierbei bis zu funf Stunden in Anspruch nehmen.

,,Si su lugar de origen es cercano, el camino puede durar cuatro o cinco horas. Pero, si esta alejado, tienen que salir muy temprano (4:00 o 5:00 hrs.) para estar cruzando la frontera a las 17:00 o 18:00 hrs., incluso mas tarde. Por lo general, el trayecto lo hacen caminando; estando ya en Mexico se desplazan por medio de transporte publico."52

Jene Migranten weisen die Merkmale eines transnationalen Lebens auf, da sie sowohl soziale als auch Arbeitsnetzwerke im Nachbarland konstruieren und aufrechterhalten. Ebenso lasst sich diese Art von Wanderung als Pendelmigration bezeichnen, da ein regelmaftiger Migrationsfluss zwischen Herkunfts- und Zielgebiet besteht.53 4 7% dieser Migranten passieren taglich die Grenze, um ihre Waren zu verkaufen und kehren anschlieftend wieder zuruck in ihre anliegenden Grenzdorfer.54 Weiterhin arbeiten 29% von ihnen im Dienstleistungsgewerbe sowie 20% im Bauwesen, wahrend die verbleibenden 4% in der Landwirtschaft und der industriellen Produktion tatig sind.55 Demnach sind mehr als zwei Drittel der Personen, die taglich nach Mexiko einreisen im tertiaren Wirtschaftssektor tatig.

Zusammenfassend ergeben sich folgende Eigenschaften fur diese Migrantengruppe: Die knappe Mehrheit der taglich passierenden Migranten ist mannlich (58,9%), zwischen 20 und 29 Jahren alt (37%), besitzt eine abgeschlossene 6-jahrige Grundschulausbildung (38,7%) und passiert prinzipiell als vendedor ambulante 56 die sudmexikanische Grenze (47%). Mehr als die Halfte reist mit den erforderlichen Dokumenten nach Mexiko ein (58,3%).57

Fur Guatemalteken ist es moglich, mit der sogenannten Tarjeta de Visitante Regional bis zu drei Tage im mexikanischen Grenzgebiet von bis zu 40km zu verweilen, um Verwandte zu besuchen oder Einkaufe zu erledigen. Jedoch befugt sie diese temporare Aufenthaltsgenehmigung nicht dazu, in Mexiko zu arbeiten.58 Im Jahr 2001 wurden an den drei Grenzubergangen in der Region Soconusco 1.092.972 Passanten mit dieser Genehmigung registriert. Somit uberquerten 55,6% aller visitantes regionales aus Guatemala die mexikanische Grenze in diesem Gebiet.59 Neben den taglich anreisenden Guatemalteken, immigrieren 56% der in der Erhebung erfassten Migranten mit der Intention, sich langer als 24 Stunden in Mexiko aufzuhalten. Von ihnen arbeiten 62,1% im Agrarwesen, 18% im Dienstleistungssektor und 10% im Bauwesen. Die weiteren 9,9% entfallen primar auf Migranten, die sich als vendedores ambulantes und der industriellen Produktion widmen, wodurch sie sich grundlegend von den taglich passierenden Migranten unterscheiden, welche zu 76% im tertiaren und zu 4% im primaren Wirtschaftssektor tatig sind.

Grundsatzlich lassen sich also folgende Merkmale fur diese Migrantengruppe zusammenfassen: Die Mehrheit der Migranten, welche vorhaben, sich langer als 24 Stunden in Mexiko aufzuhalten und nicht in die USA zu reisen (82%), ist mannlich (82%), zwischen 20 und 29 Jahren alt (32,2%), besitzt keine abgeschlossene Grundschulausbildung (35,4%), ist vorzugsweise im landwirtschaftlichen Sektor tatig (62,1%) und reist ohne die erforderlichen Dokumente ein (62,8%).60

Das sogenannten Forma Migratoria para Visitantes Agricolas (FMVA) genehmigt Guatemalteken, bis zu einem Jahr im Bundesstaat Chiapas in der Landwirtschaft zu arbeiten und befugt sie dazu, innerhalb des Jahres so oft sie wollen aus- und wieder einzureisen.61

Ebenso konnen Migranten aus Belize und Guatemala mit der Tarjeta de Visitante Trabajador Fronterizo legal in der Grenzregion bis zu einem Jahr arbeiten, sofern sie einen Nachweis der Anstellung vom Arbeitgeber erbringen konnen.62

Neben den guatemaltekischen und belizischen Arbeitern und Besuchern, uberquerten im Jahr 2005 58,4% der registrierten Personen als Touristen die sudmexikanische Grenze. In jenem Jahr stellten die Behorden in dieser Region 22.888 Touristenvisa aus.63

Bei den zentralamerikanischen Transitmigranten lasst sich nicht mit Bestimmtheit sagen, an welchen Grenzabschnitten des sudlichen Mexikos die Grenze am haufigsten ubertreten wird. Jedoch lasst sich anhand der Zahlen der Festnahmen vermuten, dass die meisten der undokumentierten Migranten im Bundesstaat Chiapas die Grenze uberqueren. Nach Angaben des mexikanischen Instituto Nacional de Migracion wurden zwischen Januar und November 2012 von allen festgenommenen Migranten, die sich ohne Dokumente in Mexiko befanden, 48,9% im Bundesstaat Chiapas dokumentiert. Ebenso wurde in dieser Region die Halfte aller gesamten Internierungen in den mexikanischen Migrationsstationen gezahlt.64 Die Mehrheit der Inhaftierten (45,3%) und der zuruckgefuhrten Personen (43,8%) kamen laut dieser Statistik aus Guatemala.65

2.4 Die Rolle der Frau im guatemaltekischen Migrationsprozess

Aus den vorangegangenen Daten der Erhebungen an der sudmexikanischen Grenze geht hervor, dass die meisten guatemaltekischen Migranten mannlich sind. Dennoch wird im Folgenden der Migrationsprozess von Guatemaltekinnen betrachtet, da sie ein Viertel (24,8%) aller registrierten Migranten aus Guatemala ausmachten, welche von 2004 bis 2009 nach Mexiko einreisten und Frauen durch ihre besonders vulnerable Position in der zentralamerikanischen Transitmigration eine gesonderte Rolle zukommt. Laut der Erhebung passierten von 2004 bis 2009 662.856 weibliche Migranten die Grenze von Guatemala nach Mexiko.66

Unterschiede in der Quantitat der migrierenden Guatemaltekinnen werden bei Betrachtung der geplanten Aufenthaltszeit sichtbar. Wahrend fast die Halfte (41,1%) der taglich passierenden Guatemalteken weiblich ist, sind es lediglich 18% der Migranten, die einen langeren Aufenthalt in Mexiko planen.67 Dieser Wert deckt sich weitestgehend mit dem prozentualen Anteil weiblicher Transitmigranten, die 2013 in den sieben Migrantenhausern erfasst wurden. Wahrend in den zwei Herbergen im Suden Oaxacas jeweils 17% (34 von 205) und 8% (601 von 7204) der Migranten weiblich waren, lag der prozentuale Anted der Frauen in den Migrantenhausern in nordlicheren Bundesstaaten konstant im einstelligen Bereich, was sich ebenso durch die hohen Ruckfuhrungszahlen erklaren lasst. Die zentralmexikanische Migrantenherberge FM4 - Paso Libre beispielsweise verzeichnete einen weiblichen Migrationsanteil von 5% (120 von 2300). Ebenso vermerkte die Herberge in Gerardi (Nordmexiko) eine weibliche Quote von 7% (26 von 365) unter den eingetroffenen Migranten.

Rojas Wiesner differenziert Migrantinnen der Grenzregion von Guatemala und Mexiko in ihrer 2007 veroffentlichten Forschungsarbeit und ordnet sie in 3 prinzipielle Kategorien:

1. Migrantinnen, die an der sudmexikanischen Grenze temporar arbeiten
2. Zentralamerikanische Migrantinnen im Transit Richtung Norden
3. Mexikanische Migrantinnen auf der Reise Richtung Norden68

In der von Rojas Wiesner zusammengefassten ersten Gruppe finden sich Guatemaltekinnen, die in der sudmexikanischen Grenzregion prinzipiell im Dienstleistungssektor, Handel oder der Landwirtschaft tatig sind. Die Mehrheit der dokumentierten Migrantinnen (71%), die fur mehr als einen Tag die mexikanische Grenze uberquert, arbeitet im Dienstleistungssektor. Von ihnen sind 63,7% in privaten Haushalten angestellt. Die meisten dieser Arbeitsmigrantinnen sind zwischen 12 und 20 Jahren alt und kehren etwa alle zwei bis drei Monate zuruck nach Hause.69 Im Gegensatz dazu arbeiten Guatemaltekinnen, die weniger als einen Tag in Mexiko verbringen, groRtenteils als StraRenhandlerinnen (72,2%).70

In einer weiteren Untersuchung uber Migrantinnen im sudlichen Mexiko zeigt Casillas auf, dass der Familienstand ein wesentlicher Faktor ist, der die temporare feminine Arbeitsmigration nach Mexiko beeinflusst. Laut Casillas sind demnach einige der regelmaRig in Mexiko arbeitenden Guatemaltekinnen ledig und hat ein bis zwei Kinder im Heimatland.

,,Estar casadas o en union libre les dificulta desempenar sus actividades laborales, sea porque las familias con las que trabajan no se los permite, el marido no lo acepta, o la crianza de los hijos y las tareas del hogar se les dificulta. Empero, varias de ellas son madres solteras con uno o dos hijos, y unas pocas estan casadas o viven en union libre."71

Besonders sehr junge Migrantinnen, die in den privaten Haushalten arbeiten, unterliegen der Gefahr, Opfer sexuellen Missbrauchs zu werden. Die Tater konnen aus der Arbeitgeberfamilie und deren Bekanntenkreis kommen. Daruber hinaus werden die Frauen erpresst und genotigt, niemanden von dem Missbrauch zu erzahlen. Bei Zuwiderhandlung wurde man sie bei der Migrationsbehorde anzeigen (sofern sie sich irregular in Mexiko befanden), sie entlassen, das Gehalt kurzen oder ganz einbehalten, sie eines Delikts beschuldigen oder schlecht vor ihrer Familie und Freunden uber sie reden.72

In der Gruppe der Transitmigrantinnen finden sich zunehmend haufiger Frauen, die weder aus Zwecken der Familienzusammenfuhrung, noch als Begleitung einer anderen Person reisen, sondern die Wanderung individuell vornehmen. Grundsatzlich emigrieren Guatemaltekinnen ebenso wie die mannlichen Migranten aus wirtschaftlichen Grunden. Ihre Intention ist somit prinzipiell die, eine Lohnarbeit in den USA zu finden. Rojas Wiesner bezieht sich in ihrer Untersuchung zu guatemaltekischen Migranten auf eine Studie aus dem Jahr 1999, in der festgestelltwurde, das lediglich eine von zehn guatemaltekischen Migrantinnen aus Grunden der Familienzusammenfuhrung ihr Heimatland verlasst.73 Hierfur sprechen ebenso die Zahlen der statistischen Erhebung an der sudlichen mexikanischen Grenze aus dem Jahr 2009. Wahrend 69,1 % der Frauen, die fur weniger als 24 Stunden die Grenze passierten, angaben, die Ehefrau des Haushaltsvorstandes zu sein, sind es bei den Migrantinnen, welche fur mehr als einen Tag emigrierten, lediglich 37 %. Die Mehrheit in dieser Migrantengruppe bildeten mit 57,7% die Tochter des Haushaltsvorstandes.74 Junge Frauen emigrieren demnach, ebenso wie mannliche Guatemalteken, um ihren Eltern im Heimatland Geld zu schicken, bzw. ihren Kindern und sich selbst eine bessere Zukunft zu ermoglichen. Dass Frauen uberwiegend zu Zwecken der Familienzusammenfuhrung emigrieren, bzw. als Begleitung des Migrationsinitiators, ist demnach ein uberholtes Stigma, welches den aktuellen Migrationsprozessen angepasst werden muss. Demgemaft gibt Rojas Wiesner an, dass 80% der Frauen die Migrationsentscheidung allein treffen, ohne die Intervention anderer Personen.75 Viele dieser Migrantinnen treffen jedoch nicht nur die Entscheidung allein, sondern reisen ebenso ohne Begleitung in die USA. So gaben in der Migrantenherberge FM4 - Paso Libre 85,7% der 261 befragten Migrantinnen an, ohne eine Begleitperson zu reisen.76

Da der Aufenthalt, bzw. die Reise von Transitmigrantinnen temporar nicht festgelegt ist und von verschiedenen Faktoren abhangt, ist es schwierig, die expliziten Arbeitssektoren dieser Migrantengruppe darzustellen.

Wahrend einige uber ausreichend Ressourcen (soziale Netzwerke, finanzielle Mittel, Verpflegung) verfugen und die Region Soconusco lediglich passieren und gen Norden reisen, mussen andere fur einige Zeit in Chiapas verweilen, um dort Geld fur die Weiterreise zu erarbeiten.

Neben den hohen Kosten der Reise erschwert die permanente Regelwidrigkeit ihres Aufenthaltsstatus in Mexiko die Wanderung. Folglich fuhren Raububerfalle, Notigung, sexuelle Gewalt und Festnahmen zu einer temporaren Unterbrechung bzw. zu einem kompletten Abbruch der Migration.77

Unter den Migrantinnen, welche nicht uber ausreichend finanzielle Mittel verfugen, um direkt weiterzureisen, finden sich ebenso Frauen, welche als Prostituierte auf der StraRe, in Bars und Bordellen arbeiten. Einige sind Jahre in dieser Branche tatig, bis sie weiterreisen bzw. nach Guatemala zuruckkehren, andere entscheiden sich in Mexiko zu bleiben, sofern sie beispielsweise Kinder haben, die in Mexiko geboren wurden.

,,Algunas de ellas pueden tardar anos para proseguir a Estados Unidos; otras, incluso ya no intentan seguir con su proposito inicial y deciden regresar a su pais de origen, o se quedan en Mexico en donde ya se han establecido y han nacido sus hijas e hijos."78

Viele dieser Migrantinnen, die in diesem Sektor arbeiten sind dem Risiko ausgesetzt, ungewollt schwanger zu werden, Drogen zu konsumieren und an Krankheiten wie Hepatitis oder Aids zu erkranken. Weiterhin ist es nicht allen moglich, eine Unterkunft zu finden oder diese zu finanzieren, wodurch sie dadurch gezwungen sind, auf der StraRe zu leben und sich zu prostituieren.79

Unabhangig davon, ob weibliche Migranten temporar im sudlichen Mexiko arbeiten, das Gebiet als Transitmigrantinnen durchqueren oder, bedingt durch verschiedene Faktoren, dort sesshaft werden, sind sie einem hohen Gefahrdungspotential ausgesetzt. Auch wenn sie in Mexiko mehr Geld als in Guatemala erwirtschaften konnen, bedeutet das nicht, dass sie einen, von Mexikanerinnen gleichwertigen Lohn erhalten.

2.5 Die Geldsendungen der guatemaltekischer Emigranten

Eine von der IOM im Jahr 2006 durchgefuhrte Studie zum Thema Geldsendungen von guatemaltekischen Migranten verdeutlicht, dass die sogenannten Remesas eine bedeutende Einnahmequelle fur das Land darstellen. In der Untersuchung erfassten die Forscher fur jenes Jahr US$ 3.425 Mrd., welche Guatemalteken aus dem Ausland ihren Familien zukommen lieRen.80 Von insgesamt 1.413.486 Guatemalteken im Ausland, schickten etwa 83%, (1.177.905

Personen) Geld an ihre Familien. Somit ergibt sich fur das Jahr 2006 ein Durchschnittsbetrag von etwa US$ 2900 pro Migrant, bzw. von US$ 242 pro Migrant und Monat. Abgesehen von dem durch die Finanzkrise bedingtem Einbruch der Geldsendungen im Jahr 2009, nehmen die Geldsendungen nach Guatemala konstant zu. So wurde von 2011 bis 2012 ein Anstieg von 8,5% und von 2012 bis 2013 ein Anstieg von 6,4% verzeichnet. Im Jahr 2014 nahmen die Geldsendungen um weitere 8% zu und beliefen sich somit aufUS$ 5.544 Mrd., die bisher hochste gemessene Summe an Remesas in Guatemala.81

Bei Betrachtung der Quantitat der Geldsender fallt auf, dass sich deren Anzahl im Jahr 2005 stark von den anderen Jahren unterscheidet. Obwohl sich in jenem Jahr nicht mehr Guatemalteken im Ausland befanden, sendeten dennoch mehr Personen als ublich Geld nach Guatemala. So ist in den Jahren vor und nach 2005 ein konstanter jahrlicher Anstieg von ca. +3% zu verzeichnen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Anzahl im Jahr 2005 allerdings um mehr als das Doppelte des Ublichen an (+7,6%). Ausloser dieser starken Differenzierung waren die Auswirkungen eines im Oktober 2005 uber Zentralamerika und den Suden Mexikos hinwegziehenden Hurrikans, der vor allem weite Teile Guatemalas und El Salvadors verwustete. In Guatemala war die sudliche Grenzregion San Marcos am starksten von Uberschwemmungen, Erdrutschen und Schlammlawinen betroffen.82 Vor allem die landlich lebende Bevolkerung, welche bereits vorher von Armut betroffen war, verlor ihre Hauser und durch die Zerstorung der landwirtschaftlich genutzten Flachen auch ihre Lebensgrundlage.

Guatemalteken im Ausland halfen durch ihre Geldsendungen finanziell ihren Verwandten beim Wiederaufbau der zerstorten Gebiete. Die Geldsendungen stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im Oktober 2005 um 27,6% an.

,,Banguat dijo en su reporte que octubre fue el mes del 2005 en el que se recibieron mayor cantidad de remesas, con 278.1 millones de dolares frente a los 218 millones del mismo mes del ano pasado."83

Somit ist das Solidaritatsempfinden fur die Heimat in schwierigen Zeiten besonders stark und animiert die Migranten zu mehr Anteilnahme, die uber ein bestehendes Verwandtschaftsgefuge hinausgeht und einen Grenzen ubergreifenden Zusammenhalt darstellt.84

Die bereits erwahnte Untersuchung der IOM aus dem Jahr 2006 ergab, dass 3.753.386 Guatemalteken (2.653 Mio. Haushalte) Geld von 1.177.905 Familienangehorigen im Ausland erhielten. Die Remesas kamen fast ausschlieftlich aus den USA (98,6%). Die restlichen Geldsendungen erhielten die Haushalte aus Kanada (0,5%), Mexiko (0,35%) und vereinzelten anderen Landern (0,55%).85

Nach Aussagen der IOM befanden sich im Jahr 2010 1.044.209 Guatemalteken in den USA, wo sie prinzipiell im Baugewerbe (18%), im Verwaltungswesen (15,6%) und in der Gastronomie (15,1%) tatig waren.86 Die Mehrheit hielt sich im Bundesstaat Kalifornien (332.737), vorrangig in Los Angeles (32,5% aller Guatemalteken in den USA) auf. Dementsprechend kamen mehr als ein Drittel aller Geldsendungen (36,5%) aus Kalifornien (2006: 1.247 Mio. US$), gefolgtvon New York, Florida und Texas (siehe Tabelle 3).

Tab. 2 Geldsendungen aus den USA im Jahr 2006

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung87

Ebenso wurde untersucht, von welchem Familienmitglied die Geldsendungen stammen. Hierbei fallt auf, dass die Mehrheit der Sender die Kinder der Familien sind (47,2%), was folglich mit den in den Migrantenherbergen angefertigten Statistiken zum Durchschnittsalter der Migranten ubereinstimmt. So waren 56,7% der dort eingetroffenen Migranten junger als 29 Jahre.88

Ein weiterer interessanter Aspekt der Studie sind die Informationen zu den Empfangern der Geldsendungen sowie die Daten uber die Ausgaben der Geldsendungen.

Demnach gelangen 57,2% des Geldes in landliche und 42,8% in urbane Gebiete des Landes. Unter den 3.753 Mio. Empfangern sind 54,6% der Begunstigten weiblich und 45,4% mannlich.89

Wahrend 35,7% der Geldsendungen investiert, bzw. fur spatere Anschaffungen angelegt werden, flieRen 64,3% in den taglichen Konsum. Abbildung 8 zeigt hierzu die prozentuale Verteilung der Ausgaben der Remesas. So gaben jene Haushalte, die 2006 Geld aus dem Ausland erhielten, an, 39,6% ihrer Gesamteinnahmen fur den taglichen Bedarf, wie Lebensmittel, Getranke und Tabak auszugeben. 20,3% des Geldes flieRt in die Behausung und in Dienstleistungen. 9,6% geben die Guatemalteken fur die gesundheitliche Versorgung und 8,8% fur die Bildung aus. Der Rest setzt sich beispielsweise aus Ausgaben fur den Transport, Kommunikation, die Moblierung der Unterkunft und fur den Kleiderkauf zusammen.90

Abb. 8 Ausgaben der Geldsendungen in guatemaltekischen Haushalten (2006)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung91

Ebenfalls wurde untersucht, wie oft Geld nach Guatemala gesendet wird. Hierbei ist interessant, dass die groRe Mehrheit (81,7%) 10 bis 12 Mal pro Jahr ihren Familien Geld zukommen lasst.92 Bei der Betrachtung der Haufigkeit der Geldsendungen und den Ausgaben der guatemaltekischen Familien, fallt auf, dass die Geldsendungen weniger ein Nebeneinkommen darstellen, bzw. einen Zuverdienst, der gespart wird, um groRere Anschaffungen zu tatigen. Vielmehr ist es als ein monatliches Einkommen zu verstehen, mit dem die alltaglichen Ausgaben in Guatemala gedeckt werden.

Somit erhoht das gestiegene Einkommen den Lebensstandard, bzw. die Bedurfnisse der Familien passen sich dem Einkommen an, so dass folglich der Konsum zunimmt, wodurch die Familien seltener Geld sparen, sondern es ausgeben oder anderweitig investieren.

,,En cuanto al ahorro se estima que es un tanto dificil que las remesas sean utilizadas para el ahorro, entre otras cosas porque al ser utilizadas para elevar el consumo familiar, cuando las familias satisfacen unas necesidades, esta misma situacion hace que se vayan generando nuevas necesidades, lo que no facilita la existencia de excedentes que podrian ser destinados al ahorro."93

Wie gezeigt werden konnte, steigt mit der Einwanderungszahl von Guatemalteken in den USA auch die Anzahl der Personen, die Geld in ihr Heimatland schicken. Abschlieftend lassen sich folgende Merkmale fur die Geldsendungen der guatemaltekischen Migranten in ihr Heimatland zusammenfassen:

Die Mehrheit der Migranten, die sich im Ausland befinden, schicken ihren Familien Geld (83%). Meistens handelt es sich dabei um die Kinder der Familien (46,2%), die sich uberwiegend in den USA aufhalten (98,6%). Der Hauptanteil der Geldsendungen wird in die landlicheren Gegenden (57,2%) an weibliche Familienangehorige (54,6%) gesendet. Die Mehrheit der Familien nutzt das zusatzliche Kapital fur den taglichen Konsum (64,3%), wofur auch die monatlichen Uberweisungen sprechen (81,7%).

2.6 Faktoren, die den guatemaltekischen Migrationsprozess beeinflussen

Im Folgenden werden verschiedene Variablen dargestellt, welche die Entscheidung in die USA zu migrieren beeinflussen. Wie in den Kapitel 2.2 und 2.3 bereits gezeigt wurde, gliedert sich der Migrationsprozess Guatemalas in zwei Subsysteme. Die Wanderung von Guatemalteken nach Mexiko reprasentiert hierbei einen eigenen Migrationsprozess und die Wanderung in die USA einen Weiteren. Im Prozess der Transitmigration sind beide Migrationsformen als Teile eines ubergeordneten Systems zu betrachten, da sich bei der Wanderung in die USA, sofern sie nicht im Flugzeug stattfindet, die temporare Emigration nach Mexiko nicht vermeiden lasst. Ebenso lassen sich bei Auftreten intervenierender Hindernisse wahrend der Reise beide Subsysteme nicht voneinander trennen, sondern verschmelzen ineinander. So kann es beispielsweise zu langeren temporaren Aufenthalten in Mexiko kommen, in denen einer Lohnbeschaftigung nachgegangen wird. Des Weiteren kann auf der Wanderung die Intention, in die USA zu reisen auch komplettverworfen werden, wodurch das eine Subsystem in das Andere ubergeht.

Die Migration nach Mexiko bedingt sich somit unter anderem durch die unmittelbare Nachbarschaft Guatemalas zum nordlichen Nachbarland. Sowohl das Arbeitsangebot in der sudmexikanischen Grenzregion, als auch die speziellen Berechtigungen fur Guatemalteken, legal dort zu arbeiten, vereinfachen die (temporare) Migration nach Mexiko.

Die in Kapitel 2.3 erlauterten Migrationsdokumente (FMVA, TdTF, TdVR) ermoglichen Guatemalteken den legalen Aufenthalt in Teilen Mexikos und erleichtern ihnen somit den Zugang zum mexikanischen Arbeitsmarkt. Durch das geminderte Ruckfuhrungsrisiko werden die physischen Krafte geschont und der finanziellen Belastung, die eine erneute Reise in die USA darstellt, entgegengesteuert.

,,Un factor que podria ser de importancia para determinar la estrategia migratoria de los guatemaltecos es contar con documentos legales para emigrar a un pais de destino o a otro de paso. [...] los Guatemaltecos que deciden trabajar como jornaleros en los campos de cultivo de Chiapas tienen facilidades para obtener documentos que legalizan su estancia temporal en Mexico, tales como los pases locales y las formas migratorias."94

Da sich nicht alle Guatemalteken die erforderlichen Dokumente fur einen legalen Grenzubertritt leisten konnen, reisen viele von ihnen ohne diese Berechtigungen nach Mexiko ein, um dort Arbeit zu finden oder um in die USA zu wandern. Die unmittelbare Nachbarschaft macht es den mexikanischen Migrationsbehorden ebenfalls einfach, diese Migranten aus Guatemala abzuschieben. Dafur sprechen ebenso die hohen Ruckfuhrungszahlen.

„Las deportaciones desde Mexicoadquieren tambien un volumen importante y Guatemala tiene en este sentidouna situacion especial debido a su ubicacion geografica. Se ha convertido en un pais de transito, destino, emision, y devolucion de migrantes en situaciin irregular."95

Des Weiteren sind die stetig hoher werdenden Kosten der Reise in die USA96 ein weiterer Grund fur die Attraktivitat, einer Beschaftigung in Mexiko nachzugehen. Speziell fur Guatemalteken, die uber wenig bis keine Ersparnisse verfugen, ist der Niedriglohnsektor im sudlichen Mexiko eine Alternative zur Emigration in die USA, zumal das Arbeitsangebot in der Grenzregion nicht von den dort ansassigen Mexikaner gedeckt werden kann, was kostengunstige Arbeitskrafte aus den angrenzenden Landern anzieht.

Ein weiterer Faktor, der das Migrationsziel beeinflusst, ist die im Heimatland zuruckgelassene Familie. Bei Betrachtung des Familienstandes fallt auf, dass die Mehrheit der Migranten, welche einen (Ehe-)Partner in Guatemala hat, sich eher in der sudlichen Grenzregion aufhalt, als in die USA zu emigrieren.

So waren im Jahr 2009 67,7% der mannlichen und 70,7% der weiblichen Guatemalteken, welche sich bis zu 24 Stunden in Mexiko aufhielten, verheiratet, bzw. lebten in einer Partnerschaft. Ahnliche Werte zeigen sich bei den mannlichen Migranten, welche sich langer als einen Tag in Mexiko aufhalten. 65,6% dieser Guatemalteken sind verheiratet oder leben in einer festen Partnerschaft.

Einen Kontrast hierzu bilden Guatemaltekinnen, die fur mehr als 24 Stunden nach Mexiko einreisen. Die Mehrheit dieser Migrantinnen (61%) ist demnach ledig.

Folglich emigrieren eher die Ehemanner und mannlichen Partner fur einen langeren Zeitraum. Wahrenddessen bleiben die Partnerinnen in Guatemala, bzw. uberqueren taglich die Grenze, um in Mexiko zu arbeiten und kehren abends wieder zuruck nach Hause. Hierbei ist anzunehmen, dass Frauen vor allem der Kinder und des Haushalts wegen nur tagsuber in Mexiko arbeiten, wahrend sich der Familienvater fur mehr als 24 Stunden aufterhalb Guatemalas befindet. Weitere Grunde, fur die Abnahme der Frauenquote der Migranten, die Richtung Norden reisen, finden sich in Kapitel 2.4.

Ebenso zeigt sich ein differenziertes Migrationsverhalten in den unterschiedlichen Altersgruppen. Wahrend 32,2% der mannlichen Migranten, welche langer als 24 Stunden in Mexiko bleiben, zwischen 20 und 29 Jahren und 29,8% zwischen 30 und 39 alt sind, emigrieren eher jungere Frauen fur mehr als 24 Stunden. So halten sich 48,3% der Frauen zwischen 20 und 29 langer aufterhalb des Landes auf, wahrend lediglich 16,8% der 30 bis 39-Jahrigen fur mehr als einenTag emigrieren.

Beim Vergleich der nach Mexiko migrierenden Migranten mit jenen, die 2013 in den Migrantenhausern dokumentiert wurden, zeigt sich ebenso, dass der Familienstand ein durchaus relevanter Faktor in der Migrationsentscheidung ist. Wahrend 65% der in Mexiko (temporar) arbeitenden Guatemalteken verheiratet ist oder in einer festen Partnerschaft lebt, ist mehr als die Halfte (57%) der Migranten, welche in die USA reisen wollen ledig.97

Dass viele Guatemalteken im Suden Mexikos bleiben, um dort zu arbeiten, veranschaulicht ebenso Tabelle 3, in der die Migrationsziele der in den Migrantenhausern befragten Guatemalteken dargestellt sind. Es lasst sich erkennen, das der Ehrgeiz, in die USA zu reisen, Richtung Norden zunimmt und im sudlichen Bundesstaat Oaxaca am geringsten ist. Folglich wurden in der Migrantenherberge der Hauptstadt Oaxacas die meisten Guatemalteken dokumentiert, welche als Migrationsziel Mexiko angaben (33%), obwohl 67% dennoch versuchen, in die USA zu gelangen. Somit nutzen einige Guatemalteken die Moglichkeit des legalen Aufenthalts, um in Mexiko einer Lohnbeschaftigung nachzugehen und migrieren nur temporar, um anschlieftend wieder nach Guatemala zuruckzukehren, was zeigt, dass sich Mexiko als Migrationsalternative fur viele Guatemalteken darbietet.

Tab. 3 Angaben zum Zielland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung98

Wie gezeigt werden konnte, gibt es unterschiedliche Push-Faktoren, welche die Emigration aus Guatemala auslosen, wie beispielsweise die unausgewogene Verteilung des Landbesitzes, eine hohe Armutsrate, wenig lukrative Arbeitsangebote und die damit zusammenhangende unzureichende Aussicht auf eine bessere Zukunft. Die Migration nach Mexiko kann, mittels der Moglichkeit der legalen Einreise, eine Migrationsalternative fur einige Guatemalteken darstellen. Dennoch sind die Pull-Faktoren der USA oftmals hoher, da sich viele Migranten durch den Ruf des amerikanischen Traums erhoffen, eine gut bezahlte Arbeit zu finden, um ihren Familien in Guatemala Geld zu schicken bzw. um ihr eigenes Leben chancenreicher zu gestalten. Folglich siedelten sich die meisten Guatemalteken in den Bundesstaaten an, in denen sich durch Freunde und Familie bereits soziale Netzwerke etabliert haben. Familienangehorige in der Zielregion konnen zunachst eine gesicherte Unterkunft offerieren und den neuen Immigranten durch die bereits bestehenden Kontakte eine Arbeit vermitteln. In der Migrationssoziologie spricht man daher von der so genannten Kettenmigration, die kumulativ verursacht wird.98 Die Familienzusammenfuhrung hat allerdings keine ubergeordnete Rolle im Entscheidungsprozess und der Motivation zu emigrieren.

Durch das Wirken der dargestellten Push-und Pull-Faktoren, ist eine Abnahme der Migration von Guatemalteken in die USA derzeit nicht absehbar.

[...]


2 Vgl. Internetquelle: IOM, Migration weltweit.

3 Vgl. Internetquelle: Umfang weltweiter Migration, bpb.

4 Jijiao (2013), S.138.

5 Die zentralamerikanische Migrantenherberge FM4 - Paso Libre fasste die von Oktober bis Dezember 2012 erhobenen Daten uber die in der Herberge eingetroffenen Transitmigranten in einem Bericht zusammen, Diese statistischen Auswertungen dienen der Arbeit als wesentliche Informationsuqelle.

6 In Kapitel 4 wurde die Rolle der Frau im honduranischen Migrationsprozess nicht separat aufgefuhrt, da nicht ausreichend Daten fur dieses Unterkapitel zur Verfugung standen.

7 Vgl. Interview 3 (Rodrigo Lopez, Honduras), Z. 52-59.

8 Vgl. Interview 3 (Rodrigo Lopez, Honduras), Z. 71-72.

9 Ferromex ist eine private Eisenbahngesellschaft, die vom Suden bis zur Grenze in den Norden Mexikos Guter transportiert. Auf und zwischen den Waggons des Zuges reisen die Transit-migranten Richtung USA.

Der aktuelle Fragebogen stellt im Abschnitt A Fragen zur Person, zu den Migrationsmotiven und dem beabsichtigten Ziel der Reise. Im Abschnitt B folgen Fragen zu den Verbrechen, die evetuell an den Migranten begangen werden. (siehe Anhang: Fragebogen der Migrantenhebergen)

10 Internetquelle: Nationalflagge, Guatemala.

11 Vgl. Internetquelle: Weltbank, Vergleich Bevolkerungswachstum 2010-2014.

12 Die Angaben beziehen sich auf das Jahr 2013 (Vgl. Internetquellen: Weltbank, Guatemala; Datosmacro, Guatemala).

13 Vgl. Internetquelle: OEC, Guatemala, Export.

14 Vgl. Internetquelle: Auswartiges Amt, Guatemala, Weltbank, Guatemala.

15 Vgl. Internetquelle: Weltbank, Guatemala, poverty headcourt ratio, Vergleich.

16 Bei absoluter Gleichheit betragt der GINI-Koeffizient 0, ein Wert von 100 bedeutet hingegen absolute Ungleichheit. "Der Gini-Koeffizient ist ein weit verbreitetes Maft zur Quantifizierung der relativen Konzentration der Einkommensverteilung. Im Fall der maximalen Gleichverteilung der Einkommen (d.h. jede Person bezieht exakt das Durchschnittseinkommen der betrachteten Grundgesamtheit) nimmt der Gini-Koeffizient den Wert 0 an, wahrend er im anderen Extremfall einer maximal ungleichen Einkommensverteilung (d.h. eine einzige Person bezieht das komplette Einkommen der betrachteten Grundgesamtheit fur sich alleine) den Wert 1 annimmt." Internetquelle: Wirtschaftslexikon, GINI-Index; Vgl. Internetquelle: Indexmundi, GINI-Index, Vergleich.

17 Vgl. Internetquelle: Weltbank, Guatemala, BIP per capita.

18 Die High School besuchen die Jugendlichen zwischen dem 16. und 19. Lebensjahr.

19 Vgl. Internetquelle: Schulsystem, Zentralamerika.

20 Paredes Orozco (2004), S.116.

21 Vgl. Anhang 1, Fragebogen der Herberge FM4 - Paso Libre.

22 Vgl. Red de Documentacion de las Organizaciones Defensoras de Migrantes, Vol.1 (2013), S.77, 81.

23 Die Nettomigrationsrate ergibt sich aus der Zusammenrechnung der Immigrations- und Emigrationsrate. Wenn die Emigrationsrate hoher ist, als die Immigrationsrate, ist eine negative Nettomigrationsquote zu verzeichnen.

24 Vgl. Internetquelle: Indexmundi, Liste Nettomigrationsrate.

25 Der von 1960 bis 1996 andauernde Burgerkrieg wird in Guatemala selbst Conflicto armado interno genannt, weshalb im Folgenden ebenso von dem internen bewaffneten Konflikt die Rede ist.

26 Vgl. Freyermuth, Godfrey (1993), S.19f. ; Internetquelle: United Nations Office for Project Services (1999): Guatemala Memoria Del Silencio, S. 122.

27 Ebd. S. 83.

28 Freyermuth, Godfrey (1993), S. 20.

29 Zu Beginn des Jahres 1983 wurden 3000 fliehende Menschen aus Guatemala in temporaren Fluchtlingsunterkunften der Vereinten Nationen verzeichnet. Diese Zahl stieg 6 Montae spater auf 15.000 an und summierte sich im Jahr 1984 auf 46.000. Vgl. Freyermuth, Godfrey (1993), S.22; Internetquelle: COMAR, Guatemala.

30 Internetquelle: Jonas (2013), o.S.

31 Vgl. Internetquelle: INEGI, Poblacion Guatemalteca, S.86.

32 Vgl. Internetquelle: COMAR, Guatemala.

33 Comision Mexicana de Apoyo a los Refugiados.

34 Vgl. Internetquelle: COMAR, Guatemala.

35 Alto Comisionado de las Naciones Unidas para los Refugiados.

36 Alfaro Ramirez (2013), S.88.

37 Die US-Regierung unterstutzte das guatemaltekische Regime wahrend des Konflikts nicht nur finanziell, sondern forderte ebenso die Ausbildung der Kampftruppen, die gegen die Guerilla und die Zivilbevolkerung vorging. Vgl. Internetquelle: Washington Post (11.3.1999).

38 Vgl. Internetquelle: Homeland Security 2011 Yearbook of Immigration Statistics (2012), S.8, 10; U.S. Census Bureau (1999), IOM, Guatemala, Migration (2013), S.46.

39 Vgl. Internetquelle: Statistical Yearbook, Asylantrage von Guatemalteken in den USA (1997), S.77.

40 Vgl. Freyermuth, Godfrey (1993), S.20.

41 Internetquelle: IOM, Guatemala, Migration (Juni 2013), S.45.

42 Vgl. Internetquelle: Cemla, El Salvador, S.16.

43 Vgl. Internetquelle: estudios de migracion, Guatemala.

44 Vgl. Internetquelle: Estadistica 2014, Guatemala.

45 Vgl. Internetquelle: Abschiebungen, Statistiken der guatemaltekischen Regierung; Statistical Yearbook 2011, S.107.

46 Vgl. Internetquelle: Census, Hispanoamerikaner in den USA (2010), S.3.

47 Vgl. Internetquelle: Cemla, Guatemala, o.S.

48 Vgl. Red de Documentacion de las Organizaciones Defensoras de Migrantes, Vol.1 (2013), S.89.

49 Vgl. Internetquelle: Cemla, Guatemala, o.S.

50 Vgl. Internetquelle: EmifSur (2009), S.81.

51 Vgl. Internetquelle: EmifSur (2009), S.81.

52 Casillas (2006),S.61.

53 Vgl. Paredes Orozco (2004), S. 96.

54 Vgl. Internetquelle: EmifSur (2009), S.75.

55 Vgl. Internetquelle: EmifSur (2009), S.75.

56 Vendedores ambulantes werden StraRenhandler genannt, die vorrangig kleine SuRigkeiten, wie Kaugummis, aber auch Blumen und Kleidung verkaufen.

57 Vgl. EmifSur (2009), S. 77, 79.

58 Da die Tarjeta de Visitante Regional die einzige kostenfreie Bevollmachtigung ist, die Grenze legal zu uberqueren, gebraucht die Halfte der Besitzer diese Genehmigung jedoch nicht nur fur den Besuch in Mexiko, sondern auch, um im Nachbarland Geld zu verdienen. Nach der Untersuchung von EmifSur nutzten im Jahr 2009 60,3% der Personen, die fur langer als 24 Stunden in Mexiko blieben, die Bevollmachtigung, um legal die Grenze zu uberqueren und anschlieRend im primaren Wirtschaftssektor zu arbeiten. 47,1% arbeiteten als StraRenhandler und kehrten am selben Tag wieder zuruck nach Hause. Vgl. Internetquelle: TdVR, INM.; EmifSur (2009), S.89.

59 Die Daten beziehen sich lediglich auf die Uberquerung der Grenze. Ein Migrant kann somit mehrere Mai gezahlt werden, je nachdem, wie oft er die Grenze uberschreitet. Die Werte geben dennoch eine Vorstellung von der massiven Fluktuation in dieser Grenzregion. Vgl. Internetquelle: Rojas Wiesner (2007), o.S.

60 Daten entnommen aus: EmifSur (2009), S.77, 79, 82.

61 Vgl. Internetquelle: FMVA.

62 Vgl. Internetquelle: TdTF; TdTF, INM.

63 Die Daten beziehen sich auch hier auf die gezahlten Ubetrtritte und nicht auf einzelne Personen, welche mehrmals im Jahr als Tourist nach Mexiko einreisen konnen. Internetquelle: Rojas Wiesner (2007), o.S.

64 Internierungen meint die vorubergehende Festnahme und Beherbergung in den Migrations-stationen. Vgl. Subsecretaria de Poblacion, MigracionyAsuntos Religiosos et al. (2012), S.29, 31.

65 Vgl. Subsecretaria de Poblacion, Migracion yAsuntos Religiosos et al. (2012), S.30,32.

66 Vgl. Internetquelle: EmifSur (2009), S.185.

67 Vgl. Internetquelle: EmifSur (2009), S.193, 202.

68 Vgl. Rojas Wiesner (2007), S,76.

69 Vgl. Casillas (2006), S.62, 71.

70 Vgl. Internetquelle: EmifSur (2009), S.85.

71 Casillas (2006),S.63.

72 Vgl.Casillas (2006),S.84f.

73 Vgl. Rojas Wiesner (2007), S.100.

74 Vgl. Internetquelle: EmifSur (2009), S.80.

75 Vgl. Rojas Wiesner (2007), S.101.

76 Vgl. FM4 - Paso Libre (2013), S.34

77 Vgl. Casillas (2006), S.91; Rojas Wiesner (2007), S.101.

78 Vgl. Rojas Wiesner (2007), S.79.

79 Vgl.Casillas (2006),S.98f.

80 Vgl. Internetquelle: IOM, Evolucion de las Remesas en Guatemala; su Impacto economico y social (Marz 2007).

81 Vgl. Internetquelle: estudios de migracion, Guatemala; Estadfsticas Migratorias, Gobierno de Guatemala.

82 Vgl. Wainer (Hrsg.), 2012, S.3.

83 Vgl. Internetquelle: El Diario De Hoy (12.11.2005).

84 Ein weiteres Beispiel dafur, dass ein bestehendes Verwandtschaftsgefuge nicht zwingend notwendig fur die Bildung transnationaler Gemeinschaften ist, noch Voraussetzung fur Geldsendungen zwischen Heimat- und Residenzland sein muss, sind die hometown associations, fur die vielmehr ein Solidaritatsempfinden zur Herkunftsregion ausschlaggebend ist. Diese offerieren den Burgern im Ausland, ihre Geldsendungen zum Aufbau und Erhalt der Infrastruktur oder fur die Ausstattung von beispielsweise Krankenhausern oder Bildungseinrichtungen in der Herkunftsregion zu nutzen. Neben der Verbesserung der heimischen Infrastruktur versprechen diese Programme eine Starkung der transnationalen Bindungen zwischen Migrant und Herkunftsregion sowie die Generierung von Strukturen im Ankunftsland, welche fur die Rechte der Migranten im Ausland eintreten. Vgl. Vertovec (2009), S.lll; Faist (1999), S.9; Internetquelle: Sedesol, Nayarit.

85 Vgl. Internetquelle: estadonacion, 2006, IOM, Evolucion de las Remesas en Guatemala; su Impacto economico y social.

86 Aufgrund der vielen undokumentierten Guatemalteken in den USA lasst sich die Anzahl der Immigranten nur schatzen, weswegen unterschiedliche Untersuchungen (beispielsweise der IOM, der guatemaltekischen Regierung und der Homeland Security der USA) zu verschiedenen Ergeb-nissen kommen. Da sich bereits vorher auf Untersuchungen der IOM bezogen wurde, sollen auch hier die von dieser Organisation genannten Zahlen angefuhrt werden. Vgl. Cemla, El Salvador, S.21.

87 Vgl. Internetquelle: IOM, Evolucion de las Remesas en Guatemala; su Impacto economico y social, (Marz 2007), S.16.

88 Vgl. Red de Documentacion de las Organizaciones Defensoras de Migrantes, Vol.l (2013), S.44f.

89 Vgl. Internetquelle: IOM, Evolucion de las Remesas en Guatemala; su Impacto economico y social, (Marz 2007), S.9, 10.

90 Vgl. Internetquelle: IOM, Evolucion de las Remesas en Guatemala; su Impacto economico y social, (Marz 2007), S.19.

91 Vgl. Internetquelle: IOM, Evolucion de las Remesas en Guatemala; su Impacto economico y social, (Marz 2007), S.19.

92 7,7% der Haushalte bekommen vier bis sechsmal im Jahr Geld zugeschickt, 1,2% neun bis zehnmal, 6% erhalten mehr als 12 mal Remesas und 3,4% ein bis zweimal. Vgl. Internetquelle: IOM, Evolucion de las Remesas en Guatemala; su Impacto economico y social (Marz 2007), S.13.

Internetquelle: Mendoza de Sanchez (2007): Genero y Remesas en Guatemala, S.40.

93 Paredes Orozco (2009), S.102.

94 IOM (1999), S.5.

95 Vgl. Castillo (2000), S.136.

96 5 7% der befragten Migranten in den Herbergen war zum Zeitpunkt der Befragung ledig, 22% befanden sich in einer Partnerschaft, 17% waren verheiratet, 3% geschieden und 1% verwitwet. Vgl. Red de Documentacion de las Organizaciones Defensoras de Migrantes, Vol.1 (2013), S.52.

97 Vgl. Red de Documentacion de las Organizaciones Defensoras de Migrantes, Vol.l (2013), S. 83-88.

98 " Da potentielle neue Migranten von den bereits bestehenden Netzwerken profitieren und der Ankunftsort somit an Attraktivitat gewinnt, werden Kettenmigrationen begunstigt. Das Konzept der kumulativen Verursachung (englisch: cumulative causation) beschreibt diesen Prozess, der „dynamischen Wechselwirkung [...] der Ursachen und Triebkrafte internationaler Migration." (Pries (2001), S.40) Demnach setzt sich ein einmal initiierter Wanderungsprozess stetig fort, da bereits ausgewanderte Migranten soziale Netzwerke schaffen und somit beispielsweise Risiken und Kosten in der Ankunftsregion fur neue potentielle Migranten vermindern. Vgl. Tilly (1990), S.90; Massey (1990), S.17; Massey (1993), S.449.

Ende der Leseprobe aus 145 Seiten

Details

Titel
Zwischenstation Mexiko? Lateinamerikanische Migranten auf ihrem Weg in die USA
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)  (Fakultät für Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Migrationsforschung
Note
1,5
Autor
Jahr
2015
Seiten
145
Katalognummer
V304037
ISBN (eBook)
9783668022539
ISBN (Buch)
9783668022546
Dateigröße
8952 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zwischenstation, mexiko, lateinamerikanische, migranten, migration, transitmigration, zentralamerika, inmigration
Arbeit zitieren
Chris Herrmann (Autor), 2015, Zwischenstation Mexiko? Lateinamerikanische Migranten auf ihrem Weg in die USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304037

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