Akbars Religionspolitik im Mogulreich. Politisches Kalkül, persönlicher Vorteil oder ehrlicher Toleranzgedanke?


Hausarbeit, 2014
17 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Toleranz oder Intoleranz? Europa und seine Kolonien in der Frühen Neuzeit

Der lange Weg zu einem gerechten Herrscher? – Indien vor dem System Akbar

Die Religionspolitik Akbars – Toleranz, Kalkül oder doch persönlicher Vorteil?

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Akbar der Große. Herrscher über eines der drei islamischen Imperien (Mogulreich, Osmanisches Reich und das Reich der Safawiden) in der Frühen Neuzeit. Dieser außergewöhnliche Herrscher soll in der folgenden Arbeit näher beleuchtet werden. Wo kam er her? Wie ist seine Familiengeschichte? Und vor allem wie ist seine Religionspolitik zu sehen? Der Umgang mit den Gläubigen in seinem Land ist auch das Leitmotiv zur Fragestellung an diese Hausarbeit. War ein Toleranzgedanke bei Akbars Politik zu erkennen, oder handelte er nur nach politischem Kalkül? Wichtig ist in diesem Kontext auch der persönliche Vorteil, welchen der Herrscher durch seine eigene Religion haben könnte.

Um diese Frage nach einer möglichen Toleranz beantworten zu können, muss am Anfang der Toleranzbegriff geklärt werden. Dieser wird im ersten Punkt der Hausarbeit untersucht. Des Weiteren wird folgend die Familiengeschichte Akbars erläutert. Diese beginnt mit der Eroberung Indiens und wird verfolgt bis zum Herrschaftsanspruch des Protagonisten. Nachdem Akbar die Macht erlangt hatte, wird der Fokus auf die religiösen Eigenheiten seiner Politik ruhen, um dann abschließend die vorher gestellte Frage zu beantworten. Am Schluss dieser Hausarbeit wird ein Fazit gezogen.

Die deutsche Literatur ist geprägt von dem ehemaligen Heidelberger Professor Dietmar Rothermund. Von ihm stammen viele der verwendeten Werke zur Geschichte Indiens. Auch sonst tauchte der Name Rothermund immer wieder bei der Recherche nach Literatur zum Thema Indien auf. Zur Religionspolitik selber war die Literaturlage eher spärlich gesät. 2005 hat Heike Franke ihre Dissertation über dieses Thema geschrieben, welche eine Grundlage dieser Hausarbeit sein wird. Ansonsten kommt die überwiegende Literatur aus der englischen Forschung. Dies liegt wohl vor allem an der geschichtlichen Verbindung zwischen England und Indien.

Die Quellenlage ist, genauso wie die Literatur über die Religionspolitik, eher rar. Aufgrund von unüberbrückbaren sprachlichen Differenzen wurde in dieser Arbeit auf Quellenauszüge aus der Sekundärliteratur zurückgegriffen.

Nach dem Überblick über die Sachlage der Literatur, wird der Blick nun wieder auf die Arbeit selbst gerichtet.

Toleranz oder Intoleranz? Europa und seine Kolonien in der Frühen Neuzeit

Toleranz bedeutet Respekt, Akzeptanz und Anerkennung der Kulturen unserer Welt, unserer Ausdrucksformen und Gestaltungsweisen unseres Menschseins in all ihrem Reichtum und ihrer Vielfalt.[1]

So oder so ähnlich sollte die Definition des Begriffes Toleranz für die Menschen des 21. Jahrhunderts sein. Doch wie war der Begriff in der Frühen Neuzeit zu sehen? Gab es eine einheitliche Definition zu dieser Problemstellung? Am Anfang dieser Hausarbeit muss die Fragestellung geklärt werden, damit die Frage nach einem religiösen Gleichberechtigungsgedanken unter Akbar dem Großen beantwortet werden kann.

Was bedeutete das nun alles in der Frühen Neuzeit in Europa? Verallgemeinernd gesagt hieß dies in der Zeit Religionsfreiheit. Es ist zwar nicht identisch zu sehen, doch werden die Geschichte der Toleranz und die der Religionsfreiheit häufig miteinander vermischt, da es bedeutete, Andersartigkeit, welche von der Norm abweicht, zu dulden.[2] Religiöse Minderheiten z.B. waren, laut der Definition, im Fokus der Betrachtung. Diese war, um es einfach auszudrücken, die Duldung Andersgläubiger durch die staatliche Kirche.[3] Religion ist also schon einmal als erster wichtiger Teil des Toleranzgedankens zu sehen.

Dies ist die europäische Sicht auf den Gedanken der Toleranz. Doch wie wird das Phänomen in anderen Teilen der Erde in der Frühen Neuzeit gesehen? Ist die Gleichberechtigung in der neuen Welt fortschrittlicher als im Mutterland?

Der Fokus wandert nun, weg vom europäischen Kontinent, über den Atlantik, in das Reich der Azteken im 16. Jahrhundert. Zu jener Zeit wurde das heutige Mexiko von den sehr katholisch geprägten Spaniern regiert. Diese verboten im Jahre 1575 Schriften in der Sprache der Indianer.[4] Dies ist eine Unterdrückung der Lebensart der Ureinwohner. Es ist davon auszugehen, dass Kolonien, die von europäischen Ländern regiert werden, auch den europäischen Standard eines Toleranzgedankens aufwiesen. In Mexiko wurde die Kultur der Azteken nicht toleriert, in Europa hingegen war es z.B. die Lebensweise der jüdischen Bevölkerung. Kultur ist also ein weiterer wichtiger Punkt, zur Untersuchung eines möglichen Vorhandenseins von Toleranz.

Waren diese Unterdrückung der kulturellen und religiösen Lebensweise in den Kolonien und auch in Europa Gang und Gebe? Oder gab es auch schon in der Frühen Neuzeit Menschen, die sich gegen die Unterdrückung gewehrt haben? Als ein Beispiel für die Kolonien wäre Francisco de Vitoria zu nennen. Dieser spanische Theologe schrieb schon im 16. Jahrhundert das niemand, in seinem Fall die Indios, zu einem bestimmten Glauben gezwungen werden dürfte.[5] Ein Beispiel hingegen für den europäischen Kontinent ist Sebastian Castellio. Dieser französische Gelehrte schrieb im Jahre 1554 über die Ketzer und ob man diese verfolgen soll. In seinem Werk spricht er sich für die Einheit, für Streitlosigkeit und auch für die Liebe untereinander aus.[6] Neben Frankreich und Spanien gab es auf dem europäischen Kontinent auch noch das „Reich der Deutschen“. Hier ist Sebastian Franck zu nennen. Dieser schrieb im Jahre 1534:

Ein geborner Deutscher ist vonn natur gleych wie ein Türck

Hayd etc. und nit eins loth besser oder böser

Die leyblich geburt thut nichts zu diesem handel

Es sind alles zu mal menschen kinder

und haben ein unpartheisches gleychen werkmeyster Gott

der kein person ansihet

Also ist der beste Mensch Türck oder Hayd

von natur eben so wol ein Mensch

und so gut gemacht[7]

In diesem Beitrag lässt sich gut der Sinn zur Gleichheit und die Besonderheit eines Toleranzdenkens erkennen.

Wie sich zeigt gab es in dieser frühen Zeit Ausnahmen, die sich der allgemeinen Meinung nicht anschlossen, sondern sich Gedanken über die Toleranz machten. Allgemein war der Glaube an die Gleichheit aller auf dem europäischen Kontinent und in den Kolonien aber nicht sehr weit verbreitet.

In der Frühen Neuzeit ist die Definition von Toleranz auf dem europäischen Festland, in allen Ländern ähnlich. Dies liegt wohl vor allem am gemeinsamen christlichen Glauben. Bis in die heutige Zeit, sowohl im 16. und auch im 21. Jahrhundert, ist der Größte, aber auch schwierigste Punkt der Toleranz, Andersgläubige nicht zu verurteilen, sondern offen mit deren Religion umzugehen, sowie deren Kultur und deren Gewohnheiten zu akzeptieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in Europa und in den einzelnen Kolonien, nur in Ausnahmen der Toleranzgedanke vorhanden war. Festzumachen ist dieser überwiegend an der Religion und an der Kultur von Minderheiten. Anhand der beiden Gesichtspunkte wird das System Akbars des Großen untersucht.

Bevor die Arbeit nun aber auf Akbar und sein System zu sprechen kommt, wird das Indien vor seiner Regierungszeit näher beleuchtet. Wie kam es zur Herrschaft von Akbars Vorfahren und wie waren die Umstände? Welcher kulturelle und religiöse Zustand herrschte in der damaligen Zeit in Indien?

Der lange Weg zu einem gerechten Herrscher? – Indien vor dem System Akbar

Anfang des 16. Jahrhunderts startete Babur, der Großvater Akbars, erste Erkundungsfeldzüge in den nördlichen Teil des Subkontinents Indien.[8] Ausgangspunkt der Ausspähversuche war die Stadt Kabul, in der er im Exil lebte und regierte. Der eigentliche Stammsitz seiner Familie, unter seinem Vater Umar Shaykh gegründet, war das Stammland Ferghana[9], im heutigen Osten Usbekistans gelegen. Nach dem Tod des Vaters wurde Babur Herrscher über eben dieses Stammland. Die Thronübergabe nach dem Tod eines Herrschers war nicht so einfach, denn es gab keine klare Erbregelung. Dietmar Rothermund beschreibt dieses Phänomen als „ dynastischer Darwinismus “.[10] Der Stärkere setzt sich durch, oder einfach gesagt der, mit der größeren Lobby hinter sich wird neuer Herrscher. In diesem Fall war es Babur, gerade erst elf Jahre alt, der seinen Herrschaftsanspruch behaupten konnte. Neben ihm hatte Umar Shaykh aber noch drei weitere Söhne, die ebenfalls einen Anspruch auf den Thron hatten. Diese wollten ihren Anspruch natürlich nicht im Sande verlaufen lassen und begannen den jungen Babur zu bekämpfen und aus dem Stammland zu vertreiben. Da er in direkter Linie von dem islamischen Herrscher Timur abstammte[11], war es ihn vergönnt überall dort, wo eben Timur geherrscht hatte, ebenfalls als legitimer Anführer in Erscheinung zu treten. Mit einer kleinen Heerschar, die er um sich sammelte, begann er einen neuen Herrschaftsbereich für sich zu suchen. Diesen fand er im Jahre 1504[12] in der heutigen afghanischen Hauptstadt Kabul. Von hier aus startete er im Jahre 1519 seine ersten kleineren Feldzüge gegen Nordindien. Diese Raub- und Erkundungszüge dauerten insgesamt bis in das Jahr 1526 hinein. Im April jenes Jahres schlug er das Heer von Sultan Ibrahim Lodi bei Panipat[13] und zog als neuer Herrscher in die alten Residenzstädte Agra und Delhi ein. Ein weiteres Jahr später schlug er die bengalische Armee bei Khanawah. Babur war nun alleiniger Herrscher über den nördlichen Teil Indiens.

[...]


[1] Erklärung von Prinzipien der Toleranz; Herausgegeben von der UNESCO auf der 28. Generalkonferenz 1995 in Paris.

[2] Eckert, Georg: Toleranz, in: Enzyklopädie der Neuzeit, Hrsg.: Jaeger, Friedrich, Darmstadt 2005, S. 620.

[3] Geschichtliche Grundbegriffe - Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, Hrsg.: Brunner, Otto; Conze, Werner; Koselleck, Reinhart, Bd. 6 St- Vert, Stuttgart 1972, S. 446.

[4] Schmidinger, Heinrich: Wege zur Toleranz. Geschichte einer europäischen Idee in Quellen, Darmstadt 2002, S. 93.

[5] Schmidinger, Heinrich: Wege zur Toleranz. Geschichte einer europäischen Idee in Quellen, Darmstadt 2002, S. 198.

[6] Ebd., S. 219.

[7] Ebd., S. 139.

[8] Dale, Stephen: India under Mughal rule, in: The New Cambridge History of Islam. Volume 3 The Eastern Islamic World Eleventh to Eighteenth Centuries, Hrsg.: Morgan, David; Reid, Anthony, Cambridge 2010, S. 266.

[9] Rothermund, Dieter: Geschichte Indiens. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 2006, S. 36.

[10] Ebd., S. 38.

[11] Conermann, Stephan: Das Mogulreich. Geschichte und Kultur des muslimischen Indien, München 2006, S. 10.

[12] Rothermund, Dietmar: Indische Geschichte in Grundzügen, Darmstadt 1989, S. 54.

[13] Rothermund, Dietmar: Geschichte und Gesellschaft. Epochen der indischen Geschichte, in: Indien. Kultur, Geschichte, Politik, Wirtschaft, Umwelt. Ein Handbuch, Hrsg: Rothermund, Dietmar, München 1995, S. 89.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Akbars Religionspolitik im Mogulreich. Politisches Kalkül, persönlicher Vorteil oder ehrlicher Toleranzgedanke?
Hochschule
Universität Trier  (Fachbereich 3 Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Das Jahr 1529 in globalgeschichtlicher Perspektive
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V304521
ISBN (eBook)
9783668029804
ISBN (Buch)
9783668029811
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Akbar der Große, Toleranz, Indien, Mogulreich, 16. Jahrhundert, Frühe Neuzeit, Globalgeschichte
Arbeit zitieren
Michael König (Autor), 2014, Akbars Religionspolitik im Mogulreich. Politisches Kalkül, persönlicher Vorteil oder ehrlicher Toleranzgedanke?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304521

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