Financier gentilhomme - Arnold von Arlon


Hausarbeit, 2003
17 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Arnolds Werdegang als Verwaltungsträger Johanns

3. Seine Stellung in Luxemburg unter Karl IV. und Balduin

4. Arnolds sozialer Aufstieg

5. Die Ursprünge seiner Geldmittel

6. Arnold von Arlon: Hochfinanz oder Territorialfinanz?

7. Schlussbetrachtung

8. Literaturverzeichnis

9. Anlage 1: Die Konflikte, Kriege und Ankäufe der Grafschaft Luxemburg zwischen 1317 und

10. Anlage 2: Arnolds Kredite und Beziehungen

1. Vorwort

Thema dieser Hausarbeit ist Arnold von Arlon, ein Finanzier Johanns des Blinden und Karls IV. Neben Reinhard von Schönau ist Arnold eine der eindrucksvollsten Verkörperungen des „financier gentilhomme“, des adligen Geldleihers. Durch geschicktes Jonglieren mit riesigen Geldsummen wurde er zeitweise der wichtigste Beamte der Grafschaft Luxemburg, verhalf Johann zum Ankauf mehrerer Herrschaften, unterstützte die adligen Herren seiner Zeit und versuchte in den Besitz einer eigenen Herrschaft zu kommen. 1333 wurde Arnold aufgrund seiner Verdienste Edelknecht und 1342 wurde er zum Ritter geschlagen. Er versuchte mit dem Aufbau einer Herrschaft seinen Nachkommen den Aufstieg in den Adel zu ermöglichen, was dann aber an Karl IV. und Balduin, dem Erzbischof von Trier, scheiterte.

Arnold lebte von 1316 bis 1347/48. Er war der Sohn von Katharina und Nemerich, einem Edelknecht, der auch Schöffe und Kellner von Arlon war. Arnolds Frau hieß Mechthild und er hatte acht Kinder.[1]

Die Quellen, Urkunden und Unterlagen zu Arnold von Arlon waren bis vor kurzem recht schlecht untersucht. Erst durch die Forschungsarbeit von Winfried Reichert[2] konnte dieser Finanzier fassbar gemacht und nun in einem größeren Kontext betrachtet werden.

In dieser Hausarbeit soll nun der Wirkungskreis und die Bedeutung Arnolds von Arlon für seine Herren und seine Umgebung im Vordergrund stehen. Seine persönlicher Werdegang, seine Karriere und das Ende eben dieser ist dabei von großem Interesse, genauso wie seine Beziehungen zu den Königen Johann dem Blinden und Karl IV. Auch wenn Arnold nie an die Finanzmittel und den Einfluss Reinhards von Schönau heranreichen konnte, ist der Wirkungskreis dieses Finanziers nicht zu unterschätzen: für die Entwicklung und Expansion der Grafschaft Luxemburg ist sein Leben und Wirken von großer Bedeutung.

2. Arnolds Werdegang als Verwaltungsträger Johanns

Die erste urkundliche Erwähnung Arnolds in Beziehung zu seinen Grafen in Luxemburg fand am 30.03.1316 statt: Arnold wurde Richter von Arlon. Neun Monate später gab er sein Richteramt auf und wurde Mitglied des Schöffenkollegiums. Möglicherweise erhielt er noch weitere Verwaltungsfunktionen. Die Ernennung zum Schöffen stellte eine enge Dienstbindung an den Grafen dar, da dieses Amt auf Lebenszeit von dem Landesherren vergeben wurde.[4] 1317 wurde Arnold Propst, was ungefähr dem Beruf des Amtsmannes entspricht. Seine Aufgaben waren u.a. die Wahrung der landesherrlichen Rechte in ihrer Gesamtheit, die Verwaltung des Domanialbesitzes, die Ausweitung des landesherrlichen Schutzes und Herrschaftsanspruches, die Hochgerichtsbarkeit innerhalb von Arlon und die niedere und mittlere Gerichtsbarkeit in den geistlichen und adligen Herrschaften der Markgrafschaften Arlon und militärische Aufgaben, wie die Führung des militärischen Aufgebots seines Distriktes.[5] Somit wurde Arnold zum wichtigsten Träger der luxemburgischen Expansionspolitik. Insgesamt war er fast 15 Jahre lang Statthalter Johanns in einem großen und geschlossenen Verwaltungsbezirk, der weitgehend die Markgrafschaft Arlon bezeichnete, und somit einer der einflussreichsten Verwaltungsträger.[6][3]

1323 erfolgte die Ernennung zum Rentmeister der Grafschaft. Damit stieg Arnold in den engeren Rat des Grafens auf, da die Gemeinschaft der Rentmeister aus acht bis zehn edelfreien Vasallen bestand, die während der Abwesenheit Johanns die Grafschaft leiteten. Schnell wurde Arnold zum eigentlichen Träger der Wirtschafts- und Finanzverwaltung, er bildete enge und stetige Kontakte zu Johann: er begleitete ihn bei Verhandlungen als sein Berater.[7]

Nun war die Zeit zwischen 1317 und 1330 eine von Expansion bestimmte Phase der luxemburgischen Grafschaft (siehe Anlage 1). Der Kapitalbedarf des Grafen Johann war enorm. Er sicherte sich sein Geld größtenteils auf dem Kreditweg, indem er Herrschaftsrechte oder Darlehensaufnahmen gegen Schuldbrief und Bürgensetzung verpfändete. Die Organisation dieser Transaktionen oblag seit spätestens 1323 seinem Vertrauten Arnold. Hier begannen nun auch die Kredite Arnolds an Johann: innerhalb weniger Jahre kam Arnold durch die Zahlung von 1400 kleinen luxemburgischen Tournosen in den Besitz umfangreicher, ehemals landesherrlicher Güter und Einkünfte. Diese Güter und Einkünfte erhielt er auch nicht als Pfandbriefe sondern als allodiales Erbgut, was die Grundlage seiner Herrschaftsbildung darstellte. Die Kredite und Vorschüsse Arnolds an Johann waren enorm: zeitweise lagen die Beträge nur 1000 fl. unter dem Gesamtgeldbesitz der Grafschaft.[8] Als Gegenleistung erhielt er u. a. für sechs Jahre die Propstei Arlon mit allen Einkünften und Pertinenzien und dem Recht zur Ernennung aller Verwaltungsträger.

Seine Bestellung zum Seneschall 1330/31 machte ihn zum Stellvertreter und Statthalter des Landesherrn; dieses Amt war im luxemburgischen Einflussbereich ein sehr Bedeutendes: Arnold wurde zum wichtigsten Beamten der Grafschaft und erhöhte seinen sozialen Status um ein Vielfaches. 1332 erhielt Arnold für 5000 lb. kl. turn. Pfandrechte der Propstei Arlon.[9]

Drei Jahre später wird Arnold seines Amtes erhoben: für fast zehn Jahre ist er weder Finanzier noch Verwaltungsträger Johanns. Dennoch begegnet er in den Urkunden immer wieder als Zeuge und Mitglied des Rates, als Schiedsmann und als Bürge. Er wurde zum Exekutor der Grafschaft ernannt und regelte unter anderem einige Passagen des Testaments Johanns, was zeigt, dass er immer noch ein enger Vertrauter Johanns war.

Ab 1342 wird Arnold wieder Gläubiger Johanns. Er lieh ihm 1343 24.250 kl. fl. und 1345/46 in acht Schuldbriefen insgesamt 26.827 kl. fl. In den drei Jahren von Ende 1342 bis 1346 betrug die Gesamthöhe des verliehenen Geldes mindestens 51.077 kl. fl., die überwiegend aus Anweisungen getilgt werden sollten, nur die zu der Grafschaft Laroche gehörenden Meiereien Amberloup, Longvilly und Rendeux wurden dem Pfandbesitz Arnolds hinzugefügt.[10]

Die Gesamtsumme seiner Kredite kann nicht ermittelt werden, da nicht alle Dokumente überliefert sind, viele Urkunden nicht die Höhe der Schuld angaben und auch für viele Kredite gar keine Urkunden ausgestellt wurden. Die Tilgung erfolgte durch Anweisungen oder Rentenverschreibungen.

1343 wurde Arnold zum Statthalter ernannt. Die Statthalterschaft war ein nur gelegentlich eingerichtetes, ganz besonderes Amt, das nur den engsten Verwandten oder edelfreien Räten des Grafen anvertraut wurde. Arnold stieg an die Spitze der Landesadministration auf.

Die Gründe für die Vergabe dieses Amtes liegen erneut in der Territorialpolitik: Nach 1337 expandierte die Grafschaft Luxemburg in einem großen Umfang. Johann löste mittels einer Viertelmillion Florentiner Gulden verpfändete Besitzungen wieder ein und kaufte neue bedeutende Herrschaften dazu. Sein Bargeld besorgte er sich erneut auf dem Kreditweg, vor allem durch Verpfändung eigener Besitzungen. Dieses ständige und immer schneller werdende Wechselspiel von Pfandnahmen, Verpfändungen und Wiedereinlösungen bedarf der finanztechnischen Kenntnisse des wichtigsten Finanzier des Grafen: Arnold. Er war der Organisator und Verteiler der enormen Gelder, die, geschickt von ihm eingesetzt, zu einer exorbitanten Ausdehnung der luxemburgischen Grafschaft führte: seine Leistungen in dieser Hinsicht sind als ein Meisterwerk anzusehen.

3. Seine Stellung in Luxemburg unter Karl IV. und Balduin

Nachdem Johann der Blinde 1346 starb, übernahm mit seinem Sohn Karl IV. ein neuer Landes- und Dienstherr die luxemburgische Grafschaft. Für Arnold änderte sich nichts: auch Karl stützte sich enorm auf seinen finanzkräftigen Diener.[12] Innerhalb von zwei Monaten hatte sich Karl mindestens 8980 kl. fl. geliehen, um den wichtigsten finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Arnold erhielt als Gegenleistung unter anderem die uneingeschränkte Vollmacht in einigen Propsteien als „soverain governour“; er zählte also weiterhin zu den Vertrauten und Beratern des Königs. Das Amt des Statthalters übte er jedoch nicht mehr aus: die faktische Leitung der Grafschaft ging an den Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg über, der die trierischen Territorien in Ämter aufteilte und somit als Organisator oder sogar Initiator der Amtsverfassung gilt.[13] Karl gedachte so seine Schulden bei Balduin begleichen zu können. Im Dezember 1346 waren die meisten Verwaltungsbezirke der Grafschaft entweder verpfändet oder Arnold unterstellt. Die Herrschaftsverpfändungen (ohne die Pfandrechte Balduins, die Rentenanweisungen und die weiteren finanziellen Verpflichtungen mit einzurechnen) betrugen 174.000 kl. fl. Um diesen enormen Schuldenberg tilgen zu können, hätten Balduin und Karl eine hohe Summe an Finanzmitteln aufbringen müssen: dazu waren sie jedoch beide nicht in der Lage. Man entschied sich für eine preiswertere Lösung:[14][11]

[...]


[1] Siehe Fußnote 2.

[2] Die Hausarbeit bezieht sich größtenteils auf die Forschungsergebnisse von Winfried Reichert: Hochfinanz und Territorialfinanz im 14. Jahrhundert: Arnold von Arlon – Rat und Finanzier der Luxemburger, in: Hochfinanz im Westen des Reiches 1150 – 1500. Hrsg. von Friedhelm Burgard, Alfred Haverkamp, Franz Irsigler und Winfried Reichert, Trierer Historische Forschungen, Trier 1996. Alle Fußnoten aus diesem Werk werden mit „Reichert, S. XY.“ gekennzeichnet sein.

[3] Reichert, S. 223-39.

[4] Reichert, S. 223.

[5] Reichert, S. 224.

[6] Reichert, S. 224.

[7] Reichert, S. 227.

[8] Reichert, S. 231.

[9] Reichert, Landesherrschaft, Teil 2, S. 574.

[10] Reichert, Landesherrschaft Teil 1, S. 467.

[11] Reichert, S. 244-50.

[12] Reichert, S. 244.

[13] Burgard, S. 279.

[14] Reichert, S. 247.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Financier gentilhomme - Arnold von Arlon
Hochschule
Universität Trier
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V30474
ISBN (eBook)
9783638317290
ISBN (Buch)
9783638760911
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gute, solide Arbeit zu Arnold von Arlon.
Schlagworte
Financier, Arnold, Arlon
Arbeit zitieren
Franziska Irsigler (Autor), 2003, Financier gentilhomme - Arnold von Arlon, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30474

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Financier gentilhomme - Arnold von Arlon


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden