Gegenwärtige Märkte sind zumeist geprägt durch eine hohe Marktintensität, rasante Entwicklung und starke Konkurrenzsituation. Unternehmen, die sich in diesem dynamischen Umfeld befinden, sind starken externen Einflüssen ausgesetzt, welche es erschweren, sich auf lange Sicht zu behaupten und zu überleben. Laufende Anpassung und eine verstärkte Wahrnehmung der Kundenbedürfnisse, sowie die Suche nach neuen Geschäftsgelegenheiten ist eine laufende Aufgabe, welche die langfristige Unternehmensfortführung sichert. Die Fähigkeit des Unternehmens, diese externen Faktoren und Einflüsse zu identifizieren, analysieren, und internen Nutzen daraus zu ziehen, d.h. neue Geschäftsgelegenheiten zu finden bzw. den Branchenmix qualitativ oder quantitativ zu verändern, ist dabei von großer Bedeutung. In diesem Zusammenhang stellt sich u.a. auch die Frage, wie Unternehmen einen Ausstieg aus einem bestehenden Geschäftsbereich bewältigen, und wie sie die vorhandenen unternehmensinternen Kompetenzen weiter nutzen können , um die oben beschriebenen evtl. notwendigen Anpassungsmaßnahmen erfolgreich zu ergreifen.
Das im folgenden anhand einer empirischen Studie vorgestellte Bower-Burgelman Modell der strategischen Anpassung soll einen Einblick in diejenigen Kräfte geben, welche einen strategischen Geschäftsausstieg in einer dynamischen Umgebung vorantreiben und beeinflussen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Strategiebildung in Unternehmen
2.1 Strategie als Prozess
2.2 Autonome strategische Prozesse
3. Ausgangspunkt bei der Betrachtung des strategischen Ausstiegs
3.1 Grundlegender Aufbau des Modells
3.2 Die verschiedenen Managementebenen
3.3 Subprozesse des Modells
4. Empirische Grundlage
4.1 Chronologische Entwicklung
4.2 Schwerpunktmäßige Analyse
4.3 Wesentliche Ergebnisse der Studie
5. Brauchbarkeit und Grenzen des SBE-Prozess-Modells
6. Erweiterung der Studie und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Bower/Burgelman-Modell der strategischen Anpassung, um zu verstehen, welche innerbetrieblichen Kräfte und Manageraktivitäten einen strategischen Geschäftsausstieg in einem dynamischen Marktumfeld vorantreiben und beeinflussen.
- Analyse des Bower/Burgelman-Prozess-Modells zur Strategiebildung.
- Untersuchung der Interaktion zwischen unterschiedlichen Managementebenen.
- Empirische Fallstudie zum strategischen Ausstieg von Intel aus der DRAM-Speichertechnologie.
- Diskussion der Bedeutung autonomer strategischer Prozesse und deren Einfluss auf die Unternehmensausrichtung.
- Betrachtung von Brauchbarkeit und Grenzen des Modells für die Unternehmenspraxis.
Auszug aus dem Buch
4.2 Schwerpunktmäßige Analyse
Eine schwerpunktmäßige Betrachtung der Daten anhand des Modells (Abbildung I u. II im Anhang) zeigt, dass während des mehrjährigen Prozesses der Definition dem strategischen Ausstieg keinerlei klar artikulierte Absicht zugrunde lag. Vielmehr war sich das Topmanagement uneinig darüber, was die Unterstützung von Speichermedien anging. Es wurde weiter investiert, obwohl andere Bereiche weitaus profitabler waren.
Anfängliche technologische Erfolge ermutigten zu weiteren Entwicklungen. Hierbei setzte das Management jedoch auf Nischenprodukte und verpasste somit den Anschluss an den Massenmarkt für Produkte mit weit größeren Absatzzahlen. Durch den Vertrieb dieser teuren Technologie durch das operationale Management kam es unwillkürlich zu einer Entkoppelung von den Kundenbedürfnissen, Intel verpasste den Anschluss an den Massenmarkt, und hing somit der Konkurrenz in bezug auf die Absatzzahlen weit hinterher.
Auch in der Phase des Anstoßes/Auftriebs gab es keine eindeutige Richtung bzgl. des strategischen Ausstieg, jedoch wurden hier als Folge von Manageraktivitäten Grundsteine gelegt, die später zu einem solchen führen sollten. Die Mikroprozessortechnologie als ungeplanter Geschäftsbereich entwickelte sich unerwartet rasant. Um dieses Entwicklungspotential zu nutzen, mussten knappe Produktionskapazitäten der Fabriken zwischen Mikroprozessoren und Speichermedien aufgeteilt werden. Eine profitorientierte Entscheidungsregel, die sich nach den externen Marktsituationen der beiden Bereiche richtete, wurde eingeführt. Die Regel war dahingehend von größter Bedeutung, weil sie die rentablere Mikroprozessortechnologie gegenüber den Speichermedien, welche ohnehin mit einer schwierigen Marktsituation konfrontiert waren, präferierte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen in dynamischen Märkten und führt das Bower/Burgelman-Modell als Werkzeug zur Analyse strategischer Geschäftsausstiege ein.
2. Strategiebildung in Unternehmen: Hier wird Strategie als Ergebnis autonomer Prozesse auf verschiedenen Managementebenen definiert, anstatt sie lediglich als Top-down-Vorgabe zu verstehen.
3. Ausgangspunkt bei der Betrachtung des strategischen Ausstiegs: Dieses Kapitel erläutert den Aufbau des Bower/Burgelman-Modells, insbesondere die Rollen der verschiedenen Managementebenen und die Kern-Subprozesse.
4. Empirische Grundlage: Anhand des Beispiels Intel wird der strategische Ausstieg aus der DRAM-Speichertechnologie als empirischer Beleg für das Modell detailliert nachgezeichnet.
5. Brauchbarkeit und Grenzen des SBE-Prozess-Modells: Das Modell wird kritisch auf seine Anwendungsmöglichkeiten als Diagnoseinstrument sowie auf seine theoretischen Schwachstellen hin untersucht.
6. Erweiterung der Studie und Ausblick: Abschließend wird diskutiert, wie durch weitere Studien und den Vergleich mit anderen Branchen das Modell verfeinert und die Dynamik von Ressourcenentscheidungen besser verstanden werden kann.
Schlüsselwörter
Strategische Anpassung, Bower/Burgelman-Modell, Strategiebildung, Autonome strategische Prozesse, Geschäftsausstieg, Intel, DRAM, Mikroprozessortechnologie, Managementebenen, Ressourcenzuteilung, Strategischer Kontext, Unternehmensorganisation, Marktdynamik, Innovationsprozesse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie in diversifizierten Großunternehmen strategische Entscheidungen – insbesondere Geschäftsausstiege – zustande kommen, unter Verwendung des Bower/Burgelman-Prozess-Modells.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Strategiebildung als Prozess, die Interaktion zwischen verschiedenen Managementebenen und die Auswirkungen externer Markteinflüsse auf interne Ressourcenentscheidungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Einblicke in die Kräfte zu geben, die einen strategischen Geschäftsausstieg in einem dynamischen Umfeld beeinflussen und vorantreiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine empirische Analyse, basierend auf dem Bower/Burgelman-Modell, angewandt auf den Fall des Technologieunternehmens Intel zwischen 1970 und 1985.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Prozess-Modells sowie eine tiefgehende empirische Fallstudie zu Intels Ausstieg aus der DRAM-Technologie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Strategische Anpassung, Prozess-Modell, Ressourcenzuteilung, Managementebenen, Geschäftsausstieg und technologische Evolution.
Warum konnte Intel seine Marktführerschaft bei DRAMs nicht halten?
Intel verpasste den Anschluss an den Massenmarkt, da das Management auf teure Nischenprodukte setzte und sich durch eine emotionale Bindung an die Kerntechnologie zu spät von den unrentablen Speicherbereichen löste.
Welche Rolle spielt das mittlere Management in diesem Modell?
Das mittlere Management fungiert als wichtige Schnittstelle, das durch operative Marktkenntnisse strategische Initiativen vorantreibt, die oft erst später durch das Topmanagement autorisiert werden.
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- Gero Debuschewitz (Author), 2001, Das Bower/Burgelman-Modell der strategischen Anpassung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30495