Entwicklung, Konstruktion und Erprobung eines Konzentrationstrainingsprogramms für Kinder im höheren Grundschulalter (Band 2)


Diplomarbeit, 2000

103 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

1. Aufbau des Trainingsmaterials

- Leitkärtchen

Neben dem Training der Aufmerksamkeitskomponenten selbst liegt ein Schwerpunkt dieses Übungsprogramms darauf, dem Kind zu einem systematischen, wohlorganisierten Lösungsverhalten zu verhelfen. Diesem Zweck dienen die Leitkärtchen, die vier allgemein übergreifende Schritte zur Bewältigung einer Anforderung veranschaulichen.

Die Kärtchen sollen über die Zeit des gesamten Trainings hinweg dem Kind sichtbar vor Augen stehen, es in seinem grundsätzlichen Lösungsvorgehen bei jeder Aufgabe anleiten und so die zunehmende Verinnerlichung eines bedachten, systematischen Arbeitsstils wirken.

- Arbeitsblätter

Die beigefarbigen Arbeitsblätter beinhalten die Instruktionen, teils auch die Materialien zur Durchführung einer Aufgabe.

- Begleitmaterial

Jeder Aufgabeneinheit ist ein Begleitblatt zugeordnet, das den Trainer über die Vorbereitung und Handhabung der zu verwendenden Materialien informiert und gegebenenfalls detailliertere Hinweise zur Durchführung gibt.

Die Begleitmaterialien der ersten Trainingshälfte beinhalten ebenfalls Vorschläge zur konkreten Umsetzung des zweiten und dritten auf den Leitkärtchen beschriebenen Lösungsschrittes, insbesondere der Strategien, die sich zur Bewältigung der entsprechenden Anforderung eignen.

- Anlagen

Sind die Vorlagen zur Durchführung einer Übung nicht in das Arbeitsblatt integriert, befinden sich die notwendigen Materialien in einer entsprechenden Anlage zum Arbeitsblatt.

2. Das Eröffnungsgespräch

Ein kurzes einführendes Gespräch soll dem Kind zur Entwicklung eines Problembewußtseins verhelfen und die Ziele des Trainings, insbesondere der an den Leitkärtchen orientierten Selbstinstruktionstechnik, verdeutlichen:

- Das Konzentrationsproblem und seine Folgen

Typische Fehler in der Auseinandersetzung mit Aufgaben, beispielsweise im Unterricht, sowie Ursachen und Konsequenzen fehlerhaften Arbeitens werden gemeinsam mit dem Kind und möglichst nahe am schulalltäglichen Geschehen erörtert.

Die Probleme des Kindes liegen häufig in leichter Ablenkbarkeit durch Gedanken und Ereignisse in der Umgebung, flüchtigem Arbeiten sowie vorschnellem Antwortverhalten, begründet. Oft sind es gerade die kleinen Fehler, die sich einschleichen und das Ergebnis am Ende so nachhaltig beeinträchtigen. In einem Diktat beispielsweise genügen schon einige vergessene i-Punkte oder Umlautzeichen, um eine schlechte Note zu bekommen.

Als negative Konsequenzen resultieren unzureichende Leistungsergebnisse, oft müssen Aufgaben wiederholt gelöst werden, Konflikte mit Eltern und Lehrern sowie leistungsmäßige, oft auch soziale Ausgrenzung durch die Mitschüler folgen. Letztlich kommt die eigene Unzufriedenheit mit sich selbst und seinen erbrachten Leistungen hinzu.

Mit dem Training soll das Kind nun lernen, sich beim Arbeiten nicht ablenken zu lassen, Flüchtigkeitsfehler zu vermeiden sowie ruhig und bedacht an eine Aufgabe heranzugehen.

Als Einstieg erhält das Kind jetzt die Einführungsseite zum Programm, die zuvor mit dem Namen des Kindes versehen wurde. Gegebenenfalls noch vorhandene Fragen zum Verständnis des Konzentrationsbegriffs und den besprochenen Problem-zusammenhängen werden geklärt.

- Schritt für Schritt zum Ziel

Bezugnehmend auf das Einführungsblatt erklärt der Trainer, daß ein erster Trick zu konzentriertem Arbeiten das Festlegen und Einhalten bestimmter Vorgehensschritte sei. Das Training hilft dabei, eine Aufgabe Schritt für Schritt richtig zu lösen, um nicht wichtige Einzelheiten zu übersehen oder zu vergessen.

Gemeinsam schauen sich der Trainer und das Kind die Leitkärtchen an und sprechen anhand der vier Leitschritte über die grundsätzliche und die konkrete inhaltliche Bedeutung eines planvollen, schrittweisen Vorgehens beispielsweise beim Erledigen der Hausaufgaben.

Der Trainer erklärt dem Kind, daß die Leitkärtchen daran erinnern, jeden notwendigen Schritt zum Lösen einer Aufgabe sorgfältig zu bedenken, um dadurch Flüchtigkeitsfehler zu vermeiden.

Anhand der einzelnen Karten macht der Trainer nun im Dialog mit dem Kind die Inhalte und die Bedeutung der vier Lösungsschritte deutlich.

Er erläutert, daß es leichter ist, eine Aufgabe zu verstehen, wenn man das Problem für sich selbst noch einmal formuliert (1).

Ein Lösungsplan hilft dabei, schrittweise vorzugehen und an jedes wichtige Detail im Lösungsprozeß zu denken. Zudem fordert er dazu auf, im vornherein mehrere Lösungsmöglichkeiten zu bedenken, gegeneinander abzuwägen und die beste Variante herauszufinden (2).

Ein Leitsatz, der während des Lösens immer wieder zu erhöhter Wachsamkeit gegenüber kritischen Aufgabensituationen anhält, hilft dabei, vor allem schwierige Aufgabenteile sorgfältig und ohne Fehler zu bewältigen (3).

Fehler lassen sich feststellen und beseitigen, wenn die Ergebnisse zwischenzeitlich und abschließend kurz überprüft werden. (4)

Die rot umrandeten Leitkärtchen bezeichnen Teilschritte der Vorüberlegung, das bedeutet, sie betreffen wichtige Überlegungen, die man anstellen sollte, bevor man mit dem eigentlichen Lösen einer Aufgabe beginnt. Die grün gerahmten Kärtchen begleiten die Durchführung einer Aufgabe und weisen auf wichtige Schritte hin, die während des Lösungsprozesses zu beachten sind.

- Konzentrieren mit lautem Denken

Sicherlich ist es dem Kind auch schon passiert, daß es über eine bestimmte Sache oder Aufgabe nachdenken wollte und dann plötzlich seine Gedanken an ganz anderer Stelle wiedergefunden hat. Der Trainer macht deutlich, daß sich Gedanken sehr leicht ablenken lassen, vor allem dann, wenn man müde ist oder sich viel lieber mit etwas anderem beschäftigen würde.

Nun führt der Trainer mit dem Kind ein kleines Experiment durch:

Das Kind erhält die Aufgabe, leise für sich von 1 bis 20 zu zählen, den Mund dabei geschlossen zu halten und nicht einmal die Lippen zu bewegen. Im Anschluß soll das Kind noch einmal von 1 bis 20 zählen, dieses Mal jedoch die einzelnen Zahlen laut vor sich her sprechen.

Auf eine Frage des Trainers hin wird das Kind feststellen, daß es einfacher ist, laut zu zählen. Der Trainer erklärt, daß man sich besser auf etwas konzentrieren kann, das man laut ausspricht und sozusagen in der Sprache „festhält“, als auf bloße Gedanken. Da es nicht möglich ist, so schnell zu sprechen wie man denkt, verlangsamt sich das Denken, wenn es in Worte gefaßt wird. Das wiederum hilft dabei, die Gedanken nicht „ausreißen“ zu lassen und wirklich an jeden wichtigen Schritt beim Lösen einer Aufgabe zu denken. Demzufolge müßte es leichter fallen, einer Aufgabe zu folgen, wenn man die einzelnen Lösungsschritte, die man sich normalerweise nur denkt, laut hersagt. Mit dieser Technik des lauten Denkens kann man also gut lernen, sich nicht von abschweifenden Gedanken oder anderen Gegebenheiten ablenken zu lassen.

Der Trainer geht nun zur Modellierungsphase der ersten Aufgabeneinheit über.

3. Durchführung einer Übungseinheit

Die Leitkärtchen werden als Tischkärtchen gestaltet und in der richtigen Reihenfolge nebeneinander möglichst nahe am Kind, am besten oberhalb des Arbeitsblattes, plaziert. Etwas vorgestellt wird die Karte mit der Aufschrift:

Verstehen!

Das Kind erhält das Arbeitsblatt und liest die Aufgabenstellung laut vor. Nach einer kurzen Zeit des wiederholten leisen Lesens gibt das Kind den Inhalt der Aufgabe mit eigenen Worten wieder. Gegebenenfalls vorhandene Unklarheiten werden im Dialog mit dem Kind geklärt. Die erste Leitkarte wird nun wieder zurückgestellt, die zweite Leitkarte vorgerückt:

Überlegen!

Das Kind wird aufgefordert, sich nun zu überlegen, mit welchen konkreten Teilschritten es vorgehen würde, um zur Lösung des gestellten Problems zu gelangen. Diese Bedenkzeit, in welcher der Trainer sich passiv verhält, sollte mindestens eine halbe Minute, je nach Komplexität der Anforderung auch eine längere Zeitspanne umfassen. Das Kind spricht dabei seine Gedanken und Abwägungen laut vor sich her. Einem vorschnellen Handeln kann so zugunsten der Entwicklung einer bedachten Herangehensweise entgegengewirkt werden. Nun soll das Kind möglichst detailliert und unter deutlicher Herausgliederung einzelner Teilschritte seine Vorstellungen über ein mögliches Lösungsvorgehen dem Trainer gegenüber beschreiben. Durch Zwischenfragen des Trainers, die zu stärkerer Konkretisierung der vom Kind eingebrachten Äußerungen animieren, kann ein differenziertes Denk- und Planverhalten unterstützt werden. Abschließend werden die erkannten notwendigen Schritte zu einem Lösungsplan zusammengefaßt.

Auch ein Vorgehen, das von der auf dem Begleitmaterial vorgeschlagenen Lösungsstrategie abweicht, wird, wenn es ein System erkennen läßt und nicht übermäßig umständlich erscheint, akzeptiert. Wichtig ist es, darauf zu achten, daß der vereinbarte Plan letztlich auch tatsächlich beim Lösen der Aufgabe zur Anwendung kommt. Es geht in diesem Training nicht zuerst um das Erlernen bestimmter aufgabenspezifischer Lösungsstrategien, sondern um den Erwerb der Fähigkeit, ein systematisch organisiertes und planvolles Vorgehen bei der Bewältigung unterschiedlicher Anforderungen selbst zu entwickeln und durchzuhalten.

Ausgenommen sind Aufgaben, die die Anwendung einer speziellen visuellen Abtaststrategie nahelegen (1A, 3A, 7A, 9A, 11A). Hier kann davon ausgegangen werden, daß das systematische visuelle Erfassen und Betrachten von Gegenständen, zu dem diese Strategie anleitet, zu einer bewußteren und detaillierteren Wahrnehmung im Allgemeinen, vor allem aber in der visuellen Sinnesmodalität, beiträgt. Gleiches gilt für die in Verbindung mit einzelnen Aufgaben einzusetzende Sortierstrategie (2B, 6A, 6B, 10A, 14B), die ein systematisches Arbeiten und die Strukturierung wahrzunehmender Informationen unterstützen soll.

Ist sich das Kind darüber im Klaren, wie es genau vorgehen möchte, fährt es mit der nächsten Leitkarte fort:

Aufpassen!

Das Kind macht sich nun Gedanken darüber, an welcher Stelle Stolpersteine liegen bzw. wo sich am ehesten Fehler einschleichen könnten. Als präventive Gegenmaßnahme überlegt es sich einen Leitsatz, den es während der Aufgabenbearbeitung immer wieder in Erinnerung ruft und zwischenzeitlich laut her sagt. Der Trainer unterstützt dies durch Hinweise oder Zwischenfragen während der Aufgabendurchführung (z.B.: „Worauf möchtest Du achten?“; „Schaust Du auch genau hin?“). Meint das Kind, eine Aufgabe bzw. einen Aufgabenteil gelöst zu haben, geht es zur vierten Leitkarte über:

Kontrollieren!

Das Kind schaut seine Arbeit nun nach eventuellen Fehlern durch, stellt sicher, daß nichts vergessen wurde und schließt gegebenenfalls noch verbleibende Lösungsvarianten aus.

Manche Aufgabeneinheiten sind so aufgebaut, daß es sich anbietet, bereits nach Beendigung eines in sich abgeschlossenen Aufgabenteils erhaltene Zwischenergebnisse auf ihre Richtigkeit hin zu prüfen. Die Leitschritte drei und vier werden dann mehrmals im Wechsel durchlaufen. Das Kind springt also zwischen diesen beiden Leitkarten je nach Aufgabenbeschaffenheit mehrmals hin und her. Jede Aufgabe endet mit einer abschließenden Gesamtkontrolle der Lösung.

Ziel ist es, daß das Kind zum Ende des Trainings das selbstinstruktive Vorgehen soweit verinnerlicht hat, daß es eine Aufgabe, auch ohne laut zu denken, systematisch und schrittweise lösen kann. Die Verinnerlichung gelernten Verhaltens bildet zudem eine wichtige Voraussetzung für die Beibehaltung angeeigneter Strategien auch über die Dauer des Trainings hinaus und für deren generalisierte Anwendung. Zu diesem Zweck wird das die einzelnen Handlungsschritte begleitende laute Sprechen im Trainingsverlauf zunehmend ausgeblendet. Nachdem sich das Kind zu Beginn der zweiten Trainingshälfte nur noch flüsternd instruiert hat, geht es im letzten Trainingsviertel zu stiller, unhörbarer Selbstinstruktion über, arbeitet jedoch durchgehend mit den Leitkärtchen.

In Einstellung auf die individuellen Gegebenheiten des Kindes können die Übergangsgrenzen zu den verschiedenen Selbstinstruktionsphasen ggf. nach hinten verlegt werden. So mag es beispielsweise bei einem Kind angemessener erscheinen, über sechs anstatt über nur vier Sitzungen unter lauter Selbstinstruktion zu arbeiten, ehe es zu flüsterndem Sprechen übergeht.

4. Der Trainer als Modell

Im ersten Trainingsviertel wird der Übungseinheit jeweils eine Modellierungsphase vorangestellt.

Es beginnt zunächst der Trainer mit dem Lösen der Aufgabe analog zu den auf den Leitkärtchen angegebenen Einzelschritten. Er orientiert sich dabei im einzelnen an den im Abschnitt zur Durchführung einer Übungseinheit aufgeführten Anweisungen, wobei er sein Vorgehen mit selbstinstruierendem lautem Sprechen begleitet. In der sich anschließenden Übungseinheit imitiert das Kind den Trainer, indem es die einzelnen Lösungsschritte nun selbst unter Anwendung der Selbstinstruktionstechnik durchläuft und die Aufgabe vollständig löst.

Die auf den Begleitmaterialien vorgeschlagenen Lösungsstrategien sind vor allem als Unterstützung für den Trainer bei der Durchführung der Modellierungsphase gedacht und sollen den grundsätzlichen Charakter eines detaillierten systematischen Lösungsvorgehens veranschaulichen.

Die Selbstinstruktion der Modellierungsphase zur ersten Aufgabeneinheit könnte wie folgt lauten: (Die Leitkärtchen stehen oberhalb des Arbeitsblattes nebeneinander.)

Der Trainer liest laut die Aufgabenstellung vor. „Was ist mein erster Schritt? (stellt die erste Karte heraus) – Verstehen! (kurze Zeit des Überlegens) Also, ich soll diese beiden Bilder anschauen und vergleichen, welche Dinge auf dem zweiten Bild fehlen. Gut. Das habe ich verstanden. (Der Trainer erklärt dem Kind kurz, daß er die Aufgabe nicht vorwegnehmen möchte und deshalb mit zwei anderen Bildern arbeitet.)

Nun kommt die zweite Karte (nimmt die erste Karte und stellt sie wieder an ihren Platz zurück, das zweite Leitkärtchen wird vorgesetzt) – Überlegen! – Jetzt soll ich mir also einen Plan überlegen, wie ich die beiden Bilder am besten miteinander vergleiche. … (wägt verschiedene Möglichkeiten gegeneinander ab) Ich werde mir nicht gleich das ganze Bild auf einmal anschauen, sondern immer nur einen kleinen Ausschnitt. Ich merke mir dann die Dinge, die in einem Bildteil zu sehen sind und schaue an der gleichen Stelle auf dem zweiten Bild nach, ob ich alles wiederfinde. Am besten, ich fange in der Ecke hier oben (zeigt in die linke Bildecke) an und mache dann wie beim Lesen Stück für Stück weiter (fährt mit dem Finger zeilenweise über das Bild). Gut.

Jetzt schaue ich mir die nächste Karte an. (stellt das dritte Leitkärtchen heraus) – Aufpassen! – Ich denke, ich muß aufpassen, daß ich mir das Bild nicht zu schnell anschaue. Das heißt also, der Bildausschnitt, den ich mit einem Mal betrachte, darf nur so groß sein, daß ich mir auch jede Sache darin merken kann.

Die Karte ist grün umrandet, jetzt darf ich also anfangen: In dieser Ecke hier oben sehe ich einen Baum mit mehreren Ästen ... und Blättern ... und ein Vogel fliegt darüber. Gut, das reicht ersteinmal. Ich darf mir nur so viel auf einmal anschauen, daß ich mir auch alles merken kann. Nun zu dem anderen Bild. Dieser Ast hier ist da (zeigt mit dem Finger auf das jeweilige Bild)... Daran hängt ein kleinerer Ast herunter ... ja das ist auf dem anderen Bild genauso ... (fährt fort, die einzelnen Äste miteinander zu vergleichen). Die Äste sind auch hier mit Blättern bewachsen. ... Der Vogel ... der fehlt auf diesem Bild! Sehr gut, den ersten Fehler habe ich gefunden. (zeichnet den fehlenden Vogel ein)... Bevor ich weiter mache, schaue ich zwischendurch auf meine Leitkärtchen. (nimmt die vierte Karte in die Hand) – Kontrollieren! . Ich überprüfe jetzt, ob ich die ersten Bildausschnitte genau verglichen habe. Ich sehe mir noch einmal gründlich den Baum an. … Halt, hier fehlt ja der kleine Ast mit dem einen Blatt! Ich zeichne also das Ästchen auf dem zweiten Bild ein. Das habe ich gut gemacht. Die anderen Fehler werde ich auch alle finden. Nun weiter mit dem nächsten Bildausschnitt. (stellt die dritte Leitkartewieder heraus.) – Aufpassen! – Worauf wollte ich Acht geben? Ja richtig, der Bildausschnitt, den ich mir anschaue, darf nicht zu groß sein, damit ich mir auch jede Kleinigkeit darin merken kann. …“

Der Trainer vergleicht alle verbleibenden Bildteile in dieser Weise miteinander. Ist er zum Ende gelangt, führt er die Selbstinstruktion wie folgt fort: „Nun bin ich fertig. (blickt zu den Leitkärtchen und stellt die vierte heraus) Zum Schluß kontolliere ich alles noch einmal und gehe sicher, daß ich auch nichts übersehen habe. ... Das habe ich prima geschafft.“

In die Modellierungsphase baut der Trainer bewußt auch Fehler ein, zum einem, um sich möglichst nahe an der Realität des Kindes zu bewegen, des weiteren, um dem Kind einen angemessenen Umgang mit Mißerfolgen demonstrieren zu können. Am Ende eines Aufgabenteils spricht er sich Mut zu und lobt sich selbst für die bis dahin erbrachte Leistung.

5. Grundsätzliche Hinweise

Der Trainer muß sich selbst im voraus mit den Aufgaben gründlich auseinandergesetzt haben und sich über eine geeignete Lösungsstrategie im Klaren sein, um dem Kind Anhalt für systematisch organisiertes und geradliniges Arbeiten bieten zu können.

Neben der Schulung der Konzentrationsfähigkeit besteht ein weiteres Ziel des Trainings darin, das oft zu sich selbst sehr negativ eingestellte Kind in seiner Selbstwahrnehmung als fähig und zu Erfolgen imstande zu bestärken. Deshalb ist es in jedem Fall anzustreben, eine Aufgabe als ein für das Kind positives Erlebnis zu gestalten, das ihm Anerkennung und Zutrauen in die eigene Leistungsfähigkeit verschafft . In diesem Sinn sollte der Trainer grundsätzlich bereit sein, das Kind durch Hinweise oder anderweitige Hilfestellungen zu unterstützen.

Gerade im Prozeß der Vorbereitung eines geeigneten Lösungsvorgehens (Leitschritte 2 und 3), insbesondere der Herleitung eines die Durchführung begleitenden Leitsatzes darf der Trainer Vorschläge unterbreiten und das Kind unter stärkerer Direktion anleiten. Eine zunehmende Selbständigkeit des Kindes im Laufe des Trainings ist dennoch anzustreben.

Das Kind soll immer wieder ermuntert werden, sich wirklich genau und intensiv mit einer Aufgabe auseinanderzusetzen und sie zu Ende zu bringen. Ermutigungen wie: „Gleich hast du es geschafft… nur noch 2 Aufgaben…“ können das Kind vor allem in der Endphase einer Einheit motivieren. Denn gerade konzentrationsgestörte Kinder neigen oft dazu, Aufgaben vorzeitig abzubrechen, was sie wiederum in ihrem Erfolgserleben beeinträchtigt.

Es ist wichtig, dem Kind genügend Zeit beim Lösen einer Aufgabe zu lassen, bevor intervenierend oder unterstützend eingegriffen wird. Das Kind muß die Chance haben, eigene Fehler selbst zu bemerken und zu korrigieren und soll die erfolgreiche Lösungsfindung der eigenen Fähigkeit und Anstrengung zuschreiben können.

Hat sich ein Mißerfolg eingestellt, sollte dieser nicht einem grundsätzlichen Unvermögen des Kindes, sondern eher externen Bedingungen zugeschrieben werden. Das kann durch Bemerkungen geschehen wie beispielsweise: „Diese letzte Übung war ja auch die schwierigste von allen. Die anderen Aufgaben hast du dafür toll gemeistert!“ oder: „Diese Aufgabe hatte es wirklich in sich. Toll, daß du trotzdem so gut durchgehalten und dir Mühe gegeben hast!“ Jede Sitzung sollte möglichst mit einer Ermutigung für das Kind enden.

Gegebenenfalls zu erstellende Kopien sollten immer in Orientierung am Original auf gleichfarbiges Papier erfolgen. Erweist sich die Anfertigung einer Kopie als zu aufwendig, könnte das Arbeitsblatt alternativ auch in Klarsichtfolie gebracht und vom Kind mit Folienstift beschrieben werden.

Das Training sollte vorzugsweise von pädagogischen und psychologischen Fachkräften durchgeführt werden.

Aufmerksamkeits-Komponenten-Training

Aufmerksamkeitskomponenten und Einzelaufgabenzuordnung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkungen. Die Numerierung (Nr.) bezeichnet die Position einer Einzelaufgabe in der Reihe der insgesamt 32 Aufgaben bei der Durchführung der 16 Sitzungen des Trainingsprogramms. Jede Aufgabe aus der ersten Trainingshälfte (a) wiederholt sich in der zweiten (b) in veränderter Modalität oder/ und auf erhöhtem Schwierigkeitsniveau. motor. = motorisch; A. = Aufmerksamkeit; ment. = mental; semant. = semantisch

Aufmerksamkeits-Komponenten-Training

Trainingssitzungen und Einzelaufgabenzuordnung

1A Bilder vergleichen

1B Linie nachzeichnen

2A Bilder ordnen

2B Bildteile zusammenfügen Modellierungsphase + laute Selbstinstruktion

3A Zahlen finden

3B Perlenmuster fädeln

4A Briefmarkenzähne zählen

4B Reime und Sätze bilden

5A Bilderanordnung lernen

5B Trommelschläge zählen

6A Motive zuordnen

6B Objekte merken laute Selbstinstruktion

7A Logische Fehler erkennen

7B Figur zeichnen

8A Rechnen mit gespiegelten Zahlen

8B Figuren nachlegen

9A Figuren vergleichen

9B Linie entlangschneiden

10A Bildteile zusammenfügen

10B Objekte ordnen flüsternde Selbstinstruktion

11A Wörter finden

11B Perlenmuster fädeln

12A Assoziationen finden

12B Taktschläge zählen

13A Silben zählen

13B Bilderanordnung lernen

14A Sachtext merken

14B Oberbegriffe finden stille Selbstinstruktion

15A Logische Fehler erkennen

15B Figur zeichnen

16A Rechnen mit Symbolen

16B Bild nachlegen

Leitkärtchen 1-2

1. VERSTEHEN

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. PLANEN

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Leitkärtchen 3-4

3. AUFPASSEN

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. KONTROLLIEREN

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hallo

Ich finde es prima, daß Du etwas für Deine Konzentration tun möchtest.

Ich habe mir viele Übungen für Dich ausgedacht, die Deine Konzentration trainieren und sogar auch noch Spaß machen.

Außerdem werde ich Dir einige Tricks verraten, die das Konzentrieren leichter machen.

Kann es losgehen?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

So ein Rodelspaß! Das Bild hier unten sieht auf dem ersten Blick ganz genauso aus wie das Bild auf der nächsten Seite. Schaust Du jedoch genauer hin, wirst Du entdecken, daß sich auf dem zweiten Bild einige Fehler eingeschlichen haben. Male die fehlenden Dinge an der richtigen Stelle in das Bild hinein!

Aus urheberrechtlichen Gründen ist es leider nicht gestattet, die zu dieser Aufgabeneinheit gehörenden Bilder an dieser Stelle abzudrucken. Hinweise zum Arbeitsmaterial befinden sich auf dem folgenden Begleitblatt.

Bilder vergleichen

1 A

Modellierungsphase

Strategie:

- analog zum Vorgehen beim Lesen Analyse der Bilder, beginnend oben links, fortlaufend nach unten rechts
- ausschnittweise vergleichen

! Der Bildausschnitt, den ich mir mit einem Mal anschaue, ist nur so groß, daß ich mir auch jedes Detail merken kann.

Material

- Arbeitsblatt:

Die entsprechenden Bildvorlagen bietet das Buch von Sachsenweger, U. & R. (1981).

Sehübungen. Leipzig: Georg Thieme Verlag.

- Bleistift, Radiergummi

Hinweise

Lösung:

Folgende Dinge fehlen auf dem zweiten Bild: Schlitten, Skistock, Schal, Bommel, Mund vom Schneemann, Verschluß am Jackenärmel

Es ist nicht unbedingt erforderlich, daß das Kind jeden der 6 Unterschiede findet.

Bemerkt das Kind nach geraumer Zeit keine weiteren Fehler mehr, wird die Übung beendet. Die vom Kind entdeckten Unterschiede werden als Erfolg hervorgehoben.

Die Übung sollte jedoch nicht zu frühzeitig abgebrochen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 B

Schaffst Du es, diese gefährliche Wüste zu durchqueren? Nur auf dem schmalen Schlängelweg bist du wirklich sicher.

Fahre den Weg mit einem Stift ab und paß genau auf, daß Du dabei nicht in den Bereich außerhalb der beiden Randlinien gerätst!

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Linie nachzeichnen 1 B

Modellierungsphase

Strategie:

- langsames Abfahren des Linienzwischenraumes
- Bewegungsantizipation, z.B.: „Jetzt kommt gleich eine Kurve, da muß ich langsamer werden…“

! Besonders in den Kurven passe ich genau auf, daß ich nicht über die Linien zeichne.

Material:

- Arbeitsblatt
- Bleistift, Radiergummi
- Vorbereitung: Arbeitsblatt kopieren

Hinweise:

Zum Abschluß der Sitzung erhält das Kind eine kleine Nascherei.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 2 A

Hättest Du gedacht, daß es so viele unterschiedliche Farbtöne gibt?

Wenn Du die Tiere in jeder Reihe richtig nach ihrer Helligkeit ordnest, ergeben die Buchstaben unter jedem Bild aneinandergereiht einen Sinn. Sie verraten Dir einen Trick, der Dir hilft, Dich noch besser zu konzentrieren.

Beginne immer mit dem dunkelsten Bild!

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bilder ordnen 2 A

Modellierungsphase

Strategie:

- auf dem ersten Blick am dunkelsten erscheinende Abbildung bestimmen
- ermitteltes Bild systematisch mit allen verbleibenden Bildern der Reihe vergleichen und dunkelste Abbildung endgültig herausstellen
- Buchstabe des erhaltenen Bildes in das dafür vorgesehene Feld eintragen
- nach diesem Ordnungsprinzip fortfahren und die Bilder in die richtige Reihenfolge bringen
- bereits geordnete Bilder können mit einem Bleistift durchgestrichen werden

! Ich entscheide mich beim Ordnen erst dann für ein Bild, wenn ich es auch wirklich mit jedem anderen übrigen Bild genau verglichen habe.

Material

- Arbeitsblatt
- Bleistift, Radiergummi
- Vorbereitung: Arbeitsblatt kopieren

Hinweise

Es ist sinnvoll im Anschluß an die Aufgabe mit dem Kind kurz über den Lösungsinhalt zu sprechen. Es bietet sich an, einen Bezug zu den Leitkärtchen herzustellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 2 B

Nun möchte ich Dir noch Emma, die Kuh, vorstellen.

Wenn Du die verschiedenen Puzzleteile richtig zusammenfügst, kannst Du erkennen, wie Emma aussieht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bildteile zusammenfügen 2 B

Modellierungsphase

Strategie:

- Bildrandteile heraussortieren und ausgehend von den vier Bildecken mit dem Zusammenfügen der Außenteile beginnen
- Teil gleicher Farbe oder vom Motiv her passend erscheinendes Gegenstück suchen und anfügen bzw., falls es nicht paßt, das Teil bis zur späteren Einbeziehung an die Seite legen und neues Teil probieren
- nicht passende, jedoch untereinander zusammengehörig erscheinende Teile an der Seite gruppieren
- es kann auch an unterschiedlichen Bildausschnitten gepuzzlet werden, die zum Schluß zusammengesetzt werden

! Wenn ein Puzzleteil nicht paßt, lege ich es an die Seite.

Material

- Anlage: Puzzleteile
- Vorbereitung: Puzzlevorlage auf stabilen Untergrund bringen und entlang der vorgegebenen Linien zerschneiden

Anlage 2B: Puzzleteile

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Illustration von Detlef Kersten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 3 A

Die Zahlen von 1 bis 20 sind durcheinander geraten. Kannst Du sie alle der Reihe nach finden?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zahlen finden 3 A

Modellierungsphase

Strategie:

- gesuchte Zahl in der Vorstellung antizipieren
- Grobdurchsicht der Abbildung danach, ob die Zahl auf dem ersten Blick zu sehen ist
- langsames systematisches Durchsuchen des Zahlenkastens analog zum Lesen, beginnend links oben fortlaufend nach rechts unten

! Kann ich die Zahl nicht gleich auf den ersten Blick entdecken, schaue ich mir den

Kasten nur in kleinen Schritten Stück für Stück an.

Material

- Arbeitsblatt

Hinweise

Das Kind zeigt jeweils mit dem Finger auf die gefundene Zahl.

[...]

Ende der Leseprobe aus 103 Seiten

Details

Titel
Entwicklung, Konstruktion und Erprobung eines Konzentrationstrainingsprogramms für Kinder im höheren Grundschulalter (Band 2)
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Pädagogische Psychologie)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2000
Seiten
103
Katalognummer
V30427
ISBN (eBook)
9783638316880
ISBN (Buch)
9783656525431
Dateigröße
4795 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das vorliegende Trainingsprogramm resultiert aus sorgfältiger theoretischer Vorarbeit und bietet eine Einführung in die Arbeit mit Kindern, die unter Konzentrationsschwäche leiden. Umfassende Materialien werden zur Verfügung gestellt und können größtenteils sofort eingesetzt werden. Neben dem direkten Training der Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit bietet das Programm insb. für Kinder mit ADS/ Hyperaktivität eine Anleitung zum systematischen und schrittweisen Arbeiten.
Schlagworte
Entwicklung, Konstruktion, Erprobung, Konzentrationstrainingsprogramms, Kinder, Grundschulalter
Arbeit zitieren
Sabine Köhler (Autor), 2000, Entwicklung, Konstruktion und Erprobung eines Konzentrationstrainingsprogramms für Kinder im höheren Grundschulalter (Band 2), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30427

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