Als zentrale Anforderung an ein Steuersystem wird die Forderung nach Steuergerechtigkeit genannt. Diese spielt nicht zuletzt in Steuerreformdiskussionen eine große Rolle. Mitunter steht zur Diskussion, inwieweit Konzeption und Wirkungsweise steuerlicher Gestaltungsmöglichkeiten mit einer gerechten Besteuerung vereinbar sind.
Dies gibt Anlass, in der vorliegenden Arbeit Gestaltungsmöglichkeiten in der steuerlichen Gewinnermittlung mit Blick auf die Gerechtigkeit als Leitlinie der Besteuerung zu analysieren. Das hierbei im Mittelpunkt stehende steuerliche Gewinnermittlungskonzept ist die periodisierte Gewinnermittlung.
Das Ziel der Arbeit ist die Beantwortung folgender Forschungsfragen:
1. Was ist unter Gestaltungsmöglichkeiten in einer periodisierten steuerlichen Gewinnermittlung zu verstehen?
2. Wie ist der Begriff der steuerlichen Gerechtigkeit zu definieren?
3. Wie sind die betrachteten Gestaltungsmaßnahmen im Hinblick auf eine gerechte Besteuerung zu beurteilen?
Entsprechend der Zielsetzung der Arbeit wird folgender Aufbau gewählt:
Neben Einleitung und einem Schlussteil gliedert sich die Arbeit in drei Kapitel. Zunächst wird in Kapitel 2 auf die relevanten Gestaltungsmöglichkeiten und auf deren Struktur eingegangen.
Um eine Grundlage für die Beurteilung der Gestaltungsmöglichkeiten zu legen, wird in Kapitel 3 der Begriff der steuerlichen Gerechtigkeit genauer untersucht. Hieraus wird ein Analysemaßstab zur Beurteilung der zuvor aufgeführten Gestaltungen hergeleitet.
Bei einer Analyse der zu Anfang dargestellten Gestaltungsmöglichkeiten soll in Kapitel 4 zum Ausdruck kommen, inwieweit diese jeweils im Widerspruch zur steuerlichen Gerechtigkeit stehen.
Aufgrund des umfassenden Themenkomplexes konzentrieren sich die Ausführungen in Kapitel 3 und 4 auf ausgewählte, m. E. wesentliche Aspekte.
In Fokus des Schlussteils steht die Beantwortung der aufgeworfenen Forschungsfragen. Den Abschluss bildet ein kurzer Ausblick hinsichtlich möglicher künftiger Entwicklungen in Bezug auf die im Mittelpunkt stehenden Gestaltungsmöglichkeiten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gestaltungsmöglichkeiten in einer periodisierten steuerlichen Gewinnermittlung
2.1 Grundlagen
2.1.1 Periodisierte steuerliche Gewinnermittlung
2.1.2 Steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten
2.2 Arten von Gestaltungsmöglichkeiten
2.2.1 Wahlrechte
2.2.2 Ermessensspielräume
2.2.3 Sachverhaltsgestaltungen
3 Anforderungen an eine gerechte Besteuerung
3.1 Überblick
3.2 Gesetzmäßigkeit
3.3 Gerechte Besteuerung durch Gleichmäßigkeit
3.3.1 Gleichheitssatz
3.3.2 Leistungsfähigkeitsprinzip
3.3.3 Neutralität
3.4 Analysemaßstab für die vorliegende Betrachtung
4 Analyse der Gestaltungsmöglichkeiten mit Blick auf eine gerechte Besteuerung
4.1 Allgemeine Analyse von Gestaltungsmöglichkeiten
4.2 Analyse der Wahlrechte
4.3 Analyse der Ermessensspielräume
4.4 Analyse der Sachverhaltsgestaltungen
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb der periodisierten steuerlichen Gewinnermittlung unter dem Aspekt der steuerlichen Gerechtigkeit. Dabei wird untersucht, inwieweit die Nutzung solcher Spielräume mit den Prinzipien der Gesetzmäßigkeit, der Leistungsfähigkeit und der Neutralität vereinbar ist und welche Rechtfertigungsgründe hierfür existieren.
- Methoden der periodisierten steuerlichen Gewinnermittlung
- Kategorisierung von Gestaltungsmöglichkeiten (Wahlrechte, Ermessensspielräume, Sachverhaltsgestaltungen)
- Anforderungen an eine gerechte Besteuerung im Rechtsstaat
- Kritische Würdigung der bilanzpolitischen Maßnahmen hinsichtlich ihrer steuerlichen Gerechtigkeit
- Betriebswirtschaftliche vs. verfassungsrechtliche Rechtfertigungsargumente
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Wahlrechte
Wahlrechte sind gesetzlich explizit geregelt und kommen in den jeweiligen Normen durch Formulierungen wie „sollen“, „können“, „dürfen“ und „brauchen nicht“ zum Ausdruck. Dem Bilanzierenden wird dadurch eine Wahl zwischen zwei oder mehr Rechtsfolgen eines Tatbestandes ermöglicht. Wahlrechte beeinflussen als darstellungsgestaltende Instrumente lediglich die bilanzielle Darstellung der gegebenen Sachverhalte. Die realen Sachverhalte bleiben dabei unverändert. Es bestehen sowohl Bilanzierungswahlrechte (was wird bilanziert) als auch Bewertungswahlrechte.
Den Bilanzierungswahlrechten können die Aktivierungs- und Passivierungswahlrechte subsumiert werden. Im derzeit geltenden Recht resultieren aus handelsrechtlichen Aktivierungswahlrechten steuerliche Aktivierungsgebote, während handelsrechtliche Passivierungswahlrechte zu steuerlichen Passivierungsverboten führen. Dies gilt jeweils für den Fall, dass steuerlich keine anderweitigen Regelungen vorgesehen sind.
Beispiele für steuerliche Bewertungswahlrechte finden sich bei der Wahl zwischen Bewertung nach gewogenem Durchschnittsverfahren und LiFo-Verfahren, beim Ansatz der Herstellungskosten und der Teilwertabschreibung die, anders als die außerplanmäßige Abschreibung als handelsrechtliches Pendant, ein explizites Wahlrecht darstellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Maßgeblichkeitsprinzip ein und definiert die Forschungsfragen bezüglich der Vereinbarkeit von steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten mit dem Gerechtigkeitsgebot.
2 Gestaltungsmöglichkeiten in einer periodisierten steuerlichen Gewinnermittlung: Dieses Kapitel erläutert die Verfahren der periodisierten Gewinnermittlung und systematisiert die zur Verfügung stehenden bilanzpolitischen Instrumente in Wahlrechte, Ermessensspielräume und Sachverhaltsgestaltungen.
3 Anforderungen an eine gerechte Besteuerung: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Steuergerechtigkeit, insbesondere Gesetzmäßigkeit, Leistungsfähigkeitsprinzip und Neutralität, als Maßstab für die spätere Analyse erarbeitet.
4 Analyse der Gestaltungsmöglichkeiten mit Blick auf eine gerechte Besteuerung: In diesem Hauptteil werden die in Kapitel 2 genannten Instrumente einer kritischen Prüfung unterzogen, um zu klären, ob sie den Anforderungen an eine gerechte Besteuerung widersprechen oder betriebswirtschaftlich bzw. rechtlich gerechtfertigt sind.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Gestaltungsmöglichkeiten zwar Kollisionen mit Gerechtigkeitsprinzipien verursachen, jedoch aufgrund von Praktikabilität und ökonomischen Erfordernissen teils unvermeidlich und akzeptabel sind.
Schlüsselwörter
Steuerliche Gewinnermittlung, Steuergerechtigkeit, Bilanzpolitik, Wahlrechte, Ermessensspielräume, Sachverhaltsgestaltungen, Leistungsfähigkeitsprinzip, Periodisierung, Steuerbilanz, Gesetzmäßigkeit, Neutralität, Steuerlast, Betriebsvermögensvergleich, Einnahmenüberschussrechnung, Steuersystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten bei der Gewinnermittlung mit dem Leitbild der Steuergerechtigkeit vereinbar sind.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Systematik der steuerlichen Gewinnermittlung, die Kategorisierung von Bilanzierungsvorteilen sowie die theoretische Fundierung steuerlicher Gerechtigkeitsprinzipien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Analyse der Bilanzierungsmöglichkeiten hinsichtlich ihrer Konformität mit Prinzipien wie der Gesetzmäßigkeit und dem Leistungsfähigkeitsprinzip.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor wählt einen analytischen Ansatz, bei dem theoretische Gerechtigkeitsprinzipien (Innen- und Außenvergleich) auf verschiedene Formen von Gestaltungsmöglichkeiten angewendet werden.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die detaillierte Prüfung von Wahlrechten, Ermessensspielräumen und Sachverhaltsgestaltungen sowie deren Rechtfertigung durch betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Steuergerechtigkeit, Bilanzpolitik, Leistungsfähigkeitsprinzip und die Unterscheidung zwischen Wahlrechten und Ermessensspielräumen.
Inwiefern sind Sachverhaltsgestaltungen schwerer zu beurteilen als andere Instrumente?
Sachverhaltsgestaltungen verändern die realen ökonomischen Gegebenheiten, was sie für Außenstehende schwer von originären unternehmerischen Entscheidungen unterscheidbar macht.
Warum hält der Autor die „allgemeine Gerechtigkeit“ bei der Besteuerung für ein schwieriges Ziel?
Der Autor argumentiert, dass es keinen „absolut gerechten Gewinn“ gibt und Kollisionen zwischen steuerlichen Regeln und Gerechtigkeitsidealen aufgrund anderer Anforderungen wie Vereinfachung oft unvermeidbar sind.
- Quote paper
- Stefan Hasreiter (Author), 2015, Periodisierte steuerliche Gewinnermittlung. Welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es und wie gerecht sind sie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304544