Ziel dieser Arbeit soll es sein, das Thema „Sprachliche Handlungskompetenz und Sprechakttypen bei Kindergartenkindern“ in den Fokus zu setzen. Exemplarisch sollen diese Theorieaspekte an dem im Anhang befindlichen Transkript des Youtube-Videos „Lügen darf man nicht sagen“ verdeutlicht werden.
Darüber hinaus möchte ich in einem kurzen abschließenden Exkurs Phänomene pragmatischer Störungen bei Kindern in den ersten Entwicklungsjahren theoretisch untersuchen. Meinen Ausführungen soll nun ein Abriss zum Spracherwerb und der Sprachentwicklung, vor allem in Verbindung mit der Pragmatik, vorangehen.
Betrachtet man einen Raum in dem sich Kindergartenkinder aufhalten, so dürfte man einer Vielzahl unterschiedlichster Kommunikationsformen und -situationen begegnen. Die Jungen und Mädchen in einer Kindergartengruppe können in einem Moment heftig um Spielsachen streiten, im nächsten Moment über ein mögliches Friedensangebot diskutieren und im wieder nächsten Augenblick lebhaft eine erzählte Geschichte weiterführen. In der sprachlichen Interaktion zwischen ihnen finden komplizierte Kommunikationsabläufe statt, die für Erwachsene in ihrer Komplexität manchmal nur schwer zu durchdringen sind.
Bereits Säuglinge treten mit ihrem sozialen Umfeld in Kontakt. Durch Schreien, Brabbeln, Töne, Mimik, Gestik und andere Verhaltensweisen machen sie auf sich aufmerksam und vertreten so ihre noch überschaubaren Interessengebiete. In ihrer voranschreitenden Entwicklung nehmen sie sich ihrer Lautsprache an, wodurch sie mehr und mehr kommunikative Kompetenzen erlangen und auch Äußerungen und Sichtweisen von anderen reflektieren können. Mit wachsendem Wortschatz gelingt es den Mädchen und Jungen, das eigene Denken zu organisieren. Sprache erfüllt hier nicht nur kommunikative, kognitive und affektive sondern auch epistemologische Funktionen. Darüber hinaus vollziehen sich die sprachlichen Äußerungen und einzelnen Sprachakte der Kinder auch immer als Handlung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Spracherwerb und Sprachentwicklung
3. Sprachliche Handlungskompetenz von Kindern
4. Die Sprechakttheorie
5. Sprechakttypen bei Kindern am Beispiel einer empirischen Untersuchung
6. Exkurs: Pragmatische Störungen
7. Schlussbetrachtung
8. Literaturverzeichnis:
9. Anhang
9.1. Transkription „Lügen darf man nicht sagen“
9.2. Kategoriesystem STIK - Sprechhandlungs-Typen-Inventar für Kinder
9.3. Anwendung des STIK Kategoriesystems am Bsp. des Transkripts „Lügen darf man nicht sagen“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachliche Handlungskompetenz von Kindergartenkindern, indem sie theoretische Grundlagen des Spracherwerbs mit der Sprechakttheorie verknüpft und diese anhand empirischer Inventare analysiert.
- Grundlagen des frühen Spracherwerbs und der kognitiven Entwicklung
- Die Bedeutung der Sprechakttheorie nach Austin und Searle für Kinder
- Einsatz des STIK-Modells zur empirischen Klassifizierung von Sprechhandlungen
- Pragmatische Störungen als Hindernis in der frühkindlichen Kommunikation
Auszug aus dem Buch
4. Die Sprechakttheorie
Die Sprechakttheorie stellt den Handlungscharakter von Sprache in den Vordergrund. Die Leitfragen dieser Theorie sind: Was tun wir, wenn wir sprechen? Was tun wir, indem wir sprechen? Das Gelingen von Kommunikation ist dabei von einzelnen Teilakten abhängig, die kurz beschrieben werden sollen.
Wann immer wir fluchen, etwas fragen oder eine Bitte formulieren möchten, müssen die Wörter an sich zunächst geäußert werden. Mit den Artikulationsorganen bringen wir dafür unterschiedliche Laute hervor. Diesen Sachverhalt fasst man als Äußerungsakt auf. Wenn wir also eine sprachliche Handlung ausführen wollen, muss auch ein Äußerungsakt vollzogen werden. In Sprachhandlungstheorien ist es der Akt, der generell von allen am wenigsten analysiert wurde. Vielmehr scheint relevant zu sein, welche sprachlichen Handlungen durch jene Äußerungsakte vollzogen werden können. Dies sind meist konkrete kommunikative Bedürfnisse, wie Bitten, Informationen, Drohungen, Empfehlungen u.v.m. Diesen Typus nennt man Illokutionsakt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Komplexität der frühkindlichen Kommunikation ein und umreißt die Zielsetzung der Arbeit, sprachliche Handlungsabläufe bei Kindern zu analysieren.
2. Spracherwerb und Sprachentwicklung: Dieser Abschnitt beschreibt den zeitlichen Verlauf des kindlichen Spracherwerbs und betont die enge Verknüpfung von kognitiver, sozialer und sprachlicher Entwicklung.
3. Sprachliche Handlungskompetenz von Kindern: Das Kapitel erörtert, wie Kinder durch soziale Interaktionen und Nachahmung ihre Fähigkeit erlangen, Sprache intentional und kontextbezogen einzusetzen.
4. Die Sprechakttheorie: Hier werden die theoretischen Grundlagen (Äußerungs-, Illokutions-, Perlokutions- und propositionaler Akt) erläutert, die das Fundament für das Verständnis sprachlicher Handlungen bilden.
5. Sprechakttypen bei Kindern am Beispiel einer empirischen Untersuchung: Dieses Kapitel stellt das STIK-Modell vor, das speziell zur Kategorisierung von Sprechhandlungen bei Kindern entwickelt wurde.
6. Exkurs: Pragmatische Störungen: Es werden Ursachen und Erscheinungsbilder von Sprachstörungen beleuchtet sowie Möglichkeiten aufgezeigt, wie Bezugspersonen unterstützend eingreifen können.
7. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Untersuchung von Sprechhandlungsmustern essenziell ist, um den Prozess der kindlichen Sprachaneignung realistisch abzubilden.
8. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
9. Anhang: Enthält das Transkript einer kindlichen Kommunikationssituation sowie das Kategoriesystem und dessen Anwendung.
Schlüsselwörter
Spracherwerb, Sprechakttheorie, Kindergartenkinder, Handlungskompetenz, Pragmatik, STIK-Modell, Kommunikation, Sozialisationsprozesse, Sprachproduktion, Sprachstörungen, Sprachhandlung, Sprachentwicklung, Interaktion, Linguistik, Kindersprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung, wie Kindergartenkinder Sprache als Mittel zur sozialen Handlung einsetzen und welche Kompetenzen sie hierfür entwickeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der frühen Sprachentwicklung, der Anwendbarkeit der Sprechakttheorie auf Kinder und der empirischen Analyse von Kommunikationssituationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die sprachliche Handlungskompetenz von Kindern zu analysieren und dies anhand von empirischen Transkripten und dem STIK-Kategoriesystem zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine linguistische Analyse auf Basis der Sprechakttheorie sowie eine Kategorisierung kindlicher Äußerungen mittels des STIK-Inventars vorgenommen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in den Spracherwerb und die Pragmatik, eine Darstellung der Sprechakttheorie und eine empirische Fallstudie anhand von Kinderdialogen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sprachhandlungskompetenz, Pragmatik, Spracherwerb und das STIK-Modell charakterisiert.
Was unterscheidet das STIK-Modell von der klassischen Sprechakttheorie?
Das STIK-Modell ist weniger sprecherzentriert als klassische Ansätze und wurde explizit für die Analyse kindlicher Sprachdaten entwickelt, um deren spezifische Kommunikationsbedürfnisse besser abzubilden.
Welche Rolle spielt die Familie beim Spracherwerb?
Die Familie fungiert als primäre Sozialisationsinstanz, in der Kinder durch Nachahmung und soziale Erfahrung entscheidende Grundlagen für ihre sprachliche Entwicklung erhalten.
Was ist das Ergebnis der Analyse des Transkripts „Lügen darf man nicht sagen“?
Die Analyse verdeutlicht, dass Kinder schon früh über komplexe, intentional gesteuerte Sprachhandlungen verfügen, die über einfache Zweiwortäußerungen hinausgehen und soziale Normen reflektieren.
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- Luise Lippold (Author), 2015, "Lügen darf man nicht sagen!" Sprachliche Handlungskompetenz und Sprechakttypen bei Kindergartenkindern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305125