Die zahlreichen Pluralformen des Deutschen sorgen bei fremdsprachigen Lernern immer wieder für Verwirrung, doch auch die Muttersprachler haben bei einzelnen Beispielen ihre Probleme. Trotzdem zeigen sich im Alltagsgebrauch meist kaum Schwierigkeiten. Wie ist das möglich? Welche Paradigmen und Grundlagen gehen diesem Gebrauch voraus? Die vorliegende Hausarbeit soll zwei verschiedene Auffassungen der deutschen Pluralflexion und deren Hintergründe vorstellen. Ich möchte ferner ihre Leistung für den Lerner und Fremdsprachler kritisch betrachten. Die ältere der beiden Auffassungen stammt von Wurzel (1994), der ich mich hier zuerst widmen möchte. Anschließend soll die neuere Theorie von Wunderlich (1999) untersucht werden. Letztendlich möchte ich versuchen, beide Theorien zu vergleichen und gemeinsame Schnittpunkte aufzuzeigen. Vor der Vorstellung von Wurzels und Wunderlichs Versuchen, die Pluralflexion einfacher, übersichtlicher und logischer zu erklären, möchte ich zunächst einmal die "klassische" Darstellung und Erklärung neueren und älteren Gebrauchsgrammatiken aufzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Pluralauffassungen in Gebrauchsgrammatiken
2.1. Pluralformen bei Jung (1968)
2.2. Pluralformen bei Heuer et. al. (2001)
2.2. Fazit
3. Wurzels (1994) Analyse der Pluralflexion
3.1. Vorüberlegungen
3.2. Die Erfassung der Substantivflexion
3.2.1. Getrennte Singular- und Pluralparadigmen
3.2.2. Einheitliche Paradigmen
3.2.3. Einheitliche Paradigmen (unter Betrachtung der Flexionsklassenmarkiertheit)
3.3. Wurzels Beitrag für das Erlernen der Pluralparadigmen
4. Wunderlichs (1999) Erfassung der Pluralflexion
4.1. Die Flexionsklassen
4.1.1. A: Untypische Nomen
4.1.2. B: Typische, nichtfeminine, nichtumlautende Nomen
4.1.3. C: Umlautende Nomen
4.1.4. D: Nichtfeminine mit r-Plural
4.1.5. E: Feminine Nomen ohne Umlaut
4.1.6. F: Nichtfeminine Nomen mit n-Plural
4.1.7. G: Nomen mit unterschiedlichen Singular und Pluralstämmen
4.1.8. H: Reguläre, schwache Nomen
4.1.9. I: Nichtreguläre, schwache Nomen
4.1.10. Zusammenfassende Betrachtung der Flexionsklassen von Wunderlich
4.2. Wunderlichs optimalitätstheoretischer Beitrag zur Pluralflexion
4.3. Wunderlichs Beitrag für das Erlernen der Pluralflexion
5. Zusammenfassender Vergleich der Beiträge von Wunderlich und Wurzel
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die theoretischen Ansätze von Wurzel (1994) und Wunderlich (1999) zur deutschen Pluralflexion, um deren wissenschaftliche Fundierung sowie ihren praktischen Nutzen für den Erwerb und das Verständnis der komplexen Pluralbildung im Deutschen kritisch zu bewerten.
- Kritik an traditionellen Pluralauffassungen in Gebrauchsgrammatiken
- Analyse von Wurzels Paradigmenstrukturbedingungen und Flexionsklassensystem
- Untersuchung von Wunderlichs Flexionsklassen-Stammbaum und optimalitätstheoretischem Modell
- Vergleich der beiden Ansätze hinsichtlich ihrer methodischen Genauigkeit und Anwenderfreundlichkeit
- Erkenntnisse für den Fremdspracherwerb und die didaktische Vermittlung der Flexionsregeln
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Getrennte Singular- und Pluralparadigmen
Für die Annahme getrennter Paradigmen spricht, laut Wurzel (1994: 35 f.), dass es vier Singular- und fünf Pluralflexionen im Deutschen gibt, die unterschiedlich kombiniert werden. Darüber hinaus gibt es im Neuhochdeutschen keine allzu strikte Trennung mehr zwischen starker und schwacher Deklination, dafür gibt es Mischformen mit stark dekliniertem Singular und schwachem Plural:
(4) a. der Staat
b. des Staates
c. die Staaten.
Diese Art der Beschreibung der deutschen Substantivflexion findet sich auch in Gebrauchsgrammatiken und -wörterbüchern, die den Genitiv Singular zum Erschließen der Singularflexion und den Nominativ Plural zum Erschließen der Pluralflexion angeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Komplexität der deutschen Pluralformen für Lerner sowie das Ziel der Arbeit, die Ansätze von Wurzel und Wunderlich vergleichend zu betrachten.
2. Pluralauffassungen in Gebrauchsgrammatiken: Dieses Kapitel kritisiert die mangelnde Logik und die Vielschichtigkeit der Pluraldarstellungen in traditionellen Grammatiken am Beispiel von Jung und Heuer et. al.
3. Wurzels (1994) Analyse der Pluralflexion: Hier wird der Ansatz von Wurzel vorgestellt, der die Pluralflexion durch Paradigmenstrukturbedingungen und eine Analyse von Singular- und Pluralformen als zusammenhängendes System beschreibt.
4. Wunderlichs (1999) Erfassung der Pluralflexion: Dieses Kapitel erläutert Wunderlichs Stammbaummodell der Flexionsklassen sowie seinen optimalitätstheoretischen Ansatz zur Erklärung der Pluralbildung.
5. Zusammenfassender Vergleich der Beiträge von Wunderlich und Wurzel: Das abschließende Kapitel stellt die beiden theoretischen Modelle gegenüber und bewertet ihre Anwendbarkeit für Lerner sowie ihre wissenschaftliche Genauigkeit.
Schlüsselwörter
Pluralflexion, deutsche Sprache, Substantivflexion, Wurzel, Wunderlich, Paradigmenstrukturbedingungen, Flexionsklassen, optimalitätstheoretische Analyse, Linguistik, Grammatik, Fremdspracherwerb, Morphologie, Singular, Plural, Sprachdidaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert und vergleicht zwei linguistische Theorien zur deutschen Pluralflexion: den Ansatz von Wurzel (1994) und das Modell von Wunderlich (1999).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die wissenschaftliche Beschreibung der Flexionsklassen, die Rolle von Singular- und Pluralparadigmen sowie die Frage, wie diese Strukturen effizient erlernt werden können.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit der Theorien von Wurzel und Wunderlich zu evaluieren und herauszufinden, inwiefern sie dem Sprachanwender ein besseres Verständnis für die komplexen Pluralformen des Deutschen ermöglichen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden methodische Konzepte wie die Paradigmenstrukturbedingungen bei Wurzel sowie die Optimalitätstheorie und Stammbaummodelle bei Wunderlich kritisch analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Kritik an klassischen Gebrauchsgrammatiken, eine detaillierte Darstellung der Modelle von Wurzel und Wunderlich sowie einen direkten Vergleich dieser Ansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Pluralflexion, Substantivflexion, Paradigmenstrukturbedingungen, Flexionsklassen und Optimalitätstheorie.
Warum schneidet Wunderlich in der Bewertung der Fremdwörter-Integration oft besser ab?
Wunderlich integriert Fremdwörter erfolgreich in sein Stammbaummodell, während diese bei Wurzel in den Untersuchungen häufig als irreguläre Fälle ausgeklammert werden.
Was ist das „Default-Prinzip“ in Wurzels Theorie?
Es ist das Prinzip, dass nur markierte (unvorhersehbare) Flexionsformen im mentalen Lexikon gespeichert werden müssen, während der Rest durch Standardannahmen erschließbar ist.
- Quote paper
- Sabine Heinichen (Author), 2004, Pluralformen des Deutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30515