Caesars Expeditionen nach Britannien. Vergleich von Caesars Bericht und Ciceros Briefen aus Britannien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

16 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Caesars Expeditionen nach Britannien
2.1 Möglicher Verlauf
2.2 Beurteilung des Ergebnisses
2.2.1 Reaktionen in der Antike
2.2.2 Heutige Meinungen
2.3 Erkundung oder Eroberung? – Vermutungen zur Motivation Caesars

3. Caesars Darstellung im BG (V,22-23)
3.1 Darstellung als bellum iustum
3.2 Charakterisierung des Gegners
3.3 excusatio zur Rückkehr nach Gallien
3.4 Eroberung ganz Britanniens
3.5 pristina fortuna Caesars

4. Vergleich mit Q. Ciceros Briefen aus Britannien (Cic., ad Att. IV,16,7 und IV,18,5)
4.1 Erwartungen an die zweite Überfahrt nach Britannien (Cic., ad Att. IV,16,7)
4.2 Caesars Bericht in Rom (Cic., ad Att. IV,18,5)
4.2.1 Wörtliche und inhaltliche Übereinstimmungen
4.2.2 Unterschiede
4.3 Caesars Prinzip der Sachauswahl im Bellum Gallicum

5. Schlussfolgerung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gaius Julius Caesar startete im Jahre 55 und 54 vor Christus im Laufe seines Gallien Feldzugs zwei Expeditionen nach Britannien, über deren Verlauf er in seinem Kommentar „De Bello Gallico“ berichtet. Die Tatsache jedoch, dass Caesar einer der wenigen ist, die überhaupt literarische Zeugnisse über den Gallien Feldzug hinterlassen haben, erschwert die wissenschaftliche Überprüfbarkeit dieses Kriegsberichts erheblich.[1] Dies führte dazu, dass Caesar sowohl zu seiner Zeit als auch in der aktuellen Diskussion des öfteren Vertuschen oder Erfinden von Tatsachen vorgeworfen wurde.[2] Im Falle der zweiten Expedition nach Britannien verfügt die heutige Wissenschaft jedoch mit den Briefen des Quintus Cicero aus Britannien, die sein Bruder Marcus Tullius Cicero in seinen „Epistulae ad Atticum“ schriftlich niederlegte, über einen seltenen Einzelfall, in dem andere Quellen Informationen über die gleiche Thematik liefern.[3] Auf diese Weise ist es auch möglich, Teile von Caesars littera ad senatum zu rekonstruieren, die wahrscheinlich als Basis für seinen Bericht im Bellum Gallicum V,22-23 diente. Im Folgenden wird nun einerseits auf wissenschaftliche Erkenntnisse im Bezug auf Verlauf und Ergebnis der beiden Expeditionen nach Britannien und andererseits auf deren Darstellung in den bereits erwähnten literarischen Zeugnissen eingegangen, um Caesars Darstellungsweise beurteilen zu können.

2. Caesars Expeditionen nach Britannien

Bevor man sich der näheren Betrachtung der bereits erwähnten schriftlichen Zeugnisse Caesars und Ciceros widmet, ist es sinnvoll, einen Blick auf die antike und aktuelle Diskussion über Verlauf und Ergebnis der beiden Expeditionen nach Britannien zu werfen. Diese Erkenntnisse sollen durch eine möglichst breitgefächerte Basis dargestellt werden, um so nahe wie möglich an eine Vorstellung der wahren Begebenheiten heranzukommen. Nur vor diesem Hintergrund ist es nämlich möglich, den Wahrheitsgehalt der später zu untersuchenden Zeugnisse zu bewerten.

2.1 Möglicher Verlauf

Die Beschreibungen der beiden Expeditionen nach Britannien sind im Bellum Gallicum im vierten Buch Paragraph 20-38 und im fünften Buch Paragraph 1-23 zu finden. Heutige Historiker gehen davon aus, dass Caesar im Zeitraum vom 24.-26. August im Jahre 55 vor Christus zu seiner ersten Expedition von Portus Itius (Gallien, s. Mat. 1) aus nach Britannien aufbrach. Nach strömungs- und windbedingten Schwierigkeiten landete er an der Küste von Cantium, in der Nähe des heutigen Dover (s. Mat. 1). Bereits jetzt erhielt Caesar einen Eindruck von der Macht des Widerstandes der Britannier, die versuchten, ihn an einer Landung zu hindern, und ihn in sichtliche Bedrängnis brachten. Es kam zum unvermeidlichen ersten Zusammentreffen zwischen beiden Parteien, die Römer konnten jedoch, einmal an Land gekommen, die Briten schlagen. Diese gaben an, sich ergeben zu wollen, schmiedeten jedoch neue Verschwörungspläne, als sie erfuhren, dass ein Großteil der römischen Flotte durch eine Springflut zerstört wurde. Der Erfolg der Expedition schien gefährdet, da es nun an Möglichkeiten zur Rückkehr und an Nachschub fehlte. Als Caesar schließlich die Schiffe ausbessern und Getreide herbeibringen ließ, wurde die siebte Legion beim Getreideholen überfallen. Er konnte gerade noch eine Katastrophe verhindern, indem er ihr mit der zehnte Legion zu Hilfe kam.[4] Caesar konnte zwar seine Soldaten retten, der Feind erhielt jedoch die Möglichkeit, sich neu zu formieren. Nach der Rückkehr ins Lager, in dem er tagelang durch Regenwetter festgehalten wurde, und einem erneuten Angriff der Britannier wurden diese letztendlich geschlagen und boten Friedensverhandlungen an. Nachdem Geiseln gestellt wurden, verließ Caesar Britannien sofort und gelange zurück ans gallische Festland, dessen Zutritt wiederum gegen die erneut aufbegehrenden Moriner erkämpft werden musste.[5]

Im darauffolgenden Jahr rüstete Caesar zu seinem zweiten Feldzug nach Britannien, versuchte jedoch dieses Mal durch eine bessere Planung den natürlichen Gegebenheiten an der britischen Küste Herr zu werden.[6] Dennoch wurde er bei der Überfahrt von der Strömung abgetrieben und landete am 5. August 54 zwischen dem heutigen Sandwich und Deal Castle (s. Abb. 1). Der Zeitpunkt dieser Expedition war wieder einmal sehr spät gewählt, da Caesar nicht nur durch widrige Winde, sondern auch durch den Feldzug gegen die Treverer aufgehalten wurde. An der britannischen Küste angelangt, fand er jedoch keinerlei Anzeichen des Feindes, der wohl vor dem bedrohlichen Anblick der römischen Streitmacht erschreckt in sichere Verstecke geflüchtet zu sein schienen. Caesar begann, ins britannische Hinterland einzudringen, musste jedoch seinen Vormarsch zunächst abbrechen und ins Lager zurückkehren, da ein Sturm die römische Flotte beschädigt hatte. Bei einem erneuten Vordringen und nach mehreren Kämpfen mit den kaum zu fassenden Britanniern, die stets nur in kleinen Gruppen angriffen und deshalb schlecht einzuschätzen waren, überschritt Caesar am 24. oder 25. August vermutlich bei dem heutigen Brentford die Themse. Trotz des weiteren Widerstandes des Cassivellaunus, der als Anführer von den Britanniern gewählt wurde, gelang es Caesar wahrscheinlich am 31. August, die Fluchtburg des Cassivellaunus (vielleicht das heutige London oder St. Albans, s. Abb. 1) zu erobern.[7] Dennoch führte dieser Erfolg nicht zur Entscheidung des Krieges sondern eher zu einer Patt-Situation. Deren Wende trat erst dann ein, als sich der Führer der Trinovanten Mandubracius auf Caesars Seite schlug, um Rache für den von Cassivellaunus verschuldeten Tod seines Vaters zu nehmen. Aufgrund dessen misslang der darauffolgende Entlastungsangriff auf das Strandlager Caesars und Cassivellaunus sah sich gezwungen, Gesandte zu seiner Kapitulation und Unterwerfung zu schicken. Caesar legte Tributzahlungen für die unterworfenen Stämme fest und setzte mit seiner Flotte nach Gallien über.[8]

Abb. 1: Caesars Expeditionen nach Britannien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Schönberger, S.547.

2.2 Beurteilung des Ergebnisses

2.2.1 Reaktionen in der Antike

Schon die erste Expedition nach Britannien wurde zusammen mit dem Germanenfeldzug mit einem zwanzigtägigen Dankfest gefeiert. Diese hohe Auszeichnung durch ein so langes Dankfest betont den Ruhm, den Caesar durch seine Taten in Rom verzeichnen konnte. Nicht der Erfolg dieser Unternehmungen schien im Mittelpunkt zu stehen, sondern der Wagemut, der eine solche Expedition in unbekannte Gefilde erforderte.[9] Mitunter scheint diese Aufnahme der Geschehnisse in seiner Heimat auch stark an die Darstellungsweise Caesars in seinen litterae ad senatum geknüpft zu sein, hierauf wird jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal eingegangen werden. Vielmehr sollen hier zunächst antike Stimmen zu Wort kommen, die die antike Rezeption der Geschehnisse am besten darstellen. So lobt Plutarch in seinem Werk „Καίσαρ“ wie folgt: ῾H δ’ ἐπὶ τοὺς Βρεττανοὺς στρατεία τὴν μὲν τόλμαν εἶχεν ὀνομαστήν· πρῶτος γὰρ εἰς τὸν ἑσπέριον ᾿Ωκεανὸν ἐπέβη στόλῳ, καὶ διὰ τῆς ᾿Ατλαντικῆς θαλάττης στρατὸν ἐπὶ πόλεμον κομίζων ἔπλευσε· καὶ νῆσον ἀπιστουμένην ὑπὸ μεγέθους, καὶ πολλὴν ἔριν παμπόλλοις συγγραφεῦσι παρασχοῦσαν, ὡς ὄνομα καὶ λόγος οὐ γενομένης οὐδ’ οῦσης πέπλασται, κατασχεῖν ἐπιθέμενος, προήγαγεν ἔξω τῆς οἰκουμένης τὴν Ῥωμαίων ἡγεμονίαν (Καίσαρ 23). Auch Cassius Dio bewertet die Expeditionen aufgrund des Echos in Rom und des daraus entstehenden Stolzes in der Bevölkerung als durchweg positiv: Καὶ ὁ μὲν ἐς τὴν ἤπειρον ἀναπλεύσας, τὰ ταραχθέντα καθίστατο, μηδὲν μήτε ἐκ τῆς Βρεττανίας μήτε ἑαυτῷ μήτε τῇ πόλει προσκτησάμενος, πλὴν τοῦ ἐστρατευκέναι ἐπ' αὐτοὺς δόξαι. Τούτῳ γὰρ καὶ αὐτὸς ἰσχυρῶς ἐσεμνύνετο, καὶ οἱ οἴκοι Ῥωμαῖοι θαυμαστῶς ἐμεγαλύνοντο. Ἐμφανῆ τε γὰρ τὰ πρὶν ἄγνωστα, καὶ ἐπιβατὰ τὰ πρόσθεν ἀνήκουστα ὁρῶντές σφισι γεγονότα, τήν τε μέλλουσαν ἐξ αὐτῶν ἐλπίδα, ὡς καὶ παροῦσαν ἔργῳ ἐλάμβανον, καὶ πάνθ' ὅσα καταπράξειν προσεδέχοντο, ὡς καὶ ἔχοντες ἤδη, ἠγάλλοντο. Καὶ οἱ μὲν διὰ ταῦτα ἱερομηνίας ἐπὶ εἴκοσιν ἡμέρας ἀγαγεῖν ἐψηφίσαντο (Historiarum Romanarum quae supersunt 39,53). Aber auch verhaltenere Stimmen, wie die von Tacitus in seinem „Agricola , konnten damals vernommen werden: Igitur primus omnium Romanorum divus Iulius cum exercitu Britanniam ingressus , quamquam prospera pugna terruerit incolas ac litore potitus sit , potest videri ostendisse posteris , non tradidisse (Agricola 13). Und so galten die Expeditionen rasch wieder als unbedeutend.[10]

[...]


[1] Vgl. Richter, S.98.

[2] Vgl. Richter, S.117.

[3] Vgl. Holmes, S.666.

[4] Vgl. Schönberger, S.549 ff.

[5] Vgl. Richter, S.118.

[6] Vgl. Maurach, S.117 f.

[7] Vgl. Schönberger, S.555-559.

[8] Vgl. Maurach, S.121 f.

[9] Vgl. Schönberger, S.552.

[10] Vgl. Schönberger, S.560.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Caesars Expeditionen nach Britannien. Vergleich von Caesars Bericht und Ciceros Briefen aus Britannien
Hochschule
Universität Trier
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V304571
ISBN (eBook)
9783668029422
ISBN (Buch)
9783668029439
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
caesars, expeditionen, britannien, vergleich, bericht, ciceros, briefen
Arbeit zitieren
Anne-Mareike Franz (Autor), 2007, Caesars Expeditionen nach Britannien. Vergleich von Caesars Bericht und Ciceros Briefen aus Britannien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304571

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