„Münster – Kreative Stadt der Zukunft?“ Eine modularisierte Exkursion für den Erdkundegrundkurs der Jahrgangsstufe 12


Examensarbeit, 2008
41 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen und Definitionen
2.1 Exkursion
2.2 Theoretische Grundlagen
2.3 Problemstellungen in der Praxis

3 Problemstellung im Kontext der Schule
3.1 Das Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium in Siegen
3.2 Begründung der Themenwahl
3.3 Lehrerfunktionen
3.3.1 Unterrichten
3.3.2 Organisieren
3.3.3 Erziehen
3.3.4 Innovieren

4 Entwicklung des Konzeptes unter Berücksichtigung pädagogischer und didaktischer Überlegungen
4.1 Pädagogische Überlegungen unter Einbezug der Richtlinien und Lehrpläne des Landes NRW
4.1.1 Richtlinien für Exkursionen in NRW
4.1.2 Lehrplan des Faches Erdkunde für NRW
4.1.3 Weitere pädagogische Überlegungen
4.2 Didaktisch-methodische Überlegungen
4.2.1 Methodenkonzept
4.2.2 Sozialformen
4.2.3 Lehrerverhalten

5 Erprobung des Konzeptes in der Praxis
5.1 Vorbereitung
5.1.1 Unterrichtliche Vorbereitung
5.1.2 Konzeptbezogene allgemeine Vorbereitung
5.1.3 Vorbereitung der einzelnen Module
5.2 Durchführung der Exkursion
5.2.1 Modul „Kreativkai“
5.2.2 Modul „Lincoln-Quartier“
5.3 Nachbereitung

6 Evaluation und Reflexion im Hinblick auf die Anwendbarkeit des erstellten Konzeptes
6.1 Rahmen der Reflexion/Evaluation
6.2 Ergebnisse und Reflexion des Konzeptes

7 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, ein vom Verfasser entwickeltes und durchgeführtes Unterrichtsvorhaben als problemorientierten Handlungsentwurf für die Schulpraxis in der Sekundarstufe II darzustellen und zu begründen. Er- kenntnisleitender Ansatz ist es, ein in sich eigenständiges und zugleich erwei- terbares modularisiertes Exkursionskonzept exemplarisch für die Jahrgangsstu- fe 12 gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern zu entwickeln, welches sich im Schulleben des Fürst-Johann-Moritz-Gymnasiums in Siegen als außer- schulische Lernveranstaltung etablieren soll und als Basis dafür dienen kann, von Fachkollegen in den kommenden Jahren durchgeführt und erweitert zu werden.

Zunächst wird der Begriff der „Exkursion“ auch dahingehend erörtert, wie dieser mit der Unterrichtspraxis in der gymnasialen Oberstufe in Einklang zu bringen ist. Anschließend werden die Konzeption und die Hintergründe des Unterrichts- vorhabens behandelt, indem unter anderem auf Besonderheiten der Ausbil- dungsschule und die spezifische Klassensituation eingegangen wird. Des Wei- teren werden die Strukturierung der Unterrichtsreihe und didaktisch- methodische Spezifika besprochen. Hier sind neben den Aspekten der Stadt- geographie auch die Grundlagen der Exkursionsdidaktik sowie die Methoden- vielfalt zur Bearbeitung außerschulischer Lernorte zu nennen. Im Anschluss daran wird die Umsetzung des Unterrichtsvorhabens behandelt. Hier stehen zunächst die beiden für die Realisierung der Unterrichtsreihe elementaren Leh- rerfunktionen „Organisieren“ und „Unterrichten“, aber auch die Lehrerfunktionen „Erziehen“ und „Innovieren“ im Vordergrund. Im nächsten Schritt wird der Ver- lauf der Exkursion beschrieben. Der nächste Gliederungspunkt bezieht sich auf die Evaluation des Vorhabens. Hier stehen neben den Evaluationskriterien und der Lernzielrealisation aufgetretene Problemstellungen und damit verbundene Verbesserungsmöglichkeiten im Focus. Abschließend wird das Unterrichtsvor- haben nochmals im Ganzen kritisch reflektiert und es erfolgt ein Ausblick be- züglich der möglichen Generalisierbarkeit in anderen unterrichtlichen Kontex- ten.

2 Grundlagen und Definitionen

An dieser Stelle sollen zum besseren Verständnis der Arbeit, aber auch zum besseren Verständnis der Beweggründe der Themenwahl einige grundlegende Aspekte geklärt werden. Hierzu zählt zunächst eine Definition des Begriffes „Ex- kursion“, da dieser Begriff in vielen verschiedenen Facetten benutzt und mitun- ter auch falsch interpretiert wird. Auf dieser Definition aufbauend soll die Prob- lemstellung kurz erläutert werden, die sich für den Kontext Schule ergibt.

Danach wird auf die theoretischen Grundlagen eingegangen, welche dem Pro- jekt zugrunde liegen und die Wahl des Theoriemodells wird durch den in den Richtlinien verankerten Bildungsauftrag der gymnasialen Oberstufe begründet.

2.1 Exkursion

Wenn man über modernen Erdkundeunterricht spricht, dann kommt man in der heutigen Zeit kaum noch an dem Begriff „Exkursion“ vorbei. Die Exkursion (lat. „excurrere“ = herauslaufen) wird in der Literatur in den verschiedensten Bedeutungszusammenhängen beschrieben. So findet man neben dem häufig verwendeten Begriff „Außerschulischer Lernort“ noch Begriffe wie „Projektarbeit“, „Geländegang“ und „Geländeunterricht“, „Lehrwanderung“ und „originale Begegnung“. Gerade im schulischen Bereich spricht man auch von einem „Wandertag“ bzw. von einer „Klassenfahrt“.

„ Wenn wir also den Schülern wahres und zuverl ä ssiges Wissen von den Dingen einpflanzen wollen, so müssen wir alles durch eigene Anschauung und sinnliche Demonstration lehren. “

Dieses Zitat könnte den aktuellen Forschungen zu schülerorientierten Exkursionen entnommen sein. Es entstammt jedoch dem Werk „Didacta Magna“ aus dem Jahre 1657. Johann Amos Comenius (1592-1670), der Verfasser der „Didacta magna“, forderte die Naturbegegnung und den direkten Umgang mit den Dingen, also den Lehrgegenständen.

Diese Forderung war lange Zeit, zumindest in der Schulpraxis, weitgehend in Vergessenheit geraten und erst mit den neuen Ansätzen zur Exkursionsdidaktik aus den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts erhielten die Vorgaben der „Didacta magna“ neue Aktualität.

Rinschede greift die Forderungen Comenius’ auf und definiert eine Exkursion folgendermaßen:

„Die Exkursion ist eine methodische Großform mit dem Ziel der realen Begegnung mit der räumlichen Wirklichkeit außerhalb des Klassenzimmers.“ (Rinschede 2003, S. 250).

Nach Brameier (1985) ist eine Schülerexkursion:

- Eine zeitlich begrenzte Organisationsform des Unterrichts,
- bei der nach gründlicher Vorbereitung
- der Gegenstand der (wissenschaftlichen) Betrachtung original im Gelände
- durch Schüler im Kontakt mit dem beratenden Lehrer zielgerichtet,
- selbsttätig und
- weitgehend selbstständig
- zumeist in Kleingruppen
- mithilfe wissenschaftlicher Methoden (und Zusatzmedien) untersucht wird.

Bestärkt werden diese Definitionen durch verschiedene Studien, die herausgestellt haben, dass ein Mensch

- ca. 20% von dem behält, was er hört,
- ca. 30% von dem behält, was er sieht,
- ca. 50% von dem behält, was er hört und sieht,
- ca. 70 % von dem behält, was er durch gemeinsames Lernen, Kooperation und eigenes Handeln erfahren hat,
- ca. 90% von dem behält, wo er bei Auswahl und Inhalt des Sachverhaltes mit entschieden hat.

Diesen Studien folgend sind Exkursionen ein möglicher Ansatzpunkt, den Lerneffekt zu vergrößern. Die gewonnen Erkenntnisse bildeten auch die Grundlage für Hemmers Modell der Zielsetzungen einer Schülerexkursion, das dieser Arbeit zugrunde liegt und in Kapitel 2.2 näher erläutert wird.

2.2 Theoretische Grundlagen

Die Studien über Lernerfolge berücksichtigend und den Defiziten für den Lern- erfolg bei Wandertagen oder auf Klassenfahrten Rechnung tragend (siehe Kapi- tel 2.3), haben sich neue exkursionsdidaktische Theorien entwickelt. Sie zeigen, wie moderne, schülerorientierte Exkursionen durchzuführen sind. Alle diese Theorien zu erwähnen, ist in dieser Arbeit nicht zu leisten. Über eines sind sich jedoch die meisten Ansätze einig: Exkursionen haben einen hohen Wert für Schülerinnen und Schüler wie auch für Lehrerinnen und Lehrer, wenn sie richtig durchgeführt werden.

Ich möchte mich in der Konzeption des Unterrichtsprojektes am exkursionsdidaktischen Modell von Michael Hemmer (Hemmer / Uphues 2008) orientieren. Hemmer differenziert in seinem Modell nach acht didaktischen Leitprinzipien einer Exkursion, den bei einer Exkursion erforderlichen und durch sie geförderten vier Kernkompetenzen aufseiten der Schülerinnen und Schüler sowie den Zielen einer Exkursion (siehe Abbildung).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schülerexkursionen im Geographieunterricht: Ziele, Kompetenzen und didaktische Leitprinzipien (aus: Hemmer / Uphues 2008)

Vier dieser Leitprinzipien, die von Hemmer in einer früheren Studie als zentral für Schülerexkursionen im Geographieunterricht definiert wurden (Hemmer / Uphues 2006), sollen im Kontext der mit diesem Projekt verbundenen Schülerexkursion als besonders relevant im Mittelpunkt stehen:

- Die Selbsttätigkeit der Schüler
- Ein ganzheitliches Lernen mit allen Sinnen
- Eine Teilnehmerorientierung und –integration
- Die Favorisierung kooperativer Lernformen.

Alle Punkte von Hemmers Modell lassen sich auch mit der Wissenschaftspropädeutik für die gymnasiale Oberstufe in Einklang bringen.

Die Schülerinnen und Schüler erlangen ein Grundlagenwissen und werden zum selbstständigen Lernen und Arbeiten angeregt. Auch Reflexionsfähigkeit und Urteilsbildung sind wichtige Bestandteile bei der Nachbereitung einer Exkursion. Dass grundlegende Einstellungen und Verhaltensweisen für wissenschaftliches Arbeiten gefördert werden, versteht sich von selbst, da gerade Exkursionen wissenschaftliches Arbeiten erlebbar machen. Auch die in der gymnasialen Oberstufe geforderte persönliche Entfaltung, innerhalb der den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gegeben werden soll, ihre Fähigkeiten zu entde- cken und vor allem zu erproben, wird in Exkursionen hinreichend gewährleistet. Auf Grundlage dieser theoretischen Hintergründe wurde auch dieses Projekt entwickelt.

2.3 Problemstellungen in der Praxis

Es ist in der Praxis zu beobachten, dass die dargestellten theoretischen Ansät- ze oftmals eine nur unzureichende Umsetzung finden. In den Richtlinien für Schulwanderungen des Landes NRW ist im ersten Paragraphen zu lesen:

„ Schulwanderungen und Schulfahrten [...] sind Bestandteile der Bildungs und Erziehungsarbeit der Schulen. Sie müssen einen deutlichen Bezug zum Unterricht haben, programmatisch aus dem Schulleben erwachsen und im Unterricht vor- und nachbereitet werden. “

Die Realität sieht an vielen Schulen jedoch anders aus. Wandertage liegen oft- mals kurz vor den Sommerferien, wodurch eine Nachbereitung so gut wie un- möglich ist. Auch die Ziele von Wandertagen sind häufig nicht aus dem Unter- richtsinhalt erwachsen, sondern stellen eher ein Freizeitangebot im Klassenver- band dar. Sicherlich dient ein solcher Wandertag auch der Stärkung der sozia- len Kompetenz der Schüler untereinander und der Förderung des Klassenzu- sammenhalts, insgesamt ist der Bezug zu den Richtlinien hier aber nur noch marginal vorhanden. Hinzu kommt, dass Wandertage in den meisten Fällen nur sporadisch vorbereitet werden und eine Sicherung der Lernergebnisse in den seltensten Fällen stattfindet.

Erst in den letzten Jahren ist vermehrt, aber noch nicht durchgängig die Ten- denz zu beobachten, dass Wandertage bzw. Exkursionen nicht nur schülerori- entierter werden, sondern sich auch stärker an den Richtlinien orientieren. Auch werden Wandertage zunehmend unter dem Begriff der „Exkursion“ durchge- führt.

3 Problemstellung im Kontext der Schule

3.1 Das Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium in Siegen

Das Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium ist mit ca. 1.100 Schülerinnen und Schülern das größte Gymnasium in Siegen. Das Fach Erdkunde wird in der Sekundarstufe I in den Jahrgangsstufen 5, 7 und 9 unterrichtet und in der Sekundarstufe II als Kurswahlmöglichkeit angeboten. Im schuleigenen Curriculum stehen keine näheren Erläuterungen, in welcher Weise außerschulischer Erdkundeunterricht durchgeführt werden soll.

Das Unterrichtsvorhaben findet in einem Erdkundegrundkurs der Jahrgangsstu- fe 12 statt. Der Kurs setzt sich aus 14 Schülerinnen und Schülern zusammen. Da ich viele der Kursteilnehmer schon im Rahmen meines Ausbildungsunter- richtes in der Jahrgangsstufe 11 unterrichtet hatte, fiel mir die Auswahl für die- sen Kurs leicht, da die Lernmotivation als hoch einzustufen ist. Laut Schulprogramm des Fürst-Johann-Moritz-Gymnasiums sind fachspezifi- sche, schülerorientierte Exkursionen vorgesehen. Differenzierte Aussagen zur Durchführung fehlen jedoch.

Folgende Exkursionen sind grundsätzlich vorgesehen:

- Stadtgeographie vor Ort
- Besuch von Biobauernhöfen in der näheren Umgebung
- Exkursion in die Ville (Braunkohleabbau und Rekultivierung).

Wie die Inhalte solcher Exkursionen erarbeitet und gesichert werden, ist nicht definiert. Anleitungen zu einer didaktisch-methodischen Durchführung von Exkursionen für das Fach Erdkunde sind nicht vorhanden.

An diesem Punkt will diese Arbeit ansetzen und didaktisch-methodische Wege für Exkursionen aufzeigen. Darüber hinaus soll diese Arbeit auch eine Basis für weitere Exkursionsmodule sein, sodass in den folgenden Jahren ein Fundus an Exkursionsmodulen für die Stadtgeographie entstehen kann.

3.2 Begründung der Themenwahl

Schon während des Studiums war die Exkursionsdidaktik für mich ein interessantes Aufgabenfeld. Ich besuchte immer wieder Seminare, die sich mit diesem Thema beschäftigten. Dieses hatte mehrere Gründe:

Zum einen boten diese Seminare eine für meinen Berufswunsch Lehrer fach- nahe und schulnahe Ausbildung. Andere Seminare an der Universität konnten dieses nicht in vergleichbarer Form bieten, da dort vorwiegend auf wissen- schaftlich-theoretischer Ebene gearbeitet wurde und eben keine schulisch- didaktische Unterrichtsvorbereitung stattfand. Somit waren Lerninteresse und damit auch Lernerfolg bei exkursionsdidaktischen Veranstaltungen größer als bei anderen.

Dieses Interesse an Exkursionen, im Besonderen an Schülerexkursionen, trug ich dann auch über mein Studium hinaus mit in das Referendariat am Fürst- Johann-Moritz-Gymnasium Siegen. Ich musste jedoch schnell feststellen, dass es die Form der Schülerexkursionen, die in der Universität als modern und schülerorientiert vermittelt wurden, in der Unterrichtspraxis nur vereinzelt gibt. Ungeachtet der Empfehlungen in den Richtlinien für Schulwanderungen verlau- fen viele Exkursionen bzw. Wandertage nach dem gleichen veralteten Schema ab. Es wurden und werden zwar immer wieder Fahrten zu außerschulischen Standorten unternommen, jedoch sind diese in fast allen Fällen vom Lehrer oder Ausrichter organisierte Fahrten. Diese Fahrten stellen an den Schüler in den meisten Fällen keine besonderen Anforderungen, außer vielleicht der, pünktlich zur Abfahrt anwesend zu sein.

Dass nun gerade Münster das Ziel der Exkursion sein soll, hat rein pragmati- sche Gründe, auf die ich später nochmals genauer eingehen möchte (siehe 4.2.3).

3.3 Lehrerfunktionen

Dem Konzept der vom Verfasser entwickelten und durchgeführten Schülerex- kursion zur Stadtgeographie von Münster liegen verschiedene Lehrerfunktionen zugrunde.

3.3.1 Unterrichten

Zunächst hat der Lehrer bzw. die Lehrerin in diesem Fall die Funktion des Un- terrichtens. Es werden bei dieser Schülerexkursion grundlegende Kenntnisse der Stadtgeographie und der Exkursionsdidaktik vermittelt. Darüber hinaus werden den Schülerinnen und Schülern Fähigkeiten, Fertigkeiten und Methoden adressatengerecht nahe gebracht, mit denen sie lernen, Aufgabenstellungen und -inhalte didaktisch-methodisch zu differenzieren und zu reflektieren. So werden bei dieser Schülerexkursion nicht nur Inhalte der Stadtgeographie the- matisiert, sondern darüber hinaus werden diese direkt am konkreten Beispiel von Münster erarbeitet, gesichert und reflektiert. Dieses bietet wiederum die Möglichkeit, das Erlernte in Transferleistung auf andere Städte zu übertragen. Eine weitere Aufgabe des Lehrers unter der Lehrerfunktion „Unterrichten“ be- steht darin, dass er nicht so sehr die Rolle des „Belehrenden“ ausfüllt, sondern vielmehr der „Fokussierende“ ist. Denn wie die Erkenntnistheorie und auch die Lernpsychologie gezeigt haben, „ist das (selbständige) Entdecken neuartiger Phänomene nicht möglich, ohne dass bereits ein bestimmtes Vorwissen vor- handen ist“ (Birkenhauer 1995, S. 12). Dieses bedeutet: „Man ‚sieht’ nur das, wovon man bereits eine gewisse Ahnung hat.“ (Birkenhauer 1995, S. 12). Unter diesen Bedingungen ist es also unerlässlich, dass der Lehrer nicht nur an den Standorten fokussierend eingreift, sondern auch von vornherein eine Wissens- basis zur Thematik „Stadtgeographie“ vermittelt.

3.3.2 Organisieren

Die Lehrerfunktion „Organisieren“ spiegelt sich zum einen in der Planung und Entwicklung des Konzeptes wider und zum anderen in der Organisation des Exkursionstages selbst. Man kann also zwischen einem theoretischen und ei- nem praktischen Organisationsbereich unterscheiden. Mit der Organisation des Projektes trägt der Lehrer bzw. die Lehrerin aktiv zur Mitgestaltung von Schule bei.

Hierbei ist anzumerken, dass die Exkursion größtenteils durch die Schülerinnen und Schüler selbstständig und selbsttätig gestaltet werden soll. Hier ist es wichtig, gerade innerhalb der Lehrerfunktion „Organisieren“ zu differenzieren. Natürlich obliegt die Organisation und Verantwortung dem Lehrer bzw. der Lehrerin, jedoch sollten durchaus auch organisatorische Aufgaben den Schülerinnen und Schülern übertragen werden.

3.3.3 Erziehen

Wenn man den letzten Abschnitt zugrunde legt, überschneidet sich an dieser Stelle die Lehrerfunktion „Organisieren“ mit der Lehrerfunktion „Erziehen“, in- nerhalb der die Schülerinnen und Schüler in ihrer Entwicklung zu einer mündi- gen und sozial verantwortlichen Persönlichkeit gefördert werden. Eben durch die besonderen Aufgabenstellungen in Organisation und Eigenverantwortlich- keit wird gerade die Handlungskompetenz des einzelnen Schülers bzw. der Schülerin besonders gefördert. Auch Werte können mit dieser Exkursion vermit- telt werden, da etwa die ökologische Ausrichtung der Stadt Münster einen An- satzpunkt für Wertevermittlung in Bezug auf Umweltschutz und ökologisches Bewusstsein bietet.

3.3.4 Innovieren

In Bezug auf das Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium lässt sich darüber hinaus noch die Lehrerfunktion „Innovieren“ in diesem Konzept erkennen. Das Konzept soll den Grundstein legen für den Ausbau von Schülerexkursionen im Fach Erdkunde am Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium. Kollegen haben somit die Mög- lichkeit, auch weit über meine Referendarstätigkeit hinaus diese Arbeit und die sich daraus ergebenden Erkenntnisse als Ausgangspunkt für eine Schülerex- kursion heranzuziehen. Da ich im Rahmen dieser Arbeit das Konzept jedoch nur exemplarisch durchführen kann, könnte zudem eine Weiterentwicklung stattfinden, indem Kolleginnen und Kollegen in Zusammenarbeit mit Schülerin- nen und Schülern immer neue Exkursionsmodule hinzufügen bzw. die vorhan- denen Module aktualisieren. So würden diese fachlichen und unterrichtsorgani- satorischen Hilfestellungen im kollegialen Austausch stetig erweitert.

4 Entwicklung des Konzeptes unter Berücksichtigung pädagogischer und didaktischer Überlegungen

4.1 Pädagogische Überlegungen unter Einbezug der Richtli- nien und Lehrpläne des Landes NRW

Dem Ruf nach außerschulischen Lernorten und dem damit verbundenen Lernen vor Ort folgen immer mehr Didaktiker. Es gibt eine Vielzahl an Theorien, wie sich die Arbeit an solchen außerschulischen Lernorten und auf Exkursionen gestalten soll. Die Exkursion wird als wichtiger Bestandteil des Unterrichts angesehen. Leider sind an vielen Schulen die Lehrpläne so überfrachtet, dass kaum noch Zeit bleibt, um mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam eine Exkursion zu planen und durchzuführen.

4.1.1 Richtlinien für Exkursionen in NRW

In den Richtlinien des Landes NRW wird die Exkursion folgendermaßen beschrieben (Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen 1999, S. 30):

„ Das unmittelbare Lernen, die originale Begegnung, ist au ß erschulischer Unterricht, der in Form von [...] Exkursionen realisiert wird. [...] Die originale Begegnung [hat] das Ziel, die bewusste Wahrnehmung der ungefilterten Le- benswirklichkeitüber das registrierende und entdeckende Beobachten zu schulen. “

Dem Erlebnis der realen Wirklichkeit auf einer Exkursion werden darüber hin- aus noch unterschiedliche Funktionen im Lernprozess zugeordnet. Exkursionen sollen zur „Ermittlung von Fragen oder Hypothesen bzw. Überprüfung von Hypothesen anhand der Realität durch Informations- und Datenermittlung“ die- nen. Ebenfalls ist die „Förderung des selbstständigen zeitökonomischen Ler- nens und des kooperativen Lernens“ (Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen 1999, S. 30) eine wichtige Intention einer Exkursion. Darüber hinaus sollen noch unter- schiedliche Präsentationstechniken kennen gelernt und angewendet werden.

Eine Exkursion kann an verschiedenen Positionen innerhalb des Lernprozesses verortet sein. Sie kann als Einstieg in eine Unterrichtsreihe genutzt werden, in- dem die reale Begegnung mit Sachverhalten Fragen aufwerfen und somit zu einer Problemformulierung sowie einer Hypothesenbildung führen kann. In den meisten Fällen wird eine Exkursion dazu genutzt, durch die originale Be- gegnung Informationen zu sammeln, die dazu dienen, zuvor formulierte Prob- lemstellungen und Hypothesen zu belegen oder zu widerlegen. In diesem Fall ist diese Exkursion in der Mitte einer Unterrichtsreihe zu positionieren. Auch am Ende einer Unterrichtsreihe kann eine Exkursion durchgeführt werden, die dann der Sicherung der erarbeiteten Unterrichtsinhalte dient. In den Richtlinien wird noch darauf hingewiesen, dass „die selbstständige In- formationsbeschaffung über die originale Begegnung [...] hohen Transferwert für die zielgerichtete und zeitökonomische Erarbeitung einer Problemstellung auf der Grundlage von Darstellungs- und Arbeitsmitteln“ (Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein- Westfalen 1999, S. 31) habe. Darüber hinaus wird darauf verwiesen, dass das kooperative Lernen gefördert werde, da oft arbeitsteilig vorgegangen werde und jeder Einzelne bereit sein müsse, sich einer Gemeinschaft unterzuordnen und seine Ergebnisse allen zur Verfügung zu stellen. Man muss einander zuarbeiten und nicht gegeneinander arbeiten, um zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen. Somit erzieht die originale Begegnung zu Kooperation und Teamfä- higkeit. Wann und wie eine Exkursion stattfinden soll, ist nicht in den Richtlinien verankert, jedoch wird das unmittelbare Lernen vor Ort gefordert.

4.1.2 Lehrplan des Faches Erdkunde für NRW

Die Durchführung einer Exkursion wird nicht nur in den Richtlinien gefordert, sondern ist auch im Lehrplan für Erdkunde der Sekundarstufe II verankert. Für einen Leistungskurs ist die Planung, Durchführung und Auswertung einer Ex- kursion vorgeschrieben. Für einen Grundkurs gehört eine Exkursion in den frei gestaltbaren Bereich und obliegt somit keinem Zwang. Jedoch bietet die Exkur- sion an sich mehrere Möglichkeiten, obligatorische Lerninhalte zu vereinen, wie zum Beispiel selbstständiges und kooperatives Lernen, Medienkompetenz, problemgerechte Kommunikation und Präsentation von Arbeitsergebnissen.

In Bezug auf das Thema dieser Arbeit lässt sich die Exkursion laut Lehrplan in das Inhaltsfeld III einordnen: „Raumstrukturen und raumwirksame Prozesse im Spannungsfeld von Aktionen und Konflikten sozialer Gruppen, Staaten und Kulturgemeinschaften.“ In diesem Inhaltsfeld lässt sich die Exkursion dem thematischen Baustein c zuordnen: „Siedlungsentwicklung in Abhängigkeit von soziokulturellen und politischen Leitbildern.“

Die Thematik dieser Arbeit berührt durchaus auch andere Bausteine oder sogar ein anderes Inhaltsfeld und es bleibt abzuwarten, ob die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler nicht auch unbewusst beim Erarbeiten eines Exkursionskonzeptes in andere Bausteine umschwenken. Hier soll den Schülerinnen und Schülern bewusst Raum gelassen werden, ihren Interessen nachzugehen. Dieses soll unbewusst geschehen, weshalb weder die Inhaltsfelder noch die einzelnen Bausteine des Lehrplanes im Vorfeld erläutert werden.

Da Probleme und Prozesse von urbanen Räumen als Thematik in der Jahr- gangsstufe 12 im Lehrplan verankert sind, geht das Thema der Exkursion eben- falls konform mit der Unterrichtspraxis der von mir ausgewählten Lerngruppe. Somit leistet die Exkursion zusätzlich noch einen Beitrag zur Vorbereitung auf das Abitur.

4.1.3 Weitere pädagogische Überlegungen

Wie aus den zugrunde gelegten Richtlinien und Lehrplänen hervorgeht, ist das Projekt innerhalb der Jahrgangsstufe 12 anzusiedeln. Am Fürst-Johann-Moritz- Gymnasium haben sich im Schuljahr 2008/09 im Fach Erdkunde 14 Schülerin- nen und Schüler für einen Grundkurs und 28 Schülerinnen und Schüler für ei- nen Leistungskurs entschieden. Für das Projekt wählte ich den Grundkurs Erd- kunde.

[...]

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
„Münster – Kreative Stadt der Zukunft?“ Eine modularisierte Exkursion für den Erdkundegrundkurs der Jahrgangsstufe 12
Hochschule
Studienseminar für Lehrämter an Schulen in Siegen
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
41
Katalognummer
V305293
ISBN (eBook)
9783668033641
ISBN (Buch)
9783668033658
Dateigröße
1925 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exkursion, Schülerexkursion, Stadtgeographie, Münster, Stadt der Zukunft, nachhaltige Stadtentwicklung, Gymnasium, Erdkunde
Arbeit zitieren
Kai Kramer (Autor), 2008, „Münster – Kreative Stadt der Zukunft?“ Eine modularisierte Exkursion für den Erdkundegrundkurs der Jahrgangsstufe 12, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305293

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