Die urbane Logistik, auch City-Logistik genannt, beschäftigt sich insbesondere damit, wie die in einer Stadt oder in einem Ballungsgebiet lebenden Menschen bedarfsgerecht, innerhalb kürzester Zeit, effizient und umweltverträglich versorgt werden können. Zudem ist relevant, wie der Warenverkehr in der Stadt organisiert werden kann, ohne die Infrastruktur nachträglich zusätzlich zu belasten und dadurch die Auslieferung durch die Kurier-Express-Paket-Logistik effizient zu gestalten.
Das Thema ist seit vielen Jahren aktuell, sodass beispielsweise schon in den 1990er Jahren Projekte in Stuttgart, Hamburg, Augsburg oder auch in der Hauptstadt Berlin durchgeführt wurden. Leider wurden viele dieser Projekte inzwischen wieder eingestellt. Nach dem Scheitern dieser Projekte rückte das Thema „urbane Logistik“ mehr und mehr in den Hintergrund. Jedoch wird es heutzutage, unter anderem wegen des Megatrends „Urbanisierung“ und des damit verbundenen steigenden Verstädterungsgrads, stark in der Öffentlichkeit diskutiert und es sorgt auch auf internationalen Logistikmessen immer mehr für Gesprächsstoff.
Da laut Statistiken schon heute mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung in Städten lebt und diese Zahl den Experten zufolge Jahr für Jahr zunehmen wird, gilt als großes Ziel für die Logistik, umweltfreundliche und effektivere Konzepte zur Versorgung von sogenannten Ballungsräumen zu entwickeln. Besonders beschäftigt dabei die Logistiker das Problem der letzten Meile.
In dieser Arbeit bietet der Autor einen strukturierten Überblick über das Feld der urbanen Logistik. Dabei wird auch auf das Thema Nachhaltigkeit eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Relevanz des Themas und Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau der wissenschaftlichen Arbeit
2. Urbanisierung
2.1 Verstädterung
2.2 Verstädterungsgrad
2.3 Definition Urbanisierung
2.3.1 Veränderung der Bevölkerung
2.4 Suburbanisierung
2.5 Megacities – Geballte Wirtschaftskraft
2.6 E-Commerce – mehr oder weniger Verkehr?
3. Güterverteilzentren
3.1 Definition
3.2 Funktionen
3.3 Entwicklung des Güterverkehrs
3.4 Bestehende Konzepte zur Verteilung in Ballungsgebieten
3.4.1 Urban Hub
3.4.2 Cross Docking Station
4. Verschiedene Konzepte zur Lösung des Problems der letzten Meile
4.1 Erläuterung der letzten Meile
4.2 Unterscheidung KEP
4.3 Entwicklung des KEP-Marktes seit 2000
4.3.1 Sendungsvolumen
4.3.2 Umsatzentwicklung
4.4 Problemdarstellung bei KEP-Dienstleistern
4.5 Herausforderung der gesetzlichen Restriktionen
4.5.1 Umweltzonen
4.5.2 Zeitliche Zufahrtsbeschränkungen
4.6 Zukunftsorientierte Lösungskonzepte der letzten Meile
4.6.1 Horizontale Transportlogistik-Kooperationen
4.6.2 Alternative Lösungsansätze
4.6.3 Effizienz Cluster Logistik Ruhr
5. Nachhaltigkeit
5.1 Definition Nachhaltigkeit
5.2 Zusammenhang Nachhaltigkeit und Logistik
5.2.1 Der wachsende ökonomische Wert der Nachhaltigkeit
5.2.2 Politische Maßnahmen fördern eine „grünere“ Logistik
5.3 Routenmanagement als Beitrag zur Nachhaltigkeit
5.4 Lieferzeit
5.5 Nachhaltige Unternehmenskonzepte
5.5.1 BMW GROUP – EFFIZIENTE TRANSPORTLOGISTIK
5.5.2 LANXESS AG – EFFIZIENTERE LOGISTIK DURCH „GRÜNE REIFEN“
6. Robustheit von Logistiksystemen und ihre Risiken
6.1 Definition Logistiksystem
6.2 Definition Robustheit
6.3 Einfluss auf die Robustheit durch Risiken
6.4 Robustes Logistiksystem durch Kooperation in Netzwerken
6.5 Folgen beim Fehlen von Robustheit
7. Auswirkungen der Urbanisierung auf Robustheit von Logistiksystemen
8. Zusammenfassung und Ausblick
9. Handlungsempfehlung
10. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht moderne logistische Lösungsansätze zur Versorgung von städtischen Ballungsgebieten unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten und Systemrobustheit. Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die logistischen Herausforderungen im urbanen Raum zu schaffen und Strategien aufzuzeigen, wie diese ökonomisch und ökologisch effizient bewältigt werden können.
- Urbanisierung und deren Einfluss auf den Güterverkehr
- Optimierung der "letzten Meile" durch innovative Konzepte
- Nachhaltigkeit in der Logistikbranche und deren politische Rahmenbedingungen
- Robustheit von Logistiksystemen gegenüber internen und externen Risiken
- Vergleich von Logistikansätzen für Smart Cities
Auszug aus dem Buch
3.4.2 Cross Docking Station
Um den hohen Anforderungen der Wertschöpfungskette in Bezug auf Flexibilität nachkommen zu können, müssen die Distributoren die Güter in immer kleineren Mengen und immer häufiger ausliefern. So wird beispielsweise im Einzelhandel immer mehr Umsatz durch wöchentlich variierende Aktionsware gemacht oder in der Automobilindustrie ist die Variantenvielfalt mittlerweile so hoch, dass kaum noch zwei identische Fahrzeuge innerhalb eines Jahres eine Fabrik verlassen. Das sind nur zwei Beispiele für die stetig wachsenden Anforderungen in Bezug auf Flexibilität und Lieferbereitschaft. Werden die Prozessabläufe dabei nicht angepasst, ist eine erhebliche Steigerung der Logistikkosten die Folge.
Eine Möglichkeit, diesen Anforderungen auf wirtschaftlicher Art nachkommen zu können, bietet die Erweiterung der bestehenden Distributionsnetzwerke um sogenannte Cross Docking Stations (CDC) In diesen lagerlosen Umschlagszentren können große Warensendungen zu vielen kleinen Einzelsendungen mit dem gleichem Empfänger zu voll-ausgelasteten LKW-Transporten mit dem selben Ziel konsolidiert und ausgeliefert werden. (Swoboda & Morschett) Das spart nicht nur Geld, sondern vermindert auch die Umweltbelastung. Um den Prozess in einem CDC besser nachvollziehen zu können, wurde Abbildung 7 erstellt. Auf der linken Seite werden die Waren bei den Anliefertoren angeliefert, in den Bereitstellzonen auf Qualität geprüft und an die Kommissionierung weitergegeben.
Dort werden die Artikel entsprechend der Empfänger sortiert und zu neuen Sendungen zusammengepackt. Ist die Ware auslieferungsfähig und steht der entsprechende Transporter bereit, wird die Ware über die Bereitstellzonen verladen und verlässt somit das Cross Docking Station Center, ohne dass dieses eine Lagerleistung erfüllt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der urbanen Logistik sowie die wachsende Problematik der Versorgung in Ballungsgebieten unter dem Einfluss der Urbanisierung.
2. Urbanisierung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Verstädterung, inklusive demographischer Entwicklungen und des Einflusses von Megacities.
3. Güterverteilzentren: Es werden Definitionen und Funktionen von Güterverteilzentren dargelegt sowie bestehende Konzepte wie der Urban Hub oder Cross Docking Stationen beschrieben.
4. Verschiedene Konzepte zur Lösung des Problems der letzten Meile: Das Kapitel befasst sich mit der Definition und Problematik der letzten Meile sowie mit KEP-Marktentwicklungen und innovativen Lösungsansätzen für den urbanen Lieferverkehr.
5. Nachhaltigkeit: Hier wird der Zusammenhang zwischen ökologischer Nachhaltigkeit und Logistikprozessen beleuchtet sowie konkrete Unternehmensbeispiele (BMW, Lanxess) angeführt.
6. Robustheit von Logistiksystemen und ihre Risiken: Es werden die Grundlagen der Systemrobustheit im Kontext von Risikomanagement und Kooperationen innerhalb logistischer Netzwerke erörtert.
7. Auswirkungen der Urbanisierung auf Robustheit von Logistiksystemen: Kapitel 7 analysiert, wie externe Kontextvariablen der Urbanisierung und aktive Gestaltungsmaßnahmen die Robustheit logistischer Systeme beeinflussen.
8. Zusammenfassung und Ausblick: Das Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der urbanen Logistik.
9. Handlungsempfehlung: Basierend auf den vorherigen Kapiteln werden konkrete Empfehlungen zur Implementierung nachhaltigerer und robusterer Logistikkonzepte gegeben.
10. Literaturverzeichnis: Umfassendes Verzeichnis aller zitierten Quellen und verwendeten Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Urbane Logistik, Letzte Meile, Nachhaltigkeit, Urbanisierung, KEP-Dienstleister, Güterverteilzentrum, Cross Docking, Robustheit, Supply Chain Management, Smart Cities, Routenmanagement, CO2-Reduzierung, Transportlogistik, Ballungsgebiete, Effizienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit?
Die Arbeit behandelt moderne logistische Ansätze, um die wachsende Herausforderung der Güterversorgung in städtischen Ballungsgebieten effizient, umweltverträglich und robust zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen Urbanisierungstrends, das Management der sogenannten "letzten Meile", nachhaltige Logistikkonzepte sowie die Risikobetrachtung und Robustheit von Logistiksystemen.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die logistischen Herausforderungen im urbanen Raum zu vermitteln und zukunftsträchtige Strategien aufzuzeigen, um den steigenden Anforderungen bei gleichzeitigem Umweltschutz gerecht zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und Analyse bestehender Konzepte, ergänzt durch die Auswertung von Marktstudien sowie Praxisbeispielen aus der Logistikbranche.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Betrachtung von Urbanisierung, die Analyse von Verteilzentren, die Herausforderungen der KEP-Logistik, Ansätze zur Nachhaltigkeit sowie die Evaluierung der Systemrobustheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Urbane Logistik, Letzte Meile, Nachhaltigkeit, Robustheit und Supply Chain Management.
Was ist das Problem mit der "letzten Meile" in Städten?
Die letzte Meile ist der kostenintensivste und ökologisch belastendste Teil der Zustellung, da er oft durch städtische Überlastung, Verkehrsrestriktionen und kleinteilige Zustellungsanforderungen geprägt ist.
Welche Rolle spielt die Robustheit von Logistiksystemen?
Robustheit ermöglicht es Logistiksystemen, trotz unvorhersehbarer innerer oder äußerer Störungen weiterhin innerhalb der gesetzten Qualitäts- und Zeitgrenzen zu funktionieren.
Welchen Beitrag leisten Unternehmen wie BMW oder Lanxess?
Sie dienen als Praxisbeispiele für effiziente Transportlogistik, etwa durch den verstärkten Einsatz der Schiene, Routenoptimierung oder die Entwicklung rollwiderstandsarmer Reifen, um CO2-Emissionen zu reduzieren.
Wie könnten neue Technologien die Stadtlogistik verändern?
Innovative Ansätze wie Lieferdrohnen oder Untergrund-Gütertransportsysteme (z.B. CargoCap) könnten helfen, den oberirdischen Verkehr zu entlasten und Prozesse weiter zu automatisieren.
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- Patrick Garner (Author), 2015, Urbane Logistik. Moderne Ansätze zur Versorgung von Ballungsgebieten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304363