Pan Mythos in Hugo von Hofmannsthals „Tod des Tizian“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

16 Seiten, Note: 2

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1.0 Einleitung

2.0 Der große Pan – Mythos und Rezeption
2.1 Antike Ursprünge und göttlicher Mythos
2.2 Rezeption im 19. und 20. Jahrhundert

3.0 Es lebt der große Pan im Tod des Tizian?

4.0 Fazit

Literaturverzeichnis

1.0 Einleitung

„Es lebt der große Pan!“[1] lässt Hugo von Hofmannsthal den sterbenden Tizian an einer zentralen Stelle des nicht vollendeten Dramas „Tod des Tizian“ zitieren. In dem veröffentlichten Teil, nicht wesentlich mehr als der Anfang eines größeren Dramas, wie Hofmannsthal in einem Brief an Walther Brecht selbst eingesteht,[2] bearbeitet Hofmannsthal in rund 350 Versen eine dualistische Weltsicht, die die Kunst auf die eine Seite und das Leben auf die andere Seite stellt. Es hätte „ein viel größeres Ganzes“, eine „Art Todesorgie“[3] werden sollen, die er zu Beginn der Arbeiten an dem Stück im Winter der Jahre 1891/92 aus Zeitmangel jedoch nicht vollendete. Dennoch liegt mit dem „Tod des Tizian“ ein bedeutendes Stück des Frühwerk Hofmannsthals vor, das besonders durch seinen Tiefgang beeindruckt, insbesondere wenn man sich vor Augen führt, dass der Autor des Stückes gerade erst 18 Jahre alt war.

Hofmannsthal trennt die beiden Sphären von Kunst und allgemeinem menschlichem Leben räumlich, wenn er die Villa des Künstlers abgelegen über der Stadt stehen lässt, aber auch im Lebenswerk Tizians selbst. Dieser erkennt am Ende seines Lebens, dass sein bisheriges Schaffen erbärmlich und bleich war[4] und ihm erst jetzt de facto im Tode sein erstes und letztes wahres Meisterwerk gelingen wird. Doch welche Rolle spielt der altgriechische Gott Pan in Hofmannsthals Stück? Wie passt der Beschützer der Hirten und Herden in ein Drama des 19. Jahrhunderts? Welche Bedeutung nimmt er ein, dass ihn Hofmannsthal mehrfach an zentralen Stellen des Bruchstücks nennt? Diesen Fragen werde ich in der vorliegenden Arbeit nachgehen. Hierbei stütze ich mich im Besonderen auf die Texte von Martina Adami, Giesa Briese-Neumann und Peter Szondi, die sich diesen Fragen bereits aus verschiedenen Blickwinkeln angenähert haben.

2.0 Der große Pan – Mythos und Rezeption

Der Pan Mythos und auf diesem basierend die spätere Rezeption von Pan als Gott ist sehr facettenreich und veränderte sich mehrfach. Griechen, Römer, mittelalterlicher Aberglaube bis hin zu modernen Hollywoodverfilmungen verehrten den Gott oder bedienten sich seiner als Vorlage für Geschichten, Legenden und Sagen.

2.1 Antike Ursprünge und göttlicher Mythos

Aus Griechenland, genauer aus Arkadien, stammend wurde Pan zunächst als der Gott des Weidelandes und der Schafhirten verehrt. Seine mythologische Herkunft bleibt ungeklärt. Ihm werden eine „Vielzahl von Eltern“[5] zugeschrieben, unter anderem Hermes, Zeus und Apollon als möglicher Vater, als mögliche Mutter Kallisto, Hybris oder eine Ziege. Von wem Pan auch immer abstammen mochte, er wurde der Sage nach von Hermes in die „olympische Götterrunde“[6] eingeführt. Er wachte, als einer der jüngsten Götter des Pantheons, über die Hirten und Herden Arkadiens.[7] In seiner Funktion als Hirtengott ist Pan insbesondere für drei Eigenheiten berühmt. Zunächst für sein „liebestolles“ Gebaren[8] und seine dauerhafte Jagd nach Liebesaffären. Das häufige Auftreten Pans als erotischer Gott[9] ist daher eine logische Erweiterung der Darstellung als Hirte der Wälder und Berge. Dem wohl berühmtesten dieser Liebesabenteuer verdankt er auch sein nächstes, beinahe unumgängliches Merkmal, die Panflöte. Um den Nachstellungen des Gottes zu entgehen, verwandelte sich die Nymphe Syrinx der Sage nach in Schilfrohre. Diese wurden prompt von dem liebestollen Pan abgeschnitten, um seine Geliebte stets bei sich zu tragen. Er fertigte aus den Halmen eine Flöte und spielte diese so gut, dass er selbst Apollon zu einem musikalischen Wettstreit herausforderte, diesen jedoch verlor. Dennoch wird Pan aufgrund seiner Meisterschaft der Flöte auch als Künstler und Lehrer gesehen. Ebenfalls stets mit Pan verbunden ist seine große Nähe zur Natur. Diese leitet sich aus seiner engen Beziehung mit dem Land Arkadiens und dessen Bevölkerung, insbesondere der Hirten, Jäger und Fischer ab.

Die verschiedenen Aspekte Pans werden ab dem 1. Jahrhundert nach Christus zunehmend in einem Bild von Pan als „Allgott“ zusammengefasst. Die Spätantike hat eine „grundlegend unterschiedene Vorstellung“[10] von Pan. Er wird mit dem römischen Gott der Wälder und Weiden Faunus gleichgestellt, dient jedoch auch für zahlreiche andere Götter, wie etwa ägyptischen Gottheiten,[11] als Vorlage oder wird synonym für diese benutzt. Sein Wirken auf die Menschen wird stark erweitert und Pan wird von einem Gott der Hirten und Herden, der Wälder und Weiden, von einer Gestallt „unbändiger Lebenslust, […einem] sexuellen Libertin und geile[n] Schalk [, … zum] Herrn des Alls“[12]. Im Mittelalter wird aus ihm schließlich die Vorlage für die christliche Darstellung des Teufels. Jahrhunderte nach dieser, für den antiken Gott offensichtlich unglücklichen Zeit, wird er schließlich in der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts dazu herangezogen, um zahlreiche Bezüge zu den mannigfaltigen Funktionen seiner Vergangenheit herzustellen.

[...]


[1] Hofmannsthal, Hugo von: Der Tod des Tizian. Bruchstück. In: Götz Eberhard Hübner, Klaus-Gerhard Pott, Christoph Michel (Hrsg.): Hugo von Hofmannsthal. Dramen Bd.1 In: Rudolf Hirsch, Clemens Köttelwesch, u.a.: Hugo von Hofmannsthal. (= Sämtliche Werke Bd.3). Frankfurt a.M. 1982. S.42 Z.31. Anmerkung: Zur Vereinfachung im Folgenden durch TdT + Seite + Zeile abgekürzt.

[2] Vgl. Pott, Klaus-Gerhard (Hrsg.): Der Tod des Tizian. Entstehung. In: Götz Eberhard Hübner, Klaus-Gerhard Pott, Christoph Michel (Hrsg.): Hugo von Hofmannsthal. Dramen Bd.1 In: Rudolf Hirsch, Clemens Köttelwesch, u.a.: Hugo von Hofmannsthal. (= Sämtliche Werke Bd.3). Frankfurt a.M. 1982. S.334f.

[3] Ebd.

[4] Vgl. TdT. S.42, Z.13.

[5] Grant, Michael/ Hazel, John: Lexikon der antiken Mythen und Gestalten. München, 17. Aufl., 2003. Art. Pan.

[6] Ebd.

[7] Vgl. Tripp, Edward: Reclams Lexikon der antiken Mythologie. Stuttgart, 9. Aufl., 1999. Art. Pan.

[8] Vgl. Grant/Hazel: Lexikon der antiken Mythen und Gestalten. Art. Pan.

[9] Z.B. Aghion, Irène/ Barbillon, Claire/ Lissarrague, Francois: Reclams Lexikon der antiken Götter und Heroen in der Kunst. Stuttgart 2000. Art. Pan. Abb. S.228 unten.

[10] Adami, Martina: Der große Pan ist tot!? Studien zur Pan-Rezeption in der Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. (= Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft. Germanistische Reihe, Band 61). Innsbruck 2000. S.16.

[11] Vgl. ebd.

[12] Herbig, Reinhard: Pan, der griechische Bocksgott. Versuch einer Monographie. Frankfurt a.M. 1949. S.76f.

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Details

Titel
Pan Mythos in Hugo von Hofmannsthals „Tod des Tizian“
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
2
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V304244
ISBN (eBook)
9783668025400
ISBN (Buch)
9783668025417
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hugo von Hofmannsthal, Pan
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Pan Mythos in Hugo von Hofmannsthals „Tod des Tizian“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304244

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