Frauen auf Kreuzzügen. Motive und Tätigkeitsfelder


Hausarbeit, 2014

16 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Kreuzzugsteilnehmerin

3. Motive und äußere Einflussfaktoren

4. Funktionen und Tätigkeitsfelder
4.1. Versorgung und Verpflegung, Arbeiten im Gefolge
4.2. Aktive Beteiligung von Frauen am Kampfgeschehen
4.3. Unterstützung bei Kampfhandlungen
4.4. Schlecht beleumdete Frauen - sexuelle Dienste

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn man an die Kreuzzüge im Mittelalter denkt, so stellt man sich zunächst große Heere von kämpfenden Männern und Ritter auf Pferden vor, Frauen finden in diesen Vorstellungen vorerst keinen Platz.

Die Teilnahme von Frauen an Kreuzzügen kann aber durch einige Quellen belegt werden. Seit dem ersten großen Kreuzzugsaufruf von Papst Urban II im Jahre 1095 in Clermont hat es offenbar immer wieder Kreuzfahrtteilnehmerinnen aus allen Schichten gegeben. Ihre Beweggründe und ihre Tätigkeitsfelder sahen dementsprechend unterschiedlich aus. Die Untersuchung ihrer Motive und Betätigungen wird in der vorliegenden Hausarbeit auf die ersten beiden großen Kreuzzüge eingegrenzt, da wesentliche Forschungsarbeiten zu weiblichen Kreuzfahrern sich vorwiegend auf diese Zeit beziehen. Aus demselben Grund werde ich mich auf Kreuzfahrerinnen aus Europa beschränken.

Die Anzahl bisheriger Forschungsarbeiten zu diesem Thema ist begrenzt. Ich werde mich in meiner Hausarbeit hauptsächlich auf eine Monographie von Sabine Geldsetzer (Frauen auf Kreuzzügen) und eine wissenschaftliche Arbeit von Sonja Kaupp (Frauen auf Kreuzzügen – Rolle, Funktionen, Gefahren) beziehen. Aus beiden geht hervor, dass Frauen in der historischen Überlieferung von Kreuzfahrten wenig Beachtung finden, und dass bezüglich weiblicher Beteiligung bei vielen historischen Quellen der Wahrheitsgehalt zweifelhaft ist.

Wo in dieser Hausarbeit von Quellen die Rede ist, sind die von Geldsetzer und Kaupp verwendeten historischen Belege gemeint.

Über die Zahl weiblicher Kreuzzugsteilnehmerinnen finden sich keine Angaben, auch nicht bezogen auf einzelne Kreuzfahrten. Dass kann entweder daran liegen, dass die Tätigkeiten der Frauen zu alltäglich waren, um sie zu aufzuführen oder daran, dass die Chronisten sie absichtlich wenn überhaupt beiläufig erwähnten, um die Kriegstaten der männlichen Kreuzfahrer in den Vordergrund zu stellen.

In den Quellen gibt es hauptsächlich Hinweise auf Frauen des höheren Adels beziehungsweise aus den sozialen Eliten. Frauen aus den unteren Schichten wurden wenn überhaupt nur beiläufig erwähnt und bleiben anonym. Es geht jedoch zweifelsfrei aus den Quellen hervor, dass Frauen aus allen Schichten in den Kreuzzügen vertreten waren, sei es die soziale Elite, die ritterliche Schicht oder die Unterschicht. Außerdem waren auch Nonnen vertreten, sowie Frauen die im Gefolge der Höhergestellten ihre

Dienste leisteten.[1]

Ich werde in dieser Hausarbeit zunächst erläutern, wie eine Kreuzzugsteilnehmerin in damaliger Zeit zu definieren ist und werde dann im nächsten Teil ihre Motive und auch äußere Einflussfaktoren hinsichtlich einer Teilnahme analysieren. Anschließend werde ich ihre Funktionen und Tätigkeitsfelder während der Kreuzfahrten untersuchen.

2. Definition Kreuzzugsteilnehmerin

Eine genaue Definition von weiblichen Kreuzfahrern erscheint in Hinblick auf den Mangel an Quellen schwierig und spezifische Eigenschaften einer Kreuzfahrerin nicht genau rekonstruierbar.

Sabine Geldsetzer unterteilt Frauen hinsichtlich ihrer Beteiligung an Kreuzzügen in vier

Gruppen, dies soll hier der Übersichtlichkeit wegen aufgegriffen werden.

Die erste Gruppe, die unterschieden werden kann, sind Frauen im Umfeld der Kreuzzüge, also Frauen, deren Leben direkt oder indirekt von den Kreuzfahrten beeinflusst wurde. Eine erkennbare Absicht selbst an den Kreuzzügen teilzunehmen, fehlt bei ihnen jedoch. Das Leben dieser Frauen konnte dabei auf unterschiedlichste Weise beeinflusst werden. Die Kreuzzüge waren damals allgegenwärtig und sie konnten den Aufrufen gelauscht haben, ohne sich dafür zu entscheiden, selbst ein Kreuzzugsgelübde abzulegen. Auch Frauen, die dazu beigetragen haben, die Kreuzfahrten von Verwandten zu finanzieren, lassen sich dieser Gruppe zuordnen. Kreuzfahrten bedeuteten damals eine sehr hohe finanzielle Belastung und manchmal verkauften Familien ihr gesamtes Besitztum, um beispielsweise die Teilnahme eines

Sohnes zu finanzieren.[2] Ein Leben in vollständiger Armut konnte dabei die Folge sein.

Wenn ein Ehemann oder ein Verwandter verstarb, konnte das für eine daheim gebliebene Frau den sozialen Abstieg bedeuten, es konnten sich aber auch neue Perspektiven eröffnen, wie beispielsweise eine Handlungsvollmacht durch den Tod des Ehemannes oder eventuell eine günstige Wiederverheiratung.[3]

Die nächste Gruppe, die Geldsetzer unterscheidet, benennt die Frauen, die ein

Kreuzzugsgelübde abgelegt haben und somit potentielle Teilnehmerinnen waren, bei denen eine Realisierung dieser Absicht jedoch ausblieb. Diese traten die Kreuzfahrt entweder nicht an, oder eine eindeutige Teilnahme geht aus der Quellenlage nicht hervor.

Die dritte Gruppe hat für diese Hausarbeit die größte Bedeutung, sie beinhaltet Kreuzzugsteilnehmerinnen im engeren Sinne, also Frauen, die nach Quellennachweis „[…] ihre Heimatregion in Europa verlassen hatten, um sich einem der großen, von den Päpsten autorisierten Kreuzzüge anzuschließen […]“.[4]

Dabei kann es sich entweder um die Teilnahme an einer der vielen kleineren oder der großen Unternehmungen handeln. Auch eine zweite Teilnahme einiger Frauen ist nicht auszuschließen. Um eindeutig dieser Gruppe anzugehören, muss eine Frau zur damaligen Zeit nachweislich zu einem Kreuzzug aufgebrochen sein, oder sich in einem der Kreuzzugslager aufgehalten haben. Außerdem muss eine zeitliche Übereinstimmung ihres Aufbruchsdatums mit einer der großen oder kleineren Kreuzzugsunternehmungen des 11. bis 13. Jahrhunderts vorliegen und ihre Herkunft muss zweifelsfrei Europa sein.[5]

Die letzte Gruppe, in die bei der Definition von weiblichen Kreuzzugteilnehmerinnen unterteilt werden kann, sind Frauen, die sich einer genauen Zuordnung entziehen. Dazu gehören Frauen, zu deren Kreuzfahrt Angaben fehlen oder deren Teilnahme durch Quellen nicht ganz eindeutig belegt wird. Beispielsweise muss eine Nennung in einem Kreuzzugstestament nicht automatisch eine Teilnahme bedeuten. Auch wenn eine Reise vom Datum her nicht mit den Daten der Kreuzzugsunternehmungen übereinstimmt, lässt das eher auf eine Pilgerfahrt, als auf eine Kreuzfahrt schließen. Außerdem erscheint es laut Geldsetzer oft schwierig, zwischen europäischen Teilnehmern und Teilnehmerinnen, Nahostreisenden zu Kreuzzugszeiten und einheimischen Christinnen in den Heerlagern zu unterscheiden.[6]

3. Motive und äußere Einflussfaktoren

Welche Motive bewegten einzelne Frauen zu einer Kreuzfahrt? In Hinblick auf die Beantwortung dieser Frage, muss ebenfalls auf die dürftige Quellenlage hingewiesen werden. Die damalige Berichterstattung bezieht sich, gleich um welches Geschlecht oder welche gesellschaftliche Schicht es sich handelt, vor allem auf konkrete Ereignisse und Handlungen. Gefühle, Gedanken und Erwartungen werden kaum thematisiert.[7]

Was diese betrifft, ist man auf Vermutungen angewiesen.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass eine Teilnahme wohl überwiegend religiös motiviert war, da Religion zu Zeiten des Mittelalters für die Menschen eine im Vergleich zu heute große Bedeutung hatte.[8] Darauf weisen auch die unzähligen Pilgerfahrten hin, die bereits vor den ersten kriegerischen Aufbrüchen in den Nahen Osten stattgefunden haben.

Ein mögliches Motiv für eine Frau im 11. bis 13. Jahrhundert, das Kreuz zu nehmen und in den Fernen Osten zu reisen, konnte eine dem entsprechende Familientradition gewesen sein. Laut Geldsetzer förderte Familientradition die Teilnahmebereitschaft. Diese konnte nicht nur in der eigenen Familie vorhanden sein, sondern auch durch Heiratsverbindungen begründet werden, als Einheirat in eine Familie mit Pilger- oder Kreuzzugstradition.[9]

Als Vorbilder können für Frauen Ahninnen, Großmütter und Mütter, sowie Tanten aber auch männliche Vorfahren in Frage kommen.

Für den Adel kann nachgewiesen werden, dass in Familien mit Kreuzzugstraditionen Frauen generationsübergreifend auf Kreuzfahrt gingen, was nicht dagegen spricht, „ […] dass vergleichbare Strukturen auch in weniger privilegierten Kreuzfahrerfamilien vorhanden waren.“[10]

Kriterien, wie die persönliche Bindung an ein Vorbild oder die Zeit, die seit der Teilnahme eines Vorfahren oder einer Vorfahrin vergangen war, hatten dabei wahrscheinlich auch einen Einfluss auf die Teilnahmebereitschaft.

Neben der Familientradition konnte die Teilnahme für eine Frau außerdem dynastisch motiviert sein. Dieser Teilnahmegrund bezieht sich aber hauptsächlich auf Frauen aus der adeligen Schicht.

Dieser Motivation folgend, nahmen Männer ihre Ehefrauen, wenn denen eine Erbschaft in Aussicht stand, als sogenanntes Faustpfand mit auf Kreuzfahrt. Das kann darin begründet sein, dass diese Männer selbst keine Aussicht auf Erbschaft besaßen, zum Beispiel, weil sie Zweitgeborene waren und kein eigenes Erbe antreten konnten. Indem sie ihre vermögende Ehefrau mit auf Kreuzreise nahmen, sollte verhindert werden, dass diese in der Zwischenzeit neu heiratete, sobald ihr Mann als verschollen galt. Nicht nur Teilhabe am Vermögen, sondern auch territoriale Sicherheit konnte dafür ausschlaggebend sein, denn die Männer wollten somit die Herrschaft über einen durch die Heirat erworbenen Landbesitz sichern.

[...]


[1] Vgl. Geldsetzer, Sabine. Frauen auf Kreuzzügen. 2003. S. 12

[2] Vgl. Geldsetzer. 2003. S. 22

[3] Vgl. Geldsetzer. 2003. S. 23

[4] Geldsetzer, Sabine. 2003. S. 32, Z. 21

[5] Vgl. Geldsetzer. 2003. S. 33

[6] Vgl. Geldsetzer. 2003. S. 29

[7] Vgl. Geldsetzer. 2003. S.45

[8] Vgl. Pernoud, Régine. Frauen zur Zeit der Kreuzzüge. 1995. S. 17

[9] Vgl. Geldsetzer. 2003. S. 47

[10] Geldsetzer. 2003. S. 48, Z. 41

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Frauen auf Kreuzzügen. Motive und Tätigkeitsfelder
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Veranstaltung
Die Kreuzzüge im kollektiven Gedächtnis des Westens und der islamischen Welt
Note
1,3
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V305337
ISBN (eBook)
9783668051133
ISBN (Buch)
9783668051140
Dateigröße
611 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kreuzzüge, Rolle der Frauen, Mittelalter, Kreuzfahrerinnen
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Frauen auf Kreuzzügen. Motive und Tätigkeitsfelder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305337

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