Im Ritual der Hinrichtung gibt es, so Foucault, "etwas Karnevaleskes, das die Rollen vertauscht, die Gewalten verhöhnt und die Verbrecher heroisiert". Über die begriffliche Ähnlichkeit hinaus stellt er damit eine semantische Nähe zu Michail Bachtins Konzept des volkstümlichen Karnevals her, der durch die Herabsetzung der religiösen und staatlichen Autoritäten Ambivalenz schafft und gesellschaftliche Hierarchien überwirft.
Das antagonistische Verhältnis der Foucault'schen Disziplinen zu Bachtins Karnevalskultur wird anhand ihrer zentralen Rituale, sowie den ihnen eigenen Körperbildern untersucht.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Karnevaleske Hinrichtungen
- Die Disziplin und ihre Körper
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Verbindung zwischen den karnevalesken Praktiken, wie sie von Michail Bachtin beschrieben werden, und den disziplinierenden Mechanismen, die Michel Foucault im Kontext der mittelalterlichen Folter analysiert. Dabei wird insbesondere der Einfluss des Karnevals auf die öffentliche Hinrichtung sowie die Beziehung zwischen der anarchischen Lachkultur und der ordnenden Disziplin untersucht.
- Der karnevaleske Aspekt der öffentlichen Hinrichtung
- Die Verbindung zwischen Karneval und Disziplin
- Die Rolle der Volkskultur im Wandel von Machtstrukturen
- Die Ambivalenz von kulturellen Praktiken
- Die Doppelweltlichkeit des Mittelalters
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Arbeit ein und stellt die Verbindung zwischen den Werken von Bachtin und Foucault dar. Sie beleuchtet insbesondere den karnevalesken Aspekt der öffentlichen Hinrichtung und die Frage nach der Beziehung zwischen Lachkultur und Disziplin.
- Karnevaleske Hinrichtungen: Dieses Kapitel untersucht die karnevalesken Elemente der öffentlichen Hinrichtung, wie sie von Bachtin beschrieben werden. Dabei werden zentrale Merkmale des Karnevals wie die Aufhebung sozialer Hierarchien, die Exzentrizität und die Profanation beleuchtet.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Themen Karneval, Disziplin, öffentliche Hinrichtung, Volkskultur, Lachkultur, Machtstrukturen, Doppelweltlichkeit, mittelalterliche Folter, Bachtin, Foucault.
Häufig gestellte Fragen
Was meint Foucault mit dem "karnevalesken" Aspekt der Hinrichtung?
Foucault sieht in öffentlichen Hinrichtungen Momente, in denen Rollen vertauscht werden, die Gewalt verspottet wird und Verbrecher durch das Volk heroisierte werden können.
Was ist Bachtins Konzept des volkstümlichen Karnevals?
Bachtin beschreibt den Karneval als eine Phase der "Doppelweltlichkeit", in der gesellschaftliche Hierarchien und religiöse Autoritäten durch Lachen und Profanation vorübergehend außer Kraft gesetzt werden.
Wie hängen Karneval und Disziplin zusammen?
Die Arbeit untersucht das antagonistische Verhältnis: Während der Karneval für Anarchie und Körperlichkeit steht, zielt die Foucault'sche Disziplin auf die Ordnung und Kontrolle des Körpers ab.
Welche Rolle spielt die Lachkultur im Mittelalter?
Die Lachkultur bildet einen Gegenpol zur offiziellen, ernsten Welt und ermöglichte es dem Volk, Machtstrukturen durch Spott und Exzentrizität kritisch zu begleiten.
Was ist der "disziplinierte Körper"?
Es ist ein Konzept von Foucault, das beschreibt, wie Körper durch gesellschaftliche Mechanismen (wie Folter oder später Institutionen) geformt und unterworfen werden.
- Quote paper
- Michael Steimel (Author), 2007, Karnevaleske Hinrichtung und disziplinierter Körper. Kulturelle Praktiken bei Bachtin und Foucault, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304156