Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Thematik des Josephinismus mit dem Schwerpunkt auf die Regierungszeit Kaiser Josephs II., auf dessen Namen das System dieser Staatskirchenpolitik zurückgeht. Mit diesem System wird eine konsequente Unterordnung gesellschaftlicher Angelegenheiten unter die staatliche Verwaltung nach den Prinzipien des aufgeklärten Absolutismus gemeint.
Auch in Religionsangelegenheiten galten die am Staat orientierten Prinzipien Zentralismus, Autorität, aber auch Toleranz. Hierbei soll vor allem die Frage im Mittelpunkt stehen, ob die hier in erster Linie behandelte josephinische Kirchenreform eine Notwendigkeit der Zeit darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Das Staatskirchentum des Vorjosephinismus
3. Joseph II. und seine Kirchenpolitik
3.1. Die Neuregulierung der Pfarreien
3.2. Die Aufhebung der Klöster
3.3. Die Reform des Gottesdienstes
4. Der Nachjosephinismus
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Kirchenpolitik unter Kaiser Joseph II. und analysiert, inwieweit die josephinischen Kirchenreformen eine historische Notwendigkeit darstellten. Dabei wird das Spannungsfeld zwischen aufgeklärtem Absolutismus, staatlichem Zentralismus und religiöser Toleranz beleuchtet, um die langfristigen Auswirkungen auf die österreichische Kirchenstruktur zu bewerten.
- Charakteristika des josephinischen Staatskirchentums
- Die Neuregulierung der Pfarreien und der Klerikerausbildung
- Ursachen und Durchführung der Klosteraufhebungen
- Wandel der Gottesdienstkultur und liturgische Reformen
- Die Entwicklung des Josephinismus in der nachfolgenden Ära
Auszug aus dem Buch
3. Joseph II. und seine Kirchenpolitik
„Die beiden grundlegenden Prinzipien, nach denen man handeln soll, sind die unumschränkte Macht, für den Staat alles Gute tun zu können, und das Mittel, diesen Staat ohne fremde Hilfe zu unterhalten. Um diese beiden Ziele zu erreichen, würde ich befürworten, 1.die Großen herabzusetzten und ärmer zu machen, da ich es nicht für sehr nützlich halte, dass es kleine Könige und reiche Untertanen gibt, die in Wohlstand leben, ohne sich darum zu sorgen, was aus dem Staat wird. […] Ich erachte es als Prinzip, dass zur Lenkung der großen Maschine, ein einziger Kopf, selbst ein mittelmäßiger, besser ist als zehn ausgezeichnete, wenn es zwischen ihnen über alle Maßnahmen zu einer Verständigung kommen muss. […] Das Mittel, das ich vorschlagen werde, um den Staat augenblicklich wieder instand zu setzen, wird den nutzlosesten Elementen eines Gemeinwesens, nämlich denjenigen, die von ihrem kapital leben, einen großen Schlag versetzen. […] Die Monarchie befände sich durch diese Maßnahmen in glänzendem Zustand, einige Einzelpersonen und vor allem die Mächtigen litten darunter, aber die großen Missstände benötigen eine Gewaltkur. […] Ist der Entschluss einmal gefasst, so muss man entgegen allen Widrigkeiten in allen Punkten daran festhalten, denn wenn man einen Teil ausklammert, wird das Ganze verfälscht.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Definition der josephinischen Kirchenpolitik im Kontext des aufgeklärten Absolutismus und Formulierung der Forschungsfrage zur Notwendigkeit dieser Reformen.
2. Das Staatskirchentum des Vorjosephinismus: Darstellung der reformatorischen Vorläufer unter Maria Theresia und die Entstehung der ersten zentralistischen Verwaltungsstrukturen in der Lombardei.
3. Joseph II. und seine Kirchenpolitik: Analyse der radikalen Umgestaltung des Verhältnisses von Kirche und Staat unter dem Fokus auf staatliche Autonomie.
3.1. Die Neuregulierung der Pfarreien: Untersuchung der Verbesserung der seelsorglichen Erreichbarkeit sowie der staatlichen Kontrolle über die Priesterausbildung.
3.2. Die Aufhebung der Klöster: Erörterung der Säkularisierung und der „ökonomischen Verwendbarkeit“ von Ordenshäusern zur Stärkung staatlicher Institutionen.
3.3. Die Reform des Gottesdienstes: Beschreibung der Reduktion von Prozessionen und der schlichten Ausgestaltung der Kirchen als Ausdruck der Ablehnung volkstümlicher Barockfrömmigkeit.
4. Der Nachjosephinismus: Überblick über die Fortführung und spätere Liquidation der josephinischen Politik unter den Nachfolgern Leopold II. und Franz I.
5. Fazit: Kritische Würdigung der Josephinischen Reformen hinsichtlich ihrer Radikalität und ihrer historischen Wirksamkeit.
Schlüsselwörter
Josephinismus, Joseph II., Staatskirchentum, Aufklärung, Kirchenreform, Säkularisierung, Zentralismus, Toleranzedikt, Pfarreiregulierung, Gottesdienstreform, Barockfrömmigkeit, Klerikerausbildung, Religionsfond, Absolutismus, Kirchenrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Kirchenpolitik des österreichischen Kaisers Joseph II. und die damit verbundenen umfassenden Reformen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Säkularisierung von Klöstern, die Neuordnung der Pfarreien, die Reform der Liturgie und das staatliche Bestreben nach Kontrolle über kirchliche Angelegenheiten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob die radikalen josephinischen Kirchenreformen als notwendige Reaktion auf die Zeitumstände anzusehen sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine historische Analyse auf Basis zeitgenössischer Verordnungen, Denkschriften und einer fundierten Sekundärliteratur zum Thema Josephinismus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Vorläufer unter Maria Theresia, eine detaillierte Erörterung der drei großen Reformbereiche (Pfarreien, Klöster, Gottesdienst) sowie eine Darstellung der nachjosephinischen Epoche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den zentralen Begriffen gehören Josephinismus, Staatskirchentum, Säkularisierung, aufgeklärter Absolutismus und die kaiserliche Kirchenreform.
Welche Rolle spielte die „geistliche Hofkommission“ unter Joseph II.?
Die 1782 eingesetzte Kommission diente der staatlichen Kontrolle über kirchliche Entscheidungen und war ein zentrales Instrument zur Durchsetzung der josephinischen Kirchenpolitik.
Warum lehnte Joseph II. die barocke Volksfrömmigkeit ab?
Er sah in der Barockfrömmigkeit einen unnötigen und unzeitgemäßen Aufwand, der den Prinzipien von Einfachheit, staatlicher Nützlichkeit und aufgeklärter Vernunft widersprach.
Wie reagierte der Klerus auf die Maßnahmen?
Die Reformen stießen auf erheblichen Widerstand, da sie tief in die Traditionen eingriffen, die bischöfliche Handlungsfreiheit stark einschränkten und Kleriker zu bloßen „Sprachrohren des Staates“ degradierten.
- Arbeit zitieren
- Jennifer Michaelis (Autor:in), 2014, Die josephinische Kirchenreform. Notwendigkeit der Zeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304632