Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung der EU unter besonderer Berücksichtigung der Sozialpolitik. Zudem soll besonderes Augenmerk auf die Gestaltungsprinzipien und Funktionen von Sozialpolitik gelegt werden sowie auf die unterschiedlichen Typen der Wohlfahrtstaaten in Europa.
Als Wahlpflichtaufgabe werden zuerst die Rahmenbedingungen Sozialer Arbeit in Europa untersucht und im Anschlus daran die Grundlagen des europäischen Sozialfonds (ESF) mit seinen Rahmenbedingungen und Zielsetzungen in der Förderperiode 2014 – 2020.
Erste Versuche einer politischen Einigung Europas reichen in das 19. Jahrhundert zurück. Frühe Vorstellungen von Politikern, wie Coudenhove-Kalergi oder Aristide Briand setzten sich nach den Verwerfungen des ersten Weltkriegs in den 1920er Jahren für ein vereinigtes Europa ein. Der (pazifistische) Grundgedanke war hier die Entstehung einer politischen Föderation, die sich dem Völkerbund zuordnen sollte. Durch die politischen Turbulenzen während der Weltwirtschaftskrise, besonders dem Vormarsch der Nationalisten und Rechtsextremisten in den 1920er Jahren war dieser frühen paneuropäischen Bewegung jedoch kein Erfolg beschert.
Vorstellungen einer europäischen Nachkriegsordnung entstanden nicht nur in den Köpfen alliierter Politiker, sondern auch in denen von inhaftierten Widerständlern in den Lagern und Gefängnissen der Nationalsozialisten. Die Vision weg vom übersteigerten Nationalismus und Imperialismus hin zu einer föderalstaatlichen Organisation Europas, fand unter den Widerstandskämpfern Europas von links bis konservativ Verbreitung.
Inhaltsverzeichnis
Teil I
1. Aufgabe I: Die historische Entwicklung der EU unter besonderer Berücksichtigung der Sozialpolitik
2. Aufgabe I: Gestaltungsprinzipien und Funktionen von Sozialpolitik, unterschiedliche Typen der Wohlfahrtstaaten in Europa
Funktionen der Sozialpolitik:
Sozialstaatstypen oder Formen
3. Aufgabe I: Bisherige Entwicklung der Sozialpolitik der EU
Teil II, Wahlpflicht I
Wahlpflicht Aufgabe 2 : Die Rahmenbedingungen Sozialer Arbeit in Europa
Soziale Arbeit im Kontext von Markt und Wettbewerb
Konsequenzen für die Träger
Konsequenzen für die Beschäftigten
Konsequenzen für die Nutzer
Ausblick
Teil III, Wahlpflicht II
Wahlpflichtaufgabe 3: Grundlagen des europäischen Sozialfonds (ESF) Rahmenbedingungen und Zielsetzungen in der Förderperiode 2014 – 2020
Geschichte des ESF
Der achte Europäische Sozialfonds
ESF – Förderung am Beispiel NRW
Wer kann ESF Fördermittel beantragen?
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit den komplexen Wechselwirkungen zwischen europäischer Politik und der Sozialen Arbeit, wobei der Fokus insbesondere auf den ökonomischen Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen auf die professionelle Praxis liegt. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwieweit die europäische Integrationspolitik und neoliberal geprägte Wettbewerbsmechanismen die traditionellen Strukturen der Sozialen Arbeit in den Mitgliedstaaten transformieren und welche Konsequenzen dies für Träger, Beschäftigte und Nutzer hat.
- Historische Genese der Europäischen Union unter sozialpolitischer Perspektive
- Gestaltungsprinzipien und Typologien europäischer Wohlfahrtsstaaten
- Auswirkungen der Marktlogik auf die Soziale Arbeit und deren Akteure
- Grundlagen, Zielsetzungen und Fördermechanismen des Europäischen Sozialfonds (ESF)
Auszug aus dem Buch
Soziale Arbeit im Kontext von Markt und Wettbewerb
Der Trend in der europäischen Sozialpolitik geht dahin, sich mehr und mehr vom Wohlfahrtsstaatsgedanken zu verabschieden. In Deutschland wird der aktive Wohlfahrtsstaat mit der Begründung, er sei „ineffizient und bürokratisch, nicht mehr finanzierbar, ersticke Eigeninitiative und lade zum Leistungsmissbrauch ein“ (Friesenhain/Kniephoff-Knebel, 2011, S.117) zum aktivierenden Sozialstaat transformiert, womit sich der Auftrag der Sozialen Arbeit von der aktiven Hilfe am bedürftigen Bürger zur Hilfe zur Selbsthilfe, der Hilfe für zur eigenen Daseinsvorsorge (Empowerment) von Leistungsberechtigten verschiebt. Die Verantwortung für soziale Risiken und Ansprüche werden in den Bereich der Betroffenen verlagert und die Verantwortung für gesellschaftlich bereitgestellte Möglichkeiten in Richtung Nutzer verschoben.
Soziale Arbeit in Europa und vor allem auch in Deutschland sieht sich mit Anforderungen konfrontiert, die sich als Folge der Lissabon – Strategie, die EU zu einem wettbewerbsfähigen Wirtschaftsraum zu entwickeln, darstellen. Die Art und Weise, wie dieses erreicht werden soll, nämlich auch und vor allem durch die Senkung von Lohn- (neben) und Arbeitskosten, Steuern und Sozialausgaben, führte zur Ausdehnung des sog. Niedriglohnsektors und damit zu fließenden Übergängen zwischen unterer Mittelschicht und Unterschicht der Gesellschaft und zur Erhöhung prekärer Beschäftigungen. (vgl. Dahme/Wohlfahrt 2012, S. 16 f) Diese Politik der EU, die trotz der Rückschläge durch die Wirtschafts- und Finanz-(Banken)krise andauert, schließt die Sozialpolitik mit ein, die sich der Wirtschafts- und Steuerpolitik eines Staates unterzuordnen hat. (vgl. Homann/Pies 1996, zitiert in Dahme/Wohlfahrt 2012, S. 9 f).
Soziale Arbeit ist als Instrument der Sozialpolitik in dieses wettbewerbliche Produktionsmodell eingebunden mit entsprechenden Auswirkungen auf das Berufsfeld und insbesondere auch der Beziehung zum Hilfebedürftigen, im ökonomischen Kontext nun Kunde oder Nutzer genannt. Kunden (Nachfrager) sozialer Dienstleistung verfügen nicht über die Fähigkeit eigenständiger Reproduktion. Hilfen und Unterstützungsleistung sind staatlich normiert und budgetorientiert limitiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Aufgabe I: Die historische Entwicklung der EU unter besonderer Berücksichtigung der Sozialpolitik: Dieses Kapitel zeichnet die Entstehung der EU von ersten europäischen Einigungsbewegungen bis hin zur aktuellen Union nach und analysiert, wie soziale Aspekte dabei über die Zeit in den Hintergrund wirtschaftlicher Interessen traten.
2. Aufgabe I: Gestaltungsprinzipien und Funktionen von Sozialpolitik, unterschiedliche Typen der Wohlfahrtstaaten in Europa: Es werden die Grundprinzipien der Sozialpolitik sowie die klassischen Typologien von Wohlfahrtsstaaten, insbesondere das Modell von Esping-Andersen, erläutert und kritisch hinterfragt.
3. Aufgabe I: Bisherige Entwicklung der Sozialpolitik der EU: Das Kapitel beschreibt das Fehlen eines einheitlichen europäischen Sozialmodells und kritisiert die Priorisierung von Wettbewerb und ökonomischen Interessen zulasten sozialer Sicherheit.
Wahlpflicht Aufgabe 2 : Die Rahmenbedingungen Sozialer Arbeit in Europa: Hier wird untersucht, wie die Soziale Arbeit innerhalb der EU nationalstaatlich geprägt bleibt, aber gleichzeitig unter den zunehmenden Druck von Globalisierung und Europäisierung gerät.
Wahlpflichtaufgabe 3: Grundlagen des europäischen Sozialfonds (ESF) Rahmenbedingungen und Zielsetzungen in der Förderperiode 2014 – 2020: Das Kapitel erläutert die Rolle des ESF als zentrales Instrument der EU-Sozialpolitik zur Förderung von Beschäftigung, Ausbildung und Qualifizierung.
Schlüsselwörter
Sozialpolitik, Soziale Arbeit, Europäische Union, Wohlfahrtsstaat, Europäischer Sozialfonds, Ökonomisierung, Wettbewerb, Marktmodell, Aktivierender Sozialstaat, Beschäftigungspolitik, Subsidiarität, Solidarität, Empowerment, Strukturfonds, Sozialmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Verhältnis von Sozialpolitik und Sozialer Arbeit innerhalb der Europäischen Union unter besonderer Berücksichtigung der aktuellen ökonomischen Rahmenbedingungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung der europäischen Sozialpolitik, die Typologien europäischer Wohlfahrtsstaaten sowie die Auswirkungen der zunehmenden Ökonomisierung auf die Soziale Arbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie neoliberal geprägte Strategien der EU die Soziale Arbeit in ein wettbewerbliches Modell zwingen und welche Konsequenzen dies für die Akteure des Sozialwesens hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analysierende Literaturarbeit, die auf relevanten theoretischen Grundlagen der Sozialpolitik und aktuellen politischen Dokumenten der EU sowie der Mitgliedstaaten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Analyse der EU-Sozialpolitik, eine theoretische Einordnung von Sozialstaatstypen, die Untersuchung der Markt- und Wettbewerbsbedingungen für Soziale Arbeit sowie eine detaillierte Betrachtung des Europäischen Sozialfonds (ESF).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Europäische Sozialpolitik, Ökonomisierung der Sozialen Arbeit, Wohlfahrtsregimes, Wettbewerb, Europäischer Sozialfonds und aktivierender Sozialstaat.
Wie verändert sich durch die Ökonomisierung die Beziehung zwischen Professionellen und Nutzern?
Die Beziehung wandelt sich in eine Marktbeziehung, in der die Adressaten der Sozialen Arbeit zunehmend als „Kunden“ oder „Nutzer“ betrachtet werden, von denen Eigenverantwortung und eine aktive Rolle bei der Auswahl von Dienstleistungen erwartet wird.
Welche Kritik äußert der Autor an der Umsetzung des Europäischen Sozialfonds in Deutschland?
Der Autor verweist auf kritische Berichte, wonach erhebliche bereitgestellte EU-Fördermittel in Deutschland nicht abgerufen wurden, was auf eine unzureichende Nutzung des ESF zur Bewältigung lokaler sozialer Problemlagen hindeutet.
- Arbeit zitieren
- Folkert Kruse (Autor:in), 2015, Soziale Politik in der EU. Die Rahmenbedingungen für soziale Arbeit und die Grundlagen des europäischen Sozialfonds (ESF), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304695