Sigmund Freuds "Das Unbehagen in der Kultur". Begriffsdefinition und -verständnis


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Eine kurze Biografie Sigmund Freuds

3. Der Begriff Kultur
3.1. Allgemeine Begriffsdefinitionen
3.2. Das Begriffsverständnis nach Freud

4. Das Unbehagen in der Kultur
4.1. Über das Werk
4.2. Wie entsteht das Unbehagen?

5. Mein Fazit

6. Quellen und Literatur
6.1. Quellenangaben
6.2. Abbildung
6.3. Weiterführende Literatur

7. Anhang

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit möchte ich zuerst Sigmund Freud vorstellen. Dieser hatte einen beträchtlichen Anteil an der Gründung und Entwicklung der Psychoanalyse und ist wahrscheinlich einer der berühmtesten Mediziner der Welt. Sein Leben war oft aber nicht so einfach, wie man es gerne denken würde: Zuerst befiel ihn der Krebs und dann wurde er durch den Nationalsozialismus aus seiner Heimat vertrieben. Viele Menschen behaupten die freudsche Theorie des ES, ICH und Ü BER

- ICH zu kennen, aber nur Wenige haben sich mit Sigmund Freud als Person beschäftigt und wissen in welchem Zusammenhang seine Theorien stehen. Im zweiten Teil der Arbeit soll der Begriff „Kultur“ genauer beleuchtet werden: Zuerst möchte ich darauf eingehen, wie Kultur im Allgemeinen definiert wird, bzw. ob man den einen Kulturbegriff klar definieren kann, und wenn ja: Aus welchen Blickwinkeln heraus.

Danach möchte ich den Kulturbegriff nach Freud genauer beleuchten und versuchen zu interpretieren, damit man eine Ahnung davon bekommen kann, worauf Sigmund Freud seine Thesen aufgebaut hat.

Anschließend wird das eigentliche Werk, „Das Unbehagen in der Kultur“, vorgestellt. Hier möchte ich versuchen zu klären, was Freud unter dem „Unbehagen“ eigentlich versteht, welche Rolle Eros und Thanatos dabei spielen und was das Es, das Ich und das Über-Ich dabei für eine Rolle spielen. Zum Schluss werde ich dann zu meinem Resume kommen.

2. Eine kurze Biografie Sigmund Freuds

Sigmund Freud wurde am 6. Mai 1856 als Sohn des jüdischen Textilkaufmanns Jacob Frau und seiner Frau Amalia in Freiberg in Mähren (dem heutigen Příbor in der tschechischen Republik) geboren. 1860 zog er mit seiner Familie nach Wien. Dort bestand Freud 1873 seine Matura mit Auszeichnung.

Von 1873 bis 1881 studiert Freud Medizin an der Universität in Wien, wo er auch promoviert. Von 1882 bis 1885 arbeitet er am allgemeinen Krankenhaus in Wien, wo er unter anderem die schmerzstillende Wirkung des Kokains entdeckt. Ab 1885 doziert Sigmund Freud an der Wiener Universität als Privatdozent für Neuropathologie und beschäftigt sich mit hirnanatomischen Forschungen. Nach Studien über Hysterie an der Pariser Nervenklinik in den Jahren 85 und 86 eröffnete er eine neurologische Praxis in Wien. Im selben Jahr heiratete Freud nach langjähriger Verlobung Martha Bernays. Mit ihr hat Freud sechs Kinder. 1902 gründet Freud die psychologische Mittwochsgesellschaft:„Ausgehend von dieser kleinen Runde aus Ärzten entwickelt sich die Psychoanalyse zu einer internationalen wissenschaftlichen und kulturellen Bewegung.“1

1908 findet dann in Salzburg der erste Kongress für „Freudsche Psychologie“ statt.2 Im Jahre 1909 bereist Freud Amerika. Im darauf folgenden Jahr erscheinen seine dort gehaltenen Vorträge als eines seiner berühmtesten Werke „Über Psychoanalyse“3. „Im Wintersemester 1916/17 hält Freud zum letzten Mal Vorlesungen an der Wiener Universität.“4 Im Jahr 1920 stirbt.

Sophie, die zweitjüngste Tochter und eines von sechs Kindern, an den Folgen einer Grippe. 1923 werden bei Freud „Erste Zeichen eines Mundhöhlenkrebses [...] entdeckt.“5 1929 beendet Freud seine Arbeit an „Das Unbehagen in der Kultur“, erst im darauf folgenden Jahr wird das Werk veröffentlicht. In den darauf folgenden Jahren wird Freud, bedingt durch den Krebs und die Operationen, immer schwächer. 1938 erfolgt der Anschluss Österreichs an das deutsche Reich. „Freud und seine Familie erhalten Visas für Großbritannien.“6 Im Juni emigriert Freud nach London, doch schon im darauf folgenden Jahr stirbt Freud am 23. September an den Folgen seiner Krankheit. Im Laufe seines Schaffens veröffentlichte Freud über 25 Publikationen und erlangte weltweite Berühmtheit.

3. Der Kulturbegriff

3.1. Allgemeine Begriffsdefinitionen

Wenn man sich länger mit dem Thema „Kultur“ beschäftigt, erfährt man schnell dass es nicht die eine allgemein gültige Definition von Kultur gibt. Viele Forschungsrichtungen müssen das Thema „Kultur“ für sich selbst genauer oder anderes definieren, damit sie damit arbeiten können.

Um dies zu verdeutlichen ein einfaches Beispiel:

Eine promovierte Literaturwissenschaftlerin hat einen eigenen Blickpunkt auf die Werke großer Dichter und Schreiber, den eine andere Person - die sich nicht so intensiv mit der Materie der Belletristik beschäftigt - nicht nachvollziehen kann.

Im Gegensatz dazu können wir einen erfolgreichen, alteingesessenen Rockstar nehmen, der viel in der Welt herum gekommen ist, viele andere Rockmusiker kennt und seit langer Zeit im Musikgeschäft tätig ist. Er konnte schon viele Erfolge feiern und ist in der Rockkultur eine feste Institution.

In diesem Beispiel sind zweifelsohne beide Personen Koryphäen auf ihrem Gebiet. Nun können wir die erste Person der „Lesekultur“ zuordnen und die zweite Person der „Rockkultur“. Beides sind natürlich kulturelle Aspekte, doch sie könnten wahrscheinlich unterschiedlicher nicht sein. Wahrscheinlich würde auch beide Experten dem jeweils anderen nicht zugestehen, dass sein Fachgebiet kulturelle Aspekte hat.

Ein Volkskundler oder Anthropologe würde nun die Diskussion weg von den menschlichen „Werken“ hin zu den Menschen an sich bringen, den für ihn bedeuten Kulturen etwas anderes, doch dazu später mehr.

Wenn wir zuletzt noch einen Biologen hinzunehmen, würden wir auf ganz andere Kulturen stoßen, doch dies ist wahrscheinlich zu ausschweifend und würde die Diskussion um die Definition des Begriffes „Kultur“ in eine falsche Richtung treiben.

Wolfgang Kaschuba bietet in seinem Werk „Einführung in die Europäische Ethnologie“ (Erschienen im C.H. Beck Verlag, München, 1999) einige sehr gute und hilfreiche Gedanken zum ursprünglichen Kulturbegriff:

„[...] damit wird die menschliche Auseinandersetzung mit der Natur beschrieben, die Bebauung des Bodens, Die Pflege der Landwirtschaft, und erst in einem erweiterten schließen sich darin Vorstellungen der Pflege, der Veredelung, der Ausbildung des Menschen an.“7

Doch auch Kaschuba ist der Meinung, dass es keinen einheitlichen Kulturbegriff geben kann, denn „Zu divergent sind dazu die Bedeutungen, Die ein Herder etwa eine „Kultur des Volkes“ oder ein Goethe der „Bildung s Kultur“ zuzuschreiben.

Der eine versteht darunter noch Ursprüngliches, Unverbildetes, der andere im Gegenteil menschlichen Herzens- und intellektuelle Geistes Bildung“8

Doch auch wenn es offensichtlich keine Einigung auf einen allgemein gültigen Kulturbegriff gibt, so kommt Kaschuba doch zu einer wichtigen und diplomatischen Erkenntnis:

„Kultur lässt sich auf der theoretischen Ebene nicht allgemeingültig und „erschöpfend“ vordefinieren [sic!], sondern nur „hinreichend“ erläutern im Sinne einer speziellen Blickrichtung, deren definitorische Qualitäten und Erkenntnismöglichkeiten sich letztlich erst in ihrer Anwendung am jeweiligen Untersuchungsgegenstand erweisen.“9

Auch die Bundeszentrale für politische Bildung hat sich mit dem Begriff „Kultur“ in einem mehrseitigen Artikel auseinandergesetzt (Siehe Anhang). Vieles wirkt den Gedanken von Kaschuba sehr ähnlich, doch in dem Artikel der BpB wird insbesondere noch einmal auf die „Typologie des Kulturbegriffes“ von Professor Andreas Reckwitz eingegangen, die bei der „Rahmung“ eines Kulturbegriffes helfen kann.

Reckwitz unterscheidet zwischen dem normativen, dem totalitätsorientierten, dem differenztheoretischen und dem bedeutungs- und wissensorientierten Kulturbegriff.

„Der normative (d.h. wertende und vorschreibende) Kulturbegriff beruht auf einer wertenden Gegenüberstellung bzw. einer Auszeichnung bestimmter ästhetischer Phänomene, Objekte und Praktiken, die in einer Gesellschaft hochgeschätzt [sic!] und durch Traditionsbildung bewahrt werden.“10

Das heißt in den normativen Begriff fallen die vom Menschen geschaffenen Werke, wie Literatur, Kunst, Musik, etc., die als Kultur angesehen werden. Hier ist der Begriff „Kultur“ also mehr als Prädikat für große Künstler zu sehen. Die Wertung für diese Werke wird im allgemeinen Konsens getroffen, sie schließt aber die „Populärkultur“ nicht aus: „Die Bedeutung der Alltagskultur besteht vor allem darin, dass z.B. Feiern, Feste und andere Rituale maßgeblich dazu beitragen, die kulturellen Werte und Normen einer Gesellschaft darzustellen, sichtbar zu machen, weiterzugeben und zu erneuern.“11

Dem entgegen steht der totalitätsorientierte Kulturbegriff, denn „Gemäß eines solchen nichtnormativen, ganzheitlichen Verständnisses, [...] meint der Begriff "Kultur" den Inbegriff aller kollektiv verbreiteten Glaubens-, Lebens- und Wissensformen, die sich Menschen im Zuge der Sozialisation aneignen und durch die sich eine Gesellschaft von anderen unterscheidet.“12

Mit dieser Definition sind wir also weg von der Kunst als Kultur hin zu den kunstschaffenden Völkern als Kulturen gegangen und sind nun in dem Rahmen angekommen, in welchem sich die Kulturanthropologie und die Europäische Ethnologie bewegt.

Im Gegensatz zum normativen Kulturbegriff nennt Nünning auch den differenztheoretischen Kulturbegriff. Dieser geht nun weg von der populären Kultur, hin zum engen Feld der Kunst, Bildung und der Wissenschaft so wie sonstiger intellektueller Aktivitäten.13 Zu guter letzt wird auch der bedeutungs- und wissensorientierte Kulturbegriff beschrieben. Dieser stellt sich noch als sehr jung dar. „Einer solchen Begriffsbestimmung zufolge sind nicht nur materiale (z.B. künstlerische) Ausdrucksformen zum Bereich der Kultur zu zählen, sondern auch die sozialen Institutionen und mentalen Dispositionen, die die Hervorbringung solcher Artefakte überhaupt erst ermöglichen. Ein solcher semiotischer Kulturbegriff trägt somit der Einsicht Rechnung, dass Kulturen nicht nur eine materiale Seite - die "Kulturgüter" einer Nation - haben, sondern auch eine soziale und mentale Dimension“.14

Auch wenn die Frage „Was ist eigentlich Kultur?“ einige interessante Antworten aufweist, so vermehren sich doch eigentlich nur weiter die Fragen, denn die wenigsten Antworten stimmen überein.

Dies ist meiner Meinung nach aber keineswegs schlecht, denn vielleicht lässt sich ein breiter und wichtiger Begriff wie der der „Kultur“ gar nicht auf einen Kernsatz bringen. Doch um das „Unbehagen in der Kultur“ verstehen zu können, müssen wir nun konkreter auf das Freudsche Verständnis des Kulturbegriffes eingehen.

[...]


1 http://www.freud-museum.at/freud/chronolg/1902-d.htm (Stand 4. März 2013)

2 Nach http://www.freud-museum.at/freud/chronolg/1908-d.htm (Stand 4. März 2013)

3 Nach http://www.freud-museum.at/freud/chronolg/1910-d.htm (Stand 4. März 2013)

4 http://www.freud-museum.at/freud/chronolg/1916-d.htm (Stand 4. März 2013)

5 http://www.freud-museum.at/freud/chronolg/1923-d.htm (Stand 4. März 2013)

6 http://www.freud-museum.at/freud/chronolg/1938-d.htm (Stand 5. März 2013)

7 Kaschuba, Wolfgang, Einführung in die Europäische Ethnologie, C.H. Beck Verlag, München 1999, Seite 117, Zeilen 6-10

8 Kaschuba, Einführung in die Europäische Ethnologie, Seite 117, Zeilen 32 ff

9 Kaschuba, Einführung in die Europäische Ethnologie, Seite 123, Zeilen 1-6

10 Prof. Nünning, Ansgar, Vielfalt der Kulturbegriffe, http://www.bpb.de/gesellschaft/kultur/kulturelle-bildung/ 59917/kulturbegriffe?p=all, erstellt am 23.7.2009 (Stand: 05.03.2013), Zeilen 47 ff,

11 Nünning, Vielfalt der Kulturbegriffe, Zeilen 43 ff

12 Nünning, Vielfalt der Kulturbegriffe, Zeilen 58-61

13 Vgl Nünning, Vielfalt der Kulturbegriffe, Zeilen 67 f

14 Nünning, Vielfalt der Kulturbegriffe, Zeilen 75 ff

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Sigmund Freuds "Das Unbehagen in der Kultur". Begriffsdefinition und -verständnis
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Geistes- und Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Kulturtheorien
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V304088
ISBN (eBook)
9783668024625
ISBN (Buch)
9783668024632
Dateigröße
890 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sigmund Freud, Freud, Kultur, Kulturtheorien, Psychologie
Arbeit zitieren
Alexander Fiedler (Autor), 2013, Sigmund Freuds "Das Unbehagen in der Kultur". Begriffsdefinition und -verständnis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304088

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Sigmund Freuds "Das Unbehagen in der Kultur". Begriffsdefinition und -verständnis


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden