Essay zum Text „Zehn Artikel über Freiheit und Dienst der Kirche in der DDR“


Essay, 2015

6 Seiten


Leseprobe

Im Jahre 1963 wurden, veranlasst durch die Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen in der Deutschen Demokratischen Republik, die „Zehn Artikel über Freiheit und Dienst der Kirche in der DDR“ ausgearbeitet und beschlossen. Diese Artikel geben Richtlinien vor wie die Kirche und die Gemeinde mit verschiedenen Sachverhalten und Problemen der jeweils aktuellen Staatsform umzugehen haben soll. Jeder dieser zehn Artikel liefert zunächst einige inhaltliche Grundaussagen zu dem jeweils behandelten Thema und schließt damit ab, unter welchen Bedingungen es, bezogen auf den behandelten Sachverhalt, zum Unglauben und Ungehorsam gegenüber Gott kommt. Die jeweiligen Inhalte der Artikel sollen innerhalb dieses Essays nach Möglichkeit mit eigenen Worten beschrieben, zusammengefasst und gegebenenfalls kommentiert werden. Ein Fazit wird dieses Essay abschließen.

Der erste Artikel trägt den Titel „Der Auftrag der Verkündigung“. Dieser genannte Auftrag stammt laut dem Artikel von Jesus Christus und sagt aus, dass die Christen in allen Lebensbereichen und gegenüber allen Menschen Gottes Willen verkündigen und nach diesem leben sollen. Dieser Sachverhalt wird auch in folgenden Artikeln von Bedeutung sein und steht somit nicht zu Unrecht am Beginn des ersten Artikels. Es wird geschildert, welche Konsequenzen das Annehmen und Ablehnen des Wortes Gottes hat: Man gelangt dementsprechend entweder „zu einer herrlichen Freiheit“[1] oder steht weiterhin unter Gottes Gericht und Urteil. Diese Aussage impliziert natürlich, dass es wünschenswert ist, sein Wort und somit Gott anzunehmen, um die angestrebte Freiheit zu erlangen. Wichtig bei der Verkündigung ist laut Artikel, dass auf deren Inhalte auch vertraut wird. Auch wenn die Kirche in der Vergangenheit, Gegenwart und möglicherweise auch in der Zukunft durch verschiedene Entscheidungen und Handlungen Schuld auf sich nimmt, solle dies den Auftrag der Verkündigung nicht beeinträchtigen; er wird also als etwas essentiell Wichtiges, Unverzichtbares angesehen. Allerdings wird davor gewarnt, aus der Verkündigung einen eigenen Nutzen zu ziehen, beziehungsweise überhaupt einen irdischen Nutzen aus ihr zu ziehen. Es wird also eine Trennung des Göttlichen vom Irdischen befürwortet, die ebenfalls in anderen Themengebieten in den folgenden Artikeln verlangt wird.

Im zweiten Artikel „Das Leben im Glauben und Gehorsam“ wird der Punkt aus dem ersten, den Willen Gottes allen Menschen zu verkündigen, in einer konkreteren Form wieder aufgefasst: Man solle durch die auch bereits im ersten Artikel genannte Nächstenliebe und durch die Versöhnung den „Mitmenschen in allen Bereichen des Lebens […] dienen.“[2] Im Folgenden wird darauf hingewiesen, nie an der immerwährenden Gegenwärtigkeit Gottes zu zweifeln, egal in welcher Zeit und Situation. Es gelte zu vermeiden, sich als Gottesgläubiger im Alltag von eben jenem Glauben zu trennen und einer irdischen, gegebenenfalls sogar aktuellen, Ideologie zu verfallen. Eine Ideologie darf sozusagen nicht zur Götze werden. Lässt man dies doch zu, entzieht man sich laut dem Artikel dem ersten Gebot.[3] Dies bestätigt weiterhin, dass ein Vergleich der Ideologie als Götze durchaus angebracht ist.

Der dritte Artikel beginnt mit einer Differenzierung, indem ausgesagt wird, dass Gott zwar Schöpfer und Herr von Allem ist[4], aber nicht als Teil der irdischen Welt betrachtet werden kann. Diese Erkenntnis legt den Grundstein für die nachfolgenden Aussagen über den Umgang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen; bezeichnenderweise heißt der Artikel auch „Wissenschaft und Wahrheit“. Es wird gefordert ein gutes Maß zu finden, Erkenntnisse der Wissenschaft nicht zu verleugnen, aber auch nicht zu idealisieren oder gar zu glorifizieren, sie also auch nicht zur Götze werden zu lassen. Man solle nicht versuchen, alle Wissenslücken einfach mit Gott füllen zu wollen, da dieser eben nicht als Teil der irdischen anzusehen sei. Dies bedeute aber nicht gleichzeitig, dass man ihn vernachlässigen oder gar leugnen soll, da die Wissenschaft nicht alleiniger Anwärter auf einen Wahrheitsgehalt sei.

Der nächste Artikel sagt ebenfalls aus, dass es wichtig ist, ein Maß zu finden und zu halten, diesmal bezogen auf „Rechtfertigung und Recht“. Bestehende Rechtsordnungen werden in Verbindung mit Gottes Gerechtigkeit gebracht, aber es wird nicht als richtig erachtet, alle jeweils bestehenden Gesetze nur von Gottes Wort und seiner Gerechtigkeit abzuleiten. Jedoch sollte die Würde des Menschen stets gewährleistet sein, alles andere würde Gottes Wort widersprechen. Auch die Thematik der Ideologien wird hier wieder aufgegriffen: Ein absoluter „Glaube“ an eine Ideologie, beziehungsweise eine Versteifung auf diese, wird um ein weiteres Mal abgelehnt. So handelt man laut dem Artikel nicht in Gottes Sinne, wenn man das Recht ideologisch oder für selbstsüchtige Interessen missbraucht.

Im fünften Artikel „Versöhnung und Friede“ wird zunächst dargestellt, dass Jesus Christus den Frieden in die Welt brachte und diesem auch entspricht. Selbiges gilt für die Versöhnung. Als praktische Konsequenz in der irdischen Welt bedeute das, dass der Frieden sehr hohe Priorität in allem Handeln haben solle. Konkret soll man sich also beispielsweise strikt gegen den Krieg einsetzen. Dies kann geschehen, indem man sowohl Soldaten als auch Wehrdienstverweigerern stets Unterstützung bietet. Ein weiteres Mal findet im Text eine Distanzierung der von der Kirche unterstützten Inhalte von weltlichen Ideologien und politischen Ansichten statt. Das Bestreben, etwas gegen den Krieg und für den Frieden zu tun, dürfe nicht von bestehenden Machtverhältnissen beeinträchtigt oder gar unterbunden werden.

Im sechsten Artikel „Die Arbeit“ wird eben diese in Bezug zu Gottes Willen gesetzt und erläutert, welchen Stellengrad zu besitzen solle und als was man sie anzusehen habe. Als essentiell wird auch hier wieder das Bestreben genannt, ein gesundes Maß zu finden und dabei stets den Lehren von Jesus Christus zu folgen. Die Arbeit dürfe ebenfalls weder zum Götzen, noch vernachlässigt werden. Sie wird zwar schon als sehr wichtig im Leben angesehen, aber dies trifft auch auf den Glauben an Gott zu. Man solle die Arbeit nicht als einzigen Lebenssinn ansehen, denn Jesus Christus „will nicht, daß [sic!] der Mensch zum Sklaven der Arbeit werde. Er hilft uns zu einer rechten Ordnung von Arbeit, Muße und Gebet.“[5] Das heißt, die Arbeit soll geehrt, aber nicht als Schöpfer oder Erlöser angesehen werden. Auch der Aspekt der Nächstenliebe wird in diesem Artikel noch angesprochen: So dürfe man durch die eigene Arbeit die

[...]


[1] Greschat (Hg.), 1999, S. 241 zitiert bei Wilkens, 1964, S. 9-19.

[2] Ebd.

[3] Vgl. ebd., S. 242.

[4] Vgl. ebd.

[5] Ebd., S. 244.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Essay zum Text „Zehn Artikel über Freiheit und Dienst der Kirche in der DDR“
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Theologische Fakultät)
Veranstaltung
Grundkurs Kirchengeschichte
Autor
Jahr
2015
Seiten
6
Katalognummer
V304502
ISBN (eBook)
9783668039711
ISBN (Buch)
9783668039728
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
essay, text, zehn, artikel, freiheit, dienst, kirche, DDR
Arbeit zitieren
Konrad Altmann (Autor), 2015, Essay zum Text „Zehn Artikel über Freiheit und Dienst der Kirche in der DDR“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304502

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