Zur Sozialstruktur der NSDAP-Mitglieder von 1919 bis 1933


Seminararbeit, 2010
31 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sozialstruktur der Parteimitglieder
2.1 Probleme und Grenzen der Analyse von NSDAP-Mitgliederlisten
2.2 Sozialstruktur von 1919 bis 1923
2.3 Sozialstruktur von 1925 bis 1933

3. Hypothesen und Theorien
3.1 Die Massentheorie
3.2 Die Mittelschicht- und Kleinbürgerhypothese
3.3 Politischer Konfessionalismus

4. Schluss

5. Literatur

6. Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Wer wurde Nationalsozialist? – Titel des Aufsatzes von Jürgen W. Falter, der selbst auf einer Untersuchung von William Brustein basiert, ist eine Literaturgrundlage und zugleich die zentrale Fragestellung dieser Arbeit. Es soll hinterfragt werden, welche Menschen sich schon vor 1933 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei anschlossen und aus welchen Gründen dies geschah. Die geografische und berufliche Herkunft, das Alter und das Geschlecht der Mitglieder sollen zentrale Gesichtspunkte sein.

Der Aspekt der Sozialstruktur ist aus Mitgliederlisten oder Wahlergebnissen zu erschließen. Die Geschichtsforschung arbeitet an der Beantwortung dieser Fragen schon seit über 60 Jahren, doch es erscheinen immer wieder neue Ansätze und Ergebnisse. Kamen die NSDAP-Mitglieder eher aus ländlichen oder städtischen Gebieten? War sie eine Partei des unteren Mittelstandes? Oder besaß sie als Massenpartei Anziehungskraft für alle? Diese Fragen sind letztendlich nicht geklärt. Zum Forschungshintergrund werde ich dritten Punkt „Hypothesen und Theorien“ näher eingehen.

Doch zunächst möchte ich allgemeine Probleme zur Auswertung von NSDAP-Mitgliederlisten besprechen. Danach werde ich versuchen einige Erkenntnisse bezüglich der Soziographie der Mitglieder aus der Zeit von 1919 bis 1923 darzulegen und anschließend Aussagen über der Zeit ab 1925 treffen. Eine elementare Rolle spielt dabei das Verbot der NSDAP vom 23.11.1923 und die Neugründung der Partei am 27.02.1925.

Es wird vorranging auf Sozialstruktur der Mitglieder als auf die NSDAP-Wähler Bezug genommen. Auf die drei wichtigsten Theorien, die ursprünglich auf die Zusammensetzung der Wählerschaft der Partei angewendet wurden, aber auch für die Mitgliedschaft in der NSDAP gebraucht werden können, komme ich im Anschluss, im bereits oben genannten Punkt 3, zu sprechen: die Massentheorie, die Mittelschicht- und Kleinbürgerhypothese und den politischen Konfessionalismus. Dies sind alles Beiträge zur Beantwortung der Frage wer sich dem Nationalsozialismus anschloss. Warum dies geschah, ist dagegen nur sehr schwer zu untersuchen, denn es gibt keine Erforschungen über die Beweggründe, weshalb Leute der Partei beitraten, wie zum Beispiel politische Meinungsforschung.

Literaturgrundlage ist neben dem eingangs genannten Aufsatz auch „Zur Soziographie der frühen NSDAP“ von Micheal H. Kater, die Monographie „Führer befiel…“ von Albrecht Tyrell, für die NSDAP in München der Aufsatz von Mathias Rösch: „Die Münchner NSDAP 1925 – 1933“, sowie „Hitlers Wähler“, ein weiteres Werk von Falter.

2. Sozialstruktur der Parteimitglieder

2.1 Probleme und Grenzen der Analyse von NSDAP-Mitgliederlisten

Es ist schwierig, genaue Einschätzungen über die soziale Herkunft der NSDAP-Mitglieder zu geben, da es vor allem in der Zeit vor dem Putsch 1923 nicht genügend aussagekräftige Quellen gibt. Nach der Wiedergründung der Partei im Februar 1925 gab es zudem Vernichtungen von anfänglichen Listen. Die Mitgliedschaft in der Partei konnte nur durch Neuaufnahme geschehen[1], sodass alte Mitgliedskarten keine Gültigkeit mehr besaßen. Das NSDAP-Hauptarchiv wurde erst am 15. Januar 1934 gegründet. Für die vorigen Jahre muss man sich ausschließlich auf Mitgliedslisten der einzelnen Ortsgruppen oder die Zentralkartothek in München berufen.[2] In den weiteren Abschnitten dieser Arbeit wird darauf Bezug genommen.

Weiterhin stellt die Berufsklassifikation ein Problem dar. Besonders in der Zeit der frühen NSDAP, aus der ohnehin wenige Mitgliederlisten überliefert worden sind, erschließt sich eine Vielzahl an Variationen von Berufsangaben. Dabei gab es für eine berufliche Tätigkeit verschiedene Bezeichnungen. 1963 machte Rudolf Heberle erstmals auf die Schwierigkeiten bei der Darstellung sozialer Gruppen innerhalb der NSDAP-Mitglieder aufmerksam. Beispielsweise sind in der Kategorie „Selbstständige“ unterschiedliche soziale Gruppen vertreten.[3]

Genuneit weist darauf hin, dass für die Zeit von 1919 bis 1923 bei über 8000 Fällen mehr als 1500 Berufsangaben existieren. Der berufliche Status sagt Grundlegendes über den gesellschaftlichen Status aus. Um so einen wertvollen Überblick zu in Bezug auf die Sozialstruktur der Partei zu erhalten, ist eine Systematisierung notwendig. Dies bringt weitere Probleme mit sich. Zum einen sind die Berufsabgaben in den Mitgliedslisten Selbsteintragungen, das heißt die Angaben sind sozial oder politisch motiviert. Dennoch geben sie Auskunft über den gesellschaftlichen Hintergrund des jeweiligen Mitglieds, denn die Berufsbezeichnungen spiegeln auch ein gewisses Berufs- und Standesbewusstsein wider. Zum anderen lassen sich die Berufe horizontal und auch vertikal klassifizieren. Die horizontale Einteilung beschreibt die Berufe nach ihrer Funktion. Die kleinste Einheit bilden dabei die Berufsarten, die dann zu Berufszweigen erfasst werden. Die vertikale Klassifikation dagegen versucht die hierarchische Einteilung nach dem beruflichen Status aufzuzeigen. Dabei gibt es zum Beispiel prestigeorientierte Kriterien, welche die Stellung im Beruf charakterisiert, das heißt die selbstständige oder die nicht selbstständige Stellung im Beruf. Als ökonomische Kriterien zählen das Einkommen und der Wohlstand, aber auch das Verhältnis von Armen zu Reichen in einer Berufsgruppe.[4]

Letztlich lässt sich festhalten, dass es keine einheitlichen Kriterien in der Forschung gibt. Genuneit unterteilt die Berufsgruppen in Arbeiter und Angestellte, Beamte, Handwerker und Selbstständige.[5] Im Gegensatz dazu werden bei Maser Beamte und Angestellte in eine Berufsgruppe gezählt. Außerdem werden Frauen, Schüler und Mitglieder mit ungenauen Angaben in ein und dieselbe Kategorie gezählt.[6] Es ist fraglich, inwiefern diese Angaben repräsentativ sind.

Ferner müssen Begriffsunklarheiten vermieden werden. Um Thesen wie der „Partei des unteren Mittelstandes“ nachzugehen, müssen Ausdrücke wie „Mittelstand“ klar definiert sein, um ableiten zu können, welche Kategorien oder Berufsgruppen man geltend für diese soziale Schicht machen kann. Grebing erläutert Mittelstand folgendermaßen: „Der früher benutzte Begriff des ´Kleinbürgertums´ […] ist in dieser Neuausgabe ersetzt worden durch den ideologisch weniger besetzten Begriff des ´Mittelstandes´. Darunter wird verstanden: kleine Ladenbesitzer, Kaufleute, Einzelhändler, Handwerker, Besitzer kleiner Handels- und Industriebetriebe, untere und mittlere Beamte (Lehrer), untere und mittlere Angestellte, Klein- und Mittelbauern.“[7] Probleme könnten sich, auch für diese Arbeit, in Bezug auf die Festlegung welche Berufsgruppen zum Mittelstand gezählt werden, ergeben. Manche Autoren unterscheiden zwischen unterem, oberem, altem und neuem Mittelstand.[8]

2.2 Sozialstruktur von 1919 bis 1923

Besonders über die Anfangszeit der Partei, die bis zum 24. Februar 1920 noch Deutsche Arbeiterpartei hieß[9], fehlt eine grundlegende Quellenbasis bezüglich der Mitglieder. In den Jahren von 1919 bis 1922 gab es keine zentrale Verwaltung in der NSDAP. Erst im April 1922 wurde in der Münchner Hauptstelle eine Zentralkartothek angelegt.[10] Deshalb lassen sich für diese Zeit nur sehr schwer eindeutige Aussagen treffen und man kann erst für die Zeit nach April 1922 annehmen, dass alle Mitglieder katalogisiert worden sind.

Es existieren lediglich die erste Mitgliedsliste bis zum 29. Mai 1920, die Listen der Ortsgruppen Rosenheim bis zum 2. August 1922, Passau bis zum 24. August 1922, Landshut bis zum 20. September 1922, Mannheim bis zum 28. August 1922. Diese Listen bestehen aus 1478 Mitgliedern.[11] Außerdem ist ein Fragment einer Originalmitgliederliste, bei der die Eintragungen von September bis November 1923 reichen, mit ungefähr 4800 Namen, von insgesamt 55787 Eintragungen, erhalten.[12] Man kann davon ausgehen, dass diese Liste von April 1922 bis November 1923 regulär geführt worden ist. Es ist allerdings fraglich, ob sie schon vor dem Putsch unvollständig war, denn man weiß nicht, ob die früheren Mitglieder nachgetragen worden sind. Außerdem beginnt der erste Eintrag aus visuellem Anlass mit der Mitgliedsnummer 501.[13]

Betrachtet man Masers Analyse[14], fällt vorderhand auf, dass Beamte und Angestellte, sowie Akademiker einer Kategorie angehören. Dadurch lassen sich obere und untere Mittelschicht kaum voneinander trennen. Den größten Anteil bilden mit 27 % für die erste Liste bis 1920, wie in allen seiner untersuchten Mitgliederlisten, die Facharbeiter und Handwerker, den geringsten Anteil die ungelernten Arbeiter mit 2,9 %. In der Ortsgruppe Landshut machen die Facharbeiter und Handwerker 33,7 % aus, die Soldaten und Offiziere sind hier mit 0,9 % am wenigsten vertreten. Die ungelernten Arbeiter sind in allen Listen mit weniger als 5 % repräsentiert.[15] Insgesamt ist diese Auswertung, wie schon erwähnt, nicht aussagekräftig genug, um nützliche Schlüsse zu ziehen.

Die Untersuchung von Kater bietet mehr Auskunft. In der Mitgliedsliste stehen Informationen über Mitgliedsnummer, Vor- und Nachname, Beruf, Geburtsdatum, Wohnort und Sitz der zuständigen NSDAP-Ortsgruppe zur Verfügung. Es lassen sich jedoch leider keine Aussagen über den Bildungsgrad oder Besitzverhältnisse treffen. Deshalb wurde nicht nach Sozial-, sondern nach Berufsgruppen geordnet. Es wird zwischen 20 Berufsgruppen unterschieden: Ungelernte Arbeiter, Facharbeiter, Dienende, Handwerker, untere und mittlere Angestellte, untere und mittlere (öffentliche) Beamte, Militärs, Landwirte, Kaufleute, Künstler, Unternehmer, leitende Angestellte, höhere (öffentliche) Beamte, (freiberufliche) Akademiker, Arbeitslose, keine (Berufs-)Angaben, Studenten, Lehrlinge, Wohlfahrtsempfänger und Hausfrauen.[16]

Die Wohngebiete wurden in Nord- und Süddeutschland mit dem Main als Trennungslinie eingeteilt, sodass sich für Süddeutschland die Länder Bayern, Württemberg, Baden, Hessen, die preußischen Regierungsbezirke Kassel, Wiesbaden, Koblenz, Trier und Sigmaringen, außerdem das Saargebiet ergeben. Daneben wurde in Großstädte, für Orte mit mehr als 100000 Einwohnern, in Kleinstädte, für Orte mit 10000 bis 100000 Einwohnern und in Land, für Gebiete mit weniger als 10000 Einwohnern, kategorisiert. München und Berlin wurden extra gezählt.

Es wurde weiterhin in zwei Altersgruppen gegliedert. Die erste Einordnung betrifft alle Mitglieder, die bis zum 23. 12. 1923 23 Jahre oder älter waren, die zweite betrifft alle Jüngeren. Schließlich wurden noch die Ortsgruppen, wobei hier nur in Münchner Ortsgruppe oder andere strukturiert wurde und das Geschlecht der Mitglieder untersucht.

Aus der ausgewerteten Liste lassen sich interessante Resultate betrachten. Zunächst ist in Bezug auf die Wohngebiete auffällig, dass über 53 % der Mitglieder auf dem Lande und weniger als ein Viertel in der Großstadt wohnten. Außerdem ist der Anteil Norddeutschlands mit 18,4 % recht hoch. Allein in der Münchner Ortsgruppe beträgt der Anteil der Norddeutschen Mitglieder über 62 %. Es kann deshalb nicht die Aussage unterstützt werden, dass die nationalsozialistische Bewegung bis 1923 nicht über Bayern hinausging.[17]

Beobachtet man die Berufsgruppen, so lässt sich feststellen, dass die Handwerker mit 20 % den größten Anteil in der NSDAP stellten. Gefolgt von Kaufleuten (13,6 %), unteren und mittleren Angestellten (11,6 %), Landwirten (10,4 %), Facharbeitern (8,5 %) und unteren und mittleren Beamten (6,2 %). So gesehen, vertritt der „untere Mittelstand“ den größten Anteil in der Partei 1923. Die Bauern in der NSDAP kamen vermehrt vom Land als aus der Stadt.[18] Das liegt auch daran, dass in der Großstadt der Modernisierungsprozess 1923 weiter fortgeschritten war als auf dem Land und so auch hier die Handwerker oftmals schon Facharbeiter und gewerkschaftlich organisiert waren. Aus diesem Grund sahen sich die Handwerker auf dem Land bedroht und könnten eine Sympathie für die NSDAP entwickelt haben, die ihren Interessen entgegenkamen. Allerdings lassen sich Facharbeiter von Handwerkern soziologisch schwer trennen.[19]

Die Bauern machten im gesamten Reich einen Anteil von über 10 % in der NSDAP aus. Dies widerspricht der Annahme, dass der Nationalsozialismus erst ab 1930 in ländliche Gegenden eingezogen wäre. In den Mitgliederlisten bei Maser sind kaum Landwirte als NSDAP-Mitglieder verzeichnet.[20] Allerdings handelt es sich hier um Ortsgruppenlisten aus Städten.

Auch der relativ hohe Anteil der Kaufleute, erneut mehr auf dem Land als in der Großstadt, ist ökonomisch begründbar. Bei den Angestellten und Beamten spielten daneben auch sozialpsychologische Faktoren eine Rolle. Nach dem Weltkrieg waren die Angestellten aufgrund von Überfüllung in ihrem Beruf existenziell und gesellschaftlich beunruhigt, die Gefahr des Abrutschens in das Proletariat drohte. Ähnlich erging es den Beamten, die einen Prestigeverlust befürchteten.[21]

Das stark antisemitische Parteiprogramm war für viele Berufsgruppen attraktiv, so zum Beispiel glaubten zahlrieche Handwerker, Facharbeiter, Landwirte, Kaufmänner, Angestellte und Beamte, dass die Juden Zusammenbruch und Inflation, auch die „Ruhrbesetzung“ große Gewinne machten.[22] Verschiedene Programmpunkte[23], wie Punkt 3, der Land und Boden zur Ernährung des Volkes fordert, mag für manche Landwirte interessant gewesen sein. Außerdem spricht Punkt 17 den Agrar-Antisemitismus an, indem „eine unseren nationalen Bedürfnissen angepaßte Bodenreform, Schaffung eines Gesetzes zur unentgeltlichen Enteignung von Boden für gemeinnützige Zwecke. Schaffung des Bodenzinses und Verhinderung jeder Bodenspekulation“[24] gefordert wird. Auch für den unteren und mittleren Beamten dürfte Punkt 6, der nur Staatsbürger das Recht zugesteht, öffentliche Ämter auszuführen, nicht uninteressant gewesen sein. Ebenso Punkt 20, dies gilt auch für Angestellte, forderte das Recht für jeden deutschen Bürger auf höhere Bildung. Der Ausbau der Altersversorgung (Punkt 15) war für die Angestellten ansprechend. Punkt 16, der die sofortige Kommunalisierung der Groß-Warenhäuser und deren Vermietung an kleine Gewerbetreibende zu niedrigen Preisen verlangt, sollte die Kaufleute beeindrucken. Die Abschaffung des arbeits- und mühelosen Einkommens (Punkt 11) war gegen die Zinsknechtschaft, unter der vor allem Handwerker und untere Angestellte litten. Auch die Konservativen wurden angesprochen. Der Schutz der Mutter (Punkt 21) entsprach ihrem traditionellen Familienbild. Punkt 24, der zumindest den Anschein einer Religionsfreiheit im Staat beansprucht, war für die strengen Katholiken bestimmt. In zahlreichen Programmpunkten, wie Punkt 3, 4, 7, 8, 18 oder 23, wurden Juden für wirtschaftliches und soziales verantwortlich gemacht oder es wurde gegen sie, wenn auch indirekt, gewettert. In keinem anderen Parteiprogramm aus dieser Zeit fanden antisemitisch eingestellte soziale Gruppen ihre Forderungen besser wieder als in dem der NSDAP.

Der geringe Anteil der Arbeiter von nur 9,5 %[25] im gesamten Reich ist für eine Arbeiterpartei recht wenig. Zum einen erklärt Kater dies mit dem Parteiprogramm, das für den allgemeinen Arbeiter, wie oben gezeigt, nicht anziehend genug war. Zum anderen fühlten sich die klassenbewussten Arbeiter eher dem Marxismus angehörig. Auch für sozialdemokratisch organisierte Arbeiter hatte das 25-Punkte-Programm nicht die Wirkung, wie es sich die Nationalsozialisten erhofft hatten. Natürlich bemühten sich die NSDAP trotzdem um ungelernte Arbeiter.[26]

Der Frauenanteil war mir 4,4 % in der Partei war 1923 noch sehr gering. Je weiter man sich von der Großstadt entfernt, desto geringer wird der Frauenanteil der Partei.[27]

Das Gesamtdurchschnittsalter der Partei lag in der Anfangszeit der NSDAP bei 28 Jahren.[28] In Norddeutschland lässt sich erkennen, dass hier der Altersdurchschnitt weitaus niedriger liegt als in Süddeutschland.[29]

Betrachtet man Katers Analyse für die Sozialstruktur der NSDAP für 1923, so muss man zu dem Ergebnis kommen, dass die NSDAP zu dieser Zeit eine Mittelstandspartei war. Die Arbeiter waren nur in einem geringen Maße vertreten. Den größten Anteil repräsentierten die Handwerker, Kaufleute und Landwirte. Auch Masers wenige Angaben zu den Jahren 1920 bis 1922 zeigen, dass die Arbeiter nur einen unwesentlichen Teil ausmachen, wo hingegen der untere Mittelstand am meisten Mitglieder stellte.

[...]


[1] Vgl. Tyrell, Albrecht: Führer befiehl. Selbstzeugnisse aus der ´Kampfzeit´ der NSDAP, Düsseldorf 1969, S. 105-106.

[2] Vgl. ebd., S. 131; Kater, Michael H.: Zur Soziographie der frühen NSDAP, in: VfZ 19 (1971), S. 131.

[3] Siehe Heberle, Rudolf: Landbevölkerung und Nationalsozialismus. Eine soziologische Untersuchung der politischen Willensbildung in Schleswig-Holstein 1918 bis 1932, in: Schriftenreihe der VfZ 6 (1963), S. 106.

[4] Vgl. Genueit, Jürgen: Methodische Probleme der quantitativen Analyse früher NSDAP-Mitgliederlisten, in: Mann, Reinhard (Hrsg.): Die Nationalsozialisten. Analysen faschistischer Bewegungen, Stuttgart 1980 (= Historisch-Sozialwissenschaftliche Forschungen. 9), S. 35-41.

[5] Vgl. ebd., S. 43-52; es werden noch feingliedrigere Klassifikationskriterien benannt.

[6] Vgl. Maser, Werner: Die Frühgeschichte der NSDAP. Hitlers Weg bis 1924, Frankfurt a. M. / Bonn 1965, S. 255.

[7] Grebing, Helga: Der Nationalsozialismus. Ursprung und Wesen, München / Wien 171967 (= Geschichte und Staat. 103), S. 49.

[8] Vgl. dazu Falter, Jürgen W.: Wer wurde Nationalsozialist? Theorien über die Massenbasis des Nationalsozialismus anhand neuer Datensätze zur NSDAP-Mitgliedschaft 1925-1932, in: Grabitz, Helge (Hrsg.): Die Normalität des Verbrechens. Bilanz und Perspektiven der Forschung zu den nationalsozialistischen Gewaltverbrechen, Festschrift für Wolfgang Scheffler zum 65. Geburtstag, Berlin 1994 (= Deutsche Vergangenheit. Stätten der Geschichte Berlins. 112), S. 41, Anmerkung 8.

[9] Vgl. Pätzold, Kurt / Weißbecker, Manfred: Geschichte der NSDAP 1920-1945, Köln 1998, S. 29-30.

[10] Vgl. Kater: Soziographie, S. 129.

[11] Vgl. Maser: Frühgeschichte, S. 254.

[12] Vgl. Kater: Soziographie, S. 127-129; Maser gibt hier an, dass die letzten Eintragungen vom 09. 11. 1923 vorhanden sind, erwähnt jedoch nicht die 4800 Namen, sondern gibt an, dass bis 1924 keine Listen existieren (Maser: Frühgeschichte, S. 254 und Anmerkung 113).

[13] Vgl. Kater: Soziographie, S. 129; Maser: Frühgeschichte, S. 167; zu den Mitgliedsnummern ab 1925 vgl. Tyrell: Führer befiehl, S. 352.

[14] Siehe Anlage 1.

[15] Auch Kater kritisiert Masers Analyse hinsichtlich der Unklarheiten innerhalb der Kriterien (Kater: Soziographie, S. 126).

[16] Vgl. Kater: Soziographie, S. 132-133.

[17] Siehe Anlage 2 und 3.

[18] Siehe Anlage 4.

[19] Vgl. Kater: Soziographie, S. 140.

[20] Siehe Anlage 1.

[21] Vgl. Kater: Soziographie, S. 144-145.

[22] Vgl. ebd., S. 147.

[23] Das ausführliche Parteiprogramm der NSDAP in: Pätzold / Weißbecker: Geschichte der NSDAP, S. 34-37.

[24] Ebd., S. 35.

[25] Siehe Anlage 4.

[26] Vgl. Kater: Soziographie, S. 149-150.

[27] Siehe Anlage 5.

[28] Siehe Anlage 6.

[29] Siehe Anlage 6 und 7.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Zur Sozialstruktur der NSDAP-Mitglieder von 1919 bis 1933
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Hauptseminar Die NS-Bewegung 1919 bis 1933: Entstehung, Aufstieg und Machtübernahme
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
31
Katalognummer
V304315
ISBN (eBook)
9783668026162
ISBN (Buch)
9783668026179
Dateigröße
2708 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
NSDAP-Mitglieder, 1919-1933, Sozialstruktur, Nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Sophie Thümmrich (Autor), 2010, Zur Sozialstruktur der NSDAP-Mitglieder von 1919 bis 1933, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304315

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