Kneipe und Stadtteil. Die Bedeutung der Kneipe „Tequila Bar“ für den Stadtteil Neustadt in Bremen


Hausarbeit, 2015
11 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die soziale Konstruktion von Orten

3 Die Kneipe - ein öffentliches Wohnzimmer

4 Empirischer Teil
4.1 Forschungsdesign
4.2 Darstellung der Ergebnisse
4.2.1 Die Kneipe
4.2.2 Die Neustadt
4.2.3 Die Tequila Bar

5 Diskussion

6 Literatur

Kneipe - Eine Möglichkeit,

nicht zu Hause und doch

nicht an frischer Luft zu sein

(unbekannt).

1 Einleitung

Zu einer der liebsten Freizeitbeschäftigungen gehört seit jeher der Besuch öffentlicher Orte, in denen es gesellig zugeht und das Bier in Strömen fließt. Egal aus welcher Schicht, die Kneipe nimmt eine bedeutsame Rolle in der Alltagswelt der Menschen ein. Durch Handlungen prägen Menschen Orte, in denen sie sich bewegen. Die Fragestellung dieser Arbeit lautet: Welche Bedeutung hat die Kneipe Tequila Bar für den Stadtteil Neustadt in Bremen? Damit soll untersucht werden, inwieweit die Kneipe einen Stadtteil beeinflussen kann.

Bei den Untersuchungsgegenständen dieser Arbeit handelt es sich um die Neustadt, ein links der Weser gelegener Stadtteil Bremens, in dem 44.150 Einwohner leben (Statistisches Landesamt Bremen 2013) und um die Tequila Bar, eine Eckkneipe in der Neustadt, im Ortsteil Alte Neustadt. Da es sich bei dieser Arbeit um eine qualitativ orientierte Forschungsarbeit handelt, wird auf eine nähere Beschreibung der Untersuchungsgegenstände verzichtet. Die Merkmale der Orte werden in dieser Arbeit durch die Interviews erforscht.

Zur Beantwortung der Fragestellung wird im zweiten Kapitel die soziale Konstruktion von Handlungsräumen erörtert und im Folgenden (Kapitel 3) die Kneipe als sozialer Ort theoretisch untersucht. Anschließend folgt der empirische Teil (Kapitel 4) mit der Vorstellung des Forschungsdesigns, d.h. es wird die Datenerhebung und die Datenanalyse vorgestellt und darauf aufbauend werden die Analyseergebnisse in drei thematischen Abschnitten beschrieben. Im fünften Kapitel dieser Arbeit werden die Ergebnisse des theoretischen und empirischen Abschnitts noch einmal zusammengefasst dargestellt und in Verbindung miteinander gebracht. Durch die Zusammenführung soll die Frage nach der Bedeutung der Tequila Bar für den Stadtteil Neustadt erläutert werden.

2 Die soziale Konstruktion von Orten

Räume sind keine starren Container, in denen Akteure handeln, sondern entstehen und verändern sich durch Handlungen (Vogelpohl 2008, 71). Das Place-Konzept steht für eine ganzheitliche Betrachtung des Raumes (Coe et al. 2013, 14). Place lässt sich durch drei Merkmale beschreiben: Erstens die Lage eines Raumes (space), zweitens die Materialität, die real wie fiktiv vorhanden sein kann, sowie die Bedeutung, die der Raum sowohl für einzelne Akteure als auch für Gruppen von Menschen haben kann. Places müssen nicht an einen Ort gebunden sein, sondern können ihre Lage fortwährend verändern. Beispielsweise kann ein Wohnmobil für Camper[1] auch ein Place sein. Zusätzlich geht man davon aus, dass sich Places prozesshaft entwickeln, und zwar physisch wie auch bezogen auf ihre zugeschriebene subjektive Bedeutung (vgl. Cresswell 2004, 7ff.).

In Bezug auf Stadtteile kann man festhalten, dass dieser Raum sowohl Ursache als auch Produkt menschlichen Handelns ist. Sie existieren nicht nur, sondern sind Voraussetzung für Handlungen und Diskurse. Veränderungen im Stadtteil entstehen, indem Akteure diese nutzen, gestalten und reflektieren (Vogelpohl 2008, 78).

Eine stadtbezogene Identität (d.h. die Identifizierung mit einzelnen Stadtteilen) entsteht durch subjektive Erfahrungen. Diese Erlebnisse (Wohnort, Freundschaften, Freizeitaktivitäten, etc.) wirken bei der Bindung an einen Stadtteil mit und separieren die Bewohner unterschiedlicher Stadtteile voneinander. Nicht direkt an subjektive Erfahrungen geknüpft sein müssen die universellen Funktionen, die von der gesamten Stadt erfüllt werden. Die Funktion einer stadtbezogenen Identität besteht im Erleben von Beständigkeit und Integration. Die Identifizierung mit einem Stadtteil beruht auf den Eigenschaften dieses Ortes, die ihm von seinen Einwohnern zugeschrieben werden und diesem dadurch spezifische Charakteristiken geben (vgl. Hietzgern 2009, 56f.).

Die stadtbezogene Identität und die Identität eines Stadtteils stehen in einer Wechselwirkung zueinander. Von der Identität eines Stadtteils wird das Image eines Ortes geformt, das die Einzigartigkeit eines Raumes beschreibt. Dieses Image wiederum prägt die Bewohner durch dessen spezifische Eigenschaften, die diesem Stadtteil eine bestimmte Charakteristik verleihen. Das Image eines Stadtteils kann nicht auf reale Eigenschaften zurückgeführt werden, sondern entsteht durch eine soziale Konstruktion des Raumes (vgl. Hietzgern 2009, 57).

3 Die Kneipe - ein öffentliches Wohnzimmer

Die Kneipe ist ein fester Bestandteil des urbanen Raumes und Teil der Alltagswelt. Durch die Verteilung über den Raum und der gleichbleibenden Attraktivität für die Besucher nimmt die Kneipe eine bedeutsame Rolle in der Gesellschaft ein (vgl. Krämer-Badoni & Dröge 1987, 13). Sie kann als "soziale und kulturelle Institution des gesellschaftlichen Lebens" (Krämer-Badoni & Dröge 1987, 30) bezeichnet werden. Zum einen liegt die Kneipe für verschiedene Akteure in einem geographischen Nahbereich. Zum anderen bildet sie aber auch selber einen eigenen Nahbereich, und zwar die Geselligkeit. Mit dem Begriff Nahbereich ist keine geographische Nähe gemeint, sondern eine subjektbezogene Nähe. Das bedeutet, dass ein geographischer Nahbereich nicht das Bier ist, das in der Kneipe um die Ecke getrunken wird, sondern ein Feierabendbier in der Kneipe ist, die weit entfernt liegt, aber mit den Kollegen getrunken wird, bevor man nach Hause fährt. Nahbereiche einer Kneipe sind flexibel, da sie durch Funktionen für ihre Besucher bestimmt sind. Sie sind die Anordnung von Lebenszusammenhängen im Raum. Lebenszusammenhänge wie Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Freizeitaktivitäten, emotionale Besetzung von Räumen und Freundschaften sind für Individuen zeitlich und räumlich unterschiedlich. Die individuellen Lebenszusammenhänge summieren sich durch Überschneidungen zu Mustern, die das Stadtbild prägen. In diesem Zusammenhang bildet der Nahbereich eine Verbindung der Kneipe mit ihrem spezifisch-funktionellen, sozialen Umfeld (vgl. Krämer-Badoni & Dröge 1987, 31ff.). Die Kneipe darf somit nicht separat betrachtet werden, sondern muss im Kontext zu allen Lebenszusammenhängen untersucht werden.

Im urbanen Raum erfüllt die Kneipe bestimmte Funktionen. Sie nimmt eine Stellung zwischen privatem Wohnraum und öffentlicher Außenwelt ein. Dort trifft man sich mit Freunden und Fremden, um gemeinschaftlich zu entspannen. Die Grenzen des Vertrauten werden über die Wohnung hinaus in fremde Bereiche erweitert (vgl. Laermann 1978, 429). Wawrzyn (1975, 182) bezeichnet die Kneipe als "öffentliches Wohnzimmer", in dem man sich wohl fühlt ohne ganz dorthin zu gehören. Die expressive Gemeinschaftlichkeit innerhalb dieses funktionalen Baus steht der unbestimmbaren Außenwelt gegenüber (Laermann 1978, 429).

Als öffentliches Nachbarschaftszimmer steigert die Kneipe die Identifikation der Menschen mit dem Stadtteil. Aufgrund der kontextuellen Funktion der Kneipe zu anderen Lebenszusammenhängen, wie zum Beispiel der Wohnung oder dem Arbeitsplatz, leistet sie einen bedeutsamen Beitrag für die Identität der Individuen.

4 Empirischer Teil

In diesem Teil werden die Ergebnisse der durchgeführten Interviews dargestellt. Dazu wird zunächst das Forschungsdesign beschrieben. Nach der Darstellung des methodischen Vorgehens folgen die Analyseergebnisse.

4.1 Forschungsdesign

Um die Bedeutung der Tequila Bar für die Neustadt in Bremen zu untersuchen, wurden drei Interviews durchgeführt. Das Leitfadeninterview wurde als Erhebungsmethode gewählt, da es am geeignetsten schien, um den Befragten die Darstellung zu den jeweiligen Themen zu ermöglichen. Diese Interviewtechnik bietet sich an, um mit Hilfe eines offenen, halbstrukturierten Leitfadens, der aus Fragen und Erzählanreizen besteht, eine bestimmte Problemstellung zu thematisieren. Die Interviewten sollen dadurch eine eigene Themenrelevanz entwickeln und formulieren. Inhaltlich gliedert sich der Leitfaden in insgesamt fünf Themenkomplexe auf: Fragen zur Person, Kneipe & Stadtteil, Neustadt, Tequila Bar und Tequila Bar & Neustadt. Unter die Themen fallen jeweils zwei bis zehn Fragen. Die Fragen wurden individuell im Interview eingesetzt. Das bedeutet das nicht alle Fragen bei jeder Befragung zur Anwendung kamen. Zusätzlich wurden während des Interviews dem Gesprächsverlauf angepasste individuelle Fragen gestellt. In den meisten Fällen wurden die Themenbereiche nach der Reihe abgefragt. Wurde ein Thema jedoch zu einem früheren Zeitpunkt erwähnt, wurde die Frage vorgezogen, um eine möglichst natürliche Gesprächssituation beizubehalten.

[...]


[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für beiderlei Geschlecht.

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Details

Titel
Kneipe und Stadtteil. Die Bedeutung der Kneipe „Tequila Bar“ für den Stadtteil Neustadt in Bremen
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Wissenschaftliches Schreiben über Stadt und Region
Autor
Jahr
2015
Seiten
11
Katalognummer
V305237
ISBN (eBook)
9783668049048
ISBN (Buch)
9783668049055
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kneipe, Stadtteil, Bedeutung, Stadt, Bremen, Tequila Bar, Neustadt Bremen, soziale Konstruktion
Arbeit zitieren
Esther Rumohr (Autor), 2015, Kneipe und Stadtteil. Die Bedeutung der Kneipe „Tequila Bar“ für den Stadtteil Neustadt in Bremen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305237

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