Die steigenden Kosten für das Gesundheitssystem, der stärkere Wettbewerb zwischen den Krankenkassen und der demografische Wandel setzen eine ökonomisch und medizinisch effektive Behandlung der Versicherten voraus. Ein Ansatz um den steigenden Kosten zu begegnen und gleichzeitig eine Verbesserung der medizinischen Behandlung zu gewährleisten, sind die Disease-Management-Programme, abgekürzt DMP.
Fast 5 Mio. Menschen leiden an Diabetes mellitus, die meisten an Typ 2. Ein Großteil dieser Typ-2-Patienten nehmen schon an einem DMP teil. Mit fast 2,7 Mio. Patienten umfasst die DMP mit der Indikation Diabetes mellitus Typ 2 den größten Patientenkreis innerhalb der DMP. Bedingt durch diesen Stellenwert in der Indikationsverteilung befasst sich diese Hausarbeit mit den DMP mit der Indikation Diabetes mellitus Typ 2.
Die Gesundheitsausgaben sind von 1992 bis 2012 um das Doppelte angestiegen. Mit Rücksichtnahme auf die Verschiebung des Spektrums der Krankheiten, welches sich in den letzten Jahrzehnten stark von den akuten Krankheiten zu den chronischen Krankheiten vorschoben hat, rücken chronische Krankheiten immer mehr in den Fokus ökonomischer Betrachtungsweisen. Da fast 2/3 der Todesursachen in Deutschland direkt oder indirekt auf chronische Krankheiten zurückzuführen sind, ist neben der ökonomischen Betrachtung der chronischen Krankheiten auch eine medizinische Betrachtung und einheitliche Behandlungsleitlinien von großer Wichtigkeit.
Um diesem Problem zu begegnen müssen kostengünstige, aber dennoch effiziente Behandlungen für die betroffenen Patienten bereitgestellt werden. Dies sollte 2002 durch die DMP geschehen. In dieser Hausarbeit werden die Auswirkungen der ökonomischen und medizinischen Aspekte analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung, Zielsetzung und Forschungsfrage
2 Allgemeine Informationen zu DMP
2.1 Begrifflichkeit und Historie der DMP
2.2 Instrumente und Ziele der DMP
2.3 Entstehung eines DMP
2.4 Finanzierung der DMP über den Risikostrukturausgleich, den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich und den Gesundheitsfond
3 Ökonomische Auswirkungen der DMP anhand der Indikation Diabetes mellitus Typ 2
4 Medizinische Auswirkungen der DMP anhand der Indikation Diabetes mellitus Typ 2
5 Fazit und Ausblick
Anhang A: Unterschiede in den Krankenhausdaten
Anhang B: Positive Veränderung des Bluthochdrucks nach DMP Teilnahme
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die medizinischen und ökonomischen Auswirkungen von Disease-Management-Programmen (DMP) am Beispiel der Indikation Diabetes mellitus Typ 2. Ziel ist es zu untersuchen, inwiefern diese strukturierten Behandlungsprogramme zu einer effizienteren Versorgung beitragen und welche ökonomischen Einsparpotenziale oder medizinischen Verbesserungen für die Patienten daraus resultieren.
- Strukturierte Behandlungsprogramme (DMP) im deutschen Gesundheitswesen
- Ökonomische Bilanzierung und Kostenstrukturen der DMP
- Medizinische Versorgungsqualität und Patientenperspektive (PACIC-Instrument)
- Rolle des Risikostrukturausgleichs und Gesundheitsfonds
- Vergleichende Analyse von DMP- und Nicht-DMP-Patienten
Auszug aus dem Buch
Medizinische Auswirkungen der DMP anhand der Indikation Diabetes mellitus Typ 2
Da im Rahmen der DMP-Behandlung die Krankenkassen dazu verpflichtet sind eine externe Evaluation der DMP-Ergebnisse durch wissenschaftliche Institute durchführen zu lassen, sind sämtliche medizinische Ergebnisse dieses Programms dokumentiert. Die besseren medizinischen Ergebnisse in den DMP beruhen zunächst auf der Anwendung der evidenzbasierten Medizin und auf einer koordinierteren Behandlung in den einzelnen Versorgungsebenen.
Das unterschiedliche Engagement der Krankenkassen bei der patientenorientierten Qualitätssicherung beeinflusst ebenfalls die medizinischen Ergebnisse. Auch sozioökonomische Unterschiede (Arbeiter, Beamter, Bildung etc) bei den Patienten haben auf die Wirksamkeit der Qualitätssicherungsmaßnahmen Einfluss.
Bei einer Auswertung der DMP durch das Bundesversicherungsamt für den Zeitraum 2003 bis 2006 kam bei der Einzelauswertung von Teilnehmern, die für die Indikation Diabetes mellitus Typ 2 angemeldet waren, heraus, dass viele teilnehmende Patienten eine deutliche Verbesserung des Bluthochdrucks (siehe Anhang B) und verminderten Nikotin abuse hatten. Zusätzlich konnte bei einigen der teilnehmenden Patienten auch ein niedriger oder zumindest bei einer Vielzahl ein gleichbleibender Blutzuckerwert (HbA1c) beobachtet werden. Die gemittelten Ergebnisse aus dem Bericht des Bundesversicherungsamtes sind deutlich positiver ausgefallen als die erwarteten Ergebnisse (basierend auf anderen Studien).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit beleuchtet den steigenden Kostendruck im Gesundheitswesen und führt DMP als Ansatz zur effizienteren Behandlung chronisch Kranker, insbesondere bei Diabetes mellitus Typ 2, ein.
2 Allgemeine Informationen zu DMP: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung, die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Finanzierung über den Risikostrukturausgleich sowie die Definition von Disease-Management-Programmen.
3 Ökonomische Auswirkungen der DMP anhand der Indikation Diabetes mellitus Typ 2: Hier werden die Kosten pro DMP-Patient analysiert und Einsparpotenziale im Vergleich zu Nicht-DMP-Patienten aufgezeigt.
4 Medizinische Auswirkungen der DMP anhand der Indikation Diabetes mellitus Typ 2: Das Kapitel evaluiert die Versorgungsqualität durch Patientenbefragungen (PACIC) und vergleicht medizinische Outcomes wie Folgeerkrankungen bei DMP-Teilnehmern.
5 Fazit und Ausblick: Zusammenfassend wird die positive Wirkung von DMP bestätigt, wobei gleichzeitig Optimierungspotenziale in der zielgruppenorientierten Qualitätssicherung identifiziert werden.
Schlüsselwörter
Disease-Management-Programme, DMP, Diabetes mellitus Typ 2, Gesundheitswesen, Risikostrukturausgleich, Morbi-RSA, Versorgungsqualität, Evidenzbasierte Medizin, Chronische Krankheiten, Gesundheitsfonds, Patientencompliance, ELSID-Studie, Krankenhausbehandlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Einführung von strukturierten Behandlungsprogrammen (DMP) auf die medizinische Versorgung und die ökonomische Effizienz bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Finanzierungsmechanismen (Risikostrukturausgleich), die medizinische Qualitätssicherung, Kostenanalysen und die Patientenzufriedenheit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Analyse der ökonomischen und medizinischen Auswirkungen von DMP, um zu prüfen, ob diese zu einer effektiveren Versorgung der Patienten beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und wertet existierende Evaluationsberichte, Studien (wie die ELSID-Studie) und Daten des Bundesversicherungsamtes aus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der DMP-Strukturen, eine detaillierte Betrachtung der Kostenfaktoren sowie eine Auswertung medizinischer Indikatoren und der Patientenperspektive.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind DMP, Diabetes mellitus Typ 2, Versorgungsqualität, Kosten-Nutzen-Analyse und Risikostrukturausgleich.
Welche Rolle spielt das PACIC-Instrument in der Untersuchung?
Das PACIC-Instrument dient dazu, die Patientenperspektive zur Versorgungsqualität in fünf spezifischen Bereichen zu erfassen, um die subjektive Wahrnehmung der DMP-Teilnehmer messbar zu machen.
Wird im Fazit eine abschließende Empfehlung ausgesprochen?
Ja, der Autor empfiehlt eine stärkere zielgruppenorientierte Qualitätssicherung sowie eine Individualisierung der Programme für multimorbide Patienten.
Welche Bedeutung haben die Krankenhausdaten im Anhang?
Die Daten im Anhang verdeutlichen die Unterschiede in der Inanspruchnahme von Krankenhausleistungen zwischen DMP-Patienten und Nicht-Teilnehmern.
Was unterscheidet das frühere "sächsische DMP" von aktuellen Modellen?
Das SDMP zeichnete sich durch einen noch intensiveren Austausch zwischen Hausärzten und Spezialisten aus, wurde aber später zugunsten allgemeinerer DMP-Strukturen aufgegeben.
- Arbeit zitieren
- Jo Peedikayil-Varghese (Autor:in), 2014, Disease-Management-Programme und Diabetes mellitus Typ 2. Analyse der ökonomischen und medizinischen Auswirkungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304722